Zahlreicher und für unsere Parks von größerer Bedeutung sind die Fichten, unter denen die gemeine Fichte oder Rottanne (Picea excelsa) die verbreitetste ist. Sie ist mit Unrecht wegen ihrer steifen Langweiligkeit verschrien, da sie in zahllosen Spielarten, wie Hänge-, Trauer-, Schlangen-, Säulen- und Zwergfichten, auftritt. Sie kann bis 60 m hoch werden und bei einem Alter von 700–800 Jahren einen Stammdurchmesser von 2 m erlangen. An sehr trockenen Standorten bildet sie Kümmerformen, die durch niedrigen, langsamen Wuchs und kurze Benadlung ausgezeichnet sind. Zweige solcher ähneln dann der aus Kleinasien stammenden Sapindusfichte (P. orientalis), die von allen Fichtenarten die kleinsten, höchstens 1 cm langen Nadeln besitzt. Sie wird 30 m hoch und bildet im Taurus und Kaukasus ausgedehnte Bestände. An den Zweigen und Zapfen scheidet sie häufig als Sapindustränen bezeichnete Harztropfen aus. Von europäischen Formen sind noch die von Skandinavien durch ganz Nordasien heimische Altaifichte (P. obovata) und die auf den Bergen des Balkans heimische, dort omorika genannte Omorikafichte (P. omorica) zu nennen. Letztere hat einen sehr schlanken Wuchs, wird bis 40 m hoch und zeichnet sich ganz besonders durch ihre merkwürdig geringe Empfindlichkeit gegen Beschädigung durch die giftigen Gase, speziell die schweflige Säure, des Steinkohlenrauchs aus, was sie für alle Parks um unsere schlotreichen Städte mit ihren zahlreichen Fabrikanlagen doppelt wertvoll macht.
Als Zierhölzer so wichtig wie als Nutzhölzer sind die amerikanischen Fichten, von denen die blaugrün erscheinende, bis 50 m hohe Weißfichte (P. alba) aus dem östlichen Nordamerika von Kanada bis Nordkarolina und die etwa 25 m hohe, dunkelgrüne Schwarzfichte (P. nigra) mit schwärzlicher Rinde, die im östlichen Nordamerika ausgedehnte Wälder bildet, um 1700 nach Europa gelangten. Etwas später, nämlich erst seit 1755 hier eingeführt, ist die bis 20 m hohe frischgrüne Rotfichte (P. rubra) mit rötlichem Holz, die im nordöstlichen Nordamerika heimisch ist und an der Hudsonsbai in buschigen Zwergformen die nördliche Grenze des Baumwuchses erreicht. Leichter an den scharfstechenden, sparrig abstehenden, blauen oder silbergrauen Nadeln kenntlich ist die erst 1863 ebenfalls aus Nordamerika zu uns gebrachte Stechfichte (P. pungens). Sie wächst im Felsengebirge zwischen 2000 und 2800 m Höhe und hat sich als zweifellos schönste unserer Koniferen besonders in der als Blaufichte (var. glauca) bezeichneten Varietät mit durch einen Wachsüberzug als Verdunstungsschutz bläulichweißen Nadeln sehr rasch in unsern Gärten verbreitet. Derselben prächtigen Färbung wegen wird auch die als Silberfichte (var. argentea) bezeichnete Varietät der Engelmannsfichte (P. engelmanni) als Zierbaum unserer Gärten geschätzt. Seltener wird in unseren Parks die im pazifischen Nordamerika — auch auf der Insel Sitka im Territorium von Alaska — heimische Sitkafichte (P. sitchensis) angetroffen. Endlich ist auch seit 1861 die außerordentlich schöne, bis 40 m hoch werdende Picea alcockiana mit dunkelgrünen, unterseits bläulichgrünen Nadeln, die wie alle vorigen ein sehr gutes Nutzholz liefert, aus Japan bei uns eingeführt worden.
