Auch die Mispel (Mespilus germanica) stammt aus dem Orient, und zwar ist sie in Nordpersien zu Hause. Dieser Baum, dessen wenig schmackhafte Früchte nur im überreifen, teigigen Zustande genießbar sind und sich im allgemeinen in unserer verwöhnten Zeit keines besonderen Ansehens erfreuen, kam frühzeitig nach Griechenland, wo er schon von dem ums Jahr 700 v. Chr. auf der Insel Paros lebenden Dichter Archilochos und später von Theophrastos aus Lesbos (390 bis 286 v. Chr.) unter dem Namen méspilon erwähnt wird. In Italien war er nach Plinius noch zur Zeit Catos, der im Jahre 149 v. Chr. starb, unbekannt, gelangte aber nach dem makedonischen Kriege aus Makedonien unter seinem griechischen Namen dahin. Plinius spricht mehrfach vom mespilus, und Palladius im 4. Jahrhundert nach Chr. sagt: „Die Mispeln gedeihen an warmen Orten gut, aber auch an kalten. Man zieht sie aus Stecklingen, welche im März oder November in gut bearbeiteten und gedüngten Boden eingesetzt werden. Der Baum wächst sehr langsam. Man pfropft die Mispel im Februar auf Mispel- oder Birn- oder Apfelstämmchen; dabei nimmt man das Reis von der Mitte des Stammes, denn von der Spitze genommen taugt es nichts. Immer muß in den Spalt gepfropft werden, denn beim Propfen in die Rinde gedeiht es nicht. Die Früchte nimmt man vom Baume, ehe sie eßbar sind, denn sie bleiben auch am Baume sehr lange hart. Man verwahrt sie in ausgepichten Töpfen oder hängt sie einzeln auf, oder legt sie in eingedickten Most; auch legt man sie so in Spreu, daß sie sich nicht berühren.“
Daß die Römer den Mispelbaum im südlichen Gallien bereits vorfanden, beweist, daß er vermutlich von der griechischen Kolonie Massalia aus in das Gebiet der Rhone gebracht wurde. Durch die Römer wurde er auch in ihren nordischen Militärstationen angesiedelt. Im Mittelalter wurde er in Frankreich und Deutschland so häufig angepflanzt, daß er heute vielerorts verwildert auftritt, so daß noch Carl von Linné, der ihm den Beinamen des „Deutschen“ gab, glaubte, er sei in Deutschland von jeher heimisch gewesen. Auch er gehört als mespilarius zu den Bäumen, die im Capitulare de villis und in zwei Garteninventaren aus der Zeit Karls des Großen aus dem Anfange des 9. Jahrhunderts vorgeschrieben werden.
Viel besser als die „deutsche Mispel“ schmeckt die seit kaum hundert Jahren in die Mittelmeerländer eingeführte japanische Mispel (Eriobotrya japonica), deren gelbe, angenehm säuerliche Früchte von den Franzosen kurz nèfles, d. h. Mispeln, genannt werden. Wer an der Riviera oder in Algerien gereist ist, dem sind die im ersten Frühjahre als erstes Obst reifenden Früchte, wie auch der dichtbelaubte Baum mit seinen großen, oben glänzenden und unten dicht wollfilzigen, lederartigen Blättern sehr wohl bekannt. Obschon wenig haltbar, gelangen die Früchte, seit wir durch gute Zugsverbindungen nach der Durchtunnelung der Alpen dem Süden gleichsam näher sind, immer häufiger zu uns und werden jetzt regelmäßig in den Früchtehandlungen zum Kaufe angeboten. Diesen Bürger Ostasiens brachte Sir Joseph Banks im Jahre 1778 aus Japan zuerst nach England, von wo er bald in die ihm mehr zusagenden, weil wärmeren Länder am Mittelmeer gelangte. Doch gedeiht er noch ganz gut an dem vor rauhen Winden geschützten Nordufer des Genfersees. Auch in Chile wurde er zu Beginn des vorigen Jahrhunderts eingeführt. Er hat sich dort so gut eingebürgert, daß seine Früchte in jenem Lande wie in den Mittelmeerländern zum gemeinsten Obste gehören.
