Die Ende März einsetzende Paarungszeit macht den sonst schweigsamen Vogel ein häßliches Gekrähe ausstoßen, mit dem er laut etwaige Nebenbuhler herausfordert. Nach der Paarung sucht sich die Henne ein stilles Plätzchen unter dichtem Gebüsch auf, wo sie in eine mit dürren Blättern belegte, von ihr ausgekratzte seichte Vertiefung im Boden in Zwischenräumen von je zwei Tagen ihre 8–12 gelblich-graugrünen Eier legt und nach Vollendung des Geleges eifrig bebrütet. Sie sitzt so fest, daß sie den gefährlichsten Feind sehr nahe kommen läßt, bis sie sich zum Davonlaufen entschließt, nachdem sie das Gelege leicht mit Niststoffen bedeckt hat, um es unkenntlich zu machen. Nach 25–26 Tagen schlüpfen die Jungen aus, die bald von der Mutter zur Äsung vom Neste weggeführt werden und schon nach 12 Tagen so weit sind, daß sie ein wenig flattern können. Wenn sie dann Wachtelgröße erreicht haben, bäumen sie abends regelmäßig mit den Alten. Bis in den Herbst hinein halten sich die Jungen bei der Mutter auf, dann trennen sich zuerst die Hähne und gegen das Frühjahr hin auch die Hennen, die nunmehr fortpflanzungsfähig geworden sind, von ihr. Sie haben viele Feinde und unterliegen bei uns weit eher als alle ihre Verwandten Witterungseinflüssen. Die Fasanen lassen sich leicht untereinander und mit dem ihnen nahe verwandten Haushuhn kreuzen. Somit haben wir die Aussicht, durch kunstgemäße Bastardierung und Fortzucht der Bastarde noch eine ganze Reihe schöner Schmuckvögel aus dem Geschlecht der Fasanen zu erhalten, die dazu berufen sind, einmal unsere von Wildhühnern verödeten Landschaften zu beleben und den Augen erfreuliche Bilder zu spenden. Während der gemeine Fasan sich schon seit dem 14. Jahrhundert von den Rheinniederungen aus als Jagdwild über Süd- und Mitteldeutschland verbreitete, aber erst spät nach Norden gelangte — er wird in Preußen erst 1678 als Jagdwild erwähnt —, bürgerte sich der schöne Königsfasan erst neuerdings auf den Donauinseln bei Wien und in Frankreich ein.

Der prächtige Goldfasan ist vermutlich der sagenhafte Vogel Phoinix der alten Griechen; wenigstens paßt die zuerst von Herodot gegebene Beschreibung desselben am besten auf diesen Vogel, der wohl schon im frühen Altertum in einzelnen Exemplaren aus Ostasien durch Vermittlung indischer Schiffer an die Küsten des Roten Meeres und zu den Ägyptern gelangte. Nach Oppian sollte er in Indien leben und nie von Menschen verfolgt werden. Er lebe sehr lange, fühle er sich aber altersschwach, so baue er sich auf einer Felsenspitze aus dürrem Reisig einen Scheiterhaufen und lege sich darauf. Von der Sonne entzündet, verbrenne dann der Scheiterhaufen samt dem Vogel und statt des toten steige ein junger Phönix aus den Flammen hervor. Nach dem älteren Plinius soll der in Arabien lebende Phönix die Größe eines Adlers erreichen, am Halse mit Goldfarbe glänzen, übrigens purpurfarbig sein und im Schwanze himmelblaue und rosenrote Federn haben; sein Kopf soll oben mit einem Federbusch, unten mit Kammlappen geziert sein. Unter den Römern sei der Gelehrte Senator Manilius der erste gewesen, der genauere Nachrichten über diesen Vogel gab. Zur Zeit des Kaisers Claudius im Jahre 34 n. Chr. sei einer nach Rom gebracht und öffentlich dem Volke gezeigt worden; doch galt er nicht für echt, da er Gerste, Weizen und Brot fraß und eines gewöhnlichen Todes starb, ohne vorher sein berühmtes Nest gebaut zu haben. Der römische Geschichtschreiber Tacitus meldet, daß vor diesem einer zur Zeit des Sesostris (Senwosret III., 1887–1849 v. Chr., der das nördliche Nubien unterwarf und für sich die Stufenpyramide von Dahschûr erbaute), ein anderer zur Zeit des Amasis (Ahmose, 570 bis 526 v. Chr.), ein dritter zur Zeit des Ptolemäus III. (Euergetes, 247 bis 221 v. Chr.) nach der Sonnenstadt Heliopolis in Ägypten geflogen und jeweilen von einer Menge neugieriger Vögel begleitet und bewundert worden sei. Jedenfalls sei es eine ausgemachte Sache, daß dieser Vogel sich bisweilen in Ägypten sehen lasse. Später schrieb dann der im 4. Jahrhundert n. Chr. lebende Lactantius ein eigenes Gedicht über den Phönix, dessen Gestalt zwischen Pfau und gemeinem Fasan in der Mitte stehe und dessen Gang leicht, rasch und voll königlichen Anstandes sei.

