Den Klassizismus löste die Periode der Romantik ab, und neue Grundsätze wurden für den Bau der Gärten aufgestellt. Besonders brachte der englische Gärtner Repton von 1794 an den Gartenbau auf einen besseren Weg, indem er die Forderung aufstellte, daß der Boden, auf dem der Garten angelegt werden soll, nach seiner natürlichen Beschaffenheit zu benützen sei, womit er die künstlichen Berge, Seen und dergleichen verwarf. Auch trennte er die nächste Umgebung des Hauses, den pleasureground, von der weiteren Umgebung, dem Park, und forderte für ersteren eine architektonische Ausbildung unter Wiedereinführung der blumengeschmückten Terrasse. Mit Repton schließt die Entwicklung des englischen Landschaftsgartens ab; er fand keine größeren Nachfolger, und seine Grundsätze blieben während des ganzen 19. Jahrhunderts herrschend. Wer heute dieses Land bereist, wird in manchen Gegenden, wo die Landwirtschaft fast völlig durch die großen Landsitze zurückgedrängt ist, den Eindruck bekommen, als ob das ganze Land ein großer Park sei, so dicht reihen sich die einzelnen Anlagen aneinander. Immer ist es dasselbe Bild: Wiesen, Waldstücke, Baumgruppen und Einzelbäume, dazwischen die sanftgewundenen Bäche und Flüsse. Diese in verschönertem Bilde sich zeigende typische englische Landschaft suchte man seit dem Beginne des 19. Jahrhunderts auf dem Kontinente nachzuahmen, auch da, wo der Charakter der Gegend ein ganz anderer war, also bei Befolgung der englischen Grundsätze ein durchaus anderes Bild sich hätte ergeben müssen. Ein Landschaftsgarten in der Lüneburger Heide z. B. würde einen ganz andern Charakter zeigen müssen, als ein Landschaftsgarten im Harz. In diesen Fehler verfielen auch die ersten Nachahmer des Reptonschen Gartens in Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts, so von Sckell, dessen Hauptwerk der englische Garten in München ist. Erst Fürst von Pückler (1785–1871) betrat in Deutschland den richtigen Weg. Unter dem Eindruck der großen englischen Anlagen, die er selbst studiert hatte, schuf er in den Jahren 1816–1845 den Park der ihm gehörenden Standesherrschaft Muskau in Schlesien um und gab 1834 eine Schrift über Landschaftsgärtnerei heraus, worin er seine Anschauung begründete. Er unterscheidet vor allem scharf zwischen dem Garten, der nach der Weise der älteren Gartenkunst eine Fortsetzung des Hauses sein sollte, und dem Park in der weiteren Umgebung des Hauses, der stets dem Charakter des Landes und des Klimas angepaßt sein müsse. Nach diesen Grundsätzen schuf er aus Muskau eine mustergültige Anlage, einen Park, der aus wirklichen, natürlichen Wäldern, Wiesen, Gewässern, Hügeln und Tälern besteht. Unter seiner Mitwirkung entstanden in der Folge eine große Anzahl fürstlicher Gärten, die heute zu unsern schönsten Anlagen zählen, so z. B. diejenigen von Babelsberg und Potsdam.

Bild 75. Plan einer englischen Gartenanlage. (Nach einem Stich von 1802.)

