Die Berberitze (Berberis vulgaris) wird zum erstenmal im Drogenverzeichnis des Platearius aus dem 12. Jahrhundert erwähnt; ihr Name scheint arabischen Ursprungs zu sein. Im 16. Jahrhundert erfreute sie sich großer Beliebtheit und wurde aus ihren Beeren in Frankreich und Deutschland ein Wein gemacht. Der Brombeerstrauch (Rubus fruticosus), dessen Früchte ein beliebtes Kompott geben und von jeher vom Menschen gerne gegessen wurden, hieß bei den Griechen bátos, bei den Römern dagegen rubus und seine Frucht wegen deren Ähnlichkeit mit der Maulbeere morum. Dioskurides und Plinius sagen, daß der Brombeerstrauch den Menschen die eßbaren Früchte liefere, die, wie auch die Blätter, zu Heilzwecken gebraucht werden. Und Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. schreibt: „Im September sammelt man Brombeeren, preßt ihren Saft aus, läßt ihn etwas gären, mischt dann ein Drittel Honig hinzu und kocht die Mischung bis zur Honigdicke ein.“ Wie im Altertum wurden auch im Mittelalter neben den Früchten die Blätter und jungen Schößlinge der Brombeere als Arznei benutzt. In Karls des Großen Capitulare de villis vom Jahre 812 wird ein mit Honig und Gewürzen bereiteter Brombeerwein als moratum erwähnt, der ebenso wie das aus Maulbeeren hergestellte gleichlautende Getränk das ganze Mittelalter hindurch in Klöstern wie in Bürgerhäusern gerne getrunken wurde. In den lateinischen Glossen des Abtes Caesarius von Heisterbach im Siebengebirge bei Bonn aus dem 13. Jahrhundert heißt es: „Unsere Leute werden gehalten, Brombeeren zu sammeln zur Bereitung des Moratum für Feierlichkeiten, kranke Klosterbrüder und hohen Besuch.“
Im Altertum wie im Mittelalter wurde sprachlich nicht zwischen Brombeere und Himbeere unterschieden. Der griechische Arzt Dioskurides nennt beide bátos und unterscheidet letztere von der ersteren durch den Zusatz idaía, weil sie in Menge auf dem (Berge) Ida wachse. Er sagt von den beiden: „Der Himbeerstrauch ist viel zarter als der Brombeerstrauch, hat nur kleine Stacheln und findet sich auch ganz ohne Stacheln (was übrigens auch jetzt noch der Fall ist). Man benutzt beide Sträucher in derselben Weise.“ Nach dem griechischen Beispiele nannten auch die Römer (z. B. Plinius) die Himbeere im Gegensatz zur Brombeere rubus idaeus. Die Himbeere (Rubus idaeus), aus deren Früchten ebenfalls ein wohlschmeckender Beerenwein gekeltert werden kann, wurde teilweise schon im Mittelalter in Klostergärten angepflanzt. Vom 16. Jahrhundert an wurde sie dann auch sehr häufig in den Gärten der Bürgersleute kultiviert. Der im Jahre 1560 in Basel als Sohn eines Refugianten aus Amiens in der Picardie geborene Kaspar Bauhin sagt in einem 1598 in Frankfurt a. Main erschienenen Werke botanischen Inhalts, daß die Himbeere in Böhmen aus den Wäldern in die Gärten verpflanzt sei, und Clusius unterscheidet in seiner 1610 in Antwerpen erschienenen Geschichte seltener Pflanzen rote und weiße (gelbe) Himbeeren. Zu unserer einheimischen kam im 19. Jahrhundert die kanadische Himbeere (R. odoratus), deren große, rote, in Doldentrauben gehäufte Blüten mit leichtem Wohlgeruch flache, rötliche Früchte hervorgehen lassen, die aber zum Essen keinen besonderen Genuß gewähren. Deshalb wird der mit großen, mehrlappigen Blättern besetzte Strauch bei uns nur als Zierpflanze kultiviert.
