Von Pflanzenstoffen, die zur Vertreibung von Bandwürmern dienen, ist teilweise schon im Altertum neben der allerdings gebräuchlicheren Wurzel des Wurmfarns (Aspidium filix mas), die wir bereits besprachen, der Saft der Granatäpfel gebräuchlich gewesen. Schon der ältere Cato (234–149 v. Chr.) empfiehlt ihn dagegen. Auch die sonst zum Gerben dienenden Fruchtschalen des Granatbaumes (Punica granatum) waren im Mittelalter offizinell. Die Rinde von Stamm und Wurzel desselben hat erst Buchanan 1807 als Bandwurmmittel empfohlen, nachdem er diese Verwendung bei den Hindus in Indien kennen gelernt hatte. 1878 entdeckte dann der französische Apotheker Tancret die Alkaloide der Rinde, unter denen das Pelletierin das wichtigste ist. Außerdem enthält sie 22–28 Prozent Gerbsäure, dient daher technisch zum Gerben des Marokkoleders (französisch marrocain genannt). Die meiste Granatrinde kommt aus Algier und Südfrankreich in den deutschen Handel und wird in der Regel nur von den als Obstbäume nicht mehr verwendbaren Exemplaren geerntet. Sie wird als Pulver, Dekokt oder Extrakt verwendet.
Ein seit uralter Zeit in Abessinien, wo infolge des beständigen Essens von rohem Fleisch, besonders Rindfleisch, fast jedermann an Bandwürmern leidet und regelmäßig von Zeit zu Zeit das Mittel einnimmt, gebräuchliches Anthelmintikum sind die getrockneten, abgeblühten weiblichen Blütenstände des Kusso genannten Baumes (Hagenia abyssinica). Es ist dies ein in den gebirgigen Teilen Abessiniens, am Kilimandscharo und im Usambaragebirge in Deutsch-Ostafrika wachsender, bis 20 m hoher Baum mit zottig behaarten Zweigen, gefiederten Blättern, großen Rispen reich mit Drüsen besetzter weißer Blüten und eiförmigen Nüßchen. Die bis 30 cm langen, bereits abgeblühten weiblichen Rispen, bei denen die ausgewachsenen Kelchblätter dunkelpurpurrot geworden sind, bilden das offizinelle Kusso oder Koso, das in Bündeln von etwa 50 cm Länge verpackt, mit gespaltenen Halmen des gegliederten Zypergrases umwickelt, über die an Riffen reiche Meerenge von Bab-el-mandeb, d. h. wegen der vielen dort gescheiterten Schiffe „Tor der Tränen“ genannt, nach Aden gebracht wird, um dann von dort aus in Säcken von 15 kg nach Triest, Livorno und Bombay in den Handel zu gelangen. Der kräftige, charakteristische, unangenehme Geruch und die verhältnismäßig lebhaftrote Farbe sind Zeichen für die Güte der Droge, während alte, unwirksame Ware braun und schwachriechend ist. Der Geschmack ist anfangs schleimig, dann unangenehm bitter und zusammenziehend. Die Blüten enthalten neben 24 Prozent Gerbstoff als hauptsächlich wirksamen Stoff das Kosotoxin, außerdem Kosidin, Kosoin und Protokosin. Der erste Europäer, der den Baum auf seiner Entdeckungsreise nach den Nilquellen 1769 bis 1771 in Abessinien beobachtete und den Gebrauch der Blüten von seiten der Eingeborenen gegen Eingeweidewürmer sah, war der Engländer James Bruce. Er beschrieb ihn unter dem Namen Bankesia abyssinica. Getrocknete Zweige mit Blättern und Blüten des Baumes brachte 1822 der französische Arzt Brayer nach Paris. Danach wurde die Pflanze von Knuth, der die ältere Brucesche Bezeichnung nicht kannte, Brayera anthelminthica genannt. 1834 wurde die Droge in Deutschland eingeführt, gelangte aber erst seit 1852 in größeren Mengen durch Jabot zu sehr teuren Preisen in den Handel. Frische Kussoblüten befördern ebenso rasch als das Extrakt der Wurmfarnwurzel und der Granatrinde die drei hauptsächlich in Betracht kommenden Tänien-Arten aus dem Darm, in welchem sie schmarotzen.