Fast gleichzeitig mit ihm war als ausübender Gartenkünstler der spätere Generaldirektor der königlich preußischen Gärten Peter Joseph Lenné tätig. In den Jahren von 1816–1866 schuf er ganz in dem vom Fürsten Pückler geforderten Sinne um Potsdam herum die Schloßgärten von Babelsberg, Klein-Glienicke und Sanssouci. Inmitten dieser reich verschönerten Landschaft aber legte er 1825 im Vereine mit dem großen Architekten Schinkel den Garten der lieblichen Villa Charlottenhof an, die dem damaligen Kronprinzen, dem nachmaligen Könige Friedrich Wilhelm IV., gehörte. Schinkel hatte das Haus nach Art einer altrömischen Villa entworfen, und dem mußte sich der Garten anpassen. So entstand denn hier ein überaus reizvoller Garten mit Terrassen, regelmäßig geordneten Blumenbeeten, Laubengängen, Fontänen und Teichen. Nach der Beschreibung des jüngeren Plinius, die wir zu Eingang gaben, wurde sogar ein römischer Hippodrom angelegt. Die schon bei Lenné hervortretende Neigung zum regelmäßigen architektonischen Garten entwickelten seine Nachfolger weiter, wie z. B. der regelmäßige Königsplatz am Tiergarten in Berlin beweist. Sie erwachte aber auch an andern Orten Deutschlands, so in München, wo im Jahre 1862 von Effner das ausgedehnte Parterre im französischen Garten des Schleißheimer Schlosses im Auftrage Ludwigs I. wieder herstellte. Im Garten des Schlosses Linderhof in den bayrischen Voralpen schuf dann Ludwig II. eine Anlage ganz italienischen Charakters mit Terrassen, die sich vom Schlosse zu einem großen, in Marmor gefaßten Wasserbecken senken, dessen Wasser in Kaskaden und Fontänen, begleitet von Marmortreppen, hinter dem Schlosse von der Berglehne herabströmt.

Zu einem Abschluß und zur theoretischen Begründung des neuen Gartenbaustils, dem heute mehr oder weniger alle Gartenkünstler folgen, brachte es erst der frühere königliche Hofgärtner in Sanssouci und spätere städtische Gartenbaudirektor von Berlin, Gustav Meyer, dessen berühmteste Schöpfungen der Marlygarten bei der Friedrichskirche in Potsdam, der Friedrichs- und der Humboldtshain bei Berlin, der Bremer Stadtpark usw. sind. Wie der Hausgarten zum Privatpark, so verhält sich zum Stadtpark der öffentliche gartenmäßig geschmückte Platz im Innern der Stadt. Auch er, der ganz von Häusern umgeben ist, hat sich nach der neueren künstlerischen Anschauung den Gesetzen der Architektur zu unterwerfen; doch kommen hier vor allem die Verkehrsrücksichten in Betracht, denen sich die Anlage anzupassen hat. Ihn schmücken vor allem Teppichbeete und Gruppen von Zierpflanzen, deren die moderne Gartenkunst eine Menge besitzt.

Dadurch, daß man erkannt hat, welch große Bedeutung sowohl in ethischer, als sanitarischer Beziehung der Gartenkunst zukommt, hat man vor allem die durch die Beseitigung der Bollwerke um die Städte zur Bepflanzung freigewordenen Plätze zur Herstellung von Gartenanlagen benutzt, die den Erholung suchenden Städtern einen angenehmen Aufenthalt darbieten. In den neueren Stadtteilen sucht man von vornherein schattige Alleen und durch die Gärtnerkunst geschmückte Anlagen zu schaffen, die mit ihrem frischen Grün und den bunten Farben der in ihnen gepflanzten Blumen dem Auge eine wohltuende Abwechslung im Einerlei der Häusermassen verschaffen. Und wie im öffentlichen Leben, so ist auch in die Häuslichkeit der minder Bemittelten die Freude an Pflanzengrün und Blütenschmuck immer mehr eingedrungen, besonders seitdem der Jugend in der Schule die Liebe und das Verständnis zur Pflanze zugleich mit einer Anleitung zu deren Pflege und Aufzucht vermittelt wird. Um aber auch einen Wettstreit unter den Erwachsenen hervorzurufen, durchwandern in vielen Städten die Mitglieder gewisser Kommissionen die Straßen, um den am schönsten geschmückten Balkonen und Fenstern Preise und Belobungen zu erteilen.

