Mögen nun auch die Völker des Altertums den Kork zu den verschiedensten Zwecken benutzt haben, so ist doch das eine sicher, daß sie ihn nicht wie wir zum Stopfen brauchten. Erstens hatten sie keine enghalsigen Flaschen wie wir im Gebrauch, wozu er sich in erster Linie eignet, und für die später von den Römern Galliens von den keltischen Einwohnern des Landes angenommenen Holzfässer aus Dauben war ein hölzerner Spund das gegebene Verschlußmaterial. Die Vorratsgefäße der Alten waren große amphorenartige Tonkrüge, von den Griechen píthos, von den Römern dolium genannt, die mit Deckeln aus demselben Material mit Zuhilfenahme einer dicht verschließenden Masse wie mit Wasser angerührtem Lehm oder gebranntem Gips, auch mit einem Kitt aus Harz, Kreide und Öl luftdicht verschlossen wurden. Wurde der Deckel nicht luftdicht verschlossen, damit man jeweilen vom Vorrate seinen Bedarf zu holen vermochte, so wurde die Verdunstung durch Aufgießen einer Schicht Öl, also in der Regel Olivenöl, z. B. auf Wein, verhindert, wie wir dies noch auf den Chianti- und anderen Weinflaschen Italiens sehen. Erst als die enghalsigen Glasflaschen aufkamen, die vor dem 15. Jahrhundert nirgends in Europa erwähnt werden, fand der Kork seit dem 17. Jahrhundert zur Herstellung von Pfropfen zum Verschließen derselben zunehmende Verbreitung und bald allgemeine Verwendung, nachdem auch hier vorher Wachs- und Holzpfropfen zu deren Verschluß gedient hatten. Dank seiner Wasserdichtigkeit, Elastizität, Dauerhaftigkeit und Leichtigkeit hat sich der Kork nunmehr den Kulturvölkern der ganzen Erde vollkommen unentbehrlich gemacht und wird auch in seiner herrschenden Stellung nicht so leicht von einem andern Stoffe verdrängt werden können. Allerdings ist dem Korkstopfen im letzten Jahrzehnt ein nicht zu unterschätzender Konkurrent entstanden in dem bekannten Patentverschluß mit Gummidichtung, der namentlich bei Bierflaschen fast allgemeine Verwendung findet und den Vorteil bietet, daß die Flasche ohne Zuhilfenahme einer Korkmaschine verschlossen und ohne weiteres geöffnet werden kann. Diese Leichtigkeit, den Verschluß zu öffnen, hat aber auch ihre Schattenseiten, zu denen sich noch andere Nachteile gesellen, so daß gleichwohl für sehr viele Zwecke der Flaschenverschluß durch Kork dauernd beibehalten wird. Was durch diesen Patentverschluß, der auch für die Flaschen zum Sterilisieren der Kindermilch allgemeine Aufnahme gefunden hat, der Korkrinde an Absatz verloren geht, wird reichlich ersetzt durch die von Jahr zu Jahr steigende Verwertung gemahlener Korkrinde zur Herstellung des Linoleums. Dieser Stoff wird als Fußbodenbelag, der leicht zu reinigen ist und sonst viele Vorteile bietet, sich immer mehr die Wertschätzung aller Schichten der Bevölkerung erobern und bald in jeder Wohnung zu finden sein.
Tafel 159.
Korkeiche (Quercus suber) bei Cannes an der Riviera.
(Nach einer in der Sammlung des Botan. Institutes der Universität Wien befindlichen Photographie.)
Tafel 160.
Waldstudie von J. van Ruisdael.
Tafel 161.