Stets werden die weiblichen Dattelpalmen in der Weise befruchtet, daß man in ihre Rispen Teile eines stäubenden männlichen Blütenstandes befestigt oder darüber schüttelt, damit der Pollen in reichen Mengen auf erstere hinunterfalle. In einem Fruchtstande gelangen meist über hundert Beeren zur Entwicklung, die dann im Herbste geerntet werden, doch nicht gleichzeitig. Man pflückt nämlich diejenigen, die als Vorrat aufbewahrt werden sollen, vor ihrer völligen Reife, um sie an der Sonne ausreifen, zugleich aber auch trocken und fest werden zu lassen. Die am Baume völlig reif gewordenen ißt man vorweg. Als Durchschnittsernte rechnet man auf einen Baum einen Jahresertrag von 50 kg, die an Ort und Stelle etwa drei Mark wert sind.
Endlich hat die Dattelpalme auch in der Kunst eine wichtige Rolle gespielt. Bei den alten Babyloniern gab ihr Stamm den Anlaß zur Entstehung der später aus Stein nachgebildeten runden Säule, während ihr Wipfel das in der babylonischen und assyrischen Kunst so beliebte Motiv der Palmette gab, welches dann die Griechen aus dem Orient übernahmen. In Ägypten dagegen wurden die Säulen aus Papyrus und Lotus nachgeahmt; dadurch entstand die kanelierte Säule, die die Griechen von dorther übernahmen und in ihrer dorischen und korinthischen Säule weiter bildeten. Da sie ihnen aber nüchtern vorkam, wurde sie mit den Blättern des im Mittelmeergebiet in mehreren Arten verbreiteten Acanthus gekrönt, wodurch das korinthische Kapitäl entstand. Die Voluten des ionischen Kapitäls dagegen sind wahrscheinlich den gewundenen Gehäusen der Tonnenschnecken (Dolium) nachgebildet. So hat die Dattelpalme den weitgehendsten Einfluß auf die allgemeine Kultur des in ihrem Bereiche lebenden Volkes ausgeübt.
Die im tropischen Afrika einheimische und namentlich an den Flußufern sehr verbreitete Ukindu- oder wilde Dattelpalme (Phoenix reclinata) liefert ungenießbare, holzigtrockene Früchte, doch werden die Fiedern der Blätter zu Flechtereien aller Art benutzt. Wichtiger als sie ist die indische Dattel-Zuckerpalme (Phoenix silvestris), die nur 9 bis 13 m hoch wird und eine dichte, halbkugelige Krone aus 3 bis 5 m langen Fiederblättern trägt. Sie wird in ihrer Heimat, besonders in Bengalen, seit unvordenklicher Zeit zur Gewinnung von Palmenzucker kultiviert. Ende Oktober entfernt man an ihr die unteren Blätter, die zum Flechten von Matten und Säcken für die Zuckerverpackung oder als Brennmaterial dienen, und macht einige Tage später an jener entblößten Stelle einen Einschnitt in den Stamm, in welchen man ein gespaltenes Bambusröhrchen einsetzt, das den aus der Wunde rieselnden süßen Saft in ein Gefäß leitet. Der Saft fließt besonders nachts, und zwar um so stärker, je kühler sie ist. Früh morgens geht der Eigentümer mit seinen Gehilfen von Baum zu Baum, um den Saft zu sammeln und sofort an Ort und Stelle zu einem gur genannten Sirup zu kochen. Dieser wird meist verkauft und von besonderen Zuckerkochern zu Palmenzucker eingedickt. Wenn der Saftfluß nach etwa acht Tagen erschöpft ist, so läßt man die Wunde zuheilen und versucht eine Woche später an einer anderen Stelle nach vorhergehendem Schälen des Stammes weiteren Saft zu gewinnen. Ein vollkräftiger Baum kann während der Erntezeit in 50 Nächten abgezapft werden und liefert 240 Sihr (= 100 Liter) süßen Saft, aus denen 24 Sihr (= 10 Liter) Sirup eingekocht wird. Die Bäume werden aus Samen auf gutgedüngtem Boden gezogen und werden nach Ablauf des fünften Lebensjahres zum erstenmal angezapft. Die erste Ernte beträgt nur die Hälfte des Ertrags eines vollkräftigen Baums. Durchschnittlich beträgt die Erntefähigkeit 40, unter besonders günstigen Verhältnissen 45 bis 50 Jahre.