Während bei den bisher besprochenen Koniferengattungen die Nadeln stets einzeln an den Zweigen sitzen, ist dies bei den Kiefern (Pinus) nur in den allerersten Lebensjahren des Baumes der Fall. Alle späteren Zweige, die weiterwachsenden Langtriebe, tragen nur häutige Schuppen, in deren Achseln die langen Nadeln zu 2–5 an fast ganz zurückgebildeten Kurztrieben sitzen. In der heimischen Baumwelt sind die zweinadeligen Kiefern vor allem durch die bis 40 m hohe gemeine Kiefer oder Föhre (Pinus silvestris) vertreten. Diese besitzt unter den europäischen Nadelholzgewächsen die weiteste Verbreitung und gedeiht am besten auf tiefgründigem, humosem Sandboden. Dann durch die in Südeuropa verbreitete Schwarzkiefer (P. laricio), die in den österreichischen Alpen in der Abart der österreichischen Kiefer (P. nigricans) vertreten ist, und die subalpine Knieholzkiefer oder Legföhre (P. montana), die in den Alpen von 1400–2000 m Höhe weite Flächen bedeckt und einen energischen Schutz gegen Lawinen und Erdrutsche bildet. Dagegen stehen je 5 Nadeln beisammen bei der im Hochgebirge heimischen Arve oder Zirbelkiefer (P. cembra) und bei der aus Nordamerika zu uns gelangten Weymouthskiefer (P. strobus), einem Baume mit grauer, glatter Rinde und regelmäßiger, kegelförmiger Krone. Sie bildet im atlantischen Nordamerika große Wälder und erhielt ihren Namen daher, daß sie im Jahre 1705 durch Lord Weymouth aus den Neuenglandstaaten nach Europa gebracht wurde. Dank ihrer weichen, seidenglänzenden Benadlung ist sie jetzt überall bei uns als Zierbaum sehr beliebt. Im pazifischen Teil Nordamerikas ist sie durch die ihr sehr ähnliche, aber in unseren Gärten nur selten angetroffene Gebirgsstrobus (P. monticola) vertreten. Ihr sehr ähnlich ist die im Himalaja heimische Tränenkiefer (P. excelsa) so genannt, weil deren Zweigspitzen und besonders die großen, bis 25 cm langen Zapfen meist mit tränenartigen Harztropfen besetzt sind. Mit ihr trifft man in Gärten weiterhin die vielfach nur als örtliche Varietät der vorigen angesehene rumelische Strobus (P. peuce) mit kürzeren, steifen Nadeln und kürzeren Zapfen an. Außerdem finden wir nicht selten die größte Kiefernart, nämlich die kalifornische Zuckerkiefer (P. lambertiana) mit 40 cm langen Zapfen und die nur wenig von ihr unterschiedene Goyokiefer (P. pentaphylla) in unsern Parks angepflanzt. Sonst kommen von den etwa 80 bekannten Kiefernarten nur noch wenige für unsere Gärten in Betracht, so die nordamerikanischen Strauchkiefer (P. banksiana), die wegen ihrer großen Anspruchslosigkeit an den Boden eine der wichtigsten forstlichen Einführungen und aus dem gleichen Grund auch für den Park, besonders bei Neuanlagen auf Schutt und Ödland, sehr wertvoll ist. Dreinadlige Kiefern sind in den Parks selten anzutreffen. Unter ihnen ist die nur in milden Lagen fortkommende Gelbkiefer (P. ponderosa) aus dem pazifischen Nordamerika wegen ihres üppigen Wuchses und der prächtigen, bis 25 cm langen Nadeln auch bei uns sehr geschätzt.
