Bei dem regen Verkehr der Griechen untereinander konnte es nicht ausbleiben, daß der edle Süßkirschbaum früh in die griechischen Kolonien nach Sizilien und Unteritalien gelangte. Doch wurde er von hier erst verhältnismäßig spät an die Römer abgegeben. So nennt noch der ältere Cato, der im Jahre 149 v. Chr. gestorbene unversöhnliche Gegner Karthagos, in seinen Schriften über den Landbau die Kirsche als Kulturgewächs überhaupt nicht, und der im Jahre 27 v. Chr. gestorbene Varro, einer der gelehrtesten Männer Roms, gedenkt ihrer nur ein einziges Mal, indem er sagt, daß der Kirschbaum (cerasus) zur Zeit des kürzesten Tages gepfropft werde. Servius bezeugt, daß in Italien schon vor der im Jahre 64 v. Chr. erfolgten Heimkehr des Lucullus aus Kleinasien, wo er als Statthalter amtete, Kirschbäume gewachsen seien, aber nur solche mit kleinen, harten Früchten. Demnach scheint also der Feinschmecker Lucullus nur eine besonders großfrüchtige und wohlschmeckende Kulturform der Süßkirsche in Mittelitalien angesiedelt zu haben. Von hier aus verbreitete sich der Obstbaum durch die Vermittlung der Römer nach Norden, so daß er also nach Plinius schon 120 Jahre nach jener Kulturtat des reichen Lucullus bis nach Britannien vorgedrungen war. Derselbe Plinius sagt fernerhin: „Es werden verschiedene Sorten Kirschen gezogen, gute auch in Belgien und am Rhein. Kürzlich ist durch Pfropfen auf Lorbeer eine Sorte geschaffen worden, die laurea heißt, herb, aber nicht unangenehm schmeckt. Der Kirschbaum liebt einen kühlen Standort, seine Früchte reifen früh, man trocknet sie auch an der Sonne oder bewahrt sie wie Oliven in Fässern auf. In Ägypten ist es ihm zu warm, so daß dort der Kirschbaum selbst bei der größten Sorgfalt nicht gedeiht.“ Und der römische Ackerbauschriftsteller Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. schreibt: „Der Kirschbaum liebt einen kalten Standort, an einem warmen bleibt er klein, einen heißen erträgt er gar nicht. Er liebt Berge und Hügel. Junge wilde Kirschstämmchen versetzt man im Oktober oder November in den Garten und veredelt sie anfangs Januar. Man sät auch die Früchte und aus diesen kommen die Bäumchen äußerst schnell. Ich habe auch selbst erlebt, daß Kirschzweige, die ich als Stützen in Weingärten gesteckt hatte, schnell zu Bäumen heranwuchsen. Ich habe es am besten befunden, zwischen Rinde und Holz zu pfropfen. Man pfropft Kirschreiser auf Kirschbäume, Pflaumenbäume, Platanen; andere sagen auch, man könne sie auf Pappeln pfropfen. Der Kirschbaum steht gern einzeln, liebt das Behacken, verdirbt aber durch Mist. Martialis sagt, wenn man Kirschen (cerasum) ohne Kern habe wolle, so müsse man den Baum auf 2 Fuß zurückschneiden, dann bis zur Wurzel spalten, das Mark ganz herauskratzen, beide Teile zusammenbinden und die Wunde mit Mist verstreichen. Nach Jahresfrist ist die Wunde fest verwachsen. Nun wird der Stamm mit Reisern, die noch keine Frucht getragen, gepfropft, und diese tragen dann, wie Martialis versichert, kernlose Früchte. (Dies ist natürlich Unsinn!) Kirschen werden nur aufbewahrt, wenn sie an der Sonne getrocknet sind.“ Der römische Arzt Celsus meint: „Die Kirsche ist dem Magen gesund,“ und sein griechischer Kollege Dioskurides sagt: „Der Genuß frischer Kirschen (kerásion) hat andere Wirkung als der getrockneter.“

Als aus dem Pontusgebiet, einer Gebirgsgegend mit kalten Wintern stammend, fühlte sich dieser Fruchtbaum nördlich der Alpen offenbar besonders wohl und zeitigte hier besonders wohlschmeckende Früchte, die zudem den großen Vorzug besaßen, zu einer Zeit zu reifen, da die übrigen Obstarten noch im Rückstande waren. In dem gleichmäßig milden Italien hatte er eben diese für ihn günstigsten Verhältnisse nicht gefunden.

