Eingefahrener Strauß auf Karl Hagenbecks Straußenfarm in Stellingen.


GRÖSSERES BILD

Der Kormoran ist 81 cm lang und der Hauptsache nach glänzend grünschwarz gefärbt, an Rücken und Flügeln kupferbraun, die Backen weiß, Schnabel und Füße schwarz. Er schweift außer der Brutzeit gern umher, ist auf dem Lande sehr schwerfällig, fliegt auch nicht besonders gut, zeigt sich aber im Wasser äußerst beweglich und flink. Mit geräuschlosem Ruck taucht er in bedeutende Tiefen und kann wenigstens zwei Minuten unter Wasser bleiben, wobei er mehr oder weniger tief hunderte von Metern zurückzulegen vermag. Pfeilschnell schießt er auf der Jagd nach Fischen mit weitausholenden Flügelschlägen so gewandt unter Wasser dahin, daß ihm auch der flinkste Schuppenträger nicht zu entgehen vermag. Aus einer Tiefe von 40 m holt er Schollen vom Meeresgrunde herauf, und Fische bis zu 7 cm Breite und 30 cm Länge, Aale, die er besonders liebt, selbst wenn sie 60 cm lang sind, verschlingt er mit Leichtigkeit.

Der vorsichtige, am Brutplatze zwar minder scheue Vogel, entzieht sich jeder nahenden Gefahr. Kann er nicht tauchen, so erhebt er sich über Schußweite in die Luft. Am liebsten aber verschwindet er bei Verfolgung im Wasser, streckt, um rasch zu atmen, nur Kopf und Hals etwas über die Oberfläche und verschwindet alsbald wieder in der Tiefe, wo er sich geborgen fühlt, bis die Gefahr verschwunden ist. Gegen andere Vögel ist er heimtückisch und sucht gern ihre Nester auszurauben oder gar die alten Vögel wegzuschnappen. So sah man im früheren Zoologischen Garten in Wien die Kormorane sich der Länge nach aufs Wasser legen und die hart am Wasserspiegel auf Insekten jagenden Schwalben mit beispielloser Gewandtheit wegfangen, ohne jemals fehlzugreifen.

Während der Morgenstunden fischen sie mit regem Eifer; nachmittags pflegen sie der Ruhe und der Verdauung. Gegen Abend unternehmen sie nochmals einen Fischzug und gegen Sonnenuntergang gehen sie schlafen. Dabei wählen sie im Binnenlande zur Nachtruhe hohe Bäume, an der Meeresküste dagegen hohe felsige Inseln, die ihnen Umschau nach allen Seiten gewähren. Von ihnen bewohnte Inseln erkennt man schon von weitem an dem weißen Kotüberzug, mit dem die Vögel sie bedeckt haben, und sie würden schließlich auch bei uns zu Guanolagern werden, hätten wir in unsern Breiten weniger Regen und die tropische Sonne, die den Vogeldünger unter dem Himmel Perus rasch trocknet. Bei ihrer ungemeinen Gefräßigkeit und raschen Verdauung ist der Kot sehr ausgiebig. Sie fressen solange sie können und stürzen selbst mit gefülltem Magen auf eine Beute, wenn sie ihnen gerade vor die Augen kommt. Weil sie bei solchen Eigenschaften der Fischerei sehr bedeutenden Schaden zufügen, können sie in Ländern, in denen der Mensch zur Herrschaft gelangte, nicht geduldet werden. Sie werden deshalb überall in zivilisierten Ländern als gefährliche Fischräuber verfolgt. Nur vorübergehend sind einzelne Exemplare der Gattung im 17. Jahrhundert an den Höfen Englands und Frankreichs zum Erbeuten von Fischen zahm gehalten worden, wie für die Reiherbeize Falken gehalten wurden. Dazu benutzte man jedenfalls jung aus dem Nest genommene Tiere; und zwar gaben vielleicht Jesuitenmissionare, die in China solche Verwendung kennen gelernt hatten, Veranlassung zu solchem Sporte, da diese gezähmten Kormorane ausdrücklich als aus dem katholischen Flandern bezogen erwähnt werden. So berichtet Pennant, daß König Karl I. von England, der von 1625–1649 regierte, einen Mr. Wood als master of the corvorants hielt. Dieser habe die Kormorane so gezähmt, daß er sie ganz wie Falken habe gebrauchen können. Um 1628 sah dann Puteus als Sekretär des Kardinals Barberini in Fontainebleau am Hofe Ludwigs XIII. solche Tiere, die vom König von England als Geschenk an seinen Schwager dahin gelangt waren. Jedenfalls ist die Verwendung des Kormorans in Europa damals ganz vereinzelt geblieben und haben sich die Vögel nicht in der Gefangenschaft fortgepflanzt, sind also nicht zu Haustieren geworden, wie dies seit alter Zeit in China der Fall ist.

