Die schön gelbe Frucht, die sich wegen ihrer Herbe roh nicht genießen ließ, die aber mit Honig eingekocht eine von ihnen als Delikatesse geschätzte, aromatisch duftende, feinschmeckende, mēlo- oder kydōnomḗli genannte süße Speise lieferte, haben die Griechen schon im Altertume sehr geschätzt. Die Hippokratiker bedienten sich ihrer als Arznei gegen Durchfall. Gleichwohl scheint Viktor Hehn im Irrtum zu sein, wenn er die goldenen Äpfel der griechischen Sage nicht als idealisierte Äpfel, sondern als Quitten auffaßt, was ihm dann andere kritiklos nachsprachen. Von den griechischen Kolonien Unteritaliens gelangte dann die Quitte auch zu den Römern, die aus dem griechischen mḗlon kydṓnion, d. h. kydonischer Apfel, malum cotoneum machten, ein Ausdruck, aus welchem dann später das althochdeutsche Kutina und schließlich das neuhochdeutsche Quitte hervorging, während die Früchte heute noch im Italienischen mela cotogna heißen. Der aus Spanien nach Rom gekommene Ackerbauschriftsteller Columella zählt drei Sorten Quitten (cydonium) auf, nämlich struthium, chrysomelinum und musteum, letzteres offenbar eine Mostquitte. Nach ihm kennt Plinius um 75 n. Chr. schon sechs Sorten, die nicht nur als Genuß-, sondern auch als Heilmittel verwendet wurden, nämlich eine goldgelbe, gefurchte, chrysomelum genannte, eine ausgezeichnet riechende weiße einheimische, eine ebenfalls geschätzte neapolitanische, eine strutheum genannte kleinere und noch wohlriechendere Spätsorte und eine musteum (d. h. Mostquitte) genannte Frühsorte. Unter ihnen sind sowohl Äpfel- als Birnenquitten zu verstehen, die schon Cato ums Jahr 150 v. Chr. unterschied. Zur letzten von ihm erwähnten Sorte bemerkt Plinius: „Die mulvianische Quitte ist dadurch entstanden, daß die gewöhnliche Quitte (cotoneum) auf strutheum gepfropft wurde. Sie ist die einzige Sorte, welche roh gegessen werden kann. Alle Quittensorten sieht man jetzt in den Empfangszimmern der Männer aufgestellt und vor die Bildsäulen der Nachtgottheiten gelegt. In den Zäunen wachsen auch kleine, wilde Quitten von vortrefflichem Geruch.“ Sein Zeitgenosse, der aus Kilikien gebürtige, in Rom tätige griechische Arzt Dioskurides meint: „Die Quitten bekommen dem Magen gut, sind gekocht milder als roh. Um Quittenwein zu machen, welcher kydonítēs und mēlítēs heißt, läßt man zerstoßene Quitten 30 Tage lang in Most und seiht diesen dann durch. Um mēlomḗli, auch kydōnomḗli genannt, zu bekommen, legt man Quitten, denen die Kerne genommen sind, in Honig. Um dem Olivenöl den angenehmen Geruch der Quitten zu geben, legt man Quitten so lange hinein, bis der Zweck erreicht ist.“

Schon der Grieche Theophrast im 4. vorchristlichen Jahrhundert wußte, daß „wie aus den Samen der Kulturbirne (ápios) die elende wilde Birne (áchras) und aus dem Samen des edlen Apfels eine schlechte, saure Sorte gezogen werde, so zieht man aus der edlen Quitte (strúthion) die wilde Quitte (kydṓnion).“ Und Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. sagt, daß man die Quitten durch Pfropfen vermehre: „Die Quittenbäume (cydonius) lieben einen kühlen, feuchten Standort. Man pfropft am besten Quitten auf Quitten. Aber auf diesem Baume gedeihen auch Pfropfreiser von Granaten, Spierlingen und allen apfelähnlichen Früchten, welche sogar dadurch verbessert werden. Man hebt die geernteten reifen Quitten auf verschiedene Art auf, und will man sie in Honig legen, so zerschneidet man sie vorher mit einem Messer aus Rohr oder Elfenbein in vier Stücke.“

