Ebenfalls als Gartenzierpflanze sehr geschätzt ist die leider duftlose chinesische Nelke (Dianthus chinensis), eine, wie schon der Name sagt, aus China zu uns gekommene, hochgezüchtete, ein- oder zweijährige Pflanze mit prachtvollen, bis 8 cm im Durchmesser haltenden, in allen Nuancen von Rot, Purpur, Schwarzrot und Weiß leuchtenden, außerordentlich zierlich gezeichneten, sowohl einfachen als gefüllten Blüten. Die schönste derselben ist die von einem russischen Gärtner eingeführte D. heddewigi (Dianthus chinensis imperialis), eine ungefüllte Art mit fünf ganz zerschlissenen, karminroten Blumenblättern mit weißen Saftmalen und schwärzlicher Zone. Die in Südosteuropa heimische, ausdauernde Federnelke (D. plumarius) mit 2–5 sehr wohlriechenden, weißen oder blaßroten Blüten, die auch in gefüllten Spielarten vorkommen, wird häufig zur Einfassung von Blumenbeeten benutzt. Auch die Studenten- oder Bartnelke (D. barbatus), eine rosenrot blühende süddeutsche Alpenpflanze, und ihre Spielart mit breiteren Blättern (D. latifolius) sind beliebte Gartenzierpflanzen. Nur ausnahmsweise kultiviert werden dagegen die auf feuchten Waldwiesen ziemlich selten angetroffene Prachtfedernelke (D. superbus) mit fein zerschlitzten, blaßlila oder blaß rosenroten Blumenblättern, die nach dem botanischen Schriftsteller und Reisenden Joh. Franz Suegier genannte Dianthus seguieri in Süd- und Mitteldeutschland und die zu Ehren der beiden Naturforscher Joh. Karthauser († 1777) und Friedrich Karthauser († 1796) getaufte Karthäusernelke (D. carthusianorum), die ebenfalls blutrot, nur mit drei dunkleren Purpurstreifen durchzogen ist. Einige dieser Nelken, besonders die Gartennelke, dienten früher als Heilmittel.
Von den 10 Arten Lichtnelken (Lychnis, nach der Theophrastischen Bezeichnung lychnís d. h. Leuchte), die in der Alten Welt, vornehmlich in Sibirien, wachsen, ist die 50–80 cm hoch werdende „brennende Liebe“ oder Feuernelke (Lychnis chalcedonica) mit scharlachroten Blüten und zweiteiligen Blumenblättern aus Westsibirien, Mittel- und Südrußland zu nennen. Sie wird auch in Varietäten mit fleischfarbenen und weißen, auch gefüllten Blüten bei uns als Rabattpflanze gezogen. Ihre Wurzel enthält Saponin und wird wie die Seifenwurzel zum Waschen gebraucht. Auch die Kranzlichtnelke (L. coronaria) mit an die Kornrade erinnernden purpurroten Blüten und ungeteilten Blättern aus Südosteuropa wird bei uns häufig als Zierpflanze kultiviert. Ebenso dienen die 20–30 cm hohe L. fulgens aus Sibirien mit lebhaft roten, vierteiligen Blumenblättern, L. haageana aus Japan, wohl nur eine Kulturform der vorigen, mit orangeroten, rosenroten oder weißen Blüten, L. grandiflora aus Japan mit sehr großen, scharlachroten, ungeteilten Blumenblättern und L. sieboldi, ebenfalls aus Japan, mit noch größeren, weißen Blüten als auch bei uns sehr geschätzte Gartenzierpflanzen.
Von Abendlichtnelken (Melandryum) werden M. album mit weißen, seltener rötlichen Blüten aus Mittel- und Nordeuropa, wie auch Sibirien und die im arktischen Gebiete wachsende M. rubrum mit hellpurpurnen Blüten, auch in gefüllten Formen als Zierpflanzen kultiviert. Ebenso wird von Pechnelken (Viscaria) besonders V. viscosa aus Mittel-, Nordeuropa, dem Kaukasus und Westsibirien mit roten Blüten in mehreren Varietäten, auch gefüllt, gezogen. Von den Klebnelken der Gattung Silene werden besonders das einjährige Marienröschen (S. armeria) aus Mitteleuropa, das aber auch nach Nordamerika, Brasilien und Ostindien verschleppt wurde, mit karminroten Blüten in großen Doldentrauben, dann die im Mittelmeergebiet heimische S. pendula mit rosaroten Blüten in mehreren Varietäten als Zierpflanzen kultiviert. Sie dienen namentlich auch zu Einfassungen auf Teppichbeeten und Felsgruppen. Für letztere eignet sich besonders die niedrige, rotblühende, arktische und hochalpine stengellose Klebnelke (S. acaulis). Endlich werden auch verschiedene Arten der Gattung Statice, deutsch Strandnelken genannt, weil sie meist in Küstengegenden oder Salzsteppen heimisch sind, aus Süd- und Osteuropa, von den Kanarischen Inseln und aus Mittelasien als Zierpflanzen kultiviert. Ihre ährigen oder traubigen Blütenstände dienen in der Blumenbinderei, werden auch getrocknet für Dauersträuße benutzt.
