Von Kalifornien bis Mexiko wachsen in 10 Arten die zu den Mohngewächsen gehörenden Eschscholzien, so genannt nach dem 1793 in Dorpat geborenen und 1831 als Professor der Medizin gestorbenen Joh. Friedr. Eschscholtz, der 1815 und 1823 Kotzebue als Arzt auf dessen Entdeckungsreisen begleitete. Diese dem Mohn verwandten Pflanzen sind durch einen verwachsenblätterigen Kelch ausgezeichnet, der, über seinem Grunde umschnitten, in Form einer geschnäbelten Mütze abfällt. Häufig findet man in unseren Gärten die 30 cm hohe E. californica mit großen, glänzendgelben, im Grunde orangefarbigen Blüten; sie ist sehr dankbar, vom Sommer bis in den Herbst blühend und ausdauernd, erfriert zwar bei uns, sät sich aber von selbst aus und verbreitet sich dabei sehr leicht. Sie enthält mehrere Alkaloide und wird in ihrer Heimat als schlafmachendes und schmerzstillendes Mittel benutzt.

Eine Amerikanerin ist auch die bei uns beliebte Flammenblume (Phlox, wegen der leuchtenden Blüten so, d. h. Flammenfeuer, genannt). Von den 30 nordamerikanischen Arten werden mehrere wegen ihrer schönen, vorherrschend roten Blüten in zahlreichen Spielarten und Blendlingen als eine Hauptzierde unserer Gärten kultiviert. Phlox drummondi (nach dem englischen Naturforscher James L. Drummond, der 1826 Nordamerika bereiste und 1835 auf Kuba starb, so genannt) aus Texas mit lilafarbigen, am Schlunde dunkelpurpurrot gefleckten, auch hell- und dunkelpurpurroten oder rosenroten und weißen Blüten ist einjährig, und wurde 1835 von Drummond im Garten von Kew bei London eingeführt, von wo aus sie bald nach dem Kontinent verbreitet wurde und hier überall willige Aufnahme fand, da sie reich blüht, ausdauernd und winterhart ist. Dieselben Vorzüge besitzt der 1 m hohe Staudenphlox (Ph. paniculata) aus Nordamerika mit ursprünglich hellilafarbenen Blüten in großen Doldentrauben. Er wird wie die ebenso hohe Ph. divaricata und die übrigen Phloxarten in vielen Varietäten in den prächtigsten Farben und Zeichnungen, auch in wohlriechenden Formen gezogen. Unter ihnen eignen sich die niedrigen Phlox procumbens und reptans besonders zu Einfassungen.

Eine einjährige, 30–60 cm hohe Zierpflanze unserer Gärten aus dem westlichen Nordamerika, die auch bei uns verwilderte, ist die großblütige Collomie (Collomia grandiflora) mit rötlichen Blüten. Eine ebenso beliebte nordamerikanische Zierpflanze ist das ausgezeichnete Hainschönchen (Nemophila insignis) mit kornblumenblauen, seltener weißen Blüten aus Kalifornien, während die ihr nahe verwandte himmelblaue Wasserwinde (Hydrolea azurea) eine hübsche, kleine Treibhauspflanze aus Mexiko ist.

Verwandt mit dem südamerikanischen Chinabaum sind die Bouvardien, kleinwüchsige Sträucher oder Kräuter mit präsentiertellerförmigen, weißen, gelbroten oder roten, besonders am Abend sehr wohlriechenden Blüten. Mehrere von den in Mexiko und Mittelamerika heimischen Arten werden als Garten- und Zimmerpflanzen kultiviert, so besonders die langblütige Bouvardia (B. longiflora) mit langen, weißen, abends herrlich duftenden Blüten, die in ihrer Heimat Zentralamerika als Flor de San Juan (d. h. Johannesblume) sehr beliebt ist.