Mit den übrigen Obstarten brachten die Römer auch den Quittenbaum in die nördlichen Provinzen des Reichs, wo er sich auch nach dem Untergange der Römerherrschaft erhielt, so daß er im Inventare der Gärten Karls des Großen aus dem Jahre 812 als cotoniarius figuriert. Bei der heiligen Hildegard, Äbtissin von Rupertsberg bei Bingen (1098–1197), wird er als quotanus, beim Dominikaner Albertus Magnus, Graf von Bollstädt, einem der größten Gelehrten des Mittelalters (1193–1280), als coctanus oder citonius erwähnt. Da aber seine Früchte nur mit Honig oder später Zucker eingemacht genießbar sind, hat er beim Volke keine besonders große Bedeutung erlangt. In Italien werden übrigens noch jetzt wie zur Zeit des Plinius reife Quitten in den Zimmern aufgestellt, um diese mit deren angenehmem Duft zu erfüllen.

Durch die Vermittlung der Phönikier, die diesen Fruchtbaum überall in den von ihnen gegründeten Kolonien anpflanzten, erhielten die alten Griechen den Granatapfel (Punica granatum). Dieser ist in ganz Vorderasien, vom nordwestlichen Indien über Persien bis Kleinasien, zu Hause, erscheint im wilden Zustande stets strauchartig und besitzt nur kleine Früchte, die erst durch Kulturauslese zu Faustgröße gediehen. Durch seine feuerroten Blüten und seine rotwangigen, kernreichen Früchte mit säuerlichem Fruchtfleisch mußte er frühe schon die Aufmerksamkeit des Menschen auf sich ziehen, der ihn dann in seine Pflege nahm und ihn in Beziehungen zu seinem Hauptgotte, dem Sonnengotte, brachte. Als Kultpflanze spielte er im syrisch-phönikischen Gottesdienste eine wichtige Rolle und verbreitete sich über das Gebiet der Westsemiten, bei denen er rimmôn genannt wurde, als ahrmani nach Ägypten, wo wir ihm im neuen Reiche zuerst begegnen. Die älteste Erwähnung desselben finden wir an der Wand der Grabkammer des Schreibers Anna, der unter Thutmosis I. (1547–1501 v. Chr.) starb. Hier wird er unter den Bäumen des Totengartens erwähnt, unter denen der Geist des Verstorbenen wandelnd gedacht war. Da jener Fürst Thutmosis den ersten Feldzug nach Syrien unternahm, scheint die Granate als Folge desselben nach dem Niltale gekommen zu sein. Die älteste Darstellung des Granatbaums stammt aus der Zeit des erfolglosen Reformators der ägyptischen Staatsreligion Amenhotep IV. am Ende der 18. Dynastie (1375–1358 v. Chr.) in einem Grabe bei seiner damaligen Residenz, dem heutigen Teil el Amarna nördlich von Theben, während die ältesten Granatfrüchte unter den Totenbeigaben eines Grabes der 20. Dynastie zur Zeit Ramses IV. (1167–1148 v. Chr.) aus der Totenstadt von Theben gefunden wurden. Diese Granatäpfel sind kleiner und einfacher gebaut als die heutigen. Während nämlich letztere meist 6–8 Fruchtfächer besitzen, haben die ersteren deren nur 4–6. In späterer Zeit finden wir diesen Fruchtbaum auch auf Wandgemälden und seine Früchte unter den Opfergaben ziemlich häufig abgebildet. Aus seinen schön roten Blüten flocht man Girlanden, mit denen man die mumifizierten Toten schmückte, und aus seinem säuerlichen Fruchtfleisch stellte man eine Art Limonade her, die in den altägyptischen Texten als schedech-it erwähnt wird. Diese Frucht war so beliebt, daß sich die Juden auf ihrer Wüstenwanderung unter Moses, wie uns im Pentateuch berichtet wird, nach den Granatäpfeln und Weintrauben Ägyptens zurücksehnten. Und als sie sich ums Jahr 1250 v. Chr. Kanaan erobert und im Lande häuslich niedergelassen hatten, wandten sie den im Lande schon längst angebauten Granatbäumen große Sorgfalt zu; denn auch in ihrem Kulte spielte bald die Blüte und die Frucht des Granatbaums eine bedeutungsvolle Rolle. Ihre Priester mußten nämlich, wenn sie ins Heiligtum eintraten, ein Kleid anhaben, an dessen Saum Granatäpfel hingen. Auch der zu Beginn des letzten vorchristlichen Jahrtausends unter ungeheurem Aufwand an Geld gebaute salomonische Tempel barg in seinen zahlreichen Verzierungen häufig das Granatapfelmotiv, und speziell die Säulen trugen Kapitäle in Form von aufgeschichteten vergoldeten Granatäpfeln. Was die praktische Verwendung der säuerlichen bis süßen Früchte anbetrifft, so wurden sie auch bei den Juden außer als Speise in frischem Zustande zur Herstellung eines durstlöschenden Saftes verwendet. So gab es im alten Palästina eine Ortschaft Gath-rimmôn, was „Kelter des Granatapfels“ bedeutet. Bekannt ist ihre Rolle in dem um 800 v. Chr. entstandenen Hohen Liede, wo es in Kap. 6, 6 von der Geliebten heißt: „Deine Wangen sind wie ein Ritz am Granatapfel zwischen deinen Zöpfen“ und in Vers 10: „Ich ging hinab in den Nußgarten, zu schauen die Sträucher am Bach, nachzusehen, ob der Weinstock blühete, ob die Granatbäume grüneten,“ oder ebendort 4, 13: „Dein Gewächs ist wie ein Lustgarten von Granatbäumen mit edlen Früchten.“