Bei den alten Griechen und Römern wurde das Seifenkraut (Saponaria officinalis) an Stelle der fehlenden Seife verwendet und zu diesem Zwecke auch kultiviert. Es enthält besonders in den Wurzeln das Glykosid Saponin, das in Wasser wie Seife schäumt. Die Griechen nannten es strúthion. Theophrast sagt von ihm, es habe eine schöne, aber geruchlose Blume. Columella gibt an, daß die Schafe vor der Schur mit der Wurzel desselben gewaschen wurden, und Dioskurides meint: „Das Seifenkraut, das die Walker zur Reinigung der Wolle gebrauchen, ist allgemein bekannt. Seine Wurzel besitzt Schärfe und Heilkraft.“ Sein Zeitgenosse Plinius sagt: „Das Seifenkraut (herba lanaria) hat eine große Wurzel, die man in Stücke schneidet und zum Waschen der Wolle benutzt; diese wird dadurch außerordentlich weiß und weich. Man kultiviert sie eigens zu diesem Zwecke.“ Ihre Wichtigkeit verlor sich, als die in Germanien erfundene Seife den Römern bekannt wurde und ihre Stelle einnahm.
Die fleischigen Portulakarten mit gelben oder roten Blüten, die sehr kurze Zeit blühen und sich dann wie eine Gallerte auflösen, haben vielsamige Fruchtkapseln, die sich mit einem Deckelchen (portula, Türchen) öffnen. Daher der Name. Die mehr als 20 Arten derselben wachsen in den Tropen und Subtropen der Alten, besonders aber der Neuen Welt. Der in den Mittelmeerländern heimische gemeine Portulak (Portulaca oleracea) mit kleinen, gelben oder gelblichweißen Blüten wird in Gärten in mehreren Spielarten als P. sativa kultiviert. Die jungen, sehr saftigen Blätter werden als Zutat zu Salat oder Suppenkraut gegessen, auch mit Essig eingemacht. Früher wurden Kraut und Same arzneilich benutzt. Die Pflanze hieß bei den Griechen andráchnē. Dioskurides sagt von ihr, sie werde als Speise genossen und gegen alle Übel gebraucht. Mehrere Arten werden als Zierpflanzen angebaut, so besonders die einjährige Portulaca grandiflora aus Brasilien mit hellpurpur- oder karminroten, weißen oder gelben, auch gefüllten Blüten. Sie ist unter dem Namen „Portulakröschen“ bekannt.
Verschiedene Mauerpfefferarten der Gattung Sedum werden in Gärten kultiviert, so vor allem der weiße Mauerpfeffer (Sedum album) aus den Mittelmeergegenden, dessen Kraut früher medizinisch verwendet wurde. Jetzt noch dienen die zarten Blätter als Salat und Suppenwürze. Dasselbe geschieht mit dem großen Gartentripmadam (S. anacampseros) mit purpurroten oder weißen Blüten. Die Stengel dieser Pflanze werden in Spalten der Häuser gesteckt und dienen als Orakel für das Glück und die Lebensdauer junger Ehepaare oder der Familienglieder. Auch der Felsenpfeffer (S. reflexum) wird hier und da kultiviert und in derselben Weise benutzt. Die an sonnigen Plätzen Südeuropas bis Kleinasiens wachsende Schmerwurzel (S. maximum) mit 30–60 cm hohem, aufrechtem Stengel mit weißen, grünlichgelben oder roten Blüten wird noch heute arzneilich gebraucht. Zahlreiche ausländische Arten werden als Zierpflanzen kultiviert, so vor allem die prächtige, 1830 von v. Siebold aus Japan eingeführte S. sieboldi. Sedum japonicum mit blaugrünen, rotgesäumten Blättern und roten Blüten verwendet man als Ampelpflanze oder zur Einfassung in Gärten. Auch das in Sibirien heimische Sedum crassifolium mit roten Blüten in gedrängter Rispe, dessen Blätter von den Kalmücken als Teesurrogat gebraucht werden, wird bei uns häufig in Gärten gezogen.