Jedenfalls haben sich unter den verschiedenen Kirschenarten, die von den römischen Schriftstellern der Kaiserzeit erwähnt werden, auch saure Sorten befunden; denn auf zwei Wandgemälden in Pompeji sollen nach dem Urteil gewiegter Kenner auch Darstellungen von Sauerkirschen abgebildet sein. Weiterhin hat man, was noch viel mehr besagen will, in dem Schachtbrunnen des befestigten Lagers der Saalburg bei Homburg vor der Höhe unzweideutige Kerne der Sauerkirsche gefunden. Der sie liefernde Baum, die Sauerkirsche (Prunus cerasus), dürfte in Transkaukasien, wo er heute noch wildwachsend angetroffen wird und wo auch die Süßkirsche besonders üppig gedeiht, heimisch sein. Er scheint eine Abart der Vogelkirsche von geringerer Größe und im Gegensatz zu jener, die unterseits behaarte Blätter besitzt, mit völlig kahlen Blättern zu sein, die auch viel leichter als jene Wurzelschößlinge treibt. Diese Sauerkirsche kam etwas später als die Süßkirsche zu den Griechen und Römern. Deren Einführung muß durchaus unbemerkt vor sich gegangen sein; wenigstens erfahren wir nichts darüber von den Schriftstellern des Altertums, die sonst alles Neue gewissenhaft anzuführen pflegen. Süße und sauere Arten haben wir uns jedenfalls auch unter den verschiedenerlei Sorten von Kirschbäumen (ceresarii) zu denken, die im Capitulare de villis Karls des Großen angeführt werden. Im Laufe des Mittelalters hat sich die Kirschenzucht in Mitteleuropa intensiv entwickelt und spielt heute für viele Gegenden eine bedeutende Rolle, indem die Früchte, soweit sie nicht frisch gegessen werden, zur Bereitung einer trefflichen Konfitüre und eines starken Schnapses, des Kirschwassers, in England cherry brandy geheißen, benutzt werden.

Mit der Frucht übernahmen die alten Deutschen auch die Bezeichnung der Römer dafür; denn das deutsche Wort Kirsche ist so gut wie das französische cerise und das englische cherry vom lateinischen cerasus abzuleiten. Zuerst hieß die Frucht Kerasbeere, dann Kersbeere, Kerschbeere und schließlich einfach Kersche oder Kirsche. Noch vielfach wird in Norddeutschland das aus dem Kersbeere entstandene Kesber oder Kesper dafür gebraucht. Die Bezeichnung Wissel dagegen, aus dem unser Weichsel wurde, scheint der alte vorrömische Name der Deutschen für die einheimische Vogelkirsche zu sein, der dann speziell auf die Sauerkirsche übertragen wurde. Die Felsenkirsche oder der echte Weichsel (Prunus mahaleb) mit kleinen, blauschwarzen, bitterlichen Früchten stammt aus Südosteuropa und dem Orient. Mahaleb ist die ursprüngliche arabische Bezeichnung des Gewächses, das erst im 16. Jahrhundert nach Westeuropa kam und namentlich in Frankreich rasch Verbreitung fand. Wegen des wahrscheinlich durch einen Gehalt an Kumarin hervorgebrachten Wohlgeruchs seines Holzes und namentlich seiner Rinde wird es zur Parfümierung von allerlei Spezereien gebraucht, besonders aber zur Herstellung von wohlriechenden Pfeifenrohren verwendet, indem namentlich im Elsaß und um Baden bei Wien die Kultur des Weichsels, dessen Stockausschläge benützt werden, im großen Maßstabe getrieben wird.