In Ostindien und Indonesien werden vielfach die gepulverten gerbstoffreichen Arekanüsse, von Areca catechu, die sonst von jedermann mit einem Blatte des Betelpfeffers und etwas gelöschtem Kalk als Genußmittel gekaut werden, mit Kaffee oder heißer Milch vermischt, zum Abtreiben von Würmern verwendet. Noch beliebter, weil viel wirksamer, ist dort der von den etwa 1 cm großen Früchten des kleinen, immergrünen Kamálabaumes (Mallotus philippinensis) abgeriebene drüsighaarige Überzug, der als ein leichtes, feines, weiches, ungleichförmiges, nicht klebendes braunrotes Pulver ohne Geruch und Geschmack in den Handel kommt. Der zu den Euphorbiazeen oder Wolfsmilchgewächsen gehörende kleine Baum oder Strauch mit abwechselnden, gestielten, ovalen, zugespitzten, unterseits filzig behaarten und mit roten Drüsen besetzten Blättern, innen rotdrüsigen Blüten in achselständigen Blütenständen und mit scharlachroten Drüsen dicht besetzten kirschgroßen Kapseln wächst in mehreren Varietäten in ganz Südasien, der malaischen Inselwelt, Neuguinea und Nordaustralien und liefert in den Früchten ein zum Brennen und als Abführmittel benutztes fettes Öl. Der als Kamála in den Handel gelangende drüsige Überzug der Früchte dient in Indien außer als Bandwurmmittel auch seit alter Zeit zum Färben von Seide und gibt ein schönes Orangebraun. Siedendes Wasser wird von ihm nur schwach gelb gefärbt; Eisenchlorid färbt diesen Auszug braun, Alkalien dagegen färben ihn dunkelrot. Die wirksame Substanz im Kamála ist außer 80 Prozent Harz das von Anderson in gelben Nadeln isolierte Rottlerin und ein gelber, kristallisierbarer Farbstoff. Im hortus malabaricus hat Rheede 1678 den Kamálabaum zuerst abgebildet. Die anthelminthische Wirkung des Drüsenüberzuges seiner Früchte wurde erst 1841 von Irvine in Kalkutta empfohlen. 1864 wurde es in die englische Pharmakopoe, 1871 auch in die deutsche aufgenommen. Man sammelt die Handelsware in Indien fast ausschließlich von wildwachsenden Bäumen. Man pflückt die Früchte im März, schüttelt sie in Sieben und reibt den Rest der Drüsen vollends ab. Zu einer Bandwurmkur genügen 6–10 g davon. Vor dem Kusso hat es den Vorzug, weniger leicht Übelkeit und Erbrechen zu erregen und zugleich abführend zu wirken. Auch gegen Hautkrankheiten wird es benutzt.
In Südarabien und den gegenüberliegenden afrikanischen Ländern wird seit alter Zeit ein als Wurrus bezeichnetes, dem Kamála ähnliches Präparat als Bandwurmmittel benutzt. Es sind die kleinen Drüsen der jungen Hülsen eines Schmetterlingsblütlers (Crotalaria erythrocarpa), die dem Kamála analoge Substanzen enthalten und Seide goldgelb färben, und zwar noch intensiver als Kamála.
Als Volksmittel gegen Bandwurm sind endlich noch die Samen des aus Amerika bei uns eingeführten Riesenkürbis (Cucurbita maxima) zu erwähnen, die zu 60–80 Stück, zerstoßen und mit Wasser verrieben, als Emulsion getrunken werden.
Im Klistier gegen Eingeweidewürmer, besonders aber äußerlich in Form von Pulver oder Tinktur gegen Läuse werden die aus Mittelamerika stammenden Sabadillsamen oder Läusekörner benutzt. Sie werden von einem stattlichen, bis 2 m hohen Zwiebelgewächs aus der Familie der Liliazeen (Sabadilla officinarum) hervorgebracht, das in ganz Mittelamerika und Venezuela heimisch ist und an den Küsten des Golfes von Mexiko auch kultiviert wird. Die Handelsware wird vorzugsweise in Venezuela meist von wildwachsenden Pflanzen gesammelt und kommt über Caracas beziehungsweise La Guayra, dem Hafen von Caracas, an erster Stelle nach Hamburg. Sie sind bis 8 mm dick, länglich, unregelmäßig kantig und von einer dünnen, glänzend braunschwarzen Samenschale umgeben. Sie enthalten etwa 4 Prozent Alkaloide, die das offizinelle, käufliche Veratrin bilden. Dieses ist kein einheitlicher Körper, sondern ein inniges Gemenge mehrerer Alkaloide, nämlich vorwiegend Cevadin und Veratrin, außerdem Cevadillin, Sabadin, dem zum Teil an Cevadinsäure und Veratrumsäure gebundenen Sabadinin und Veratramarin. Die wichtigste Anwendung der Sabadillsamen ist die Gewinnung des Veratrins, das bei Neuralgien, Rheumatismus und Lähmungen als Irritans meist in Salbenform eingerieben wird.