In den Großstädten sucht man immer mehr auf die Dächer der Häuser ein Stückchen Natur zu bringen, indem man Blumen auf ihnen ansiedelt und ganze Gärten darauf schafft. Schon in den großen Städten des Altertums haben sich die ärmeren Leute, denen kein Stückchen Land zum Bepflanzen zuteil geworden war, mit solchen Dachgärten beholfen, wie uns die alten Schriftsteller berichten. Besonders liebte man Reblauben, pergulae genannt, anzulegen, welche die Terrasse oder den Garten an der Wohnung anmutig beschatteten. Selbst größere Bäume wurden in großen Tonkübeln in solcher Menge gezogen, daß bei manchen Autoren von förmlichen Lusthainen auf den Dächern der großen Städte des Altertums die Rede ist. Durch Pumpen hinaufgeleitetes Wasser sprang aus dem marmornen Becken eines Springbrunnens, floß dann vielfach in geräumige Fischbehälter und diente, rund um das Haus geleitet, zur Sicherung desselben bei Feuersgefahr. Und wer zu arm für solchen Aufwand war, dem mußten wie bei uns einige in den Fenstern seiner Wohnung in irdenen Töpfen gezogene Blütenpflanzen genügen. Der sarkastische, unter Nero aus Bilbilis in Spanien nach Rom gekommene und ums Jahr 102 verstorbene römische Epigrammdichter Martialis ließ in einem uns erhaltenen Gedichte einen seiner Gönner wissen: „Der Garten, lieber Lupus, den du mir unter der Stadt geschenkt hast, ist sehr klein, fast kleiner als das Gärtchen in meinem Fenster.“ Und daß dieser Schmeichler und Günstling verschiedener Kaiser lange Zeit kärglich genug lebte, bezeugt eine Stelle aus einem anderen seiner Poeme, worin er sagt: „Mein Stübchen, guter Freund, ist im Winter eisig kalt und hat nicht einmal einen ganzen Fensterladen; selbst Boreas (der Nordwind) würde sich für eine solche Wohnung bedanken. Besser als ich sind deine Obstkulturen daran; diese stehen hinter Scheiben von Marienglas (Glimmer), und freundlich scheint von Süden die Sonne hinein.“

Wie einst die prachtliebenden Tyrannen der reichen griechischen Handelsstadt Siziliens Syrakus, wollten auch die prunksüchtigen Kaiser des weltbeherrschenden alten Rom Gärten sogar auf ihren großen Lustschiffen haben. So ließ schon der spätere Bundesgenosse der Römer, Hieron II., der von 269–215 v. Chr. über Syrakus herrschte, auf seinem Prachtschiff einen ganzen schwimmenden Garten mit Lusthäusern, Pergolen, Blumenrabatten, Schwimmbassins und Ringplatz anlegen. Diesen Luxus suchten die römischen Kaiser noch zu übertrumpfen. So berichtet uns der Geheimschreiber des Kaisers Hadrian, Suetonius (70–145 n. Chr.), von dem nach den Soldatenstiefelchen, die er als Kind im Lager trug, Caligula genannten dritten römischen Kaiser, Gajus Cäsar, Sohn des Germanikus und der Agrippina, der von 37–41 n. Chr. herrschte, daß er sich Schiffe mit zehn Reihen von Ruderbänken übereinander bauen ließ. Dieselben waren auf das Köstlichste eingerichtet und mit Kunstgegenständen aus Gold und Edelsteinen reich geschmückt. Die Segel waren buntfarbig, und große Bäder aus Marmor, Säulenhallen und prunkvolle Speisesäle waren vorhanden. Weinstöcke und Obstbäume aller Art standen in Menge auf dem Verdeck. Unter diesen lagerte sich der Kaiser mit seinem Gefolge und fuhr unter schallender Musik den Küsten Kampaniens entlang. Bekanntlich sind neuerdings prächtige Überreste zweier solcher luxuriös eingerichteter altrömischer Kaiserschiffe von 76 beziehungsweise 64 m Länge, die den prunkvollen Festen dieses Kaisers und vielleicht auch schon seines Vorgängers Tiberius als Hintergrund dienten, aus dem Nemisee nördlich von Rom gefischt worden. Schon sie geben uns einen Begriff von der kostbaren Einrichtung dieser Riesenschiffe, zu deren Hebung man eine zeitweilige Trockenlegung des Sees plant, da man zahlreiche wertvolle Kunstgegenstände in ihnen zu finden hofft.