Noch unschmackhafter als die faden Mispeln sind die gleichfalls erst, wenn sie durch längeres Hängen am Baume teigig geworden sind, genießbaren, mehligen Früchte des Spierlings (Sorbus domestica), der Kulturform der Eberesche (Sorbus aucuparia), die aber gleichwohl schon im Altertum gerne gegessen wurden. Die sie liefernden Bäume wurden schon von den alten Griechen und Römern kultiviert. Der griechische Pflanzenkenner Theophrast im 4. Jahrhundert v. Chr. beschreibt ausführlich den von ihm oía genannten Spierlingsbaum und sagt: „Manche Spierlingsbäume tragen runde, andere längliche Früchte, die sich auch durch den Geschmack unterscheiden; im ganzen sind die runden wohlriechender und süßer. Sie sind leicht dem Wurmstich ausgesetzt, wie auch die Bäume selbst, die am besten an kalten, feuchten Stellen gedeihen.“ Palladius im 4. Jahrhundert sagt. „Die Spierlingsbäume (sorbus) werden im April gepfropft, und zwar auf andere Spierlingsbäume, auf Quitten und auf Weißdorn. Man hebt die Früchte in irdenen, gut geschlossenen Gefäßen auf, die man an einem trockenen, sonnigen Orte in die Erde gräbt; auch zerschneidet man sie in Stücke und dörrt diese an der Sonne. Diese Schnitzchen kocht man dann, wenn sie gegessen werden sollen. Man hängt ferner die Früchte einzeln an einem schattigen, trockenen Orte auf, soll auch Wein und Essig aus ihnen gemacht werden.“ Nördlich der Alpen werden die Spierlingsbäume zuerst im Capitulare de villis Karls des Großen von 812 und im Entwurf des St. Galler Klostergartens vom Jahre 820 erwähnt. Seine im Hochsommer in großen Trauben reifenden scharlachroten bis gelben Beeren, die besonders von den Drosseln begierig gefressen werden, dienen, wie auch diejenigen des Elsenbeerbaumes (Sorbus torminalis), vielfach zur Herstellung eines würzig schmeckenden, starken Schnapses, der besonders gegen Durchfall getrunken wird. Der Baum, der sie liefert, ist ursprünglich in Südeuropa zu Hause und verdankt seine Überführung nach dem Norden ebenfalls den Römern. Im Mittelalter wurde er wie die Mispel häufig kultiviert. In Süddeutschland und Frankreich wird er noch jetzt vielfach als Obstbaum gezogen, doch hat hier seine Kultur nie größere Bedeutung erlangt, so wenig als diejenige des Weißdorns (Crataegus oxyacantha), dessen als Rotdorn bezeichnete rotblühende Form als prächtiger Baum überall gezüchtet wird. Seine roten, wenig fleischigen, als Mehlbeeren bezeichneten Früchte werden von den anspruchslosen Kindern gern gegessen. Bloß einige neuerdings bei uns eingeführte amerikanische Arten, wie Crataegus coccinea haben saftigere, auch von den Erwachsenen gern genossene Früchte von der Größe einer Kirsche, die auch wegen ihrer prächtigen, lebhaft roten Farbe ein Schmuck des Baumes sind. Immerhin ist dieser bei uns einheimische Strauch, der häufig in Wäldern der Gebirgsgegenden wild vorkommt, insofern für die Obstbaumzucht von Bedeutung, als er als Unterlage zum Aufpfropfen edler Birnensorten dient. Aber auch die leuchtend roten Scheinfrüchte der einheimischen wilden und verwilderten Rosen, die Hagebutten, bieten in ihrem fleischig gewordenen Blütenboden nach Entfernung der ihn innen bedeckenden kleinen, weichen Haare und der eingeschlossenen einsamigen, nußähnlichen Früchtchen mit Zucker gekocht ein durch seinen Wohlgeschmack ausgezeichnetes Fruchtmus, das, als „Buttenmost“ bezeichnet, geradezu einen Leckerbissen bildet, dessen einfache Abkunft man ihm gar nicht anmerken würde. Aber auch roh bilden sie, wenn ein Frost über sie gegangen ist und sie infolgedessen einen süßen Geschmack erlangt haben, eine noch heute von den Kindern gern gegessene Speise. Schon die Pfahlbauern müssen sie gesammelt und gegessen haben; denn man fand die Samenkerne der Hundsrose in größerer Menge in den spätneolithischen Pfahlbauten von Robenhausen und Moosseedorf.
