Als die Griechen in Begleitung Alexanders des Großen in das Innere Asiens vordrangen, scheinen sie, wie Diodor uns berichtet, in Babylonien zahlreichen Pfauen begegnet zu sein. Der Vogel war also hier schon gemein, so daß wir begreifen, wie ihn einzelne griechische Schriftsteller als „medischen Vogel“ bezeichnen konnten. Gewiß ist Victor Hehn im Unrecht, wenn er meint, der Pfau sei erst durch die Griechen über Westasien verbreitet worden, da die asiatischen Pfauennamen alle dem Griechischen entlehnt seien. Vielmehr ist, wie wir oben sahen, das Umgekehrte der Fall; die Griechen erhielten ihn aus Kleinasien über die Insel Samos, und aus den Städten Großgriechenlands lernten ihn dann die Römer kennen. Zu Ende der Republik war der Pfau den Römern kein allzuseltener Vogel mehr, denn Varro (116–27 v. Chr.) schreibt in seinem Buche über die Landwirtschaft: „Erst in unserer Zeit hat man angefangen, ganze Herden von Pfauen zu halten. So z. B. soll Marcus Aufidius Luco jährlich 60000 Sesterzien (= 9000 Mark) aus seiner Pfauenzucht lösen. Sieht man auf den Nutzen, so hält man mehr Weibchen, sieht man aber nur auf die Pracht, so hält man mehr Männchen. Auf der Insel Samos und auf Planasia (jetzt Pianosa an der Westküste Etruriens, südlich von Elba, damals Ilva genannt) soll es wilde Pfauen geben. Unter allen Vögeln gebührt dem Pfau der Preis der Schönheit. Sie fressen allerlei Getreide, besonders Gerste. Man läßt die Eier von Pfauenhennen oder von Haushühnern ausbrüten, hat auch für die Jungen eigene Pfauenhäuser, die in Verschläge geteilt sind, reinlich gehalten werden und vor sich einen sonnigen Platz haben, wo die Tierchen bei gutem Wetter gefüttert werden. Den ersten jungen Pfau hat Quintus Hortensius (ein ausgezeichneter Redner zu Varros Zeit) für die Tafel braten lassen, als er seinen Antrittsschmaus als Augur hielt. Darauf folgten viele seinem Beispiele und der Preis stieg dermaßen an, daß ein Pfauenei mit 5 Denaren (= 3 Mark) und ein Pfau selbst wohl mit 50 Denaren (= 30 Mark) bezahlt wird.“

Selbstverständlich mußte bei den Römern zu Ende der Republik und zur Kaiserzeit ein Tier wie der Pfau, das schon in Athen der Üppigkeit gedient hatte, in umso höherem Maße in Aufnahme kommen, als der römische Luxus und Reichtum den attischen hinter sich ließ. Obschon das Fleisch, wenigstens der älteren Pfauen, gerade kein Leckerbissen ist, so fand doch das gegebene Beispiel, schon weil die Sache teuer war, bei den Protzen allgemeine Nachahmung. Schon Cicero (106–43 v. Chr.) schreibt in einem Briefe: „Ich habe mir eine Kühnheit erlaubt und sogar dem Hirtius ein Diner gegeben, doch ohne Pfauenbraten.“ Und der Dichter Horaz spottet in einer seiner Satiren: „Wird ein Pfau aufgetragen und daneben ein Huhn, so greift alles nach dem Pfau. Und warum das? Weil der seltene Vogel Goldes wert ist und ein prächtiges Gefieder ausbreitet, als wenn dadurch dem Geschmack geholfen wäre.“ In der Kaiserzeit wird wohl kein größeres Prunkmahl ohne Pfauenbraten abgehalten worden sein. Ja, wer es ganz üppig geben wollte, der gab nur Gehirn von Pfauen. So berichtet Sueton von Vitellius als er 69 n. Chr., zum Kaiser ausgerufen, in Rom einzog: „Beim Ankunftsschmause, der dem Kaiser Vitellius von seinem Bruder gegeben wurde, betrug die Zahl der aufgetragenen ausgesuchten Fische 2000, die der Vögel 7000. Einen noch größeren Schmaus gab er selbst, als er eine ungeheuer große Schüssel einweihte, die er den „Schild der Minerva“ nannte. Sie war bedeckt von untereinander gemischten Lebern von Papageifischen, Gehirn von Fasanen und Pfauen, Zungen von Flamingos, Milch von Muränen; das alles hatten Kriegsschiffe vom östlichen und westlichen Ende des Mittelmeeres zusammenbringen müssen.“