Wie der scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre) als kleines aeízōon (d. h. immerlebend), wurde die gemeine Hauswurz (Sempervivum tectorum) als großes aeízōon schon im Altertum auf Dächern zur Abhaltung des Blitzes gepflanzt. Daneben wurde sie nach Plinius als Zierpflanze auch in irdenen Töpfen gezogen und ihr aus den zerquetschten Blättern gewonnener Saft nach Dioskurides als kühlendes, zusammenziehendes Mittel auf Brandwunden gelegt. Karl der Große befahl die Anpflanzung der Hauswurz auf seinen Gütern. So wurde sie, auch mit Hilfe der Klöster, in Mitteleuropa populär und spielte bis in die Gegenwart in der ländlichen Arzneikunde eine wichtige Rolle, indem der aus ihr gepreßte Saft gegen Halsentzündungen, wunde Brustwarzen, Bienenstiche und Brandwunden verwendet wurde. Zur Hexensalbe mußten die Blätter des „Donnerkrautes“ am Donnerstage gepflückt werden.
Von den Steinbrechen (Saxifraga) dient die in den Pyrenäen und in Irland heimische Saxifraga umbrosa mit weiß, gelb und rot punktierten Blüten in länglichen Rispen ebenfalls zur Einfassung in Gärten, während die aus China und Japan stammende S. sarmentosa mit rotbehaarten Blättern und weißen oder blaßroten Blüten sich als Zierpflanze häufig in Zimmern und Gewächshäusern findet.
Die Primeln oder Schlüsselblumen sind meist Hochgebirgsbewohner. Die Mehrzahl der etwa 140 Arten wächst in Europa und Asien, wenige kommen in Nordamerika vor und bilden auch hier den ersten Frühlingsschmuck der Bergwiesen, weshalb sie überhaupt ihren Namen erhielten. Primula, das Verkleinerungswort des weiblichen prima, bedeutet nämlich der kleine Erstling. Diese Bezeichnung bekam die Pflanze, weil sie mit dem Veilchen als erster Bote des Lenzes erscheint und als solcher die Gemüter der aus der winterlichen Enge in die ergrünenden Fluren Hinausziehenden doppelt erfreut. Im Deutschen erhielt sie den Namen Schlüsselblume, weil sie als die erste Frühlingsblume den Himmel gleichsam erschließt. Als Heilmittel war seit dem Altertum besonders die arzneiliche Schlüsselblume (Primula officinalis) mit gelben Blüten sehr hochgeschätzt. Daraus bereiteter Tee galt als sehr nervenstärkend und heilsam gegen Krämpfe, Nervenzufälle und Gemütsverstimmung. Schon die später heilig gesprochene Hildegard, Äbtissin des Klosters Rupertsberg bei Bingen im 12. Jahrhundert, pries den hymelsloszel (Himmelschlüssel) wegen seiner Heilkraft. Außer solcher sollte er aber auch noch das Vermögen besitzen, den Zugang zu verborgenen Schätzen zu erschließen. Er hieß deshalb auch Marien- oder Petersschlüssel. Bis in unsere Zeit wurden wenigstens die Blüten arzneilich und die Wurzel als Niesmittel gebraucht. Mit ihr wurde auch die gelbblühende Primula elatior von den Wiesen und Rainen in die Gärten verpflanzt und in Kulturpflege genommen. Beide Pflanzen werden jetzt in mehreren gelb, rot, braun, auch gefüllt blühenden Varietäten als Zierpflanzen kultiviert, ebenso die Hybriden oder Bastarde derselben mit Primula acaulis. Letztere mit sehr kurzgestielter Dolde und fünf safrangelben Flecken auf dem flachen Saum der hellgelben Blumenblätter wächst im Mittelmeergebiet und in Mitteleuropa. Bei manchen Varietäten entwickelt sich der Kelch in der Form und Farbe der Blumenkrone, so daß zwei gleiche Blumen ineinander zu stecken scheinen.