Da man nun mit Recht vermuten kann, daß sich die Bauernfrauen mit ihrer Kakteenpflege wohl kaum so viel Mühe geben, wie ihre Gatten und Brüder beim Kartoffelbau, so läßt sich schon hieraus unschwer schließen, daß die Pflege der akklimatisierten Amerikaner nicht allzuschwer sein kann. Auch hier gilt, wie übrigens bei allen Blütenpflanzen, durch vielfache Experimente begründete Regel, daß möglichste Vernachlässigung und Schlechtgehaltenwerden der Stöcke sie eher zu reichlichem Blühen bringt als sorgfältige Pflege und Hegung.

Die Gärtnereien haben die Sache von der praktischen Seite aufgefaßt. Wiederum waren es namentlich die Phyllokakteen, die in Kreuzungen und neuen Formen die Farbenskala fast erschöpften, — allerdings ohne jemals Blau hervorzubringen. „John Baker“, „Franceschi“, „Jules Simon“, „Wrayi“ usw. gehen vom prachtvollsten Gelb und Rot bis zum Kompromiß beider Farben, bis zur Halbblutorangefarbe von „Victoria“. Die Erzeugung dieser neuen Arten ist ein ganz besonderes Kapitel gärtnerischer Kunst, und man ist sehr auf dem Holzweg mit der Annahme, daß solche praktisch verwertbare Kreuzung nur ein Kinderspiel sei. Häufig kommt erst nach hundert Fehlschlägen ein Erfolg und auch dann oft nur ein halber.

Merkwürdig bei diesen Blattkakteen ist, daß sie ähnlich wie die Camellien mit ihren Blüten gewissermaßen eine Art sensiblen Empfindens zeigen. Rückt man nämlich ein mit Blütenknospen bedecktes Epiphyllum vom Fenster ab und gibt ihm nur eine leichte Drehung, so kann man in neun von zehn Fällen darauf rechnen, daß der Blütenansatz binnen wenigen Tagen abfällt, womit leider die Herrlichkeit für ein volles Jahr vorbei ist. In ihrer Heimat sind diese Blattkakteen nicht am Boden, sondern als Epiphyten auf Bäumen wachsende Überpflanzen, die mit ihren hübschen Blüten im Verein mit den in nicht minder leuchtenden Farben prangenden Lianenblüten den schönsten Schmuck der Urwaldbäume des tropischen Amerika bilden.

[3] Band II, „Das Leben der Erde“ behandelnd, mit 380 Abbildungen im Text und 21 Vollbildern, 1908, im Verlag von Ernst Reinhardt, München, erschienen.

XXX.
Die Zierbäume und Ziersträucher.

Die ältesten Baumbestände unserer Parks reichen in die Zeit zurück, da die herrschaftlichen Landsitze ganz Mitteleuropas nach dem Beispiele des Gartens von Versailles mit geraden Baumalleen durchzogen waren. Damals mußten sich die Bäume der Schere beugen und ihre Kronen in regelmäßige, geometrische Formen, meist Vierecke oder Kugeln, bringen lassen. Gegen diese Unnatur erfolgte nun, wie wir im Abschnitt über die Geschichte des Ziergartens erfuhren, von England aus durch den Einfluß ostasiatischer Gartenkunst eine Reaktion, die im „englischen Garten“ die Rückkehr zu den Formen der natürlichen Landschaft sah. Während bis dahin die Baum- und Straucharten dem heimischen Bestande entnommen worden waren, ging man zugleich dazu über, auch einige südeuropäische Vertreter der Pflanzenwelt, vor allem Platane, Roßkastanie, Flieder und Goldregen in den Parkanlagen anzusiedeln. Dazu kamen mit der Zeit zahlreiche amerikanische Gäste aus einem ausgedehnten Waldgebiet mit vielen sehr schönen Formen mit dem mitteleuropäischen ähnlichen Klima. Bereits im Jahre 1636 waren gegen 50 kanadisch-virginische Bäume und Sträucher aus den französischen Kolonialgebieten Nordamerikas im Pariser Jardin des plantes angesiedelt. Und bei den regelmäßigen Verbindungen mit jenen konnte es nicht fehlen, daß die kleinen und großen Parkbesitzer immer mehr der fremden, interessanten Typen zusammenzubringen suchten. Für Deutschland gewannen die Anlagen in Harbke und Tegel in der Mark Brandenburg eine führende Stellung. Hier hatte man, von vorzugsweise praktischen Gesichtspunkten ausgehend, um der überhandnehmenden Holznot zu steuern, die Verwendung der fremden Bäume im heimischen Forstbetrieb versucht. Dabei zog man aus den Erfahrungen Nutzen, die Freiherr von Wangenheim als Offizier des 1776 vom Kurfürsten Friedrich II. von Hessen-Kassel an die Engländer zum Kampfe gegen die nordamerikanische Union verkauften hessischen Feldjägerkorps — im ganzen waren es 22000 Mann, für die jener elende Monarch zur Bestreitung seiner Mätressenwirtschaft 21276778 Taler „Blutgeld“ einstrich — bis zum Jahre 1784 an Ort und Stelle zu sammeln Gelegenheit hatte. In jener Zeit entstanden die Pflanzungen fremder Baumarten, die heute durch ihre Größe in den Parks von Wilhelmshöhe bei Kassel, von Schwetzingen bei Heidelberg, Wörlitz bei Dessau im Anhaltischen und anderwärts unsere Bewunderung erregen. Dem 19. Jahrhundert blieb es vorbehalten, die Baumschätze des westlichen, pazifischen Teiles von Nordamerika aufzuschließen und endlich auch die wertvollen Bestandteile der ostasiatischen Baumvegetation sich anzueignen. So wurden in den letzten Jahrzehnten besonders japanische und mandschurische Arten in stets steigender Zahl bei uns eingeführt.