Zur Pfahlbauzeit war man ja in bezug auf die pflanzliche Nahrung sehr wenig wählerisch, so hat man außer den Hagebutten auch die schwarzen Holunder- und Attichbeeren (von Sambucus nigra und S. ebulus), dann die Wasser- und Buchnüsse, die Mehl- und anderen Beeren wie Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Heidel- und Preißelbeeren, die Haselnüsse, Holzäpfel und Holzbirnen, Schlehen und Wildkirschen gesammelt und gegessen. Reste von der Kornelkirsche (Cornus mas) sind nicht unter jenem Wegwurfe gefunden worden, so daß der Strauch, der sich im Frühjahr über und über mit gelben Blüten bedeckt und später schön kirschrote, glänzende Steinfrüchte von pflaumenähnlicher Gestalt, nur bedeutend kleiner und von säuerlichem Geschmack, reifen läßt, damals noch nicht nördlich der Alpen vorkam. In den Pfahlbautenresten von Castione bei Parma in Oberitalien sind seine Fruchtsteine dagegen zahlreich gefunden worden. Im ganzen Altertum wurden seine Früchte gegessen. In der Ilias und Odyssee werden sie als kranía erwähnt, auch Theophrast spricht von ihnen. Da man im Altertume aus den geraden Stämmchen Lanzenschäfte machte, nennt der römische Dichter Vergil die Kornelle (cornus) gut zum Krieg. Plinius unterscheidet männliche und weibliche Sträucher und findet nur das Holz der ersteren zu Lanzenschäften geeignet, da es zu den härtesten Holzarten gehöre; das des weiblichen aber sei schwammig. Was für eine Pflanze er unter der letzteren Bezeichnung meint, läßt sich allerdings nicht sagen. Er sagt: „Die Kornelkirschen werden zur Speise gezogen und der griechische Arzt Dioskurides empfiehlt sie zum Einmachen.“ Wie solche Konserven bei den alten Römern hergestellt wurden, teilt uns sein Zeitgenosse Columella mit. Er sagt in seinem Buche über den Landbau: „Die Kornelkirschen, welche wie Oliven gegessen werden, die Nagelpflaumen (eine gewisse Sorte der Kulturpflaume), Haferpflaumen (auch Krieche von Prunus insititia, stammt wahrscheinlich aus dem Orient, ist dornig und einem Schlehenbaume ähnlich, trägt ebensolche, nur doppelt so große Früchte je nach den Kultursorten von dunkelblauer, rötlicher, gelber oder grüner Farbe und säuerlichem Fruchtfleisch, weshalb sie schon im Altertum in Südeuropa häufig angepflanzt wurde) und die verschiedenen Sorten von Birnen und Pflaumen werden in folgender Weise eingemacht. Man sammelt sie, wenn sie weder überreif, noch allzu unreif sind. Sie werden einen Tag lang im Schatten getrocknet und dann mit einer Mischung von gleichviel Essig und eingedicktem Most übergossen. Es ist auch etwas Salz beizufügen, damit keine Würmchen oder andere Tierchen in der Masse entstehen. Noch besser ist es übrigens ⅔ eingedickten Most und nur ⅓ Essig zu nehmen. Die Birnen sammelt man, wenn sie der Reife nahe sind, untersucht sie genau, ob sie keine Fehler oder Würmer haben, legt sie in einen irdenen, ausgepichten Topf, gießt aus halb eingetrockneten Trauben bereiteten Wein oder eingedickten Most darüber, so daß der Topf voll und jede Birne mit der Flüssigkeit bedeckt ist, verschließt den Topf mit einem Deckel und verstreicht den Ritz mit Gips. Übrigens können die Birnen wie die Äpfel auch in Honig aufbewahrt werden. Ich rate wenigstens so viele in Honig zu legen, daß sie für Fälle vorrätig sind, in denen sie Kranken nützlich sein können. Mit anders eingemachten darf man sie jedoch nicht mischen, sonst verdirbt eines das andere. Sonst werden Äpfel und Birnen von recht süßem Geschmack, die aber noch nicht ganz reif sein dürfen, mit einem aus Rohr oder Knochen verfertigten Messer zerschnitten und an die Sonne gelegt, bis sie eintrocknen. Hat man recht viel solcher gedörrter Äpfel- und Birnenschnitzchen in Vorrat, so sind sie nebst getrockneten Feigen ein sehr wichtiger Teil der ländlichen Nahrung für den Winter.“ In Rußland werden die Kornelkirschen viel gegessen und auch mit Zucker eingemacht. Auch bei den Türken bilden sie eine beliebte Speise und werden unter dem griechischen Namen krania überall auf den Straßen von Konstantinopel, Smyrna usw. von Händlern ausgeboten. Mit Wasser verdünnt bildet ihr Saft ein angenehmes, Scherbet (vom arabischen scharab für Trank) genanntes Getränk. Ebenso werden die süßen pflaumengroßen Früchte von Prunus ursina, eines bedornten baumartigen Strauchs Vorderasiens, der besonders am Antilibanon in Menge wild wächst, wie auch diejenigen des kleinen, ganz der Erde angepreßten Gebirgsstrauchs Prunus prostrata, sehr gerne gesammelt und gegessen.
