Sehr nahe mit dem Hanf verwandt ist der Hopfen (Humulus lupulus), dessen Fruchtzapfen außer Harz und einem ätherischen Öl, ein von Griesmayer zuerst Lupulin, später aber, um Verwechslungen zu vermeiden, Humulin genanntes Alkaloid von narkotischer, krampfstillender Wirkung enthalten. Deshalb dienen sie außer in der Bierbrauerei auch in der Medizin, seitdem sie 1813 der französische Apotheker Planche als Heilmittel empfahl. 1821 destillierten dann Payen und Chevalier zuerst das ätherische Hopfenöl. Später kam dann von Amerika her die Bezeichnung Lupulin für die Fruchtzapfen der allein kultivierten weiblichen Pflanze auf. Die Droge wird nur von in Kultur stehenden Pflanzen gesammelt und gut getrocknet, vor Licht und Luft geschützt aufbewahrt, hält sich aber auch so nicht über ein Jahr in voller Wirkung.

Mit dem Oleander und dem westafrikanischen Strophantus zu den Apocynazeen oder Hundsgiftgewächsen gehörig ist der kanadische Hanf (Apocynum cannabinum), dessen Wurzel seit langer Zeit von den Indianern als Medikament verwendet wurde. Von ihnen lernten die Weißen in Nordamerika sie kennen. Das neuerdings aus den Vereinigten Staaten in größerer Menge besonders nach Rußland importierte, daraus hergestellte Fluidextrakt enthält das nach Art der Digitalis auf das Herz wirkende Glykosid Apocynin. Das Mittel verdient auch bei uns öfter zur Anwendung zu gelangen, da ihm eine sehr gute Wirkung auf das erkrankte Herz nachgerühmt wird.

Ebenfalls schon lange von den Indianern Nordamerikas medizinisch, besonders als Wundmittel, benutzt wurde die nach ihrer Ähnlichkeit mit unserer Haselnuß von den Weißen als Zauberhasel bezeichnete Hamamelis von Virginien (Hamamelis virginiana). Dieser bis 7 m hohe Strauch ist ein Hauptbestandteil der Wälder der atlantischen Staaten der nordamerikanischen Union, der besonders viel zur bunten herbstlichen Verfärbung der Wälder beiträgt. Seine holzige Kapseln darstellenden Früchte öffnen sich mit solcher Gewalt, daß die Samen bis 4 m weit fortgeschleudert werden. Das alkoholische Fluidextrakt aus der Rinde enthält neben einem glykosidischen Gerbstoff und Fett etwa 8 Prozent Hamamelitannin und wird als tonisches und adstringierendes Mittel gegen Diarrhöen und Blutungen angewandt. Auch äußerlich wird dieses Hazeline genannte Präparat als blutstillendes Mittel und gegen Hämorrhoiden gegeben, daneben das aus der Hamamelis gewonnene Fett zu der höchst angenehmen Hazelinecrême verarbeitet.

Als Tonikum und Sedativum des Uterus bei habituellem Abort ist auch bei uns seit etwa 40 Jahren das aus Nordamerika eingeführte Fluidextrakt der Rinde des amerikanischen Schneeballenbaums (Viburnum prunifolium) im Gebrauch. Es ist dies ein in den östlichen und mittleren südlichen Staaten der Union bis zum Mississippi, aber auch in Kanada, wenn auch dort kleiner an Wuchs, heimischer 3–5 m hoher Strauch oder Baum, der neuerdings auch bei uns als Zierstrauch gepflanzt wird. Das flüssige Extrakt der Wurzel-, Stamm- und Zweigrinden enthält neben verschiedenen Pflanzensäuren und Gerbsäure ein bitterschmeckendes, gelbbraunes Harz, welch letzteres in derselben Beschaffenheit auch in unserem einheimischen Schneeball (Viburnum opulus) enthalten ist, weshalb dessen Rinde in derselben Weise arzneilich verwendet wird.

Ein im südlichen Teile der brasilianischen Provinz Bahia häufiger Baum mit violetten Blüten aus der Familie der Schmetterlingsblütler ist der Ararobabaum (Andira araroba), der in kleineren und größeren Hohlräumen des 1–2 m dicken Stammes eine zerreibliche, fast erdige, gelbbräunliche, stark abfärbende Masse ausscheidet, deren Anwendung als Heilmittel die in Brasilien eingewanderten Portugiesen von den Indianern kennen lernten. Von dort brachten sie die Droge nach ihrer ostindischen Besitzung Goa, wo sie hauptsächlich gegen parasitäre Hautkrankheiten Anwendung fand. Dort lernte Kemp im Jahre 1864 das Mittel kennen und machte in der Folge die europäischen Ärzte darauf aufmerksam. Da stellte Silva Lima 1875 fest, daß die araroba der brasilianischen Eingeborenen, die, weil von Bahia aus verschifft, als Polvo de Bahia in den Handel gelangte, mit dem Polvo de Goa aus Ostindien identisch sei, und fast gleichzeitig wies Attfield Chrysophansäure in derselben nach. 1878 erkannten Liebermann und Seidler als Hauptbestandteil der Droge (nämlich 90 Prozent) das Chrysarobin, das sich bei Gegenwart von Luft und Alkalien zu Chrysophansäure oxydiert; daneben sind noch 10 Prozent in Benzol lösliche harzartige Substanzen darin enthalten. 1879 beschrieb Aguiar die Stammpflanze als Andira araroba. Das gelbbraune Ararobapulver wird aus ihr in der Weise gewonnen, daß man die Bäume fällt, ihren Holzkörper in Blöcke zersägt, spaltet und die mit der gesuchten Masse gefüllten Hohlräume auskratzt. Die rohe Ware gelangt seit 1875 aus Brasilien direkt, statt wie früher aus Bahia über Goa, in den europäischen Handel und wird in Europa von den darin enthaltenen Holzsplittern und Rindenteilen gereinigt. Besonders zur Behandlung der Psoriasis genannten Schuppenflechte hat sich das daraus gewonnene Chrysarobin als außerordentlich nützlich erwiesen.