Wie unter den Kiefern die vorgenannte Arve, ein an der Waldgrenze in den Alpen wachsende, aber stark im Rückgang begriffene Nadelholzart, wegen ihrer dichten Benadlung und ihres regelmäßigen Jugendwachstums ein sehr beliebter Zierbaum unserer Gärten wurde, ist die gleichfalls aus den Alpen stammende Lärche (Larix europaea), trotzdem auch sie ein echter Gebirgsbaum ist, in den Parks der Niederungen angesiedelt worden und gedeiht hier ganz gut. Sie liebt einen steinigen, tiefgründigen Boden und gedeiht nicht auf zu nassem oder trockenem Boden. Aber erst in einem rauhen Klima entfaltet sie ihre ganze Schönheit. Von den acht anderen Lärchenarten, die bei uns im Freien aushalten, ist ihrer dekorativen Wirkung wegen die aus Japan kommende zartschuppige oder Hondolärche (L. leptolepis) besonders beliebt. Infolge eines zarten Wachsüberzuges zur Einschränkung der Wasserverdunstung erscheinen ihre Nadeln blaugrün und gehen im Herbst in Violett über; ihre jungen Triebe sind rotbraun, während sie bei der europäischen Lärche graugelb sind. Nur in der Blütezeit ist ohne weiteres die im Amurgebiet und im Kamtschatka heimische sibirische Lärche (L. dahurica) zu erkennen, und zwar an der grünen Farbe ihrer weiblichen Blüten, die bei allen anderen Arten karminrot gefärbt sind. Die 30 m hohe zierliche Larix pendula aus dem atlantischen und die 40–80 m hohe schlanke Larix occidentalis aus dem pazifischen Gebiete von Nordamerika werden nur ganz ausnahmsweise bei uns angepflanzt.
Mit den Cedern zusammen tragen die Lärchen nur einzelne Nadeln an ihren Trieben; dann erst bilden sich an diesen Langtrieben seitlich knopfige Kurztriebe, an denen die Nadeln zu Büscheln gedrängt stehen. Während die Nadeln aber bei den Lärchen weich und zart sind, da sie nur ein Jahr auszudauern brauchen, weil diese Baumart regelmäßig im Herbst ihre dann schön goldgelb gefärbten Nadeln abwirft, sind sie bei den Cedern, weil bleibend, starr und stechend. Von den drei immergrünen Cederarten steht die Libanonceder (Cedrus libani) den Lärchen am nächsten und unterscheidet sich von ihnen außer durch die bleibenden Nadeln durch ihre äußere Erscheinung und die kugelige, aufrechte Zapfenform. Sie trägt in der Jugend einen überhängenden Wipfel, bildet aber im Alter eine prächtig aufgebaute schirmförmige Krone. Dieser Baum, der einst auf allen Gebirgen Syriens und Kleinasiens prächtige Bestände bildete, ist jetzt in seiner Heimat fast ausgerottet, gedeiht aber als Parkbaum in Deutschland nur in sehr milden, luftfeuchten Lagen. Eher noch als sie gedeiht bei uns die im nordafrikanischen Atlasgebirge heimische Atlasceder (Cedrus atlantica), die sich leicht an ihrem stets aufrechten Gipfel erkennen läßt. Schwer dagegen kommt bei uns die in Nepal und sonst am Südabhang des Himalajagebirges heimische Himalaja- oder Deodarceder (Cedrus deodara, letzteres ist die indische Bezeichnung, die Gottesbaum bedeutet) von pyramidenförmiger Tracht mit nicht hängenden Zweigen bei uns fort.
Mißbräuchlicherweise werden auch anders geartete Nadelhölzer als Cedern bezeichnet, so die in ihrer Heimat sugi genannte japanische Kryptomerie (Cryptomeria japonica), die, seitdem sie Fortune 1844 in Europa einführte, hier und da in unseren Gärten kultiviert wird und auch unsere Winter im Freien aushält. Obschon sie mit den echten Cedern keinerlei Ähnlichkeit besitzt, ihre Benadlung viel eher an die im Zimmer in Töpfen oder im Warmhaus häufig gezogene Norfolk-Araukarie (Araucaria excelsa) erinnert, ist sie bei uns als „japanische Ceder“ im Handel. Sie ist das wichtigste, in vielen Formen gezogene Nutzholz Japans, das in prächtigen alten Exemplaren die heiligen Haine und die Tempel ziert und, wie in ihrer Heimat, so auch in unseren Gärten meist durch Stecklinge vermehrt wird.