Dem deutschen Schlehe, althochdeutsch slêha, entspricht das slawische sliva in der Bedeutung von Pflaume, wie dem französischen crèque das deutsche Krieche und das niederdeutsche Kreke nachgebildet sind. Weit edler als die Schlehe ist die Pflaume, die bereits von den Griechen der älteren Zeit als Obst gekannt und geschätzt war unter der Bezeichnung kokkýmēlon (deren erste Hälfte wahrscheinlich ein orientalisches Wort ist und kaum Kuckuck bedeutet). In einer der Idyllen des aus Syrakus gebürtigen griechischen Dichters Theokrit, die ums Jahr 280 v. Chr. verfaßt wurde, wird die Ankunft der Geliebten so süß genannt wie der Frühling im Gegensatz zum Winter und die Pflaume im Gegensatz zur Schlehe (brábylon). Der Begründer der Botanik Theophrast im 4. vorchristlichen Jahrhundert spricht vom Pflaumenbaum und vom Gummi, der aus ihm quillt und vielfach ärztliche Verwendung fand. Neben der Bezeichnung kokkýmēlon kennt er auch den Namen prúmnon, unter welchem die Pflaume von den Griechen zu den Römern gelangte, welche daraus prunum machten. Der berühmte, 131 n. Chr. in Pergamon geborene und um 200 in Rom verstorbene griechische Arzt Claudius Galenos berichtet, daß die Frucht des Pflaumenbaums (kokkymḗlea) in Asien prúmnon heiße. Der Pflaumenbaum (Prunus insititia) wächst in Südeuropa und durch Kleinasien bis zum Kaspischen Meere wild und wurde, wie die Kulturschichten der neolithischen und bronzezeitlichen Pfahlbauniederlassungen der Schweiz, Oberitaliens und Österreichs beweisen, schon in früher vorgeschichtlicher Zeit durch die regen Handelsbeziehungen mit dem Süden in Mitteleuropa eingeführt, wo der Baum dann später, der menschlichen Aufsicht entwachsen, verwilderte. Die großfrüchtige Kulturpflaume aber ist gleich der Kirsche in den Ländern südlich vom Schwarzen Meer, in Armenien und Transkaukasien, aus der dort heimischen Wildpflaume gezüchtet worden, während die größere Zwetsche (Prunus domestica) im Kaukasus und nördlichen Persien heimisch ist. Die Kultur dieser Steinobstarten kam etwa im 5. vorchristlichen Jahrhundert und diejenige der Pflaume etwas später nach Syrien, wo sie besonders um die Stadt Damaskus in später als besonders wohlschmeckend gerühmten Arten kultiviert wurde. Das Wort Zwetsche soll nach Schmeller aus dem griechischen damáskenon entstellt sein, eine Deutung, die jedenfalls falsch ist. Zu Beginn des 3. vorchristlichen Jahrhunderts, d. h. nach Eröffnung des Orients durch Alexander den Großen, kamen diese Steinobstarten nach Griechenland und über die süditalischen griechischen Pflanzstädte etwa zu Anfang des 2. vorchristlichen Jahrhunderts unter dem griechischen Namen prúmnon zu den Römern. Der ältere Cato (234–149 v. Chr.) nennt in seiner Schrift über den Landbau den Pflaumenbaum nur einmal als einen in seiner römischen Heimat wenig bekannten Obstbaum. Plinius dagegen behauptet, daß alle Pflaumenarten erst nach Cato in Mittelitalien eingebürgert worden seien. Jedenfalls wurden sie erst im augusteischen Zeitalter in den Gärten der Römer häufiger gepflanzt, nachdem besonders die Krieche, d. h. die runde, schwarzbraune Pflaume und die gelbe Mirabelle durch die Kriegszüge des Pompejus in Westasien den Römern bekannt geworden waren. Sie schätzten diese Früchte so, daß sie nach Plinius schon in der zweiten Hälfte des 1. christlichen Jahrhunderts in den Gärten der vornehmen Römer in großer Menge und zahlreichen Spielarten gezogen wurden. Dieser Autor sagt in seiner Naturgeschichte: „Es gibt eine ungeheure Schar von Pflaumen, bunte, schwarze, weiße und solche, die man Gerstenpflaumen nennt, weil sie mit der Gerste reifen. Eine andere, ebenso gefärbte Sorte, welche später reift und größer wird, heißt Eselspflaume, weil sie sehr wohlfeil ist. Es gibt auch Pflaumen von Onyxfarbe, aber beliebter sind die wachsgelben und purpurroten, von den ausländischen die wegen ihres Wohlgeruchs geschätzte armenische (unter letzterer ist zweifellos die Aprikose verstanden).“ Die mit der Obstkultur vertrauten syrischen und kleinasiatischen Sklaven veredelten auch diese Frucht immer mehr und pfropften die edle Pflaume sogar auf den wilden Schlehdorn. So berichtet der Dichter Horaz (65–8 v. Chr.), daß bei seinem Landhause Pflaumen auf Dornen wüchsen, und Plinius meldet: „Merkwürdig sind die auf Walnußbäume gepfropften Pflaumen; sie sehen aus wie Nüsse, schmecken aber wie Pflaumen und heißen Nußpflaumen (nuciprunum). In Bätica (der nach dem Bätisflusse genannten, Südspanien umfassenden altrömischen Provinz) pfropft man Pflaumen auf Apfelbäume und auf Mandelbäume. Der Kern der letztgenannten ist wie ein Mandelkern. Als beste Art gilt die Damaszenerpflaume; dieses Erzeugnis Syriens, das seinen Namen von Damaskus hat, wächst auch seit langer Zeit in Italien, wo sie jedoch einen größeren Kern und weniger Fleisch hat, auch beim Trocknen keine Runzeln bekommt, weil ihr die heimische Sonne fehlt.“ Nach dem griechischen Arzt Claudios Galenos aus Pergamon (131–200 n. Chr.) ist die spanische Pflaume die beste nach der Damaszener, und Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. gibt an, daß die Pflaume im Januar am besten auf Pflaume gepfropft werde; man könne sie auch auf Pfirsich-, Mandel- und Apfelbäume pfropfen, aber die Früchte verlören dabei an Güte. „Die Pflaumen werden auf Hürden an der Sonne getrocknet, auch taucht man frisch gepflückte Pflaumen in siedendes Meer- oder Salzwasser und trocknet sie dann entweder in einem Backofen oder an der Sonne.“ Der erwähnte Galenos sagt: „Die Pflaumen (kokkýmēlon) werden fast alle bei der Reife süß, geben nicht viel Nahrung, können im Vorrat getrocknet werden.“ Dioskurides meint, daß die Pflaumen dem Magen nicht sehr gut bekommen, am besten noch die getrockneten Damaszener Pflaumen.