Auch in ganz Vorderasien muß der Granatapfel und ein aus seinem sauersüßen Fruchtsafte hergestellter Trank beliebtes Genußmittel gewesen, was uns die Stelle von Herodot verrät, daß der Perserkönig Dareios I. (Sohn des Hystaspes, Großneffe des Kyros, der nach Kambyses kinderlosem Absterben und der Ermordung des falschen Smerdis 521 v. Chr. den Thron bestieg, bekanntlich 490 den Zug zur Unterjochung Griechenlands unternahm, die an dem Siege der Griechen unter Miltiades bei Marathon scheiterte, und 485 starb) diese Frucht nicht missen mochte.

Von Kleinasien aus, und zwar speziell aus Karien, kam der Granatapfel ebenfalls in Verbindung mit religiösen Anschauungen zu den Griechen, denen sein Kernreichtum ein Sinnbild der Fruchtbarkeit war, weshalb sie ihn den chthonischen Gottheiten Demeter (= Gḗ mḗtēr, d. h. Mutter Erde) und Persephone weihten. Schon zu homerischer Zeit scheint man den Granatbaum gekannt zu haben, da in der Odyssee neben Birn- und Apfelbäumen auch Granatbäume (jonisch roiḗ) in den Gärten des Alkinoos und Laertes erwähnt werden. Der berühmteste Arzt des Altertums, Hippokrates (460–364 v. Chr.), empfiehlt den Saft des Granatapfels, in Attika roá genannt, als Labetrunk für Kranke, besonders Fiebernde, und der Schüler des Aristoteles, Theophrast im 4. vorchristlichen Jahrhundert, schreibt, daß die Granatblüte auch gefüllt vorkomme, so daß sich ihre Masse wie bei einer gefüllten Rose ausbreitet. Über 400 Jahre später sagt Dioskurides: „Der Granatapfel (roá) schmeckt gut, ist gesund, gibt aber sehr wenig Nahrung.“

