Die ursprüngliche Gartenanlage der Villa d’Este in Tivoli. (Nach einem Stich von J. B. Piranesi).

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GRÖSSERES BILD]

Tafel 136.

Gartenanlage von Schloß Linderhof in Südbayern.

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Derselbe Autor schildert uns einen vornehmen ägyptischen Garten des Mittelalters nach der Beschreibung eines Zeitgenossen: „Im Garten stand ein Pavillon auf vier Marmorsäulen an einem Teich, drum herum Zitronenbäume, denen man die Früchte ließ, bis sie abfielen. Vier Pumpen füllten den Teich, dessen Wasser oft gewechselt wurde. Darauf lag ein Kahn aus ziseliertem Erz. Singvögel, Tauben und Pfauen tummelten sich herum. Die Wege waren mit feinen, bunten Matten belegt, als Tore dienten Ketten aus Eisen. Der Rosengarten lag besonders. Dort wurde beim Rosenfest aus Girlanden ein Rosenschloß erbaut, in dem gegessen und gesungen wurde. Auch Parke von großen Bäumen hatte man, aber ohne Rasen. Und nirgends Wald! Dadurch sind dem Araber fünf Sechstel unserer Romantik abgeschnitten und auch der romanischen; denn selbst Ariosts Abenteuer spielen in Waldluft. Das romantische Land der Muslims ist die Wüste.“

Im ganzen zeigen die muhammedanischen Hausgärten eine nicht weiter überraschende Ähnlichkeit mit denjenigen der Römer, denen sie nachgebildet waren. Indem der Orientale sein Haus in Nachahmung des römischen, in welchem sich das häusliche Leben ebenfalls von der Außenwelt abgekehrt abspielte, um innere von Säulen umgebene Höfe aufbaute, wurden diese die Grundlage des Hausgartens, in welchem die Familie sich an der frischen Luft erging. In der Mitte befand sich wie beim römischen Hausgarten ein Brunnenbecken mit meist springendem Wasserstrahl, ringsherum regelmäßige Rasenflächen mit Blumenbeeten und Ziersträuchern, die Wege mit Marmorplatten belegt. Solche Höfe zeigt uns heute noch das im 13. Jahrhundert erbaute maurische Königsschloß der Alhambra bei Granada, allerdings ohne die ursprüngliche Bepflanzung. Das durch seine äußerst zierliche und geschmackvolle Architektur und Bemalung ausgezeichnete, in Abbildungen allgemein bekannte Schloß besteht aus einer ganzen Reihe solcher rechteckiger Gartenhöfe, deren größter der Hof der Alberca, auch Patio de los arrayanes, d. h. Myrtenhof, genannt ist. In ihm befindet sich eine der drei im 16. Jahrhundert im Innern der Alhambra gefundenen berühmten Vasen aus emaillierter Fayence. Der Länge nach durchschneidet ihn ein schmales, marmornes Wasserbecken, das zwei Springbrunnen miteinander verbindet. Östlich davon befindet sich der berühmteste dieser Höfe, der Löwenhof, so genannt, weil in seiner Mitte eine von zwölf recht mangelhaft geratenen steinernen Löwen getragene Doppelschale aus Alabaster sich findet, die von einem Springbrunnen gekrönt wird. Das von diesem abfließende Wasser ergießt sich durch die Löwenmäuler in ein unteres Bassin, um von da weitergeleitet zu werden.

Wie die mittelalterliche Kirche des Abendlandes die getreue Nachfolgerin der christlich-römischen war, so führten die Klöster des Mittelalters das aus der Römerzeit übernommene Erbe in bescheidener Weise fort. Auch ihnen bot das römische Haus ein willkommenes Vorbild zu einer nach außen abgeschlossenen Wohnung. Dem Peristyle desselben entsprach der Kreuzgang, und der von diesem eingeschlossene Hof hatte anfänglich eine ganz ähnliche Teilung wie der Löwenhof der Alhambra, wie der zu Anfang des 9. Jahrhunderts gezeichnete Plan für einen Neubau des Klosters St. Gallen deutlich erkennen läßt. Die späteren Klöster schmückten diese Höfe oft mit zierlichen offenen Brunnenhäusern und legten diese unmittelbar an den Kreuzgang, so daß man vom Refektorium oder Speisesaal aus einen reizvollen Durchblick durch das Brunnenhäuschen auf die Büsche und Blüten des Hofes genoß.

Abgesehen von diesem Klosterhofgarten scheint nichts von der römischen Gartenkunst auf die nordischen Völker im Mittelalter übergegangen zu sein, obwohl die Römer auch in ihren nordischen Provinzen, in Gallien, Germanien und Britannien, ebenso wie in den übrigen Teilen des Reichs, ihre Villen und Villengärten besaßen, die als Vorbilder hätten dienen können. Die Wirren der Völkerwanderung ließen solches nicht zu, und auch als ruhigere Zeiten kamen, verhinderten die politischen und sozialen Zustände die Ausbildung einer Gartenkunst, trotz des lebendigen Gefühls für die Schönheit der Blumen, das in den Dichtungen des späteren Mittelalters zum Ausdrucke kommt. Der Bürger saß in den unruhigen, von Kriegslärm durchtosten Zeiten in der ihm Sicherheit des Lebens und Eigentums gewährenden eng ummauerten Stadt, der Adelige auf hohem, eingeschränktem Burgsitz. Hinter den Mauern der Befestigungen hatte der eine so wenig wie der andere Raum für ein Gartenleben, wie es die vornehmen Römer geführt hatten, ganz abgesehen von dem Fehlen einer Kultur, die das Bedürfnis nach einem solchen Leben hervorgebracht hätte. Das Einzige, was von römischer Gartenkultur in diesen Ländern zurückblieb, waren der Weinstock, die verschiedenen Obstbäume, Gemüse und Blumen, die von den einstigen Herren aus Italien mitgebracht worden waren.