Ganz außerordentliche Wichtigkeit kommt der Königin der Palmen, der Kokospalme (Cocos nucifera) zu, die überall in den Tropen in der Nähe der Küsten schon seit sehr langer Zeit eine geradezu unentbehrliche Nutzpflanze bildet. Da die übrigen 28 Arten der Palmengattung Cocos im Küstengebiet von Mittelamerika heimisch sind, muß auch sie, die man nirgends mehr wild findet, von dorther stammen, wie zuerst Martius vermutete. Sie hat sich teils durch den Menschen, der sie überall mit sich nahm, teils durch die Meeresströmungen über den ganzen Tropengürtel verbreitet. Als ausgeprägte Strandpflanze, von der man sagt, daß sie nur soweit gedeiht, als der Seewind sie erreicht, sind nämlich ihre mächtigen, undeutlich dreikantigen Früchte auf lange andauernden Transport durch die salzige Flut eingerichtet. Zu diesem Zwecke haben sie eine 2 Finger dicke, außerordentlich zähe und dauerhafte Faserhülle, die als Schwimmkörper dient; außerdem ist der Keimling in eine steinharte Schale eingeschlossen, welche auch nach allfälliger Auflösung der äußeren Faserhülle den zarten Keimling vor der schädlichen Einwirkung des scharfen Meerwassers abhält. Dieser Umstand erklärt es, weshalb die zierliche Palme, deren wehende Blätterkronen einen der schönsten und charakteristischen Züge der tropischen Landschaft bilden, sich auch ohne Zutun des Menschen als vielfach einzigen Vertreter der Baumvegetation auf allen Koralleninseln der Südsee angesiedelt hat.
Ursprünglich ist die Kokospflanze eine ausschließliche Küstenpflanze. Erst durch den Menschen wurde sie auch fern von der Küste angesiedelt. Da, wo sie ihre Wurzeln ins Grundwasser tauchen kann, das auch salzig sein darf, gedeiht sie nämlich auch fern von der Salzflut. So hat man sie neuerdings nicht bloß in Indien und auf Ceylon, sondern auch in Ostafrika bis 500 km vom Meere entfernt angesiedelt. Und sie kommt hier so gut als an der Küste fort. Sie wird gewöhnlich nur etwa 20 m hoch, kann aber gelegentlich 25 bis 30 m Höhe erreichen. Auf ihrem von den vorherrschenden Winden meist etwas gekrümmten, schlanken, geringelten Stamm von 30 bis 60 cm Durchmesser erhebt sich eine Krone von 10–12 bis 5 m langen, gefiederten Blättern, deren unterseits rinnenförmig ausgehöhlter Stiel am Grunde von einem zähen, braunen Geflecht umgeben ist. Aus den Achseln der untersten Blätter kommen die bis 1 m langen, zusammengedrückten Blütenscheiden hervor, welche lange, vielfach verzweigte Kolben mit gelben männlichen und grünen weiblichen Blüten umschließen. Aus letzteren gehen die 29 : 26 cm messenden, blaß aschgrauen bis rötlichen Früchte hervor, die fast ein Jahr zu ihrer Reife brauchen. Ein jeder Fruchtkolben, deren mehrere gleichzeitig am Baume zu sehen sind, trägt 10 bis 30 Nüsse. So reifen das Jahr über an einem Baume günstigenfalls bis 150 Nüsse; doch rechnet man durchschnittlich nur auf einen Jahresertrag von 60 bis 80 Nüssen per Baum in vier bis fünf Ernten. Die junge Nuß ist mit einer milchigen Flüssigkeit, der Kokosmilch, erfüllt, die einen süßlichen, etwas zusammenziehenden Geschmack besitzt und frisch ein angenehmes, kühlendes Getränk bildet. Bei der Reife verdichtet sich diese milchige Flüssigkeit in den äußeren Partien zu einem festen, weißen Kern, der neben Eiweißstoffen besonders reichlich Fett enthält. In der Höhlung dieses festen Teiles des Nährgewebes findet sich aber auch nach der Reife noch ein flüssiger Teil als Milch, welche später bei der Keimung zuerst zur Verwendung gelangt. Der kleine Keimling liegt im festen Nährgewebe unterhalb des Keimlochs des nicht fehlgeschlagenen Fruchtknotenfaches.
Tafel 23.
Dattelpalmen in Algier.
Dattelernte in einer nordafrikanischen Oase.