Da die Römer diese Frucht nicht nach dem Griechischen nannten, sondern als punischen Apfel (malum punicum) oder Granatapfel (malum granatum, woraus das italienische melogranato oder granato entstand) bezeichneten, muß die Bekanntschaft derselben durch die Punier, d. h. Karthager, vermittelt worden sein, doch werden sie den Baum selbst wohl zweifellos durch die Griechen Kampaniens erhalten haben. Noch Plinius sagt: „Bei Karthago wachsen die besten Granatäpfel; es gibt davon verschiedene Sorten. Ihr Genuß bekommt nicht sonderlich gut. Die einzelnen Teile des Baumes gebraucht man als Heilmittel.“ Und der ums Jahr 120 n. Chr. verstorbene witzige Epigrammdichter Martialis schrieb einem Freunde bei Zusendung eines Körbchens mit diesen Früchten: „Du erhältst keine kernlosen afrikanischen Granaten, sondern inländische Früchte aus meinem Garten.“ Trotzdem das Klima von Mittelitalien den Anbau des die Wärme liebenden Granatbaumes nicht gerade günstig war, wurde er hier gepflanzt; doch wurden die viel süßeren nordafrikanischen Sorten, die einst von den Phönikiern aus Syrien eingeführt worden waren, den ziemlich saueren einheimischen Sorten bei weitem vorgezogen. So besitzen wir noch ein Zeugnis aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts, worin Flavianus Myrmecius in einem kleinen Gedichte seinen Freund Rufus Festus Avienus bittet, er möchte ihm, wenn sein Schiff aus Afrika komme, einige dort gewachsene süße Granatäpfel senden. Sein eigener Garten trüge zwar auch solche, aber sie seien sauer und herb und nicht den nektargleichen Früchten zu vergleichen, wie sie die warme Sonne Afrikas hervorbringe.

Wie bei den Griechen, die ihnen den Granatbaum übermittelten, erhielt er auch bei den Römern eine gewisse sakrale Bedeutung. So trug nach altem römischen Opferritual die das Abbild der römischen Matrone aus der Urzeit darstellende Gattin des Oberpriesters auf dem Haupte einen Granatbaumzweig, dessen Enden mit einem weißen Wollfaden verknüpft waren, wie das Haupt ihres Mannes mit einem Ölzweig geschmückt war.

Die aus der karthagischen Zeit übernommenen Granatbaumanpflanzungen kultivierten die Römer in ihrer Provinz Afrika weiter und zogen eine sehr süße, blutrote, scheinbar kernlose, d. h. sehr weichkernige Sorte, die den Vandalen, die im Jahre 429 von Spanien aus unter Geiserich nach Nordafrika einfielen und 439 hier ein ausgedehntes Reich gründeten, besonders gemundet zu haben scheint. Auch die Araber ließen sich seine Kultur angelegen sein und brachten ihn, als sie nach dem Siege von Xeres de la Frontera 711 Südspanien besetzten, dahin. Hier wurde diese Frucht in der Folge viel gezogen und die im 10. Jahrhundert von den Mauren gegründete Stadt Granada erhielt von der Granate, deren Abbild dann auch ins Stadtwappen überging, ihren Namen. Sonst ist die arabische Bezeichnung der Frucht roma.

In den altbyzantinischen Geweben, die dann das Abendland nachahmte, spielt das Granatapfelmuster eine große Rolle. Gern pflanzte man dort wie im ganzen Abendlande den Strauch mit den hübschen Blüten in Kübel und stellte ihn zur Einfassung von Treppen und zur Verzierung von Altanen auf. Von dem spätgriechischen Namen der Blüte, balaústion — wohl auch einem orientalischen Fremdwort — hat sich das italienische balaustro und davon balaustrata gebildet, woraus unser Balustrade entstand. Vom säuerlichen, rotgefärbten Fruchtsafte stellt man die Grenadine her, jenen Sirup, der mit Wasser verdünnt auf sehr angenehme Weise den Durst löscht. Heute haben aber die Zitrone und die Orange dem Granatapfel den Platz geraubt, den er bei den Alten einnahm. Doch noch jetzt verknüpft das Volk in Griechenland, wo man die Pflanze häufig verwildert antrifft, mit der Frucht die Vorstellung reichen Segens und der unzählbaren Menge, und die feuerrote Blüte ist als Geschenk ein Zeichen feuriger Liebe. Im Mittelalter aber diente allgemein wie in Südeuropa, so auch bei uns eine Abkochung der Frucht als Fiebermittel, bis die Chinarinde im 16. Jahrhundert aufkam und dieses ältere Mittel verdrängte.