Aronsgewächse des tropischen Südamerika sind die Caladiumarten, von denen Caladium bicolor aus dem Gebiet des Amazonenstromes mit pfeilförmigen Blättern, die einen großen rötlichen Fleck in der Mitte aufweisen, und C. picturatum nebst deren Hybriden die zahlreichen buntblätterigen Caladien lieferten, die als Zierpflanzen in Warmhäusern gezogen werden. Im entwickelten Zustande halten sie bei guter Pflege einige Zeit im Zimmer aus. Alle 10 Arten haben scharfschmeckende Blätter und Knollen, wegen der letzteren werden manche Arten in ihrer Heimat als Nährpflanzen kultiviert. Besonders zahlreich ist auch die Pfeffergattung Peperomia in Amerika vertreten. Von P. scandens von Peru bis zu den Antillen, P. elliptica auf den Maskarenen, östlich von Madagaskar, und P. maculosa in Peru und auf San Domingo werden die scharfschmeckenden Blätter wie Betel gekaut. Mehrere Arten, wie P. marmorata und P. arifolia, kultiviert man als Blattpflanzen im Warmhaus und Zimmer.

Eine ausschließlich amerikanische Pflanzengruppe sind endlich auch die Kakteen, dickfleischige Gewächse, die wegen ihrer wunderlichen Gestalt und schönen Blumen sich in der Gegenwart bei uns besonderer Beliebtheit erfreuen. Sie sind Produkte der Anpassung der Pflanze an die regenarme Wüste, Erzeugnisse der heißglühenden Sonne in einem fast niederschlagsfreien Gebiet, wo mit jedem Tropfen Wasser gegeizt werden muß. Ihr ganzer Leib besteht aus dem zu einem Wasserreservoir verdickten Stengel, an welchem die Blätter zu spitzen Stacheln geworden sind, die manchmal sich auch zu weißen, lufthaltigen Haaren verdünnen wie beim Greisenhaupt. Neben der wechselvollen, an Monstruositäten reichen Körperform liegt ein Hauptreiz der Kakteen in ihren wundervollen Blüten, die es an Schönheit mit jeder andern im Pflanzenreiche aufnehmen können. Während manche Kakteen nur selten und erst im hohen Alter blühen, zeichnen sich andere durch einen stattlichen Blütenflor aus. Besonders große und schöne Blumen treffen wir bei den Säulenkakteen, namentlich bei denjenigen, die am Gestein emporklettern; unter ihnen ist ja die „Königin der Nacht“ durch ihre herrlichen, fein duftenden, leider nur eine Nacht über offenen Blüten berühmt. Auch die zarten, köstlichen Blüten der andern Kakteen, die bei den Säulenkakteen, Fackeldisteln und Igelkakteen meist weiß, bei andern gelb und bei den Phyllokakteen in allen Nuancen von Rot gefärbt sind, dauern oft nur wenige Stunden und im besten Falle einige Tage, im Gegensatz zu den oft viele Wochen ausdauernden Orchideenblüten. Bei einzelnen Arten, wie etwa bei Echinopsis eyriesii, ist der Vorgang des Blühens ein so kurzer, daß sich das Entfalten und Verwelken der Blüten geradezu mit den Augen verfolgen läßt. Doch haben es die Kakteenzüchter in neuerer Zeit verstanden, durch Kreuzbefruchtung von rasch verblühenden Arten mit den länger blühenden Phyllokakteen herrliche Bastarde, sogenannte Hybriden, zu erlangen, die zu den hervorragendsten Blütenpflanzen überhaupt gehören, so z. B. den herrlichen Phyllocactus pfersdorffii.

