Heute wird der Baum, dessen teilweise recht süße Eicheln eine sehr gute Schweinemast bilden — so wird der Wohlgeschmack der berühmten Schinken von Bayonne auf die Mästung der Schweine mit den Früchten der Korkeiche zurückgeführt, während in Spanien diejenigen der immergrünen Eiche (Quercus ilex) zur Schweinemast vorgezogen werden — zum Zwecke der Korkgewinnung in seiner Heimat vielfach angepflanzt und wurde neuerdings auch in den Südstaaten und an der atlantischen Küste südwärts von Virginien eingeführt. Die Anpflanzung erfolgt durch Legen der frisch gereiften Eicheln, was meist im Herbst geschieht. Da die jungen Bäumchen die ersten Jahre hindurch beschattet werden müssen, benutzt man dazu Reben, die zu gleicher Zeit in Reihen gepflanzt werden. Die Bodenbearbeitung, die für die Reben unerläßlich ist und sich durch deren Erträgnisse lohnt, kommt auch den jungen Korkeichen zugute. Mit dem 20. Jahr sind letztere so weit gediehen, daß die Reben durch deren Beschattung leiden und deshalb ausgerottet werden müssen. Zu dieser Zeit sind die Korkeichen ertragsfähig geworden und bleiben es ununterbrochen bis wenigstens zum 150. Jahr. Dann leben sie zwar noch fort, aber mit ihrer Rindenproduktion geht es scharf bergab, so daß sie dann bei geregeltem Forstbetrieb umgehauen werden.

Bis zum 4. Jahre sind Stamm und Äste mit der glatten Oberhaut bedeckt. Diese wird dann durch den sich von da an bildenden Korkmantel gesprengt. Läßt man diesen natürlichen Korkmantel bestehen, so bleibt er dünn, brüchig und für technische Zwecke unbrauchbar. Er wird deshalb, sobald der Stamm eine Dicke von 5–10 cm erreicht hat, mit Messern und Hacken entfernt, ein Vorgang, den man im Hauptproduktionsgebiet des Korkes, in Algerien, als démasclage bezeichnet. Diese erste Rinde hat einen sehr geringen Handelswert und wandert gewöhnlich in die Gerbereien. Die vom Baume neugebildete Rinde erreicht eine bedeutendere Dicke als die erstgebildete und besteht aus weicheren, gleichmäßigen Korkelementen. Mit jeder folgenden Ernte wird die Qualität des Korkes besser.

Nach etwa 8–10 Jahren ist die Korkschicht so mächtig — etwa 5–20 cm dick — geworden, daß sie geschält wird, und dies kann am Stamm in regelmäßigen Intervallen von 8–9 Jahren, an den Hauptästen von 10–12 und an den kleinen Ästen von 16–20 Jahren wiederholt werden. Um eine natürlich wertvollere dickere Rinde zu erhalten, die zur Herstellung von Champagnerpfropfen geeignet ist, wartet man auch am Stamm 10, 12, ja 18 Jahre mit der Abschälung der Korkrinde. Diese geht in der Weise vor sich, daß im Juni oder Juli, wenn der Saftfluß des Baumes in lebhaftem Gange ist, der Stamm in weiten Abständen am Fuß und unter den Hauptästen mit einer am Stielende keilförmig zugeschärften Axt geringelt wird. Diese Ringschnitte werden bei dünneren Stämmen durch zwei, bei dickeren durch drei bis vier Längsschnitte miteinander verbunden. Diese Arbeit wird mit der größten Vorsicht ausgeführt, denn nur die tote Borke, nicht der lebende Bast darf dabei angeschnitten werden. Dann wird die Rinde mit Hilfe des Beiles gelöst, an der Außenseite gereinigt, indem man die Epidermis abschabt und eine Rinde nach der andern, oder auch mehrere nebeneinander mit ihrer Hohlseite nach unten über eine mit glühenden Kohlen gefüllte Grube legt und mit Steinen oder Holz beschwert, damit sie flach werden. Sobald sie angekohlt sind, werden sie auf die andere Seite gelegt, damit auch diese, aber in geringerem Grade, angekohlt werde. Das Ankohlen gibt dem Kork das, was die Stopfenschneider „Nerv“ nennen; es bewirkt ferner ein Schließen der Poren, welche sonst Feuchtigkeit aufnehmen und damit den Kork untauglich zur Verwendung als Stopfen machen würden. Zu stark darf aber die Rinde nicht angekohlt werden, da sie sonst ihre Elastizität verliert. Ist sie dagegen zu wenig angekohlt, dann ist sie nicht fest genug für das Messer des Korkschneiders. Seltener wird die Rinde vor dem Ankohlen in Wassergruben geworfen und mit großen Steinen beschwert, bis sie platt geworden sind. Die geringwertige Korkrinde, welche nicht für die Stopfenschneidereien bestimmt ist, wird einfach auf Haufen an der Luft getrocknet. Nach zwei Monaten haben sie ein Fünftel ihres Gewichtes verloren und werden dann als verkäuflich betrachtet, während die angekohlten Rindenstücke sofort nach der Behandlung mit Feuer auf beiden Seiten oberflächlich mit rauhen Tüchern gereinigt und auf Haufen gesetzt werden, bis die benachrichtigten Käufer erscheinen und sie übernehmen.