Die Spanier lernten um 1570 als erste Europäer den Sabadillsamen als Mittel gegen Läuse bei den Azteken Mexikos kennen. 1572 erhielt bereits der Arzt Nikolaus Monardes in Sevilla ein Muster davon zugeschickt. Dieser und der später lebende Hernandez, der eine Abbildung der Pflanze 1651 veröffentlichte, verglichen die Pflanze ihres Blütenstandes wegen mit der Gerste, spanisch cebada, und nannten sie im Gegensatz zu jener mit dem Diminutiv cebadilla, woraus dann später sabadilla wurde. Lemery bezeichnet die Pflanze direkt als eine Art Gerste. Im Jahre 1726 bildete der Sabadillsamen einen wichtigen Bestandteil des französischen „Kapuzinerpulvers“ und kam in der Folge auch unvermischt zur Vertilgung von Ungeziefer in allgemeinen Gebrauch. Für den vom Apotheker Wilhelm Meißner in Halle 1818 in den Läusesamen aufgefundenen basischen Körper Sabadillin gebrauchte der Entdecker 1821 zum erstenmal den Ausdruck „Alkaloid“, der dann zur Bezeichnung aller Pflanzenbasen in Aufnahme kam. Die beiden französischen Apotheker Pelletier und Caventou stellten 1819 zum erstenmal den von ihnen Veratrin genannten Stoff dar. Die Stammpflanze wurde nämlich zu dieser Zeit mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Veratrum officinale belegt.
Schon im Altertum wurde der Senf sowohl als Gewürz, als auch als Arzneimittel innerlich und äußerlich gebraucht. Die Griechen nannten ihn sinēpi oder nápy, eine Bezeichnung, die dann die Römer mit der Pflanze von ihnen übernahmen. Wahrscheinlich wurde im Altertum vorzugsweise der schwarze Senf (Brassica nigra) angebaut, der heute noch in Südeuropa bevorzugt wird. Wenigstens verlangt der um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. lebende griechische Arzt Dioskurides als Merkmal eines guten Senfes, daß er gestoßen grün aussehe, womit nur der schwarze Senf gemeint sein kann. Auch Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. spricht sich in demselben Sinne aus. Die Hippokratiker wandten ihn besonders bei Brustkrankheiten zur Beförderung des Auswurfs an. Dioskurides sagt von ihm, er erwärme und ziehe, wenn er gegessen wird, den Schleim an sich. Gepulvert geschnupft errege er Nießen. Er werde außer innerlich auch äußerlich als Reizmittel verwendet. In Wasser erweichte, dann zerriebene und mit Olivenöl gemischte Senfsamen reibe man in schmerzende Stellen ein. Scribonius Largus und Alexander Trallianus (im 6. Jahrhundert) empfehlen den Senf als Heilmittel. Auch im Mittelalter wurde er als solches verwendet. 1607 wird Senfmehl in der Apothekertaxe der Stadt Schweinfurt angeführt. 1608 meldet der Italiener Porta, daß das aus den Samen gepreßte fette Öl flüssiger und schärfer erhalten werde, wenn die Samen vorher in Wasser erweicht würden. Die Notwendigkeit des Wassers zur Senfölbildung wies zuerst Glaser 1825 nach, und 1840 fanden Boutron und Frémy, daß dabei ein Ferment wirke. Heute wissen wir, daß in den Senfsamen außer Sinapin und Sinapinsäure das aus myronsaurem Kalium bestehende Glykosid Sinigrin enthalten ist, das unter dem Einfluß des ebenfalls darin enthaltenen Fermentes Myrosin bei Gegenwart von Wasser (unter Aufnahme eines Molekels desselben) Allylsenföl, Traubenzucker und Kaliumhydrosulfat und als Nebenprodukte Allylcyanid, Schwefelkohlenstoff und freien Schwefel liefert. Meist wird das Senfmehl als Senfteig und Senfpapier zur Ableitung von allerlei Schmerzen und Entzündungen innerer Organe äußerlich angewendet, wobei eine hauptsächlich durch das Allylsenföl hervorgerufene Rötung der Haut eintritt.
Auch die 6 Prozent Schleim enthaltenden Leinsamen wurden schon im Altertum innerlich als reizmilderndes, einhüllendes Mittel bei Darmkatarrh mit Diarrhöe und Blasenentzündung und äußerlich zu Kataplasmen verwendet. Als solches benutzten sie sowohl die Hippokratiker als die Ärzte der römischen Kaiserzeit. Im 12. Jahrhundert empfahl sie die heilige Hildegard von Rupertsberg bei Bingen zu Umschlägen. Zu letzteren ist das entölte Leinsamenmehl besser als das ölhaltige, da es mehr Wasser als jenes bindet.