Tafel 40.
Ungepflegtes Mongolenpferd, wie es in halbwilden Herden im Westen Chinas lebt. Durch Pflege läßt sich daraus ein zwar kleiner, aber sehr ausdauernder Schlag gewinnen. (Nach Photographie von Buchmann in Tayanfu.)
In Deutschland gezogener Araberhengst von Karl Hagenbecks Tierpark in Stellingen.
Von den Griechen übernahmen dann die Römer die Freude an den Wettrennen und die Hochschätzung der Rennpferde. Letztere brachten sie auch in ihre Kolonien. So hielt beispielsweise Kaiser Severus, der von 206–210 in England weilte, mit von Rom dahin importierten Pferden ein Rennen im York ab. Aber auch an zahlreichen andern Orten Englands gab es damals schon Rennen mit hochgezüchteten Pferden, so z. B. in Chester, wo noch ein Teil der antiken Rennbahn erhalten ist. Seitdem blieben die Rennen in jenem Lande ein nationaler Sport; aber von einer Zucht zu Rennzwecken war damals und das ganze Mittelalter hindurch keine Rede. Wenn auch öfter edle Pferde, namentlich zur Zeit der Kreuzzüge, ins Land gebracht wurden, so blieb man dort im Laufe der Jahrhunderte doch nur bei einem mäßig geschwinden Pferd, dem galloway. Das Bestreben, dieses kleine und nur mäßig leistungsfähige Pferd zu verbessern, war der Anlaß, daß man im 17. Jahrhundert anfing, in erheblichem Maße orientalische Pferde einzuführen. Von besonderer Wichtigkeit war ein Import von 30–40 orientalischen Stuten, den „royal mares“, die Karl II. etwa 1670 einführte. Im Laufe des 17. und zu Anfang des 18. Jahrhunderts führte man zudem nicht weniger als 26 orientalische Hengste in England ein, um die Zucht aufzufrischen. Von diesen war Darley Arabian nach dem bedeutendsten deutschen Rennstallbesitzer, Arthur von Weinberg, der wichtigste Stammvater, den etwa 90 Prozent aller heutigen Vollblüter zu ihrem Ahnen haben sollen. Nach ihm kommt an Bedeutung der 1728 importierte Godolphin Arabian, den ein Engländer in Paris vor einem Wasserwagen entdeckte und der im Beginn der englischen Vollblutzucht eine große Rolle spielte. Mit dem Import dieser Hengste beginnt das erste Aufzeichnen der Stammbäume im großen Gestütsbuch. Doch war zunächst noch von keiner systematischen Zucht die Rede. Die einzige Richtschnur war damals, daß für die Stuten der Vater, für die Hengste aber die Mutter in erster Linie maßgebend sei. Man wollte Rennen gewinnen und züchtete unbekümmert um Theorien stets von den besten, d. h. raschesten Pferden. So konzentrierte sich im Gegensatz zu den Ratschlägen der Theoretiker die Zucht auf eine immer geringer werdende Zahl von männlichen Linien, bis schließlich fast nur eine einzige Linie übrigblieb. Wie die heutigen Vollblutpferde auf wenige Hengste, so gehen sie, wie zuerst deutsche Forscher feststellten, zum größten Teil auf fünf Stuten zurück. Sie sind trotz der weitgehenden Inzucht außerordentlich leistungsfähig, haben eine Verlängerung von Oberarm- und Oberschenkelknochen zur möglichst raschen Fortbewegung erhalten und sind sehr frühreif. Während die Vollblutpferde schon mit 18 Monaten geritten werden und zweijährig Rennen laufen, kann man das Halbblutpferd, z. B. die Remonten der Kavallerie, meist erst vierjährig überhaupt anreiten.