Sofort nach der Aberntung werden zwei Längsschnitte, zuweilen auch drei oder vier in den Bast gemacht, soweit er entblößt ist. Dies geschieht, um zu verhüten, daß die sich bildende neue Rinde an der Oberfläche berstet. Doch dürfen die Schnitte niemals an der Nordseite gemacht werden. Wenn die Korkeiche auf einmal geschält wird, bildet sich ihre neue Rinde langsamer, sie wird aber von besserer Qualität, als wenn sie abteilungsweise in Pausen geschält würde. Wenn die Rinde nicht abgeschält wird, so verliert sie nach einer gewissen Zeit ihre Brauchbarkeit. Dieser wertlose Zustand kündigt sich durch Risse und Löcher an, die immer zahlreicher werden, bis die Rinde im 50. oder 60. Lebensjahre gleich derjenigen anderer Bäume in kleinen Stücken abfällt. Solange die Korkeiche lebt, fällt ihre Rinde niemals insgesamt oder in großen Streifen ab, wie manchmal behauptet wird. Wäre dem so, dann würde die Korkeiche eine in dieser Hinsicht einzig stehende Ausnahme in der Pflanzenwelt bilden.

Alle erstgeschälte Rinde ist, wie gesagt, zur Verwendung als Kork wertlos und muß zu einem Spottgeld hauptsächlich als Gerbmaterial verkauft werden. Auch wenn Korkeichen ein reifes Alter erlangt haben, ohne daß sie abgeerntet werden, und sie sollen fortan ausgenutzt werden, so ist ihre Rinde ebensowenig wert als diejenige junger Bäume. Erst durch das Geschältwerden wird sie in der Weise verändert, daß sie sich als Kork verwenden läßt, und zwar wird die Qualität des Korkes, wie gesagt, mit jeder folgenden Ernte besser.

Die in verschiedener Weise zu Ballen vereinigte Korkrinde kommt in verschiedenen Qualitäten in den Handel. Die beste ist elastisch, weder holzig, noch löcherig und von rötlicher Farbe. Die gelb gefärbte ist geringwertiger, am schlechtesten aber ist die weiße. Kork, der Risse hat, wird als Ausschuß betrachtet; ebenfalls solcher, der weich und schlaff ist. Letzteres ist gewöhnlich ein untrügliches Zeichen dafür, daß er auf feuchtem Boden erzeugt wurde.

Ein in gutem Zustande gehaltener Korkeichenwald liefert in jedem 10. Jahr eine Ernte, die zu zwei Dritteln aus ordinärem und Bastardkork und zu einem Drittel aus zur Stopfenfabrikation brauchbarem dickem und dünnem Kork von 5–20 cm Dicke besteht. Die Korkrinde enthält so viel Gerbsäure wie die beste Rinde anderer Eichen; aus diesem Grunde färben sich eisenhaltige Flüssigkeiten, die in Berührung mit dem Kork kommen, durch Bildung von gerbsaurem Eisen mit der Zeit schwärzlich. Die spanischen Gerber, namentlich diejenigen von Cadix, verwenden Korkrinden mit Vorliebe zum Gerben; doch wird sie ihnen nur in sehr beschränktem Maße zugänglich gemacht. Es ist begreiflicherweise viel einträglicher, die Korkeichen zur Korkgewinnung als zu Lohschlägen zu verwenden. Nach einer zuverlässigen französischen Quelle werfen so benutzte Korkeichenwälder eine viermal höhere Rente ab als andere Eichenwälder. Während die Jungfernernte von einem Baume nur etwa 5 kg Kork liefert, beträgt die Ernte von einem vollkräftigen Baum einschließlich der Äste 100–150 kg. Der Durchschnittspreis für 100 kg Kork schwankt zwischen 170 und 180 Mark. Die Gesamtkorkproduktion der Welt läßt sich nicht genau feststellen; doch ist das sicher, daß es sich dabei um einen Wert von gegen 100 Millionen Mark handelt. Verbraucht doch England allein für weit über 20 Millionen Mark dieses für die moderne Kultur ganz unentbehrlichen Rohmaterials jährlich, Deutschland und Frankreich nicht viel weniger.