Eine weit größere Rolle als diese doch recht bescheidenen, kaum kultivierten Früchte spielen die zu den Rosenblütlern gehörenden Kirschen und Pflaumen. Diese sind in den edlen Kultursorten erst in geschichtlicher Zeit nach Südeuropa und von da über die Alpen nach Norden gelangt. Die vorgeschichtlichen Europäer kannten als Steinobst einzig die herben, wenig schmackhaften Früchte der Vogelkirsche (Prunus avium), der Traubenkirsche (Prunus padus) und Schlehe (Prunus spinosa). Reste von ihnen sind in den neolithischen Pfahlbauten der Schweiz, Italiens und Österreichs und in den verschiedensten bronzezeitlichen Stationen Mitteleuropas gefunden worden. Auch die primitiveren Völker des Altertums sammelten sie noch, um sich ihrer als Speise zu bedienen. Bei manchen Volksstämmen erfreute sich die Traubenkirsche besonderer Beliebtheit. So berichtet uns der griechische Geschichtsschreiber Herodot (484 v. Chr. in Halikarnassos geboren und um 424 zu Thurii in Unteritalien gestorben) von den Argippäern, „plattnasigen Leuten mit langem Kinn, die nördlich von den Skythen am Fuße hoher Berge wohnen und eine eigene Sprache reden“, — man hat in ihnen wohl mit Recht die Vorfahren der heutigen Baschkiren am Südende des Uralgebirges vermutet — daß sie von den Früchten eines póntikon genannten feigenbaumgroßen Baumes leben, der saubohnengroße, kernhaltige Früchte besitzt. „Die Argippäer schlagen die reifen Früchte in Tücher, pressen eine dicke, schwarze Flüssigkeit heraus, welche aschy heißt. Diese genießen sie ohne Beimischung oder mit Milch. Aus den Trebern machen sie Kuchen, welche ihre Speise sind.“ Dieses von Herodot beschriebene Verfahren traf der deutsche Forscher Adolf Ermann, wie er in seiner Reisebeschreibung durch Sibirien berichtet, noch bei den heutigen Baschkiren, in deren Sprache sich merkwürdigerweise noch derselbe Name für den Traubenkirschsaft wie vor mehr als 2000 Jahren, nämlich atschui, findet. Daraus dürfen wir mit Recht schließen, daß Herodot unter dem póntikon den Traubenkirschbaum verstand.
Auch die Früchte der in ganz Mittel- und Südeuropa wildwachsend angetroffenen Schlehe (Prunus spinosa) wurden trotz ihres herben Geschmacks, der erst nachdem Frost auf sie eingewirkt hat etwas angenehmer säuerlich wird, von den unverwöhnten Gaumen der Menschen der Stein- und frühen Metallzeit gegessen und teilweise ein Mus daraus gemacht, wie uns der ältere Cato aus der ersten Hälfte des 2. vorchristlichen Jahrhunderts von den Römern berichtet. Noch die später heilig gesprochene Äbtissin Hildegard, Vorsteherin des Klosters Rupertsberg bei Bingen (1098–1197), führt die Schlehe unter den Obstbäumen ihrer Zeit an. Bis in die Neuzeit hinein war Schlehenmus eine auf dem Lande beliebte Zukost zu Brot, auch wurde daraus eine Art Schnaps gebrannt. In der Moldau-Wallachei werden die Schlehen roh gegessen und auch getrocknet für den Winter aufbewahrt. Mit Traubenmost zusammengestampft geben sie den roten, mandelartig schmeckenden Schlehenwein.