Das Gegenstück zu diesem altertümlichen Nadelholz Ostasiens bildet in Kalifornien die nicht minder altmodische Riesensequoie oder die zu Ehren des britischen Feldherrn Arthur Wellesley, Herzog von Wellington (1769–1852), Wellingtonie genannte Sequoia gigantea. Beide sind, wie auch die immergrüne Sequoie (S. sempervirens) im Gebirge Kaliforniens und die im südlichen atlantischen Nordamerika heimische Sumpf- oder Eibencypresse (Taxodium distichum) Reste einer im Tertiär weitverbreiteten Nadelholzgattung, die heute bis auf diese wenigen Vertreter ausgestorben ist. Die in einem kleinen Bezirke in Calaveras County in Kalifornien in 1500 m Höhe auf der Sierra Nevada wachsenden Riesensequoien wurden 1850 vom britischen Botaniker Lobb bekanntgemacht. Sie erreichen bei einem Durchmesser von 10 m am Fuß des Stammes eine Höhe von 120 m und sind nach den australischen Eukalypten die höchsten Bäume der Erde, die ein Alter von 4000 Jahre erreichen können. Um die letzten ihres Stammes vor Vernichtung zu schützen, ist das Gebiet, auf dem sie wachsen, zum unantastbaren Nationalpark erklärt worden. Die kleinen, eiförmigen Zapfen enthalten fast nie keimfähige Samen. Deshalb erfolgt ihre Vermehrung wie diejenige der japanischen Kryptomerien in der Regel durch Stecklinge. In unseren Parkanlagen begegnen wir ihnen als streng kegelförmig gewachsenen Bäumen mit unten dickem, nach oben hin aber rasch sich verschmälerndem Stamm. Die pfriemenähnlichen Nadeln erinnern ganz an diejenigen der Kryptomerien, stehen aber allseitig um den Trieb, während sie bei jenen sich in fünf Zeilen darum herum ordnen. Bei der auch bei uns angepflanzten virginischen Sumpfcypresse stehen die zarten, eibenähnlichen Nadeln an den Langtrieben einzeln, an den Kurztrieben dagegen kammartig in zwei dichte Reihen geordnet. Das auffallendste aber ist, daß im Herbst mit den Nadeln zugleich auch die Kurztriebe abgeworfen werden. Die Sumpfcypresse, die in ihrer Heimat in den Sümpfen wächst und darin zur Atmungsmöglichkeit der Wurzeln eigentümlich geknickte, über das Wasser emporragende Pneumatophoren bildet, verlangt bei uns im kälteren Klima einen trockeneren Standort, um der Frostgefahr zu entgehen, und bildet in diesem Falle natürlich auch keine geknickten Atemwurzeln, wie sie es in ihrer Heimat tut. Erreicht auch dieser Baum an seinen natürlichen Standorten mit einem Stammumfang von 10 m bei einer Höhe von 36 m ein ebenfalls mehrtausendjähriges Alter, so wird er darin von der mexikanischen Eibencypresse (Taxodium mexicanum), die nicht auf sumpfigem, sondern mäßig feuchtem Boden wächst, noch übertroffen. So ist in Tule bei Oaxaca in Mexiko noch ein Mitglied dieser Pflanzenfamilie am Leben, dem A. Decandolle ein Alter von 6000 Jahren beimißt. Jedenfalls ist dieser [auf beifolgender Tafel] nach einer Originalaufnahme wiedergegebene Baum, dessen Stamm 1 m hoch über dem Boden gemessen 31 m Umfang besitzt, während die 35 m hohe Krone fast 100 m umspannt, das älteste Glied der heutigen Schöpfung und erscheint schon dadurch ehrwürdig. Hat er doch alles erlebt, was wir kurzlebige Menschen die Weltgeschichte nennen. Als die mächtigen Pharaonen der 4. Dynastie ihre gewaltigen Grabdenkmäler in Form der steinernen Pyramiden von Gise bauten, besaß dieser Methusalem unter den Pflanzen bereits das respektable Alter von 1300 Jahren. Als die Neolithiker Mitteleuropas von Süden her mit den ersten Metallschmucksachen und -Geräten bekanntgemacht wurden, war er schon über 2000 Jahre alt. Und wenn wir alle, die wir heute uns des Lebens freuen, nicht mehr sein werden, so wird dieser noch sehr lebenskräftige Pflanzengreis weiterblühen und gedeihen. Was hat er nicht schon alles erlebt und was wird er noch alles erleben, bis auch er einst zugrunde geht!