Unbekannt war den Alten selbstverständlich das erst nach der Entdeckung Amerikas durch spanische Vermittlung nach Europa gelangte Truthuhn oder der Puter (Meleagris gallopavo). Neben dem Kakao und der Cochenille verdanken wir den alten Mexikanern die Zähmung des dort und im Süden der Vereinigten Staaten einheimischen Truthuhns, das bei ihnen und den weiter südlich wohnenden Mayastämmen neben dem zahmen Hund die Hauptquelle für Fleischnahrung bildete. Das Truthuhn lebt heute noch, soweit es nicht in dichter besiedelten Gegenden ausgerottet wurde, in den Wäldern des südlichen Nordamerika. Einst war es besonders in den Staaten Ohio, Kentucky, Illinois, Arkansas und Alabama sehr häufig. Die beste Schilderung des freilebenden Tieres verdanken wir dem nordamerikanischen Ornithologen John James Audubon (1780–1851). Dieser schreibt von ihm, daß es zeitweilig in großen Gesellschaften lebe und unregelmäßige Wanderungen antrete, indem es tagsüber nahrungsuchend auf dem Boden fortlaufe, nachts aber auf hohen Bäumen raste. Gegen den Oktober hin, wenn noch wenige von den Baumsamen hinabgefallen seien, reisten die Truthühner dem Tieflande des Ohio und Mississippi zu, wo sie mehr Äsung fänden. In nahrungsreichen Gegenden pflegten sie sich in kleinere Gesellschaften zu zerteilen. Wenn sie sich, von der Wanderung ermattet, Bauernfarmen näherten, mischten sie sich gern unter den Hühnerstand. Im Frühjahre fände die Paarung statt, wobei die Männchen die uns allen bekannten Werbungstänze, von den schnell aufeinanderfolgenden rollenden Tönen begleitet, aufführten. Das Nest bestehe aus einer seichten, liederlich mit Federn ausgekleideten Vertiefung im Boden; das Gelege bestehe aus 15–20 auf dunkelrauchgelbem Grunde rotpunktierten Eiern, die von der Henne mit Ausdauer bebrütet würden. Falls diese das Nest verlasse, decke sie die Eier sorgsam mit trockenen Blättern zu, so daß es schwer sei, überhaupt ein Nest aufzufinden, wenn man nicht gerade die brütende Mutter davon aufscheuche. Zuweilen geschehe es, daß mehrere Hennen in ein gemeinsames Nest legten und es zusammen bebrüteten. Die Jungen seien schon nach 14 Tagen befähigt, mit den Alten abends aufzubäumen.

Der Truthahn wird besonders gern während der Balz, die er zuweilen auf Bäumen abhält, erlegt. Häufig werden die dummen Tiere in Fallen gefangen, in die man Mais als Lockspeise gestreut hat. Ihr Fleisch ist in ihrer Heimat sehr beliebt. Der erste Europäer, der das Truthuhn erwähnt, ist der Spanier Oviedo, der in seiner Geschichte Indiens schreibt: „In Neuspanien gibt es sehr große und schmackhafte Pfauen, von welchen viele nach den Inseln und die Provinz Castilia de Oro geschafft worden sind und daselbst in den Häusern der Christen ernährt werden. Die Hennen sehen unansehnlich aus, die Hähne aber sind schön, schlagen auch oft ein Rad, obgleich sie keinen so großen Schweif haben als die Pfauen in Spanien.“ Um 1523 soll der Erzbischof von San Domingo, Alessandro Geraldini, das erste Paar Truthühner nach Rom gesandt haben. Als „indische Hühner“ haben sie sich in der Folge langsam verbreitet, waren aber 1557 noch so selten und kostbar, daß der Rat von Venedig bestimmte, auf welche Tafel sie kommen dürften und auf welche nicht. 1571 wurden sie nach Konrad von Heresbach in ziemlicher Zahl am Niederrhein gezogen. Schon 1560 hatte man bei einer großen Hochzeit zu Arnstadt 150 Stück; 1561 bezahlten die reichen Fugger in Augsburg zwei erwachsene Truthähne mit 31⁄2 Gulden und zwei junge Hähne mit 2 Gulden per Stück.