Das arabische, wie auch das mit ihm nahe verwandte maurisch-berberische Pferd wurde wie in England, so auch auf dem Kontinent mit leichten und schweren einheimischen Schlägen gekreuzt und dadurch die verschiedensten Gebrauchspferde erhalten, die je nachdem zum Reiten, Fahren oder Ziehen besonders geeignet sind. Näher auf die Abstammungsverhältnisse und die Eigentümlichkeiten der verschiedenen Pferderassen einzugehen, verbietet schon der beschränkte Rahmen dieses Buches. Es sei hier nur bemerkt, daß in Europa die Pferdezucht in den weiten Steppen des Ostens am bedeutendsten ist. So besitzt Rußland zahlreiche starke Gestüte in den Steppen am Don und am rechten Ufer der untern Wolga. Das russische Pferd ist klein, aber äußerst genügsam und ausdauernd. Auch in Ungarn und Siebenbürgen werden viele und gute Pferde für den Export gezüchtet. In Galizien, in der Bukowina und in der südöstlichen Steiermark findet sich gleicherweise ein leichter Schlag, während die weiter nördlich und östlich davon gelegenen Länder kräftigere Arbeitstiere ziehen, in denen reichlich Blut des schweren okzidentalen Pferdes beigemischt ist. In Hannover, Holstein und Mecklenburg werden viele edle Reitpferde gezogen. Dänemark züchtet die besten in Jütland. Skandinavien, Wales, Schottland, die Shettlandsinseln und Island besitzen ponyartige kleine Schläge, die im Winter einen langen, krausen Haarpelz erhalten. Belgien, die Normandie und gewisse Gegenden Englands züchten mit Vorliebe schwere, kaltblütige Arbeitspferde. In Spanien wird vorzugsweise das aus Nordafrika eingeführte Berberpferd gezogen. Die besten Gestüte besitzt Andalusien. Die europäischen Mittelmeerländer sind wenig reich an Pferden, weil Esel und Maultier dort stark verbreitet sind. Besonders in Griechenland ist die im Altertum blühende Pferdezucht in argen Verfall geraten. Italien besitzt nur lokal ein erhebliches Pferdematerial. Die schönste Rasse findet sich in der römischen Campagna, wo die Wagenpferde der Kardinäle und Patrizier gezüchtet werden. Den größten Pferdereichtum trifft man in Sardinien an. Nach Cetti ist dort das Pferd vielfach verwildert, soll angeblich nicht mehr zu bändigen sein und wird vielfach erlegt, hauptsächlich um das Fell zu gewinnen. Es haust hier namentlich in den ausgedehnten Waldungen im Innern.
Bald nach ihrer Entdeckung erhielt die Neue Welt das Pferd durch die Spanier, und zwar waren es Andalusier, die dort, speziell in Mexiko, eingeführt wurden. Doch sind sie nach und nach entartet und vielfach verwildert. Indessen sind heute die verwilderten Herden bis auf einzelne in Patagonien lebende Trupps auf einen 1865 erlassenen Befehl der Regierung hin vernichtet worden, da sie nicht nur die Weiden beeinträchtigten, sondern vielfach auch die zahmen Pferde entführten. Gegenwärtig nehmen die Vereinigten Staaten von Nordamerika den bedeutendsten Rang in der Pferdezucht ein. Berühmt ist die neuerdings aufgekommene Traberzucht, deren Grundstock das amerikanische Vollblut bildet.
In Australien wurde die Pferdezucht ebenfalls erst von den Europäern eingeführt. Das Material stammt aus England, der Kapkolonie und von den Sundainseln. In Indonesien werden mehr kleine Schläge gezüchtet, ebenso in Oberbirma und Südindien. In Nordwestindien wird viel ein dem Afghanenpferde verwandter Schlag gehalten. In China zieht hauptsächlich die Mandschurei Pferde, auf deren Haltung aber wenig Sorgfalt verwendet wird. Japan züchtete früher im Norden der Hauptinsel einen kräftigen Schlag; neuerdings wurden besonders europäische und amerikanische Rassen importiert.
Am zahlreichsten wird das Pferd in Innerasien gezüchtet. In Turkestan ist es das wichtigste, unentbehrlichste Haustier, das von jedermann gehalten wird. Persien hat drei verschiedene edle Schläge, einen kleineren im Gebirge und größere in den Ebenen. Die edelste Zucht von persisch-arabischem Blut trifft man in Schiras. Klein und unansehnlich, aber äußerst leistungsfähig ist das Kirgisenpferd, das auch von den Kalmücken und andern Mongolenstämmen in großen Mengen gehalten und auch zur Milchgewinnung benutzt wird. In Afrika, das einst seinen Pferdebestand Asien entlehnte, werden besonders im Norden und Osten viel Pferde gezogen. Ägypten, Abessinien, die Somaliländer und der Sudan besitzen verdorbene arabische Schläge, die als Reittiere ungemein leistungsfähig sind und Wassermangel vielfach besser als andere Schläge ertragen. Das zähe Gallapferd findet beim abessinischen Heere ausgiebige Verwendung. In Südafrika werden besonders in der Kapkolonie und in Transvaal kleine, sehr ausdauernde Pferde gezüchtet. Überall in den Tropenländern, wo das Klima zu feucht ist, hält es sich schlecht, deshalb haben die Portugiesen in ihren afrikanischen Kolonien den Reitstier eingeführt.