Gleich den übrigen Obstarten haben die Römer auch die Pflaumen und Zwetschen nördlich von den Alpen angesiedelt. Diese Einführung der dort vorher unbekannten Fruchtbäume nach dem Norden haben die Funde aus den Schachtbrunnen der Saalburg und aus einem spätrömischen Pfahlbau bei Fulda in Form von Steinkernen dieser Obstarten bestätigt. Wie aus dem griechischen prúmnon das prunum der Römer entstand, so ging aus dem Pluralis des Lateinischen pruna das althochdeutsche pfruma und aus diesem schließlich pflume, Pflaume hervor. Im Capitulare de villis Karls des Großen aus dem Jahre 812 werden prunarii diversi generis, d. h. Pflaumenbäume verschiedener Sorten erwähnt, worunter wohl nicht bloß Pflaumen-, sondern auch Zwetschenbäume in mehreren Spielarten zu verstehen sind.

Die großfrüchtige Zwetsche, die in Turkestan und im südlichen Altaigebirge ihre Heimat hat, kam erst mit den Turkvölkern nach dem Abendlande. Erst vor 400 Jahren wurde sie durch die massenhafte Einfuhr der getrockneten Früchte aus Ungarn und Mähren, wohin sie von der Türkei aus bald gelangte, bei uns bekannt. Auch die von der in Turkestan und Vorderasien heimischen und in Persien angebauten Kirschpflaume (Prunus cerasifera) stammende Mirabelle — die Myrobalane der älteren Botaniker — kam erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Mitteleuropa in Aufnahme. In Europa wird die großfrüchtige Türkenzwetsche seit längerer Zeit besonders an der unteren Donau im großen gezogen. Dort begegnet man, besonders in Bosnien, ganzen Wäldern von Zwetschenbäumen, deren Früchte im Herbst 4–6 Wochen hindurch die Hauptnahrung der Bevölkerung bilden und in gedörrtem Zustande massenhaft nach Europa und anderwärts ausgeführt werden. Von dem überreichen Ertrag wird auch ein beliebter Branntwein, Sliwowitza genannt (von sliva, verwandt mit Schlehe, Zwetsche), hergestellt, der in Unmengen im Lande selbst konsumiert und auch exportiert wird.

