Die 22 Prozent Schleim enthaltenden Quittenkerne wurden erst von den Arabern medizinisch benutzt; von diesen lernten die europäischen Ärzte deren Verwendung als einhüllendes Mittel und Beigabe zu Augenwässern. Heute werden sie nur noch selten dafür gebraucht.
Als reizmilderndes, einhüllendes Mittel bei Husten wird seit 1837 in Deutschland der durch Graefe nach Berlin gelangte krause Knorpeltang (Chondrus crispus) verwendet. Dieser wächst überall an der felsigen Küste des nördlichen Atlantischen Ozeans und dient den armen Küstenbewohnern Irlands als Nahrungsmittel und Volksheilmittel. Von der irischen Bezeichnung Carraigeen, d. h. Felsenmoos, rührt die bei uns dafür gebräuchliche Bezeichnung Carrageen her. In Dublin wurde es 1831 als Ersatz des teuren arabischen Gummis angewandt. Außer dem Norden und Nordwesten Irlands liefert die Küste von Massachusetts in den Vereinigten Staaten die größte Menge der Droge in Form der getrockneten, höchstens handgroßen, gelappten Vegetationskörper dieser Meeresalge teilweise mit Gigartina mamillosa vermischt. Andere Meeresalgen dürfen nur in sehr geringer Menge darin vorhanden sein. Die im frischen Zustande schwarzrot, violettrot bis grünrot gefärbten Algen werden in Fässern mit Süßwasser ausgewaschen, an der Sonne gebleicht und getrocknet. Der rote, Phycoerythrin genannte Farbstoff zersetzt sich in den toten Pflanzen und läßt sich mit Wasser ausziehen. Die getrocknete Droge ist bräunlich- bis weißgelb, steifknorpelig, durchscheinend und entwickelt, mit kaltem Wasser aufgequollen, den charakteristischen Meeresgeruch. Sie schmeckt schleimig-fade und enthält neben 6,3 Eiweißstoffen 80 Prozent Carrageenschleim, der in der lebenden Pflanze den Zweck hat, sie während der Ebbe durch Zurückhalten von reichlich Wasser vor dem Austrocknen zu bewahren. Außer in der Medizin und als leichtverdauliches Nahrungsmittel finden die Carrageen auch in der Technik als Klär- und Klebemittel, als Bindemittel bei Wasserfarben usw. viel Verwendung. Die 18 Prozent Asche, die sie beim Verbrennen zurücklassen, enthält reichlich Chloride und Sulfate, weniger Jodide und Bromide. Letztere sind reichlicher in der Asche anderer Meeresalgen enthalten, so vor allem im Blasentang (Fucus vesiculosus) und seinen Verwandten, die als Kelp oder Varek an den Küsten der Bretagne und Irlands gesammelt und getrocknet werden, um nach ihrer Verbrennung daraus durch Destillation mit Braunstein und Schwefelsäure das im Meerwasser nur in Spuren vorhandene Jod zu gewinnen.
In derselben Weise wie die Carrageen dient eine im Indischen und Stillen Ozean weitverbreitete Rotalge (Eucheuma spinosum) besonders an den Küsten Chinas und Japans als Volksnahrungsmittel. Sie enthält als Hauptbestandteil eine pektinartige Gelose und kam im Jahre 1840 unter dem Namen Agar-agar als Heilmittel nach Europa. Sie dient in der Appretur, Konditorei und Küche. Für die Heilkunde ist sie insofern sehr wichtig, weil aus ihr die Gallerte gewonnen, die zur Herstellung von festen Kulturböden zur Reinzucht von Bakterien in der Bakteriologie eine so große Bedeutung erlangt hat, weil sie im Brutschrank bei viel höherer Temperatur als die gewöhnliche Gelatine tierischen Ursprungs noch in festem Zustande verharrt. Deshalb ist sie zur Kultur aller nur bei Bluttemperatur gedeihender Bakterien unumgänglich nötig. Wie sie enthält auch die an denselben Meeresküsten wachsende Gracilaria lichenoides nicht unbedeutende Mengen von Nährstoffen und wird daher ebenfalls sowohl direkt als Speise genossen als zu Agar-agar verarbeitet.
