Irgendwo in seiner zentralasiatischen Heimat ist das zweihöckerige Kamel, das Trampeltier (Camelus bactrianus) in vorgeschichtlicher Zeit vom Menschen gezähmt und in den Haustierstand übergeführt worden. Bis auf den heutigen Tag ist es ausschließlich auf Innerasien beschränkt und ist zu den Mongolen Ostasiens und nach dem südlichen Sibirien vorgedrungen. Hier überall bis tief nach China hinein ist es dem Menschen eines der nützlichsten Haustiere, das vorzugsweise als Lasttier, seltener zum Ziehen des Wagens und des Pfluges verwendet wird. Außer seiner Arbeitskraft verwendet man Fleisch und Fell und nutzt seine Milch und seine Haare aus. Mit ihm durchzieht man die wasserlosen Wüstenstrecken, in denen Pferde nicht zu gebrauchen sind und ihre Dienste versagen würden. Mit ihm erklimmt man Gebirge bis über 4000 m Höhe, in denen nur noch der Yak aushält. Brehm sagt von ihm: „Das Pferd ist der Genosse, das Trampeltier der Diener des Steppenbewohners.“
Derselbe Autor bemerkt: „Ein kräftiges Trampeltier legt mit 220 kg, ein sehr starkes mit noch 50 kg mehr täglich 30–40 km, mit der Hälfte der Last aber im Trabe fast das Doppelte zurück, vermag im Sommer 2 oder 3, im Winter 5–8 Tage zu dursten, halb so lange ohne Beschwerde zu hungern und beansprucht bei längeren Reisen nur alle 6–8 Tage eine Rast von 24 Stunden Dauer. In der Kirgisensteppe wird es übrigens nicht ausschließlich als Lasttier, sondern einzeln wie paarweise auch als Zugtier verwendet und tritt auf Flugsandstrecken sogar an Stelle der Postpferde.“ Doch geht es nur im Schritt und stößt dabei vielfach unwillige Laute aus, die einem auf die Dauer unangenehm werden.
Auf der Oberseite des Nackens haben die Trampeltiere, wie die von ihnen abstammenden Kamele, zwei Paar dichtstehender Drüsen, die beim Männchen in der Brunstzeit eine dunkle Schmiere absondern und dann die ganze Nackenmähne besudeln. Die Begattung wird vollzogen, indem sich das Weibchen, durch einige derb kneifende Bisse von seiten des Männchens in Hals, Höcker und Beine veranlaßt, wie sonst zur Belastung niederkniet. Das nach 12 Monate währender Tragzeit im Frühling geborene Junge von 30 cm Höhe entwickelt sich, von der Mutter an ihrem vierzitzigen Euter ein volles Jahr lang ernährt, rasch. Schon im zweiten Jahre beginnt man mit seiner Abrichtung, indem man dem Füllen die Nase durchsticht und ihm durch die so entstandene Öffnung den Zaumpflock durchsteckt. Im dritten Jahre wird es zu kurzen Ritten, im vierten zum Tragen leichter Lasten benutzt. Im fünften Jahre gilt es als erwachsen und arbeitsfähig und kann bei guter Behandlung bis zum 25. Jahre Dienste tun.
Tafel 41.
Kamele und Pferde in einem Hochzeitszug der Teke-Turkmenen.
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GRÖSSERES BILD
Tafel 42.
Zweihöckeriges Kamel, sog. Trampeltier, aus Turkestan, von Karl Hagenbeck in Stellingen importiert.