Diesen übertrumpften noch die späteren Kaiser. So meldet der Geschichtschreiber Älius Lampridius vom üppigen Kaiser Heliogabalus: „Kaiser Heliogabalus ließ öfter ein Gericht auftragen, das aus Kamelfersen, aus Kämmen, die lebendigen Hähnen abgeschnitten waren, aus Zungen von Pfauen und Nachtigallen bestand. Er gab auch seinen Palastdienern ungeheuere Schmausereien, wobei die Eingeweide des Rotbartfisches, Gehirn von Flamingos, Rebhuhneier, Köpfe von Papageien, Fasanen und Pfauen die Hauptrolle spielten. Seine Hunde fütterte er mit Gänselebern.“ Außer zum Essen dienten die Pfauen auch als Schmuck der Gärten der Vornehmen und ihre Federn zu Fliegenwedeln. So spricht der Dichter Martial vom muscarium pavonium, und der Geschichtschreiber Dio Cassius berichtet: „Als Severus Kaiser geworden war (im Jahre 193), hielt er für seinen ermordeten Vorgänger Pertinax mit großem Gepränge ein Totenamt. Dessen aus Wachs angefertigtes Bild lag auf einem prachtvollen, mit Purpur und Goldstickerei bedeckten Paradebett und neben ihm stand ein Knabe, der die Fliegen, als ob der Verewigte ruhte, mit einem Wedel aus Pfauenfedern abwehrte.“

Bei solcher Wertschätzung des Pfaues ist es kein Wunder, daß er zur römischen Kaiserzeit in größerer Menge besonders auf Inseln, auf denen er sich frei bewegen konnte, gezüchtet wurde. Die Vorteile solcher von Wasser umgebener Pfaueninseln setzt Columella folgendermaßen auseinander: „Auf kleinen, waldigen Inseln sind die Pfauen leicht zu ziehen; sie fliegen von da nicht weg, weil sie überhaupt nicht weit fliegen. Sie sind da vor Dieben und Raubtieren sicher, man kann sie frei herumgehen und selbst brüten lassen, wobei sie sich auch das meiste Futter selbst suchen und nur täglich einmal zu bestimmter Zeit gerufen und mit etwas Gerste gefüttert werden. Auf dem festen Lande umgibt man eigene, mit Wald bestandene Grasplätze für sie mit Mauern und Ställen und rechnet auf je fünf Weibchen ein Männchen. Die Eier legt man hier gewöhnlich Haushühnern unter, und die Pfauhenne kann, wenn sie nicht selbst brütet, jährlich 11 bis 12 Eier legen. Geht das brütende Haushuhn vom Neste, so wendet man die Eier, weil das Huhn sie wegen ihrer Größe nicht gut selbst wenden kann. Um das Wenden zu überwachen, bezeichnet man die Eier auf einer Seite mit Tinte; denn es kommt auch vor, daß ein Haushuhn sie selbst wendet.“ Dann gibt es genaue Anweisung über die Aufzucht und Fütterung der Pfauen.

Die Römer brachten den Pfau in die Länder nördlich der Alpen, wo wir Darstellungen von ihm, beispielsweise auf Lampen der römisch-helvetischen Ansiedelung von Vindonissa, antreffen. Aus dem lateinischen pavo wurde das französische paon und das deutsche Pfau. Doch wird seine Zucht erst im Mittelalter von Italien her nach Deutschland gedrungen sein. Hier diente er ebenfalls als Prunkvogel, und mit seinen schönen Federn zierten sich Ritter und vornehme Frauen, indem sie dieselben auf ihren Kopfbedeckungen und als Garnituren um den Hals anbrachten. Auch noch im Mittelalter pflegte man bei feierlichen Essen einen gebratenen Pfau im Schmuck seines nachträglich wieder auf ihn gesteckten Gefieders auf den Tisch zu bringen. Gewöhnlich trug ihn die Dame des Hauses selbst unter Trompetenschall auf silberner oder vergoldeter Schüssel und der Herr zerlegte ihn, wie dies im Lanzelot König Artus seinen um die Tafel versammelten Rittern tut. Erst zur Zeit der Renaissance kam dieser Gebrauch allmählich ab, und später wurde der Pfau durch den Truthahn verdrängt, der ein schmackhafteres Fleisch besitzt. Daß das Pfauenfleisch bereits in der späteren Römerzeit von seinem Nimbus eingebüßt hatte, beweist die Behauptung des heiligen Augustinus, daß es kaum verweslich sei. Er erzählt, er habe selbst einen Versuch damit angestellt und nach 30 Tagen sei das Fleisch noch unverwest gewesen, ja es sei ein Jahr lang so aufbewahrt worden. Im 11. Jahrhundert meint dann die heilige Hildegard, Äbtissin vom Kloster Rupertsberg bei Bingen, wer einen gesunden Magen habe, der könne solches am Ende schon verdauen.