In etwas höheren Wasserschichten als die Rottange siedeln sich an den Meeresküsten die Brauntange an, die die Leitpflanzen der oberen, zwischen Ebbe- und Flutgrenze gelegenen Litoralzone darstellten. Vermöge ihrer durch den braunen Farbstoff Phycophäin, der das Chlorophyll oder Blattgrün verdeckt, hervorgerufenen Braunfärbung vermögen sie sogar direkte Besonnung zu ertragen, ohne Schaden zu leiden. Außerdem entwickeln sie zum Schutze ihres Thallus oder Vegetationskörpers allerlei Haarbildungen, die ihn „wie eine Wolke“ umgeben. Zu ihnen gesellen sich noch einige Rottange, die aber hier zum Schutze gegen das grelle Sonnenlicht meist bräunlich oder schwärzlich gefärbt sind. Solche Brauntange der Uferzone sind die Laminaria-Arten, von denen die in den Polarmeeren verbreitete Lammaria digitata var. cloustoni, der gelappte Fingertang, die offizinellen Stipites laminariae liefert. Aus dem stammartigen Teile des Thallus werden die in der Chirurgie und Frauenheilkunde früher mehr als heute gebrauchten Laminariastifte hergestellt, die zum Erweitern von Kanälen, besonders des Uterushalses, dienen. Beim Eintrocknen der Alge sind sie stark zusammengeschrumpft und dünn, quellen aber infolge ihres großen Schleimgehaltes bei späterem Feuchtigkeitszutritt stark auf und schaffen so eine ausgiebige Erweiterung der Kanäle, in die sie eingelegt werden. Nur weil sie sich nicht sicher sterilisieren lassen, sind sie neuerdings mehr und mehr außer Gebrauch gekommen.
Gleicherweise verhält es sich mit den blutstillenden Spreuhaaren von den Stengeln verschiedener meist baumartiger Farne aus der Gattung Cibotium, die in ihrer Heimat Südasien von alters her zur Blutstillung auf Wunden gelegt wurden. Sie bilden sehr weiche, seidig-wollige, goldgelbe oder gelbbraune, fast metallisch schimmernde Massen und kommen als Penghawar-Djambi (nach der Provinz Djambi auf Sumatra so genannt) in den Handel. In Europa wurden sie erst gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt. Sie enthalten außer ihrer auf die Kapillarität zurückzuführenden Hauptwirkung Gerbstoff, Harz, Wachs und Humussäure. Infolge der Endosmose füllen sich die Hohlräume zwischen den einzelnen Härchen augenblicklich mit dem austretenden Blut und bewirken so eine Gerinnung desselben. Früher wurden sie besonders gegen Nasenbluten viel verwendet. Dies ist in ganz Südasien heute noch der Fall, außerdem dienen sie vielfach zur Ausfüllung von Kissen und Matratzen, da sie ein sehr weiches Polster liefern.
Endlich haben wir noch der Bärlappsamen zu gedenken, die als austrocknendes Streupulver bei Wunden (dasselbe ballt sich nicht zusammen und wird vom Wundsaft so wenig als vom Wasser benetzt), zum Bestreuen der Pillen, damit sie nicht zusammenkleben, zu Feuerwerk und als Blitzpulver reiche Verwendung finden. Es sind dies die auf ungeschlechtlichem Wege in besonderen Gehäusen der fruchtenden Blätter von Wasserfarnen der Gattung Lycopodium entstandenen Sporen, die einst als Erdschwefel, Druden- oder Hexenmehl zu allerlei abergläubischen Kuren Verwendung fanden; auch wurden sie samt dem sie erzeugenden Kraut als harntreibendes Mittel bei Blasenleiden benutzt. Gegenüber der Mannigfaltigkeit und Größe der Bärlappgewächse der paläozoischen Zeit, die besonders in der Karbonperiode in den Sigillarien und Lepidodendren Riesen von 30–40 m Höhe hervorbrachten, sind die heute noch lebenden Vertreter winzige Kräutlein, die hauptsächlich in den Tropengebieten der Erde verbreitet sind; doch kommen mehrere Arten auch bei uns vor und sind besonders im Gebirge stellenweise sehr häufig. Der gewöhnliche Lieferant des Bärlappsamens ist Lycopodium clavatum, der „genagelte“ Bärlapp, nach den langen, nagelförmigen Blättern so genannt. Im Deutschen Reich, in der Schweiz und dem für uns als Hauptproduktionsland mit in Betracht kommenden Rußland werden die endständigen, dachziegelartig sich deckenden Fruchtblätter mit den an deren Innenseite befindlichen nierenförmigen, zweiklappig aufspringenden Sporangien im Juli und August kurz vor der Sporenreife geschnitten, an der Sonne getrocknet, ausgeklopft und zum Ausscheiden von Verunreinigungen gesiebt. In manchen Teilen Europas finden auch L. annotinum und complanatum, seltener auch L. alpinum und innundatum Verwendung zur Gewinnung der Sporen, die blaßgelb, sehr beweglich und leicht sind und sich fettig anfühlen. Die verschiedenen Lycopodiumarten waren den alten Botanikern als „Erdmos“ bekannt. 1587 führte Dodonäus für L. clavatum die Bezeichnung pes lupi (= griechisch lykopodion) Wolfsfuß — wegen der weichhaarigen Zweigspitzen — ein. Bock bildete die Pflanze unter dem Namen „Beerlapp“, d. h. Bärenfuß — nach der Form der Zweigspitzen — ab. 1649 finden wir Lycopodium als Puder zum Bestreuen von Wunden medizinisch verwendet, und seit 1664 wird es als Lycopodium in den Apothekertaxen angeführt.
