Den Blättern und Früchten der Apfel- und Birnbäume sind die Schorf- und Fusicladiumpilze gefährlich. Die Moniliakrankheit verdirbt die Blüten und jungen Triebe der Kirschbäume, der Gnomoniapilz bewirkt die Seuche und das Abfallen ihrer Blätter wie auch das Verderben ihrer Früchte. Verschiedene Kulturpflanzen leiden unter dem Mehltau, unter ihnen besonders der Weinstock; dabei bildet sich ein weißer, dünner Überzug auf braunwerdenden Flecken der Blätter und jungen Weinbeeren. An letzteren stirbt dadurch die Haut ab, noch ehe die Frucht die Hälfte ihrer normalen Größe erlangt hat und zerreißt bei weiterer Ausdehnung des Beerenfleisches, so daß die Beere abstirbt und verfault. Der weiße Überzug besteht aus dem echten Mehltaupilz (Oidium tuckeri), dessen Sporen vom Regen und Wind auf benachbarte Blätter und Trauben weiter verbreitet werden, wo sie bei Vorhandensein von Feuchtigkeit leicht keimen. Regenreiche Jahre begünstigen die Ausbreitung dieser Krankheit, die seit 1845 von England durch Frankreich nach Südeuropa, der Schweiz und Deutschland wanderte und sehr großen Schaden anrichtete. Man bekämpft die Krankheit erfolgreich durch Schwefeln, d. h. Überpudern der Weinstöcke mit Schwefelblumen, wodurch der Pilz getötet und gesunde Pflanzen geschützt werden. Der falsche Mehltau dagegen wird von Peronospora viticola hervorgerufen. Der Pilz zeigt sich nur auf der Unterseite der Blätter als weißer Filz, während auf der Oberseite rundliche, braune Flecken entstehen. Die Krankheit trat zuerst in Amerika auf, wurde hernach in Frankreich und dann in andern Ländern Europas beobachtet und hat seitdem große Verheerungen angerichtet. Sie wird durch Bespritzen der Reben zur Zeit der Rebenblüte und 4–6 Wochen später noch einmal mit 1–1,5 kg Kupfervitriol und 2–2,5 kg gelöschtem Kalk in 100 Liter Wasser erfolgreich bekämpft. Der Pinselschimmel (Penicillium glaucum) verdirbt den Most, weshalb die von ihm befallenen, eine schmutzige, hellgrüne bis gelbliche Färbung zeigenden faulen Beeren vor dem Keltern der Trauben entfernt werden müssen. Nicht ungünstig dagegen ist die durch Peziza funckeliana hervorgerufene Edelfäule der Trauben, indem dieser Pilz in den Beeren mehr Säure als Zucker verzehrt, wodurch ein stärkerer Wein entsteht. Dieser Pilz ruft aber nur bei wenigen Traubensorten, deren Bukett er erzeugt, solch gutartige Veränderungen hervor, so namentlich beim Riesling, dessen Bukett er zwar zerstört, dafür aber ein anderes, dem Sherry ähnliches erzeugt. Alte Weinkenner am Rhein behaupten, daß man erst im Jahre 1822 gelernt habe, aus edelfaulen Trauben die feurigen, edlen Weine des Rhein- und Moselgaues zu bereiten. In jenem Jahre war der Sommer dem Weinstock außerordentlich günstig, so daß schon gegen Ende September eine Überzeitigung eintrat und gelesen werden mußte. Da dann die Weinbauern nicht auf eine so frühe Ernte vorbereitet waren, wurde meist eine „faule Brühe“ gelesen, die aber einen so guten Wein lieferte, daß man diese Edelfäule später künstlich herbeiführte. Auch die Phytophthorakrankheit der Kartoffeln, die Blätter und Knollen dieser wichtigen Nutzpflanze zum Absterben bringt, ist Mitte des vorigen Jahrhunderts aus Nordamerika zu uns gekommen.
Bild 80. Echter Mehltau des Weinstocks (Oidium tuckeri).
a ein vom Pilze befallenes Rebenblatt, b eine von ihm zerstörte Traube, c der Pilz selbst (stark vergrößert).