Heute wird der Pfau noch immer in herrschaftlichen Gärten als Ziervogel gehalten; doch tritt seine geringe Fruchtbarkeit seiner Ausbreitung hindernd in den Weg. Als Folge der Haustierhaltung hat sich auch bei ihm der Leucismus geltend gemacht; doch gibt es außer weißen auch dunklere Pfauenarten. Da er sehr selbständig ist, verwildert er leicht. So ist er namentlich auf Inseln, speziell in Westindien, verwildert. Dapper sagt in seiner 1671 in Amsterdam erschienenen Beschreibung Afrikas, daß die Könige von Kongo und Angola die Pfauen als Regal betrachteten und jeden, der auch nur eine Feder von ihnen stahl, mit dem Tode bestraften oder als Sklaven verkauften. Eine ähnliche Wertschätzung erfuhr der Vogel bei den Süd- und Ostasiaten. So ist der Thron des persischen Schahs wie derjenige des Kaisers von China über und über mit Pfauenfedern verziert. Mandarinen tragen am Knopfe ihrer Kopfbedeckung die Pfauenfeder als eine der höchsten Auszeichnungen, und in Kambodja bezeichnet die Pfauenfeder den Edelmann. Auch in der Kunst der Orientalen spielt die Pfauenfeder eine wichtige Rolle und hat vielfach in der Ornamentik Eingang gefunden, wie übrigens auch bei uns. In unsern Herrschaftsgärten trifft man heute den schönen, aber mit einer häßlichen Stimme begabten Vogel nur selten an; denn er ist gegenwärtig etwas aus der Mode gekommen.

Lange nicht so herrlich gefiedert, aber nützlicher als der Pfau ist der ihm sehr nahe verwandte Fasan (Phasianus colchicus), im Gegensatz zu den verschiedenen andern asiatischen Arten auch Edelfasan genannt. Er hat seinen Namen von der griechischen Bezeichnung phasianós, d. h. Vogel vom sagenberühmten Flusse Phasis in Kolchis, dem Lande der zauberkundigen Medeia, in welchem die Helden der Vorzeit unter Anführung des Jason auf dem schnellen Schiffe Argo das goldene Vließ holten. Von dort her erhielten ihn die Griechen, um ihn später unter demselben Namen an die Römer weiterzugeben. In Griechenland tritt er uns in einer Komödie des Aristophanes ums Jahr 420 v. Chr. zum erstenmal als kostbarer Luxusvogel entgegen, hat aber in der Folge bei ihnen als Nutztier keine bedeutende Rolle gespielt. Eine wichtigere Rolle spielte er bei den alten Römern, bei denen er nach Plinius in Gehegen in großer Zahl gezogen wurde, um bei den prunkvollen Gastmählern als kostbarer Leckerbissen zu dienen. Dazu mästete man ihn nach Palladius 30 Tage lang mit einem mit Öl angefeuchteten Brei aus Weizen- oder Gerstenmehl und sperrte ihn während dieser Zeit ein, damit er durch geringe Bewegungsmöglichkeit recht viel Fett ansetze.