Nach England sollen die ersten Truthühner 1524, nach Deutschland 1534 gekommen sein. Gleichzeitig gelangten sie auch nach Frankreich. Nach Pennant soll 1585 der Truthahn urkundlich zuerst auf einem englischen Weihnachtstisch erschienen sein. In der Folge gewann er hier als beliebtester Weihnachtsbraten eine große Bedeutung. Merkwürdigerweise gab man ihm hier den Namen turkey im Sinne von „weither gebrachtes Huhn“. Die Türken selbst, die das Truthuhn verhältnismäßig früh erhielten, nannten es „Frankenhuhn“, weil sie es von den Franken, den Christen Europas, erhielten. Im Jahre 1625 wollte es in Kairo noch nicht gedeihen; jetzt hat es dort die Gans als Festbraten verdrängt. Es heißt hier Maltahuhn. Nach Persien brachte es der französische Reisende Tavernier. In Indien gedeiht es nicht recht und bleibt klein, ebenso auf Malakka und Java, wo es sich manchmal überhaupt nicht fortpflanzt. Um 1870 waren sie in Annam neu eingeführt. In China werden sie nur als Rarität gehalten und nicht benutzt. An der Küste von Oberguinea traf sie Bosmann 1705 auf den Gehöften der Europäer, doch sind sie nicht in den Besitzstand der Neger übergegangen. Die Indianer des nördlichen Südamerika dagegen hatten von den mittelamerikanischen Kulturvölkern, speziell dem Stamme der Mayas, das Truthuhn übernommen; so traf es 1860 der englische Naturforscher Bates im Besitze der Indianer am Amazonenstrom. Schon seit langer Zeit hatten diese allerlei einheimische Waldhühner, so den Hokko und die Penelope, in ihren Hütten gezähmt gehalten. Doch geschah dies nur zum Vergnügen, ohne irgend welchen Nutzen aus ihren Pfleglingen zu ziehen. Aber zur Fortpflanzung in der Gefangenschaft und zur eigentlichen Haustierschaft gelangten sie nie. Man kann daraus schließen, daß es keineswegs leicht ist, aus einem ohne Schwierigkeit zähmbaren und vielgehaltenen Tier ein Haustier zu machen.

Die in der Kultur hoch gestiegenen Azteken Mexikos und Mayastämme Yucatans hatten das Truthuhn jedenfalls schon lange vor der Einwanderung der Europäer gezähmt. Dies beweist, daß die ersten Spanier in deren Besitz schon durch fortgesetzte Inzucht zu Leucismus gelangte weiße Truthühner antrafen. Die europäischen Ansiedler Nordamerikas, die jedenfalls ihre Truthühner aus ihrer alten Heimat, besonders England, mitgebracht hatten, legten ihren Truthennen mit Vorliebe die Eier der wilden unter, um dann mit den Jungen der wilden Zucht das Blut ihrer zahmen aufzufrischen. Überhaupt scheint das Truthuhn verhältnismäßig leicht zähmbar zu sein und auch leicht zu verwildern. So ist es im vergangenen Jahrhundert mehrfach in englischen Parks verwildert, ebenso in Deutschland. Darwin fand nahezu verwilderte Truthühner am Parana in Südamerika. Vielleicht hat sich das Truthuhn mit dem Pfau, nicht aber mit dem Haushuhn gekreuzt, wie einzelne Berichte melden. Neuerdings sucht man es als Jagdvogel bei uns einzuführen, was wohl keine Schwierigkeiten haben wird, da es sich leicht akklimatisiert.

XVI. Gans, Ente und Schwan.

Die in den Haustierstand übergetretenen Schwimmvögel gehören alle der Familie der Zahnschnäbler oder Entenvögel an, die ebenso wie die bereits besprochenen Hühnervögel vielfach erhebliche Unterschiede in der Färbung des Gefieders beider Geschlechter erkennen lassen, besonders was die Wildenten betrifft. Ihre geistige Begabung wird vielfach zu niedrig angeschlagen, so daß die Bezeichnung „dumme Gans“ geradezu sprichwörtlich geworden ist. Jedenfalls ist sie durchschnittlich höher als bei den übrigen Schwimmvögeln. Nur die gezähmten Vertreter derselben haben durch jahrhundertlange Bevormundung durch den Menschen von der Intelligenz ihrer freien Ahnen erheblich eingebüßt. Allen Mitgliedern der Sippe ist große Geselligkeit und eine ausgesprochene Fürsorge für die Brut eigen. Soweit sie sich dem Menschen anschlossen, verlangen sie auch im Haustierstande die Nähe von Teichen oder langsam fließenden Wasserläufen, um sich darauf zu tummeln, zu baden und nach allerlei kleinem Getier und pflanzlichen Stoffen zu gründeln.