Als eigentlicher Schädling für die Schafzucht hat sich der in Neuseeland heimische, ziemlich große, olivengrüne Gebirgspapagei (Nestor notabllis), der Kea der Eingeborenen, erwiesen. Der in einem zwischen 1500 und 2000 m Höhe gelegenen Gürtel lebende Vogel hat sich angewöhnt, sich in den wolligen Rücken der Schafe einzukrallen und mit seinem scharfen Hakenschnabel ganze Löcher darein zu bohren, um sich so Fleisch, das ihm sehr zu schmecken scheint, zu verschaffen. Viele dieser dummen Vierfüßler, die sich der Angriffe dieser frechen Burschen nicht zu erwehren vermochten, gingen infolge davon ein, so daß die Ansiedler diese lästigen Quälgeister ihrer Herden eifrig zu verfolgen und abzuschießen begannen. Jetzt haben sie sich gewöhnt, ihre gemeinschaftlichen Raubzüge nachts zu machen und müssen sich vielfach mit dem Abfall geschlachteter Schafe oder mit Aas begnügen.

XIX. Kormoran und Strauß.

Der Kormoran ist als Haustier ausschließlich eine Errungenschaft der chinesischen Kultur. Die Betriebsamkeit und die Geduld dieses alten Kulturvolkes hat damit einen Vogel zum nützlichen Gehilfen des Menschen gemacht, der bei uns als gefährlicher Konkurrent von jeher eifrig verfolgt wird und im wesentlichen in Mitteleuropa auf dem Aussterbeetat steht. Freilich wären auch unsere durch die gedankenloseste Raubwirtschaft und die Verunreinigung der Flüsse durch die giftigen Abwässer der chemischen Fabriken an Fischen verarmten Gewässer kein günstiges Gebiet für die Tätigkeit dieses ausgezeichneten Fischfängers, der sich uns bisher nur als Fischräuber verhaßt gemacht hat.

Der Kormoran (Phalacrocorax carbo), auch Baumscharbe oder Wasserrabe genannt, ist ein sehr gefräßiger und deshalb vom Menschen überaus gehaßter Fischräuber. Vom mittleren Europa an trifft man ihn in ganz Mittelasien und Nordamerika, von hier aus bis Westindien, von dort aus bis Südasien wandernd. Er bewohnt je nach Gelegenheit die kahle Meeresküste und die bewaldeten Ufer der Binnengewässer; dabei scheut er sich gar nicht, in unmittelbarer Nähe von Ortschaften, ja gelegentlich in diesen selbst, z. B. auf Kirchtürmen, sich anzusiedeln. Er liebt die Geselligkeit und hält sich deshalb in größeren oder kleineren Scharen mit seinen Artgenossen zusammen, nistet auch gewöhnlich in größeren Gesellschaften auf Bäumen, hohen Felsen, in Gebüschen oder im Schilf. Dabei kehren die Vögel mit großer Zähigkeit zu ihren alten Brutplätzen zurück, so lange sie nicht gewaltsam davon vertrieben werden. Gern nimmt der Kormoran von den verlassenen Nestern anderer Vögel, so besonders von Reiher- und Krähennestern, Besitz, um so mühelos die erste Unterlage für sein eigenes Nest zu erhalten, das aus Pfanzenstoffen errichtet und inwendig immer naß und sehr schmutzig ist. Zweimal im Jahre werden 3–4 Junge aus den grünlichweißen Eiern ausgebrütet und großgezogen.

Tafel 53.

(Copyright by M. Koch, Berlin.)


GRÖSSERES BILD

Tafel 54.