XXVIII.
Die Geschichte des Ziergartens.
Die ersten Gärten der Menschheit waren begreiflicherweise rohe, ausschließlich für die Küche berechnete Nutzgärten, aus denen sich erst auf einer beträchtlichen Höhe der Kultur eigentliche Ziergärten entwickeln konnten, die nicht mehr nur praktischen Zwecken, sondern vielmehr zur Befriedigung ästhetischen Lebensgenusses dienten. Solche sind wohl zweifellos an den Urstätten menschlicher Kultur in Zentralasien zuerst geschaffen worden. Beim kurzköpfigen, uralaltaischen Volke von Sumer und Akkad, das den Grund zur altbabylonischen Kultur in Mesopotamien legte, werden sie vor 6000 und mehr Jahren ebensogut vorhanden gewesen sein, wie bei den ältesten Chinesen, bei denen sich schon 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung Ziergärten um die königliche Residenz und um die Landhäuser der Vornehmen vermuten lassen. Gemäß den verfeinerten Lebensgewohnheiten dieses uralten, aus Zentralasien stammenden Kulturvolkes schufen sich dessen Herrscher und Fürsten in ihren geräumigen Gärten ideale Landschaften, die in bunter Abwechslung allerlei Szenerien in verkleinertem Maßstabe vorführten. Die älteste Beschreibung solcher chinesischer Ziergärten verdanken wir dem Engländer William Chambers, der in China gewesen war und in den Jahren 1757 und 1772 zwei Bücher über chinesische Gebäude und chinesische Gärten herausgab, die seinerzeit in Europa außerordentliches Aufsehen erregten und hier zur Nachahmung wenigstens der letzteren reizten, woraus dann der neue englische Landschaftsgarten hervorging. Nach seiner Beschreibung gab es in diesen chinesischen Gärten bald sanft gerundete, bald felsige Berge von wenigen Metern Höhe, von denen sich Wasserläufe in schäumenden Kaskaden herabstürzten, um sich durch liebliche, baumbestandene und grasige Ebenen zu winden und in mit Wasserpflanzen und Getier aller Art belebten Seen zu sammeln. Brücken in allen möglichen Formen, geschweift und eben, gerade oder im Zickzack, führten von einem Ufer zum andern oder auf blumenbedeckte, kleine Felseninseln. An den Ufern der Teiche, in den Ebenen zwischen Blumenpflanzungen und im Schatten von majestätischen Baumgruppen, auf den Gipfeln der Berge und Felsen standen die mannigfaltigsten, bunt bemalten und lackierten Lusthäuschen, deren Dachecken mit zierlichen Glöckchen behängt waren. Der ganze Garten war mit Leben erfüllt; im Gebüsch erscholl der liebliche Gesang der Nachtigallen und anderer Sänger aus der Vogelwelt, das Girren der Turteltauben, das Rufen der Pfauen, Gold- und Silberfasanen, Hühner verschiedenster Art, Wachteln usw., während von den Teichen das Geschnatter der Enten und Gänse erklang.
Ebenso lieblich wie diese waren die Parkgärten Japans, die in Nachahmung der chinesischen, der Bevölkerungsdichte und dem damit zusammenhängenden Raummangel des Landes entsprechend, in Verbindung mit einer hoch ausgebildeten Liebe und Kenntnis der Natur eine gleichsam potenzierte Ausbildung des chinesischen Gartenstils aufwiesen und heute noch aufweisen. Alles im japanischen Garten ist noch weiter ins Kleine und Feine reduziert und, um auf dem beschränktesten Raum einen Park mit allem Zubehör errichten zu können, lernte man die sonst groß werdenden Bäume in Zwergformen ziehen, so daß es möglich wurde, selbst hundertjährige Exemplare in Töpfen zu halten.