Tafel 45.
Lama im Tierpark Hellabrunn zu München.
(Nach einer Photographie von M. Obergaßner.)
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GRÖSSERES BILD
Tafel 46.
(Copyright Underwood & Underwood in London.)
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GRÖSSERES BILD
Das Alpaca oder Paco (Auchenia pacos) ist kleiner und gedrungener als das Lama und gleicht äußerlich einem Schafe, hat aber einen längeren Hals und einen zierlicheren Kopf. Sein langes und ausnehmend weiches Vließ erreicht an den Seiten des Rumpfes eine Länge von 10–12 cm. Die Färbung ist meistens ganz schwarz oder ganz weiß; es gibt aber von ihm wie vom Lama buntscheckige Individuen. Die Alpacazucht wird besonders auf den Hochebenen des südlichen Peru und nördlichen Bolivia stark betrieben, geht aber nicht so weit hinunter wie die Zucht des Lamas. Hier leben diese Tiere in halbzahmem Zustande in großen Herden in 4000–5000 m Höhe das ganze Jahr über im Freien. Zur Gewinnung ihrer sehr geschätzten Wolle werden sie gewöhnlich nur alle zwei Jahre geschoren. Dazu treibt man sie in der warmen Jahreszeit in die Hütten, wobei sie sich allerdings sehr störrisch benehmen. Wird ein Tier von der Herde getrennt, so wirft es sich auf die Erde und ist weder durch Schmeichelei, noch durch Schläge zu bewegen, wieder aufzustehen. Einzelne können nur dadurch fortgeschafft werden, daß man sie den Herden von Lamas und Schafen beigesellt. Aus ihrer Wolle werden seit uralter Zeit Decken, Mäntel und Kleiderstoffe verfertigt. Sehr schön gemusterte Proben der altperuanischen Textilkunst besitzt namentlich das Berliner Völkermuseum. Doch züchtet man das Alpaca außer der Wolle wegen auch zur Gewinnung des höchst schmackhaften Fleisches. Zum Lasttragen wird es nicht verwendet, wozu es auch etwas zu schwach wäre.
Wiederholt hat man versucht, Lamas und Alpacas auch außerhalb ihrer hochgelegenen Heimat zu akklimatisieren; doch schlugen bis jetzt alle diesbezüglichen Versuche fehl. So werden sie nur etwa in zoologischen Gärten gehalten. Das erste Lama, das man in Europa zu sehen bekam, war noch vor der Eroberung Perus durch Pizarro, als er bei Karl V. um Hilfe bat, gezeigt worden. Im Jahre 1643 sollte Admiral Brouwer bei seiner mißglückten Expedition gegen Chile das Vicuña im damals holländischen Nordbrasilien einführen. 1799 hatte man weiße Vicuñas nach Buenos Aires gebracht; 1808 sah Bory de St. Vincent einen kleinen Lamabestand in Cadiz. Das waren wohl die Tiere, die Karl IV. hatte kommen lassen. Dann schenkte auch Kaiserin Josephine welche; aber alle diese Ansiedelungsversuche verliefen völlig erfolglos. In Australien hat man, nachdem 1852 der erste Versuch verunglückt war, 1856 256 Tiere meist gemischten Blutes angesiedelt, aber trotz der ausgesetzten Prämie von 250000 Franken kein Glück damit gehabt; ebensowenig in Kuba trotz anfänglichen Gelingens. Teilweise ist eine als Caracha bezeichnete ansteckende Krankheit daran schuld, die besonders die Alpacas ergreift und an ihnen eiternde Wunden an den Vorderbeinen und den Geschlechtsteilen hervorruft, woran sie häufig eingehen.