Die echte Cypresse (Cupressus sempervirens), deren charakteristische Gestalt sich jedem Italienfahrer unauslöschlich eingeprägt hat, vermag mit alleiniger Ausnahme der besonders mild gelegenen Bodenseeinsel Mainau und ihrer Umgebung nirgends in Deutschland jahrelang ungeschädigt im Freien auszuhalten. Dieses außerordentlich stimmungsvolle, für die heutigen Mittelmeerländer geradezu charakteristische Kind des warmen Südens ist ein 20 und mehr Meter hoher Baum von spitz kegelförmigem Wuchs, der aber auch in einer Abart mit sich seitwärts ausbreitenden Ästen vorkommt, mit dunkelgrünen Blättern und 2–3 cm langen Fruchtzapfen. Es ist die bekannteste der 12 Cypressenarten, die im Mittelmeergebiet, im gemäßigten Asien, in Nordamerika und Mexiko zu Hause sind. Die Cypresse ist von den Bergen des nördlichen Persien und dem Libanon bis nach Griechenland heimisch und findet sich meist in Höhen von 600 bis 1400 m über dem Meer. Dabei soll sie ein Alter von über 2000 Jahren erreichen können und erzeugt ein harzreiches, außerordentlich dauerhaftes Holz, das mancherlei Verwendung findet. Sie hieß bei den Assyriern burâsu, bei den Phönikiern berût, und wahrscheinlich davon abgeleitet, bei den Griechen kypárissos. Überall bei den Semiten war sie seit Alters der heilige Baum der Astarte-Aphrodite, so daß diese gelegentlich auch baalat berût, d. h. Göttin der Cypresse, genannt wird. Mit der Verbreitung des Astartekultes durch die Phönikier gelangte sie mit der Taube, die das heilige Tier der Göttin war, immer weiter westlich überall dahin, wo jene Kolonien gründeten.
Durchaus falsch ist die übrigens sehr ansprechende Darlegung von Victor Hehn, wonach die Cypresse von einem Ursitz auf dem Gebirge von Busi westlich von Herat in Afghanistan, wie ihn Alexander von Humboldt annimmt, im Gefolge des iranischen Lichtdienstes weiter nach Westen verbreitet worden sein soll. In ihrer schlanken, obeliskenartigen Gestalt soll die Zendreligion das Bild der heiligen, zum Himmel aufstrebenden Flamme gesehen haben, und deshalb soll sie vor den Feuertempeln und in den Höfen der Paläste gepflanzt worden sein. Ebensowenig hat sie der Insel Cypern den Namen gegeben. Ihre Beziehungen zur orientalischen Göttin der Fruchtbarkeit sind sehr viel älter als ihre Verehrung bei den feueranbetenden Persern.
Aus ihrem duftenden, der Zeit und dem Wurmfraß widerstehenden Holze — schon Theophrast (im 4. Jahrhundert v. Chr.) nennt es: von Natur unverwüstlich — schnitzte man mit Vorliebe nicht nur Götterbilder von außerordentlicher Dauer, sondern verfertigte allerlei Hausgerät und baute daraus vor allem Schiffe. Schon in Homers Odyssee wird der Baum genannt, indem erwähnt wird, daß um die Grotte der Kalypso Erlen, Schwarzpappeln und wohlriechende Cypressen standen, und weiterhin: als Odysseus als Bettler verkleidet nach seiner Heimatinsel Ithaka zurückkehrte, setzte er sich auf die eschene Türschwelle und lehnte sich an die cypressene Türstütze. Zahlreich waren die Xóana, d. h. die aus Holz geschnitzten ältesten Götterbilder in den griechischen Heiligtümern — bevor die noch dauerhafteren aus Stein, besonders Marmor, aufkamen — und auch die Türen in denselben aus Cypressenholz. Aus Cypressenholz bestand auch die älteste Athletenstatue, die Pausanias im 2. Jahrhundert n. Chr. im Olympia noch stehen sah. Sie stellte den vor dem Jahre 540 v. Chr. lebenden Ägineten Praxidamas dar, war von jenem in den heiligen Hain der Altis gestiftet worden und hatte sich besser erhalten, als eine andere, etwas spätere, die aus Feigenholz gearbeitet war. Ebenso bildeten die Römer ihre ältesten Götterbilder mit Vorliebe aus Cypressenholz.