Seit dem Jahre 1876 werden in zunehmendem Maße auch Steinnüsse aus Polynesien unter der Bezeichnung Tahitinüsse bei uns eingeführt, die genau dieselben Eigenschaften wie die südamerikanischen besitzen, sich aber infolge ihrer ansehnlicheren Größe noch besser verwenden lassen. Wie sich später herausstellte, stammen sie nicht von den Tahiti- oder Gesellschaftsinseln, sondern von den weiter im Westen gelegenen Karolinen, Salomons- und Fidschiinseln von drei verschiedenen Arten der Palmengattung Coelococcus, die auf den genannten Inseln in größeren Beständen gedeihen und einen recht ansehnlichen Export herbeigeführt haben. Im Gegensatz zu den südamerikanischen Steinnüssen enthalten sie innerhalb der Steinzellen Kriställchen von oxalsaurem Kalk in der Öl- und Eiweißschicht eingebettet, bedürfen daher zu ihrer Bearbeitung eines besonders gehärteten Stahls. Sie dienen ebenfalls vorzugsweise der Knopffabrikation; jährlich werden etwa 13 Millionen kg derselben gegenüber 38 Millionen kg südamerikanischer Steinnüsse über Hamburg eingeführt.
Von großer Bedeutung für sämtliche Südasiaten und Indonesier ist die ursprünglich in Südasien heimische Arekapalme (Areca catechu), die wegen ihrer diesen Menschen als Genußmittel unentbehrlichen Nüsse in den Tropen daselbst häufig angepflanzt wird. Es ist dies eine wunderbar zierliche Palme von 10–20 m Höhe mit dünnem, kerzengeradem, weißem Stamm und einer Krone von dunkelgrünen Fiederblättern, deren einzelne Fiedern etwas nach aufwärts gebogen sind, und leicht vom Winde bewegt werden, so daß die bilderreiche indische Dichtung diese Palme mit einem von der Gottheit in die Erde geschossenen Pfeile vergleicht, dessen Kielfedern noch vom Fluge erzittern. Viele Europäer bezeichnen sie als die anmutigste aller asiatischen Palmen, ja manche als die schönste der Palmen überhaupt. Das Wichtigste und Wertvollste an ihr sind die an einem nahezu 0,5 m langen Kolben erzeugten, im reifen Zustande orangefarbenen Früchte von der Größe kleiner Hühnereier, die unter einer glatten Außenhaut eine dicke, faserige Mittelschicht und unter dieser eine gelbliche, dünne Schale besitzen, an welcher der Same fest angewachsen ist. Letzterer ist sehr hart und enthält ein weißes, von fast bis zum Zentrum eindringenden schwarzen Platten durchzogenes Nährgewebe, das sehr reich an einem Katechu genannten Gerbstoff ist, der als solcher daraus gewonnen und in großen Mengen ausgeführt wird. Noch viel wichtiger aber ist ihr Gebrauch als Genußmittel der Eingeborenen. Die Nuß ist nämlich ein wesentlicher Bestandteil des „Betels“, der in ganz Süd- und Ostasien mit Leidenschaft von jedermann gekaut wird. Man wickelt zu diesem Zwecke ein Stückchen derselben in das Blatt des Betelpfeffers (Piper betel) ein, fügt etwas gelöschten Kalk, dann Gambir und eventuell Gewürze wie beispielsweise Kardamomen hinzu und kaut dies wie die Arbeiter und Matrosen bei uns den Priemchentabak. Durch den Reiz dieses Gemisches werden große Mengen eines roten Speichels ausgeschieden, der Zahnfleisch und Zähne rot färbt und jene Betelkauer zu Virtuosen des Spuckens gemacht hat, die darin höchstens durch die gumkauenden Yankees übertroffen werden.
Die Arekapalme gedeiht sowohl in Meereshöhe, wo sie häufig im Verein mit der Kokospalme gezüchtet wird, als auch in größeren Erhebungen, wenn auch selten über 1000 m über Meer. Sie ist seit unvordenklicher Zeit über ganz Südasien verbreitet und, da sie im wilden Zustande nicht mehr vorzukommen scheint, ist es unmöglich, mit absoluter Sicherheit ihre engere Heimat festzustellen. Doch kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, daß dies die Sundainseln sind. Zur Gewinnung der ihnen geradezu unentbehrlichen Arekanüsse wird sie von den Eingeborenen jeweilen in nur wenigen Exemplaren um ihre Wohnungen gepflanzt. Die Früchte fallen erst nach der Vollreife von den Fruchtzapfen ab. Unter besonders günstigen Umständen beträgt die Jahresproduktion einer Palme 800 Früchte, doch können durchschnittlich nicht mehr als 250–300 angenommen werden. Die Tragbarkeit beginnt im fünften und endet gewöhnlich im dreißigsten Jahre. Ausgedehnte Arekapalmenplantagen gibt es auf Ceylon, das außer seinem eigenen großen Verbrauch etwa 13 Millionen kg davon jährlich ausführt, dann besonders in Nordindien und auf der Halbinsel Malakka. Neuerdings wird sie auch auf den Philippinen, in Neuguinea, ganz Indonesien und Ostafrika für den Export angepflanzt; denn für mehrere hundert Millionen Menschen ist ihr Genuß zum Kauen ein geradezu unentbehrliches Reizmittel, dem sie so wenig als die Gewohnheitsraucher dem Tabak entsagen würden.