Weil durchweg alle Kakteen in Verbindung mit großer Anspruchslosigkeit eine außerordentliche Lebensfähigkeit besitzen, eignen sie sich ganz besonders zur Zimmerkultur, wie sie bei uns gewöhnlich betrieben wird. Deshalb werden in Europa zahlreiche Vertreter der etwa 900 ausschließlich dem warmen Amerika angehörenden Arten gezogen, da sie bei aller Leichtigkeit der Kultur durch ihre interessanten exotischen Formen und die prächtigen Blüten erfreuen. Wenn sie auch als Kinder des Lichts die Sonne lieben und große Hitze ertragen, aber auch erhebliche Mengen des oft genug verweigerten Wassers verlangen, so ist es falsch, in ihnen Pflanzen zu sehen, die zu ihrem Gedeihen unbedingt eine Backofentemperatur nötig haben. Ja, umfangreiche ältere Exemplare mancher Arten haben sich bei uns so eingewöhnt, daß sie im Winter ungedeckt im Freien aushalten, ohne Schaden zu nehmen. Von wirklichen Kulturschwierigkeiten ist übrigens bei den Kakteen kaum die Rede. Sie lassen sich mühelos durch Stecklinge, wie auch durch Samen vermehren. Sind sie in letzterem Falle einmal dem Keimlingsstadium entwachsen, dann sind selten noch Verluste zu befürchten. Allerdings muß in der Kultur derselben bei uns die Wasserzufuhr regelmäßiger als in ihrer Heimat erfolgen. Zudem nimmt man an ihnen vielfach Pfropfung und Veredelung vor, um langsam wachsende Pflanzen zu kräftigerer Entwicklung zu bringen und selten blühende Arten zur Entfaltung ihrer Blumen zu veranlassen. Stets aber müssen sie die schöne, frostfreie Jahreszeit im Freien zubringen, wenn sie gut gedeihen sollen, und bedürfen der künstlichen Befruchtung, um keimfähige Samen hervorzubringen, da bei uns die Insekten fehlen, die in ihrer Heimat die künstliche Übertragung des Blütenstaubes auf die Narben vollziehen. Unter den Krankheiten der Kakteen ist die Kaktusfäule am verderblichsten. Als Schutzmittel dagegen muß man für reichliche Zuführung von Luft und Licht und für angemessene Bewässerung sorgen.

Das Endziel der Kakteenpflege ist für uns die Erzielung von schönen Blüten. Und man kann unbedenklich sagen, daß dieses Bestreben lohnend ist; denn an Schönheit der Form, Größe und Farbenpracht vermögen, wie gesagt, die Kakteenblüten mit allen Blüten des Pflanzenreichs zu wetteifern. Die Nuancen der meist radförmigen oder trichterförmigen Blüten sind durchweg leuchtend und überaus kräftig, dabei doch niemals grell und scharf. Reinweiß, Schwefelgelb, Hochgelb, Dunkelrosa, Scharlachrot und Orange herrscht vor. Dabei sind durch Kreuzung zahlreiche Zwischenformen entstanden. So erscheinen mehrere Farben der Skala an ein und derselben Blüte, aber niemals hart nebeneinander gesetzt, sondern in Flammenform oder in zarter Verreibung und Tönung ineinander übergehend. Die Prunkhaftesten und dabei doch wieder zartesten in der Farbe sind die Blattkakteen, jene Epiphyllum- und Phyllokaktusarten, die in den deutschen Häusern gewöhnlich um Weihnachten ihre Blüten entfalten.

Der Deutsche mit seinem lebhaften Sinn für das Farbenfrohe, Leuchtende, sah in diesen Blattkakteen, von denen besonders die Phyllokaktus in etwa 12 Arten aus Mittel- und Südamerika, speziell aus Brasilien bei uns eingeführt wurden, sogleich einen neuen geeigneten Schmuck seiner Fenster, neben den von ihm bis dahin bevorzugten Geranien, Begonien und großblütigen, gefüllten Nelken. Dieser Blumenliebe, namentlich der Landbewohner, haben wir es zu danken, wenn wir bei unsern sommerlichen Wanderungen durch die Dörfer neben jenen älteren auch diese in reichem Maße antreffen.