Alle in unsern Parkanlagen angesiedelten Bäume stammen aus einem der großen Waldgebiete der nördlichen gemäßigten Zone, also Mitteleuropa vom Kaukasus bis zu den Gebirgen Spaniens, vom atlantischen und von diesem wesentlich verschiedenen pazifischen Teile von Nordamerika und Ostasien. Die übrigen Teile der Erde und vor allem die ganze südliche Erdhälfte haben nur ganz wenige und unbedeutende Arten geliefert. Sprechen wir aber von der Einführung fremder Baumarten nach Deutschland, so dürfen wir nicht vergessen, daß auch von den heimischen Arten nicht wenige importiert sind. So ist die Lärche nur in den Alpen heimisch und wurde von da nach den Niederungen gebracht. Auch die Weißtanne ist im größten Teile Norddeutschlands erst künstlich angesiedelt worden, und der Buchs tritt nach seiner natürlichen Verbreitung nur am Hörnli bei Basel und an der oberen Mosel auf deutsches Gebiet über. Die Stechpalme gedeiht bloß im Bereiche des atlantischen Klimas.

Natürlich müssen bei der Einbürgerung fremder Arten vor allem die klimatischen Verhältnisse in Berücksichtigung gezogen werden, wobei vor allem die Länge und Intensität des winterlichen Frostes, die frühe oder späte Jahreszeit, in welcher die zum Austreiben der Blätter oder Sprosse nötigen Temperaturen erreicht werden, dann die Höhe der sommerlichen Temperaturen während der Vegetationsmonate und schließlich die Regenmengen während derselben maßgebend sind.

Mit die wichtigsten Zierbäume unserer Parks sind die Nadelhölzer, unter denen die Tannen und Fichten am häufigsten angetroffen werden. Neben der Weißtanne (Abies pectinata) ist die 14 Tage später austreibende, durch ihre schöne, im Freistande länger aushaltende Beastung ausgezeichnete, nach ihrem Entdecker benannte Nordmannstanne (Abies nordmanniana) aus dem Kaukasus zu nennen. Dann die kilikische Weißtanne (A. cilicica) aus dem Taurus, die weniger frostempfindlich ist als die griechische und spanische Tanne (A. cephalonica und pinsapo), welche nur in frostfreien, geschützten Lagen gedeihen und durch ihren regelmäßigen Wuchs das Auge erfreuen. Eine der schönsten nordamerikanischen Arten ist die mattgrüne, durch ihre Frosthärte und ihre Raschwüchsigkeit in der Jugend beliebte Koloradotanne (A. concolor). Gleichfalls sehr lange, aber unten hellere Nadeln als oben besitzt die ebenfalls bei uns eingeführte kalifornische Küstentanne (A. grandis), die in ihrer Heimat 90 m hoch wird und damit die höchste aller Tannen ist. Sehr viel niedriger, manchmal nur strauchartig sind die Balsamtannen, die den für die Mikroskopie wichtigen Kanadabalsam liefern. Besonders trifft man die atlantische Balsamtanne (A. balsamea) als Parkbaum nicht selten, während die ostasiatischen Tannen bis jetzt nur wenig Eingang in unsere Gärten fanden. Die bei uns am häufigsten angetroffene Vertreterin der in Nordamerika und in Ostasien heimischen Hemlockstannen der der Abies nahe verwandten Gattung Tsuga ist die kanadische Schierlingstanne (Tsuga canadensis). Dichter benadelt und raschwüchsiger, aber gegen Frost weniger widerstandsfähig ist die westliche Schierlingstanne (T. mertensiana). Eine der schönsten und forstlich wertvollsten Errungenschaften aber ist die in ihrem Aussehen der Fichte ähnliche, nach dem schottischen Botaniker Douglas benannte Douglastanne (Pseudotsuga douglasii), deren Nadeln beim Trocknen nicht abfallen, darin also den Tannen gleichen, während die Fruchtzapfen sich nicht entblättern wie bei diesen, sondern wie bei den Fichten als Ganzes abfallen. Ihre Rinde ist von zahlreichen Harzbeulen blasig aufgetrieben. Dieser wichtigste Waldbaum Nordamerikas ist grün und zeichnet sich durch große Raschwüchsigkeit gegenüber der blaugefärbten Kolorado-Douglasie (P. glauca) aus, die aber frosthärter ist. Im Süden ihres Verbreitungsgebietes ist letztere geradezu bläulichweiß, so daß sie mit der ebenfalls im Felsengebirge heimischen blauen Form der Stechfichte (Picea pungens var. glauca) als Zierbaum in Wettbewerb tritt.