Neuerdings kommen aus Mittelchile die Früchte des Bóldo (Boldoa fragrans) als besonders gegen Leber- und Gallensteinleiden empfohlenes Mittel nach Europa. Es ist dies ein immergrüner, stark duftender, dicht belaubter kleiner Baum oder Strauch, der ziemlich häufig wild angetroffen und nicht kultiviert wird.

In mannigfaltigster Weise wird innerlich und äußerlich in der Medizin das Terpentinöl verwendet, das von verschiedenen Fichtenarten gewonnen wird. Beim Verwunden der Stämme derselben fließt eine gelblichweiße, honigdicke, klebende, Terpentin genannte balsamartige Masse aus, aus der dann durch Destillation mittels Wasserdämpfen das neben wenig Harzen und Pflanzensäuren hauptsächlich Pinen, Dipenten und polymere Terpene enthaltende ätherische Terpentinöl gewonnen wird. Von Bedeutung für den Handel sind nur die nordamerikanischen, aus Pinus australis (teilweise aber auch aus der Hemlockfichte, Tsuga canadensis) gewonnenen, etwas nach Kolophonium riechenden Terpentinöle und das noch bessere, von der Strandfichte Pinus pinaster gewonnene, nach Wacholder riechende französische Terpentinöl. An dritter Stelle kommt die Produktion Rußlands, die, wie die französische, zum größten Teil im Lande selbst Verwendung findet. Die Produktion der Vereinigten Staaten Nordamerikas beträgt jährlich nicht weniger als 470000 Fässer zu 50 Gallonen (etwa 150 kg) = 70 Millionen kg Öl im Werte von 32 Millionen Mark, die mehr als zur Hälfte über Savannah, den bedeutendsten Handelsplatz Georgias exportiert werden. Die bedeutendsten europäischen Märkte dafür sind London, Hamburg und Antwerpen.

Schon im klassischen Altertum war aus dem Harz verschiedener Fichten gewonnenes ätherisches Öl meist unter dem Namen Zedernöl in technischem und arzneilichem Gebrauch, während man unter Terpentinöl (terebínthinon élaion), wie uns der um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. lebende griechische Arzt Dioskurides berichtet, das aus den Früchten der in den Mittelmeerländern heimischen Terebinthe oder Terpentinpistazie (Pistacia therebinthus) — griechisch terébinthos — gepreßte, später auch durch Einschnitte in den Stamm des betreffenden Baumes gewonnene ätherische Öl verstand. Auch in China und Japan hat auf Grund der frühen und hohen Entwicklung der Lackindustrie die Gewinnung destillierter Koniferenöle schon in früher Zeit stattgefunden. Aber mit der altweltlichen hat sich die nordamerikanische Terpentinölindustrie erst seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelt.

Wie das Terpentinöl findet auch der durch trockene Destillation aus dem Holze der Stämme und Zweige von Koniferen, vornehmlich Pinus silvestris, gewonnene Holzteer in der Arzneikunde innerlich als sekretionsbeschränkendes Mittel und äußerlich bei Hautkrankheiten vielfach Verwendung. Er bildet eine dickflüssige, braunschwarze Masse von eigentümlichem brenzlichem Geruche und widerlich bitterem, brennendem Geschmacke und enthält außer indifferenten Ölen und Pflanzensäuren Paraffin, Kreosot, Brenzkatechin, Guajakol, Phenol oder Karbolsäure, Kresol, Benzol, Toluol, Naphthalin und andere wertvolle Stoffe, die teilweise daraus isoliert werden, um als solche gegeben werden zu können. Der meiste Holzteer wird im waldreichen Nordeuropa entweder in besonderen Teerschwelereien oder als Nebenprodukt der Holzkohlenbereitung und der Holzessigfabrikation gewonnen. Schon im Altertum kannte man dieses Produkt, das die Römer pix liquida nannten. Plinius beschreibt ausführlich dessen Gewinnung und Verwendung.

Ärmer an harzartigen Stoffen, dafür aber reicher an brenzlichen Ölen als der Koniferenteer ist der aus dem Holz der Rotbuche (Fagus silvatica) destillierte Buchenteer, aus welchem das bis zu 25 Prozent in ihm enthaltene Kreosot gewonnen wird, und der hauptsächlich in Rußland und Polen aus dem Holz von verschiedenen Birkenarten, besonders Betula verrucosa, pubescens und alba, destillierte Birkenteer von an Juchtenleder (das auch damit behandelt wird) erinnerndem Geruch. Eigentümlich naphthalinartig riecht dagegen der durch trockene Destillation der Steinkohlen bei der Leuchtgasfabrikation erhaltene Steinkohlenteer, der allerdings im Gegensatz zu den vorigen kaum in der Medizin Verwendung findet, aber das Rohprodukt sehr zahlreicher aus ihm gewonnener chemischer Stoffe bildet und daher für die chemische Industrie von der größten Bedeutung ist.