Die Betelnüsse werden gepflückt, bevor sie vollständig reif sind, in dem Zustande nämlich, in welchem die unter der faserigen Hülle liegende Schale noch nicht ganz verhärtet ist. Für die Beurteilung ihrer Güte ist die Größe durchaus nicht maßgebend, sondern nur das Aussehen des aufgeschnittenen Kerns. Wenn der weiche, markige Teil, der den härteren roten Teil durchsetzt, eine bläuliche Schattierung besitzt und der rote, gerbstoffhaltige Teil tiefrot ist, wird die Nuß für erste Qualität erklärt. Wenn aber der markige Teil weiß ist und zu sehr vorherrscht, was der Fall ist, wenn sie zu reif geworden ist, so besitzt sie dann nicht mehr den gewünschten, stark zusammenziehenden Geschmack und wird daher als geringwertig betrachtet. Meist werden die Nüsse, nachdem sie von ihrer faserigen Hülle befreit wurden, mit einem scharfen Messer halbiert und an der Sonne getrocknet. Manchmal werden die Halbstücke vor dem Trocknen gekocht. Am geschätztesten ist der Artikel, wenn er in folgender Weise hergestellt wurde. Die — also unreif — geernteten Nüsse werden enthülst und in wenig Wasser gekocht. Dabei entsteht eine rote, dicke, gallertige Brühe, die eingedampft und getrocknet wird. Sie dient zum Einreiben der Nüsse, nachdem dieselben in Stücke geschnitten und an der Sonne getrocknet wurden. Die Stücke werden dadurch glänzend schwarz und in dieser Zubereitung als eine Delikatesse ersten Ranges betrachtet. Auch ungeschnitten werden die Nüsse zuweilen getrocknet, im übrigen aber nach demselben Verfahren behandelt. Der Verbrauch an den Produktionsorten der Nüsse geschieht häufig ohne jede Zubereitung oder nach einem kurzen Einweichen in heißem Wasser.
Die Kultur der Betelpalme erfolgt wie diejenige der Kokospalme. Oft werden beide Palmen durcheinander auf demselben Grundstücke angebaut. Die frischen Nüsse von bester Beschaffenheit werden in Saatbeeten in Abständen von 20–30 cm zum Keimen gebracht. Wenn sie 1–1½ Jahre alt sind, werden sie in der Hauptregenzeit auf ein Feld 3 m auseinander ausgepflanzt, in welchem vorher Bananenstauden als Schattenspender wachsen gelassen wurden. Später ist den Arekapalmen die volle Sonnenbestrahlung sehr dienlich und man pflanzt sie sogar häufig als Schattenspender für Kakao, Betelpfeffer und andere Nutzpflanzen. Wenn auch ihre Krone voll der Sonne ausgesetzt sein soll, so liebt sie doch einen Boden, der durch Beschattung frisch und kühl erhalten wird. In Anbaugebieten dieser Palme mit langen Trockenzeiten ist eine mehrmalige gründliche Bewässerung der Arekaanpflanzung während der Trockenzeit nötig.
Als Nahrungspflanze sehr wichtig für die Bewohner der Molukken und von Neuguinea sind die verschiedenen ostindischen Sagopalmen, die im Innern des Stammes eine große Menge Stärkemehl als Reservevorrat aufspeichern, um am Ende ihres Lebens den mächtigen Blütenstand aufzubauen und die Früchte reifen zu lassen. Die wichtigste derselben ist die gesellig wachsende, 8–12 m Höhe bei einem Durchmesser von 0,6–1,5 m erreichende echte Sagopalme (Metroxylon rumphii, nach dem 1627 in Hanau geborenen und 1702 gestorbenen Rumphius benannt, der lange auf der Insel Amboina lebte und diese Palme zuerst beschrieb). Sie treibt im Alter von 10–12, ausnahmsweise auch 15 Jahren, schwachrötliche Blüten in großer Menge an einer gewaltigen, die Palme überragenden, endständigen, vielfach verzweigten Blütenrispe. Je mehr die Früchte ihrer Reife entgegengehen, desto mehr schwindet natürlich das Stärkemehl aus dem Stammkern, da es ja zur Fruchtbildung verwandt wird. Sobald die pflaumengroßen, von einem gelbbraunen, glänzenden Schuppenpanzer umgebenen trockenen Früchte reif sind, ist der Stärkevorrat erschöpft, doch lebt der Baum noch einige Jahre weiter und stirbt im 20. bis spätestens 25. Lebensjahre.