Über die Kormoranzucht der Chinesen hat uns der französische Missionar Armand David 1875 eingehend berichtet. Dort ist dieser Vogel vollständig Haustier geworden und pflanzt sich in der Gefangenschaft regelmäßig fort; doch läßt man gewöhnlich die von den Weibchen gelegten Eier durch Hühner ausbrüten. Die Jungen werden schon beizeiten mit auf das Wasser genommen und sorgsam unterrichtet, so daß sie bald auf den Befehl ihres Herrn ins Wasser tauchen, um die erhaschte Beute nach oben zu bringen und sie ins Boot zu apportieren. Ein um den Hals gelegter lederner Ring verhindert den Kormoran am Hinunterschlingen des erbeuteten Fisches. So schwimmt er auf das Boot seines Herrn zu, wo ihm seine Beute sofort abgenommen wird. Zur Belohnung wird ihm nach Abnahme des Halsrings etwas Bohnenteig als das übliche Futter verabreicht. Hierauf läßt man den Vogel am Rande des Bootes kurze Zeit ruhen und schickt ihn dann wieder an die Arbeit. Lässige Vögel werden bestraft, wie fleißige am Schlusse des Fischens einen Fisch zum Fressen erhalten. Wie groß muß noch der Reichtum der chinesischen Gewässer an Fischen sein, daß sich ein solches Verfahren so gut rentiert, daß ein gezähmter Kormoran den für chinesische Verhältnisse sehr hohen Preis von 12000 Käsch (= 30 Mark) einträgt. Übrigens haben die Japaner den Chinesen den Fischfang mit Kormoranen abgeguckt und wenden ihn gelegentlich ebenfalls in ihren fischreichen Gewässern an. Da der treffliche Vogelkenner Naumann mit gutem Grund den Kormoran als schwer zu zähmen und bissig bezeichnet, ist die große Geduld und Ausdauer der Chinesen bei der Gewinnung dieses Haustiers doppelt anzuerkennen. Für uns aber sind die Zeiten endgültig vorbei, da ein solcher Gehilfe des Menschen existenzberechtigt wäre; denn wie lange müßte der arme Geselle in den meisten unserer Gewässer tauchen, bis er endlich ein paar Gründlinge oder Weißfische aufgetrieben hätte!