Die Erdbeere (Fragaria vesca) finden wir zum erstenmal bei Ovid und Vergil im 1. Jahrhundert v. Chr. als fragum erwähnt. Plinius der Ältere vergleicht die Frucht mit derjenigen des Erdbeerbaums (unedo) und sagt, daß beide sich durch ihre Substanz unterscheiden. Nutzpflanze war sie auch im Mittelalter nicht bloß ihrer Früchte, sondern auch der Blätter wegen, die vielfach als Heilmittel benutzt wurden. Kulturpflanze aber wurde sie erst im 16. Jahrhundert. In einem 1537 in Basel erschienenen botanischen Werke erzählt Ruellius, daß die Erdbeere in die Gärten verpflanzt werde, damit sie größere Früchte gebe, und daß dabei die roten Früchte sich teilweise in weiße umgeändert hätten. Ähnliche Angaben finden sich auch bei den deutschen Vätern der Botanik. Bei Elsholtz 1690 werden noch dieselben Varietäten der Walderdbeere als Gartenpflanzen genannt, ebenso bei Weinmann in Regensburg 1737. Es hat also lange gedauert, bevor amerikanische Erdbeeren nach Deutschland gelangten; denn nach Alphonse de Candolle wurde die frühreife nordamerikanische Erdbeere (Fragaria virginiana) mit großen, fast kugeligen, tiefgrubigen, scharlachroten Früchten aus Virginien erst 1629 in englische und die chilenische Erdbeere (F. chilensis) mit den größten Früchten unter allen Erdbeerarten 1715 in französische Gärten eingeführt. Letztere Art wurde zuerst am Musé d’histoire naturelle in Paris gepflanzt und von da verbreitete sie sich nach England, Deutschland und den übrigen Ländern Europas. Bastardformen beider hat dann die europäische Gartenkultur in den Ananaserdbeeren hervorgebracht, deren große, wohlschmeckende Früchte heute in solchen Mengen auf den Markt kommen, daß sich auch der Unbemittelte an ihnen für wenig Geld erlaben kann.
Über die chilenischen Erdbeeren schreibt Professor Otto Bürger in seinem 1909 erschienenen Buche: Acht Lehr- und Wanderjahre in Chile: „Die erste Frucht des Frühlings ist die Erdbeere. Ende Oktober bis in den Dezember hinein hört man schon früh morgens die Frutilleros, die Erdbeerenverkäufer, welche von Renca und Conchali kommen, ihre Ware, die in zwei Körben aus rohen Häuten über einem Maultiere hängt, ausrufen: „la frutilla, la frutilla“ oder „el frutillero, el frutillero; compra la frutilla!“ Und dann kann man 100 Mammuterdbeeren anfänglich für 60–50 (1 Mark bis 85 Pfennige), später für 40–30 Centavos (68–51 Pfennige) erstehen.“
„Die Frutilla (Fragaria chilensis) ist eine einheimische Art, in den mittleren und südlichen Provinzen, vornehmlich in der Vorkordillere von Nuble und im Bereich der Küste von Concepción bis zum Rio Palena und vielleicht bis zur Magelhaensstraße verbreitet. Die Erdbeere ist das einzige chilenische Gewächs, welches wegen seiner Früchte nach Europa verpflanzt wurde. Dem französischen Gelehrten und Reisenden Frezier gebührt solches Verdienst. Er nahm im Jahre 1712 oder 1713 fünf Pflänzchen von Concepción mit, von denen er aber zwei dem Kapitän seines Schiffes als Vergütung für das zum Begießen erforderliche süße Wasser zu belassen hatte. Die übrigen drei brachte er nach Frankreich, und sie riefen alle jene großen Kulturen ins Leben, welche es bis 1820 gab; dann erst gestattete die größere Handelsfreiheit einen Nachschub (Cl. Gay, Agricultura, Bd. 2, S. 113–114). Nachdem sich die chilenische Erdbeere in Europa veredelt hatte und zu riesigen Dimensionen gezüchtet worden war, wurde sie wiederum nach Chile verschifft und gab hier jenen ausgedehnten Erdbeerchacras (chacra, aus der indianischen Quetschuasprache Perus entnommener Ausdruck für kleines Landgut) den Ursprung, wie sie bereits in der Mitte des vorigen Jahrhunderts um Santiago herum bestanden. Namentlich von Kindern wird noch eine kleine Sorte als fresa angeboten, die der Chilene gern zur Bowle nimmt — er braut sich ein solches Getränk aus zerquetschten Erdbeeren und Weißwein. Diese stammt von der gemeinen europäischen Erdbeere ab, die 1830 nach Chile eingeführt wurde.“ Von den über 400 Erdbeerarten, die von unseren Gärtnern durch Kreuzungen und Kulturpflege erzielt wurden, ist außer den vorgenannten besonders auch die großblumige oder Ananaserdbeere (Fragaria grandiflora) aus Surinam mit großen, scharlachroten, verschieden geformten, meist breiter als hohen, unregelmäßigen, oft fast gelappten Scheinbeeren zur Bastardierung benutzt worden.