Ganz ähnlich verhält es sich mit der ihr nahe verwandten Metroxylon sagus, die im Gegensatz zu der vorgenannten keine Dornen an den den Blattstiel umgebenden Blattscheiden trägt. Diese unbewehrte Sagopalme, wie man sie im Gegensatz zur vorgenannten dornigen nennen könnte, birgt weniger und geringwertigeres Stärkemehl. Während erstere mehr auf den Molukken und in Neuguinea wächst und neuerdings auch, seitdem eine größere Nachfrage nach Sago vorhanden ist, anderwärts angepflanzt wird, wird die dornige Sagopalme mehr im westlichen Teil des malaiischen Archipels, namentlich auf Borneo, Sumatra und Java, wild und kultiviert angetroffen und liefert weitaus den größten Teil des von Singapur aus in den Welthandel gelangenden Sagos.
Kurz bevor nun die Sagopalmen zu blühen beginnen, werden sie etwa im 9. oder 10. Jahre zur Gewinnung des in ihnen in reicher Menge angesammelten körnigen Stärkemehls gefällt und in 2–3 m lange Blöcke zersägt, die sich leicht aufspalten lassen. Der dadurch freigelegte, ziemlich feste Kern wird in großen Schollen losgebrochen und diese werden in einem Troge zu grobem Mehl zerstampft. Dieses Mehl wird nun zur Ausscheidung der Fasern mit Wasser vermischt und durch ein Sieb in einen andern Trog gegossen. Nachdem sich das Stärkemehl auf dem Boden niedergeschlagen hat und das Wasser abgelassen wurde, wird es in den ersten Trog zurückgeschaufelt, mit Wasser vermischt und nochmals durch das Sieb getrieben. Dieses Verfahren wird ein drittes und manchmal noch ein viertes Mal wiederholt. Dann ist die Reinigung vollzogen und das Stärkemehl für den Gebrauch für die Eingeborenen fertig, die sich fladenartige, dünne Brote daraus herstellen und sie als Zukost zu ihren Fischen oder anderer tierischer Kost essen.
Zur Herstellung des Sagos — das Wort stammt aus dem Malaiischen und heißt eigentlich sagu, was „eßbares Mehl“ ohne nähere Bezeichnung der Herkunft bedeutet — wird das sich nach dem Schlämmen absetzende Mehl, wenn halb getrocknet, zerstoßen und durch ruckweises Hin- und Herschütteln in einem Tuche, das an zwei von der Decke des Schuppens, in dem die Zubereitung stattfindet, herabhängenden Seilen befestigt ist, zu kleinen, als „Perlen“ bezeichneten Kügelchen geformt. Die diese Arbeit verrichtenden Leute müssen besonders geschickt sein, da von der Art des Schüttelns die Größe der Sagokügelchen abhängt. Diese werden dann durch Siebe mit verschiedenen Maschen gesondert, in heißen Schalen unter beständigem Rühren schwach geröstet und dann, auf großen Öfen ausgebreitet, bei mäßiger Hitze vollständig getrocknet. Der Sagoertrag eines einzelnen Baumes schwankt je nach der Gründlichkeit der Gewinnung — meist ist sie eine sehr oberflächliche — zwischen 200 und 350 kg. Die Gesamtmenge des jährlich von Singapur aus in den Handel gebrachten Sagos wird auf 50 Millionen kg berechnet. Noch weit mehr konsumieren die Eingeborenen, die zum großen Teil davon leben.
Die Sagopalme wird besonders in sumpfigen Talgründen, den Wasserläufen entlang, angepflanzt. Eine kräftige Sagopalme erzeugt 300–400 kg Stärkemehl. Dabei erneuert sich die Anlage von selbst, indem man von jedem Baum, nachdem er gefällt ist, einen Schößling treiben läßt, der seine Stelle einnimmt. Dieser ist meist nach 8 bis 10 Jahren schlagreif und verlangt keinerlei Pflege. Die ersten Sagoproben brachte der weitgereiste Venezianer Marco Polo (1256–1323) 1295 nach Venedig. Aber erst durch die Portugiesen kam die Ware seit dem 16. Jahrhundert in den Handel. Da man aber in neuerer Zeit fand, daß Sago nur ein reines Stärkemehl ist, so bereitet man aus dem Stärkemehl der Kartoffel deutschen Sago, der denselben Nährwert besitzt. Jetzt wird die Sagopalme außer in ihrer Heimat noch an vielen Orten der Tropen, besonders auch in Westindien, kultiviert. In derselben Weise werden auch verschiedene Verwandte des echten Sagobaumes ausgebeutet. Ein minderwertiges, nicht in den Handel gelangendes Sago gewinnt man übrigens auch aus dem Marke der kürzeren, plumpen Stämme verschiedener Farnpalmen, deren einfach gefiederte, große, lederartige Blätter an Stelle der eigentlichen Palmenwedel unter dem Namen Palmenzweige bei Leichenfeierlichkeiten verwendet werden.