Dagegen hat die Kulturmenschheit noch in elfter Stunde einen anderen Vogel zu zähmen verstanden, der an zahlreichen Orten seines einstigen Verbreitungsgebietes bereits ausgerottet ist und nur noch in einigen Steppen Südafrikas häufiger angetroffen wird. Es ist dies der afrikanische Strauß (Struthio camelus), der einst auch die Steppen Westasiens wie sämtliche des schwarzen Erdteils bewohnte. So sah Xenophon in der vorderasiatischen Steppe wilde Strauße, die von den sie verfolgenden Reitern nicht eingeholt zu werden vermochten, und Diodoros Siculus berichtet von Straußen in Arabien, die mit solcher Gewalt Steine mit ihren Füßen gegen ihre Verfolger schleudern, daß letztere oft schwer getroffen werden. Damit meint er die bei ihrem schnellen Laufe unabsichtlich nach hinten fliegenden Steine. Wie dieser schreibt auch der ältere Plinius, er sei so dumm, daß er sich geborgen glaube, wenn er nur den Kopf in einen Busch gesteckt habe. Man suche seine Eier als etwas Kostbares auf und gebrauche die Schale derselben wegen ihrer Größe zu Gefäßen. Mit den Federn der Strauße verziere man die Helme. Älian sagt: „Der Strauß legt viele Eier, bebrütet aber nur die fruchtbaren, legt dagegen die unfruchtbaren gleich auf die Seite und setzt sie später den ausgekrochenen Jungen als Futter hin.“ Aus Libyen und Mauretanien, also Nordafrika, das schon längst keine Strauße mehr besitzt, kamen diese Tiere auch zu den Zirkusspielen nach Rom. So ließ Kaiser Gordianus nach Julius Capitolinus bei den Jagdspielen nebst vielen anderen Tieren auch 300 mit Mennige rot gefärbte Strauße auftreten, die ausdrücklich als aus Mauretanien stammend bezeichnet werden. Bei den Jagdspielen, die Kaiser Probus in Rom gab, erschienen unter anderen wilden Tieren gar 1000 Strauße „und wurden dem Volke preisgegeben.“ Und Älius Lampridius berichtet von Kaiser Heliogabalus, daß er einmal bei einem Schmause die Köpfe von 600 Straußen auftragen ließ, deren Gehirn verzehrt werden sollte. „Mehrmals gab er auch bei Gastereien Straußen- und Kamelbraten und behauptete, den Juden sei vorgeschrieben, solche Braten zu verzehren.“ Wenn damals der Strauß in solcher Menge gefangen und nach Rom gebracht wurde, ist es kein Wunder, daß diese Tiere mit der Zeit dann gänzlich aus Nordafrika verschwanden.

Gewöhnlich lebt der Strauß in Gesellschaften von 10–20 Stück, in Südafrika gern mit Antilopen-, besonders Gnu- und Hartebeestherden vergesellschaftet. Mit hocherhobenem Kopf vermag er mit seinen außerordentlich scharfsichtigen Augen überaus weit zu sehen und ist so ein willkommener Warner für die wohl mit gutem Geruch, aber nur mit mäßig scharfen Augen begabten Antilopen. Er liebt das Wasser und sucht es zum Trinken und Baden gern auf. Wenn es sein muß, kann er dasselbe aber auch lange entbehren, macht auch keine weiten Wege, um es aufzusuchen. Außer Kraut, Früchten und Sämereien aller Art frißt er gelegentlich auch kleine Tiere, schlingt auch Steine, die zum Zerreiben der harten Pflanzennahrung im kräftigen Muskelmagen dienen sollen, hinunter.

Während junge Strauße schweigsam sind, stoßen die alten Männchen meist am frühen Morgen ein Gebrüll aus, kämpfen zur Fortpflanzungszeit auch mit Schnabel und Füßen miteinander, um eine Anzahl Weibchen für sich zu gewinnen. Durch allerlei tanzende Balzbewegungen vermag jedes meist drei bis vier Weibchen an sich zu fesseln. Diese legen nun ihre Eier in ein einziges, nur aus einer vom Männchen in den Sandboden gewühlten Mulde bestehendes Nest, das oft 20 Eier enthält und von anderen, nicht zum Ausbrüten, sondern als Nahrung für die ausgeschlüpften Jungen dienenden Eiern umgeben zu sein scheint. Die dickschaligen, glatten, mit Poren zum Atmen für die Jungen versehenen gelblichweißen Eier werden fast ausschließlich vom Männchen bebrütet, das während der ganzen Nacht daraufsitzt und auch während des Tages sie nur zur Nahrungsaufnahme für kurze Zeit verläßt. Nur in ganz heißen Gegenden überläßt es sie während des Tages, mit Sand bedeckt, sich selbst. Nach etwa 50 Tagen entschlüpfen ihnen die Jungen, die alsbald vom sorgsam um sie bemühten Vater in Obhut genommen und gefüttert werden. Sie sind zunächst von stachelartigen Horngebilden umgeben, die nach zwei Monaten dem grauen Federkleide Platz machen, das bei den Weibchen nur wenig verändert das ganze Leben hindurch bestehen bleibt, während bei den Männchen vom zweiten Jahre an alle kleinen Federn des Rumpfes kohlschwarz, die langen Flügel- und Schwanzfedern aber blendend weiß werden. Diese gekräuselten Federn sind ein sehr beliebter Schmuck schon der unkultivierten Wilden, ganz besonders aber des danach lüsternen Kulturmenschen.