Im Laufe des Mittelalters ist in dem durch seine Obstbaumzucht hervorragenden Frankreich außer anderen saftigen, süßen Spielarten auch die Reineclaude hervorgegangen, die einer nicht festgestellten französischen Königin zu Ehren diesen Namen erhielt, wie heute noch neue Varietäten von Obst oder Blumen gerne nach vornehmen Damen genannt werden. Von Europa sind dann die verschiedenen Pflaumen- und Zwetschenarten nach Nordamerika eingeführt worden, wo sie sich rasch einbürgerten. Gleich allen anderen Obstarten werden sie besonders in Kalifornien im großen gezüchtet und in eisgekühlten Eisenbahnwagen überallhin durch die Vereinigten Staaten versandt, wo sie willige Abnehmer finden.

Edle Früchte hat der Mensch ferner in der armenischen Pflaume oder der Aprikose (Prunus armeniaca) und der persischen Pflaume oder dem Pfirsich (Prunus persica) — früher nach Linné Amygdalus persica, d. h. persische Mandel genannt — gewonnen. Beide Fruchtbäume stammen aus dem Innern Asiens noch jenseits des Kirschen- und Pflaumenlandes, und zwar die Aprikose aus dem östlichen Turkestan, der Dsungarei, der südlichen Mandschurei und Nordchina und der Pfirsich (chinesisch tao) aus Mittelchina, wo in den Gebirgen der Provinzen Schen-si und Kan-su eine als Prunus davidiana bezeichnete sehr nahestehende Art mit kleinen Früchten, die vielleicht die Stammpflanze des Kulturpfirsichs ist, heute noch wildwachsend angetroffen wird. Das Volk, das beide Fruchtarten zuerst in seine Pflege nahm, sind die Chinesen. Aus den Berichten in den chinesischen Annalen wissen wir, daß ihr Anbau in verschiedenen Varietäten bis ins 3. vorchristliche Jahrtausend zurückreicht. Nur sehr langsam verbreitete sich ihre Kultur west- und südwärts. Weder im Sanskrit noch im Hebräischen existiert ein Name für diese Früchte. Den Ägyptern wurden beide erst in der griechisch-römischen Periode bekannt.

Wie die Forschungen des Sinologen Bretschneider die bis dahin in Kleinasien gesuchte Heimat von Aprikose und Pfirsich nach Ostasien verlegten, so haben sie uns auch einen Einblick in die Wanderung dieser beiden Steinobstarten nach Westen verschafft. Wir wissen jetzt aus chinesischen Annalen, daß im Jahre 128 v. Chr. der kühne chinesische General Tschang-kiën bis zu den Ländern am Oxus und Jaxartes vordrang. Seit diesem denkwürdigen Zuge entspann sich zwischen den Chinesen und dem Volke der Ansi, in denen man mit großer Wahrscheinlichkeit die Parther vermutet, ein lebhafter Handelsverkehr, der das ganze letzte Jahrhundert v. Chr. andauerte. Dieser muß das Verbreitungsgebiet der beiden Obstsorten westwärts ausgedehnt haben. Und die Ansi ihrerseits besorgten den Austausch der aus China kommenden Waren mit den angrenzenden Distrikten Vorderasiens, mit Persien und Mesopotamien. Aus Persien gelangte dann der Pfirsichbaum und aus Armenien der Aprikosenbaum nach der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., als die römische Kaisermacht sich nach dem Untergange des Königs Mithridates im Jahre 63 Armeniens und bald darauf auch Persiens bemächtigte, zuerst nach dem Lande der Sieger, Italien. Hier nahmen nun die vorhin erwähnten syrischen Sklaven der vornehmen Römer diese beiden neuen Fruchtbäume in Pflege, und bald wurden sie auch nach Griechenland und in die übrigen Provinzen des römischen Reiches gebracht.