Die Korkrinde wird hauptsächlich zur Herstellung von Flaschenkorken verwendet, die früher allgemein mit der Hand, neuerdings aber vorzugsweise mit Maschinen geschnitten werden. Der Verlust an Material ist dabei ein sehr großer und beträgt bis zu 60 Prozent. Doch finden auch die Abfälle Verwendung, so besonders zur Herstellung von Linoleum und vielen andern technischen Erzeugnissen, wie Umhüllungsmassen von Dampfröhren, Amboßunterlagen, Stoßkissen auf Schiffen, Schwimmgürteln usw. Außer Korkstöpseln werden auch Korksohlen, Korkjacken, Schwimmer von Fischernetzen und Angelhaken und dergleichen aus Kork hergestellt. Der beste Kork, der ausschließlich zur Herstellung von Champagnerkorken benutzt wird, kommt aus den spanischen Provinzen Catalonien und Andalusien in den Handel. Er darf beim Einpressen in die Flaschenmündung keine Haarrisse bekommen, durch welche die Kohlensäure entweichen könnte, und muß so elastisch sein, daß er selbst nach jahrelangem Gebrauch, mit Wasser gekocht, seine ursprüngliche zylindrische Gestalt und seinen ursprünglichen Umfang wieder erhält. Er kann bis zu 60 Jahre im Dienst aushalten.

Der Kork ist ein Artikel, den schon die alten Ägypter, Griechen und Römer kannten und zu verschiedenen Zwecken verwandten. So benutzten ihn die erstgenannten zur Herstellung von Särgen, die letzteren dagegen zu Bienenstöcken, wie uns Varro mitteilt, der im 1. Jahrhundert v. Chr. schreibt: „Die besten Bienenstöcke sind die aus Rinde (cortex) gemachten.“ Unter dem lateinischen cortex, das zunächst Rinde im allgemeinen bedeutet, ist in diesem Falle vorzugsweise die Rinde der Korkeiche zu verstehen. Aus dem lateinischen cortex ist dann unser deutsches Wort Kork entstanden. Obschon die Korkeiche nicht mehr in Griechenland wächst, beschreibt sie Theophrast im 4. Jahrhundert v. Chr. allerdings nur vom Hörensagen und deshalb nicht ganz richtig. Er sagt von ihr: „Die Korkeiche (phellós) wächst in Tyrrhenien (Etrurien), hat einen einfachen Stamm, wenig Äste, ist hoch und hat festes Holz. Die Rinde ist sehr dick, zerrissen wie bei der Pinie (pítys), jedoch in größere Stücke gespalten. Das Blatt ist wie bei der Esche (melíē), dick und länger (damit meint er wohl die einzelnen Blättchen des Eschenblattes). Der Baum ist nicht immergrün (tatsächlich sind die Blätter der Korkeiche immergrün), sondern läßt die Blätter fallen. Die Frucht ist eichelartig wie diejenige der Ariaeiche (aría). Man schält die Rinde ab und behauptet, sie müsse ganz abgeschält werden, sonst leide der Baum. Diese ersetzt sich in etwa drei Jahren.“ Besonders wurde die schon von Theophrast hervorgehobene Fähigkeit des Schwimmens auf dem Wasser als die schätzenswerteste Eigenschaft dieses Produktes ausgenutzt. So erzählt Plinius, daß der Kork, den er als suber bezeichnet, von den Fischern als Schwimmer für ihre Netze und sonst allgemein als Bojen für die Anker der Schiffe benutzt werde.