Eine der berühmtesten Palmen ist die 20–25 m hohe fächerblättrige ostindische Talipotpalme (Corypha umbraculifera), die in den feuchtesten Strichen Ceylons und des Festlandes wächst und zur leichteren Wasserverdunstung gewaltige Blätter von 7–8 m Länge und 5–6 m Breite entwickelt. Unter einem solchen Blatte können zehn Personen mit Leichtigkeit Platz und Schutz finden. So ist es nicht zu verwundern, daß die Eingeborenen sich aus ihr sehr zweckmäßige Sonnen- und Regenschirme herstellen, die sich die Vornehmen unter ihnen, besonders die Häuptlinge, von ihren Dienern über den Kopf halten lassen. Auch zum Decken der Häuser werden sie benutzt, während die Blattknospen als Palmkohl gegessen werden und man aus dem Stamm eine geringe Sorte Sago gewinnt. Jahrzehnte hindurch sammelt diese Palme das nötige Nährmaterial, um am Ende ihres Lebens den außerordentlich mächtigen, Tausende von weißen Blüten tragenden, reich verzweigten Blütenstand hervorzubringen und dann, nach der Fruchtbildung, abzusterben. Auf die in Längsstreifen gespaltenen Blätter ritzen die Inder und Singhalesen mit eisernen Griffeln ihre Schrift ein. Alle heiligen Schriften der Buddhisten Ceylons bestehen aus solchem Schreibmaterial, das zu Büchern aufeinandergelegt und durch Schnüre zusammengefaßt wird. Die Blattfasern dienen zu Stricken usw. Das weiche Holz des Stammes wird kaum benutzt, dagegen dient das innere Mark besonders in Zeiten der Not zur Gewinnung von Sago. Ähnlich, nur noch vielseitiger, ist die Verwendung der nahe verwandten Gebangpalme (Corypha gebanga) der Sundainseln. Eine andere Verwandte, die ebenfalls in Vorder- und Hinterindien heimische Kitulpalme (Caryota urens) liefert namentlich Fasern und durch Ausschneiden der sich zum Auftrieb bereitenden Blütenstände einen süßen Saft in solcher Menge — bis über 50 Liter in 24 Stunden —, daß nicht nur Palmwein, sondern durch Eindampfen auch bräunlicher Palmzucker (tschakara) daraus gewonnen wird.
Zur Palmweingewinnung von etwas geringerer Güte dient auch eine andere Fächerpalme, die überall im feuchtwarmen Gebiete des tropischen Afrika als Delebpalme und in Südasien und der asiatischen Inselwelt in einer wenig verschiedenen Abart als Palmyrapalme (Borassus flabellifer) gedeiht. Die stattliche, durchschnittlich 20 m Höhe erreichende Palme ist in ihrer afrikanischen Abart dadurch ausgezeichnet, daß der Stamm in seinem oberen Teile bauchig angeschwollen ist, was bei der südasiatischen Form durchaus fehlt, indem der Stamm der letzteren durchwegs zylindrisch ist und sich nach oben hin etwas verjüngt. Sie ist wie die meisten Palmen von der größten Nützlichkeit für die Eingeborenen, die alles an ihr benutzen. Neben der Kokospalme ist sie, die von den Malaien lontar genannt wird und durch die ganze indonesische Inselwelt bis Neuguinea vorkommt, die Hauptnutzpalme besonders Ostindiens, und ein uraltes indisches Lobgedicht auf sie zählt nicht weniger als 801 Nutzanwendungen von ihr auf. Sie ist für Ostindien deshalb so bedeutsam, weil sie dem Menschen gerade dann einen bedeutenden Teil seiner Nahrung liefert, wenn Reis und andere Lebensmittel hoch im Preise stehen, die Produkte der Palmyrapalme aber billig sind, da sie umsonst aus den Wäldern gewonnen werden können. Sie wird auch eigens zur Nahrung kultiviert und die jungen Keime werden als wohlschmeckendes Gemüse (Palmkohl) gern gegessen. Aus dem Marke gewinnt man Sago. Die kokosnußähnlichen Früchte von der Größe eines Kinderkopfes dienen Menschen und Vieh zur Nahrung. Sie werden roh und geröstet gegessen und sind für Millionen Inder eine Hauptnahrung.
Durch das Abschneiden der noch von den Scheiden umgebenen jungen Kolben der männlichen Bäume wird der Toddy genannte Palmwein gewonnen. Man beginnt von der Spitze her von diesen Kolben dünne Scheiben abzuschneiden; dabei tritt ungefähr acht Tage nach dem ersten Schnitt das Ausfließen des Saftes ein, welches so lange anhält, bis der ganze Kolben weggeschnitten ist, was vier bis sechs Monate dauert. Man kann daraus entnehmen, welche große Mengen süßen Palmsaftes auf diese Weise gewonnen werden. Durch Einkochen desselben und Behandeln mit Kalk wird brauner Palmzucker, von den Eingeborenen tschakara genannt, hergestellt.
Tafel 29.
Blühende Talipotpalme auf Ceylon.
Tafel 30.
Junge Seychellenpalme im botanischen Garten von Buitenzorg auf Java.