Die rote Johannisbeere (Ribes rubrum) war den Griechen und Römern unbekannt. In Griechenland wächst dieser Strauch überhaupt nicht und in Italien nur auf den Gebirgen im Norden des Landes und dort auch nur spärlich. Sonst ist diese Pflanze in ganz Mittel- und Nordeuropa, in Skandinavien, Nordrußland und Sibirien, wie auch auf dem Himalaja heimisch. Der Johannisbeerstrauch soll angeblich durch die Normannen nach Frankreich, von da nach Spanien und der Schweiz gekommen sein, was aber sicher unrichtig ist. In den Schriften des Mittelalters wird die Johannisbeere vor dem 15. Jahrhundert nicht erwähnt. Überhaupt hat man in Mitteleuropa, wie Lauenstein feststellte, bis zur ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts noch keinerlei Beerensträucher kultiviert, dafür sammelte man die wildwachsenden Beeren. Erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts wird die Johannisbeere zum erstenmal in einem Manuskript genannt, das die Glosse „ribes sunt Johannesdrübel“ enthält. Noch in den Jahren 1484 und 1494 wird sie in einem Mainzer und Passauer Herbar als sant johans trublin sehr mangelhaft abgebildet. Der aus den zerdrückten Früchten ausgepreßte Saft wurde zu Sirupdicke eingekocht und gegen Magenleiden und Fieber gegeben. Noch im Jahre 1557 wurde sie in England nicht kultiviert, da sie nicht auf der Liste der damals dort angebauten Beerenobstarten figuriert, und selbst im Jahre 1597 war sie in Frankreich eine Seltenheit und besaß noch keinen Eigennamen. Sie wurde damals dort als groseille d’outremer bezeichnet, wie sie jetzt noch in Genf raisin de mare und im Kanton Solothurn in der Schweiz Meertrübli genannt wird, indem man sich einbildete, sie sei übers Meer in die betreffenden Gegenden gekommen, was sicher unrichtig ist. Nur das eine läßt sich aus solchen Ausdrücken erkennen, daß die Johannisbeere als etwas Fremdes, von auswärts Importiertes in diese Länder kam.
Der Name ribes, den die Pflanze in den Arzneibüchern des 16. Jahrhunderts erhielt, beruht auf einer Verwechslung. Die Araber benutzten nämlich unter dieser Bezeichnung eine auf den Gebirgen Syriens wachsende Rhabarberart (Rheum ribes), die in Europa vollständig fehlt, als geschätztes Heilmittel. Der Arzt Serapion, der im 13. Jahrhundert in Spanien oder Marokko gelebt haben soll, weiß noch, daß der echte ribes in Syrien wächst, aber er sagt, daß einige Autoren den Sauerampfer, acetosa, darunter verständen. Der Arzt Mattheus Sylvaticus führt außer Sauerampfer auch noch coccus als Surrogat des echten ribes der Araber an. Letzteres sind aber die Kermeskörner, die durch den Stich der Kermesschildlaus (Coccus ilicis) hervorgerufenen Auswüchse der in Südeuropa und im Orient einheimischen Kermeseiche (Quercus coccifera), die als rote, runde, etwas säuerliche Kermeskörner bis vor etwa hundert Jahren in den Apotheken gebräuchlich waren und deren frischer Saft mit Zucker eingekocht als Alchermeskonfekt feilgeboten wurde. Beim weiteren Suchen nach der arabischen Heilpflanze ribes kam man dazu, die Beeren des Johannisbeerstrauches in Nordeuropa arzneilich zu verwenden und der Pflanze diesen Namen zu geben, der ihm als ribs im Dänischen und rips im Schwedischen bis auf den heutigen Tag verblieb.
Gegen das Ende des 14. Jahrhunderts kam der Johannisbeerstrauch zuerst in Süddeutschland in Kultur, indem seine Beeren medizinische Verwendung fanden. Hier reift er schon um Johanni (24. Juni) und wurde deshalb in Verbindung mit seiner Ähnlichkeit mit den Trauben als sant johannis trübelin bezeichnet. In dem 1539 zum erstenmal in Straßburg herausgegebenen „Kreuterbuch“ des Hieronymus Bock heißt es von ihm: „Das holdselige beumlin, daz die wolschmeckende rohte Johanns Treublein bringet, würt fast inn den Lustgärten gepflantzet.“ Von hier aus hat sich die Kultur des Beerenobstes nach Westen und Norden verbreitet. In Norddeutschland finden wir es zum erstenmal im niederdeutschen „Gaerde der suntheit“, Lübeck 1492, wo es Ribes und Sunte Johansdruuen genannt wird. Von Frankreich, wo die Johannisbeere zuerst in einem 1536 in Basel gedruckten dreibändigen lateinischen Werke von J. Ruellius erwähnt wird, kam sie nach Belgien und Holland und von da nach England. Gegen das Ende des 16. Jahrhunderts kannte man verschiedene Kulturrassen der Johannisbeere, und C. Clusius erhielt im Jahre 1589 aus Amsterdam eine vermutlich in England gezüchtete weißbeerige Form, die vorher nicht bekannt war.