Außer diesen die grünen Teile der Pflanze angreifenden Pilzen gibt es eine Menge anderer, die die Wurzeln befallen und dadurch die Pflanze zum Absterben bringen. Solche Wurzeltöter bedrohen besonders die verschiedenen in Kultur befindlichen Leguminosen. Aber noch weit mehr als durch pflanzliche sind besonders die Wurzeln durch tierische Feinde bedroht. Diese bestehen ebenfalls meist aus winzigen Lebewesen, vorzugsweise aus der Familie der Würmer, Milben und Insekten. Unter den letzteren, die meist ziemliche Größe aufweisen, gibt es manche, die sich nicht auf bestimmte Pflanzen beschränken, sondern sämtlichen Gewächsen schädlich werden können. Dazu gehören z. B. die Maikäfer, deren Larven als Engerlinge drei bis vier, ja in Ostpreußen sogar fünf Jahre im Boden leben und hier den Wurzeln fast aller Pflanzen gefährlich sind, ferner die schmalen, gelben Drahtwürmer, die Larven des Saatschnellkäfers, die die Wurzeln besonders der Getreidearten, Kartoffeln und Gemüsepflanzen zerfressen, wie auch die verschiedenen Erdraupen, auf die wir hier nicht näher eintreten können.
Bild 81. Falscher Mehltau des Weinstocks (Peronospora viticola).
a davon befallene Traube mit kranken Beeren, b aus einer Atmungsöffnung der Unterseite des Blattes hervorgewachsene gestielte Sporenträger des Pilzes, deren Sporen teilweise schon vom Winde verweht wurden.
Unendlich viel größer als die Zahl dieser allgemeinen Schädlinge ist diejenige solcher tierischer Schädlinge, die immer nur auf eine bestimmte Nährpflanze angewiesen sind und ihr durch ihre große Menge ebenso arg zuzusetzen vermögen wie die verschiedenen speziellen Krankheitspilze. Für die Getreidearten sind die Larven des unübersehbaren Heers der Kornkäfer, deren man jetzt schon über 10000 Arten unterscheidet, dann Frit- und andere Fliegen, ferner Blasenfüße, allerlei Halmwespen und Zwergzikaden gefährlich, für die Zucker- und Futterrüben außer zahlreichen Insekten besonders Rundwürmer. Eines der gefährlichsten Würmchen dieser letzteren Art ist neben dem Rübenälchen das Weizenälchen, welches das sogenannte Gichtigwerden und den Faulbrand des Weizens hervorruft und dadurch oft gewaltigen Schaden anrichtet. Diese sind so zählebig, daß sie selbst nach zwanzig und mehr Jahren völliger Austrocknung nach Befeuchten wieder aufleben. Naturgemäß tritt der durch sie hervorgerufene Faulbrand in nassen Jahren stärker als in trockenen auf. Zum Schutze gegen sie müssen alle gichtischen Körner des Weizens am besten durch Verbrennen vernichtet werden und darf zum Aussäen nur gesundes, in einer halbprozentigen Kupfervitriollösung gebeiztes Saatgut verwendet werden.
Die Kleefelder werden durch das Stockälchen, die Bohnen, Erbsen und andere Leguminosen durch Blattläuse, der Raps durch einen Glanzkäfer schwer geschädigt. Sehr groß ist die Zahl der Obstfeinde im Tierreiche. Die Raupen gewisser Schmetterlinge, wie die des Frostspanners, des Schwammspinners usw., zerstören das Laub und damit auch den Ertrag der Obstbäume. Blüten und Blätter werden verdorben durch den Apfelblütenstecher, durch die Larven mehrerer Wickler, die das Madigwerden und das Abfallen der Äpfel und Birnen verursachen, durch die Kirschenfliege, die die Maden in den Kirschen erzeugt, und dergleichen kleine Insekten mehr. Die Blutläuse sind für die Apfelbaumstämme wie die verschiedenen Schildläuse für andere Obstbaumarten von der größten Gefährlichkeit. Ein schrecklicher Gegner ist dem Weinstock die aus Amerika eingeschleppte, zuerst im Jahre 1863 in Europa bemerkte, seitdem aber in allen Weingegenden verbreitete Reblaus, die von 1869 an innerhalb acht Jahren in Frankreich allein den dritten Teil des gesamten mit Reben bepflanzten Areals vernichtete und dadurch dem Nationalvermögen dieses Landes nach durchaus nicht übertriebener Schätzung einen ersten Schaden von wenigstens 13 Milliarden Franken verursachte. Der seit ihrem Auftreten in diesem Lande verursachte Gesamtschaden wird auf mehr als 20 Milliarden Franken geschätzt. Auch der Traubenwickler ist für den Rebbau eine große Kalamität; denn der sogenannte Heu- oder Sauerwurm, das Räupchen dieses Schmetterlings, zerstört namentlich in feuchten Jahren die Blüten und zarten jungen Beeren der Rebe.