Schon damals wurden die Fasaneneier mit Vorliebe von Haushühnern ausgebrütet, wie dies heute noch bei uns geschieht. Der Satiriker Martial erwähnt den Fasan als Leckerbissen der Vornehmen, und Älius Lampridius sagt in seiner Biographie des Kaisers Heliogabalus, dieser habe an jedem Tage eine bestimmte Speise genossen, so einmal nur Fasanen oder junge Hähne, oder nur eine Fischart, oder nur Schweine- oder Straußenbraten, oder nur eine Obstart oder eine Kuchensorte oder nur Milchspeisen. Zur Zeit der Völkerwanderung erhielt sich der geschätzte Vogel in den Villen der Römer, wo ihn die Germanen kennen lernten. In der Folge wurde er von manchen Fürsten, so von Karl dem Großen, dann auch von einigen der reicheren Klöster als Luxusvogel übernommen. So kam er nach den Benediktionen des Mönches Ekkehard bisweilen auf die Tafel der St. Galler Mönche. Im Jahre 1130 sollen ihn die Cluniacenser in Frankreich gehalten haben; 1299 wird er in England erwähnt. 1333 gab es Gehege von ihm in Hessen und anderwärts in Süddeutschland; doch war er damals noch recht selten. Erst von der Mitte des 16. Jahrhunderts an erlaubte die zunehmende Territorialhoheit den Fürsten, die Fasanen im freien Walde so zu schützen, daß man sie aus den Gehegen entlassen konnte. Mit dem zunehmenden Prunke der Fürstenhöfe wurde dieser Vogel immer häufiger gehalten, bis zur Zeit Ludwigs XIV. jeder kleine Hof seine Fasanerie haben zu müssen glaubte. Hatte der Sonnenkönig die kleine Insel Pourquerolles an der Küste der Provence zum Fasanengehege bestimmt, so machte der 1759 auf den spanischen Thron erhobene König Karl II. von Neapel aus der ganzen Insel Procida einen Fasanenbezirk, in welchem die Haltung von Katzen strengstens verboten war. Erst als sich daraufhin die Mäuse und Ratten so sehr vermehrten, daß die Kinder in der Wiege vor ihnen nicht mehr sicher waren, hob der König dieses Verbot wieder auf. Sein Nachfolger, Ferdinand IV. (1758–1832), erging sich gern auf der Fasanenjagd. Er war ein so ausgezeichneter Schütze, daß er auch ohne Repetiergewehr in einer Stunde bis 300 Fasanen erlegt haben soll.

Während der Fasan in Süddeutschland und Österreich in der Folge vollkommen verwilderte, wird er in Norddeutschland halbzahm in Gehegen gehalten. Auch in Südrußland lebt er häufig wild, schon seltener dagegen in Italien und sehr selten in Spanien; auch in Griechenland, wo er früher gemein war, geht er seiner Ausrottung entgegen. Seine ursprüngliche Heimat waren die Küstenländer des Kaspischen Meeres und Westasien, während der Königs- und Goldfasan in China und der der Lady Amherst, die ihn zuerst nach Europa brachte, zu Ehren benannte Amherstfasan in der Mongolei und in Transbaikalien beheimatet ist. In Südchina und dem Hochlande von Tibet ist der Diamantfasan zu Hause, ebenso in Südchina der Silberfasan, der im 17. Jahrhundert zum erstenmal lebend nach Europa gelangte. Wie der Goldfasan, der Kinki, d. h. das Goldhuhn der Chinesen, wird auch der Silberfasan sehr häufig in China und Japan zahm gehalten. Auch bei uns gedeihen beide bei einfacher Pflege ausgezeichnet, sind aber wegen ihrer auffallenden Färbung wenig dazu geeignet, in unsern Waldungen ausgesetzt zu werden, da die bunte Tracht der Männchen sie dem Raubzeuge mehr aussetzt, als das weit bescheidenere Kleid des westasiatischen Edelfasans.

Alle Fasanen meiden geschlossenen Hochwald und bevorzugen von Fruchtfeldern oder Wiesen umgebene Haine oder Buschwerk, in welchem sie Schutz finden können. Während des ganzen Tages treiben sie sich auf dem Boden umher, schleichen nahrungsuchend von einem Busch zum andern und suchen sich erst mit Einbruch der Nacht einen geeigneten Baum zum Schlafen auf. Ihre Intelligenz ist eine geringe und sie sind leicht aus der Fassung zu bringen, so daß sie häufig ihrer Dummheit zum Opfer fallen. Diese ihre geistige Beschränktheit tut ihrer Vermehrung und Ausbreitung erheblichen Abbruch. Gegen Artgenossen zeigen sie sich wenig liebenswürdig; sie sind vielmehr ungesellig und unverträglich. Zwei Hähne kämpfen, sowie sie zusammenkommen, mit Erbitterung, bis die Federn davonfliegen und Blut fließt; ja der eine bringt den andern um, wenn er dazu imstande ist.