Die heutige Kulturform der Süßkirsche (Prunus avium) ist zweifellos im nördlichen Kleinasien von einer dortigen Art Vogelkirsche gezüchtet worden. Der römische Naturkundige Plinius der Ältere berichtet um die Mitte des 1. christlichen Jahrhunderts, daß die Kirsche ihren Namen kérasos von der gleichnamigen Stadt an der Südküste des Schwarzen Meeres zwischen Sinope und Trapezunt erhielt, die im Jahre 68 v. Chr. durch den römischen Feldherrn Lucius Licinius Lucullus zerstört wurde. Dieser durch seinen Tafelluxus und seine Schlemmerei sprichwörtlich gewordene vornehme Römer habe von dorther im Jahre 64 v. Chr. den Kirschbaum bei seinem Triumph in Rom aufgeführt und so nach Italien verpflanzt. Die Stelle in seiner Naturgeschichte lautet wörtlich folgendermaßen: „Ehe Lucius Lucullus den Mithridates besiegt hatte, wuchsen in Italien keine Kirschbäume (cerasus). Im Jahre 680 nach Roms Erbauung brachte er den ersten aus dem Pontusgebiet nach Italien, und er hat sich in weniger als 120 Jahren bis Britannien verbreitet.“ Merkwürdigerweise erwähnt aber der griechische Geschichtschreiber Plutarchos (50–120 n. Chr.) diese Tatsache in seinem „Leben des Lucullus“ mit keinem Wort. Jedenfalls hat es schon lange vor Lucullus kleine Süßkirschen in Italien gegeben, nur hat dieser Römer eine besonders edle Sorte aus dem von ihm verwalteten Kleinasien mitgebracht, wie auch Servius in einer Erläuterung zu Vergils Georgica zur Tat des Lucullus hinzufügt: „Übrigens wuchsen in Italien schon vor der Zeit des Lucullus Kirschen, aber harte.“ Jedenfalls müssen, wie schon aus der griechischen Benennung dieser Frucht hervorgeht, zu des Lucullus Zeit um die sinopische Kolonie Kerasos Edelkirschen von besonderer Güte kultiviert worden sein, denn zweifellos erhielt jene kleinasiatische Stadt ihren Namen von den in großer Zahl um sie herum angepflanzten Edelkirschbäumen und nicht umgekehrt die Kirsche ihren Namen von jener Stadt, wie die alten Autoren sagen. Übrigens sollen nach Koch die Bewohner der pontischen Gebirge noch heute die Süßkirsche mit dem Namen kirash bezeichnen. Derselbe Autor weist auch auf eine Mitteilung des griechischen Arztes Dioskurides aus der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. hin, wonach der pontische „Kerasia“-Baum Gummi ausschwitze, eine Erscheinung, die ausschließlich der Süßkirsche und niemals der Sauerkirsche zukommt. Dieser Kirschgummi soll nach den Angaben dieses griechischen Arztes „ein gutes Mittel gegen den Husten und überhaupt gesund sein“.
Auf kleinasiatischem Boden, am Idagebirge und bei Milet, scheint man veredelte Süßkirschen schon zur Zeit des Königs Lysimachos gekannt zu haben, der 361–281 v. Chr. lebte, nach dem Tode Alexanders des Großen als einer von dessen Feldherrn Thrakien zu einer selbständigen Satrapie erhob und sich 306 mit den übrigen Diadochen den Königstitel beilegte. Ja, schon Theophrastos und sein Zeitgenosse Diphilos von Siphnos aus dem Ende des 4. vorchristlichen Jahrhunderts beschreiben den Kirschbaum als einen in Griechenland bekannten und angebauten Fruchtbaum. Ersterer sagt, man erkenne den Baum schon von weitem, er sei im ganzen nicht sehr reich an Ästen, habe weiße, der Birnenblüte ähnliche Blüten und rote Früchte so groß wie Saubohnen. Er wachse mit Linden zusammen vorzüglich an Gewässern und schwitze einen Gummi aus. Daß Theophrast ihn so ausführlich beschreibt, beweist, daß er für die meisten seiner Landsleute noch etwas Neues war.