Das hauptsächlichste Ziel der Jagd des Straußes sind diese Federn, die überall willige Abnehmer finden. Ihr Preis ist je nach dem Wechsel der Mode erheblichen Schwankungen unterworfen, ist aber dadurch bedeutend im Wert hinuntergegangen, daß der Vogel jetzt auch gezähmt gehalten wird und ihm die Federn abgeschnitten werden können, ohne daß er, wie früher der wilde, getötet zu werden braucht. Einst wurde die Straußenjagd zur Gewinnung der Federn von den berittenen Beduinen Nordafrikas mit Leidenschaft betrieben und galt als eine der edelsten Vergnügungen, umsomehr sie sehr schwierig war und ein Zusammenarbeiten mehrerer Jäger erforderte. Diese zogen auf flüchtigen Pferden oder Reitkamelen in die Steppe hinaus, wobei ihnen in einiger Entfernung Wasser in Schläuchen tragende Lastkamele folgten. Die Treiber dieser letzteren hatten sich auch während der Jagd in möglichster Nähe der Verfolger zu halten. Sobald die Jäger einen Trupp Strauße trafen, suchten sie ein Männchen von der Herde zu trennen und ritten im gestreckten Galopp hinter ihm her. Während einer von ihnen dem Vogel auf allen Krümmungen seines Laufes folgt, sucht ein anderer diese abzuschneiden, übernimmt, wenn es ihm gelang, die Rolle des ersteren und läßt diesen die kürzere Strecke durchreiten. So wechseln sie miteinander ab, bis sie den mit möglichster Schnelligkeit dahineilenden Strauß ermüdet haben. Gewöhnlich sind sie schon nach Verlauf einer Stunde dicht hinter ihm her, zwingen ihre Reittiere, meist Pferde, zu einer letzten Anstrengung und versetzen dem Vogel schließlich einen heftigen Streich über den Hals oder auf den Kopf, der ihn sofort zu Boden streckt. Unmittelbar nach dem Falle des Wildes springt der Jäger vom Pferde, schneidet ihm unter Hersagen des üblichen — da allerdings sehr unpassenden — Spruches: „Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen! Gott ist groß!“ die Halsschlagader durch und steckt, um Beschmutzung der Federn durch das Blut zu verhüten, den Nagel der großen Zehe eines Fußes in die Wunde. Nachdem sich der Strauß verblutet hat, zieht ihm der Jäger das Fell ab, dreht es um und benutzt es gleich als Sack, um in ihm die Schmuckfedern aufzubewahren. Vom Fleische schneidet er so viel ab als er braucht, um seinen Hunger zu stillen; das Übrige hängt er an einen Baum zum Trocknen und für etwa vorüberziehende Wanderer auf. Mittlerweile sind die Kamele mit dem Wasser nachgekommen und die Jäger erquicken sich und ihre Pferde nach der anstrengenden, heißen Jagd mit dem kühlenden Naß, ruhen einige Stunden aus und kehren alsbald mit ihrer Beute beladen nach Hause zurück. Hier sortieren sie die Federn nach ihrer Güte, binden die kostbaren weißen, deren ein vollkommen ausgebildeter Strauß höchstens 14 besitzt, in einzelne Bündel zusammen und bewahren sie zu gelegentlichem Verkauf in ihren Zelten auf. Der Händler muß, um die Federn zu bekommen, sich selbst zum Jäger begeben und erlangt von diesem die gesuchte Ware erst nach längeren Verhandlungen. Man begreift diese Zurückhaltung sehr wohl, wenn man bedenkt, daß alle Fürsten und Regierungsbeamten Nordafrikas noch heute, wie zur Zeit der alten Ägypter, von ihren Untertanen Straußenfedern als Königstribut verlangen und sich kein Gewissen daraus machen, diesen durch ihre Unterbeamten gewaltsam eintreiben zu lassen. Der Beduine vermutet daher in jedem, der ihn nach Federn fragt, einen Abgesandten seines Oberherrn und rückt mit seinem Schatze erst dann heraus, wenn er sich durch eingehendes Ausforschen von den reellen Absichten des Käufers überzeugt hat.
In der Kulturgeschichte der Menschheit hat die Straußenfeder seit der ältesten Zeit eine so wichtige Rolle gespielt, daß wir hier etwas näher darauf eintreten müssen. Schon die Naturvölker Afrikas schmückten sich einst und schmücken sich heute noch damit. Auf einer höheren Stufe waren es vornehmlich die Häuptlinge, die sich ihre Abzeichen daraus schufen, worunter auch aus ihnen zusammengesetzte, an langen Stielen getragene Fächer waren. Im alten Ägypten war eine Straußenfeder das Abzeichen von Maat, der Göttin der Wahrheit und Gerechtigkeit, der Gemahlin von Thot, dem Gotte der Zeit, der Geschichte, Schrift, Magie und des Mondes. Das Bild der Göttin Maat, die eine Straußenfeder als Zier auf dem Kopfe trug, war das kostbarste Weihgeschenk für die Götter; der Oberrichter trug es an einer Kette um den Hals. In der Folge bedeutete die Straußenfeder in der Hieroglyphik Wahrheit und Gerechtigkeit. Als später die Abzeichen der verschiedenen Rangklassen im Zeremoniell am Hofe durch Übereinkommen fixiert waren, war die Straußenfeder das Symbol des Fürsten und das Tragen derselben nur diesen und den Prinzen königlichen Geblüts gestattet. Diese Straußenfedergezierten sind auf den Monumenten als „Fächerträger zur Linken des Königs“ bezeichnet. Auch die Prinzessinnen trugen Fächer aus Straußenfedern. So wurde im Grabe der Königin Aa hotep (um 1703 v. Chr.) ein solcher aus vergoldetem Holz gefunden, an dessen Halbkreis noch die Löcher zu sehen sind, in denen die inzwischen zu Staub aufgelösten Straußenfedern steckten, die einst den Wedel bildeten. Auch am persischen Hofe spielte der Staatsfächer mit Straußenfedern eine große Rolle. Gleicherweise zierten sich die vornehmen Griechinnen und Römerinnen mit Straußenfedern, wie die Männer sie als Schmuck gelegentlich auf ihre Helme steckten.
Bild 50. Links gefangener Strauß, rechts ein Mann mit Federn und Eiern vom Strauß. (Nach Wilkinson.)
Im Mittelalter war die Straußenfeder aus Nubien über den Orient nach Europa gekommen, blieb aber zunächst zu teuer, als daß sich weitere Kreise mit ihr zu schmücken vermocht hätten. Erst am Ende des Mittelalters wurde dieser Artikel häufiger auf den Markt gebracht, so daß er weitere Verbreitung und Anwendung fand. Seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts liebten es die vornehmen Kavaliere des in Europa tonangebenden, an Reichtum und der damit in Zusammenhang stehenden Prachtentfaltung alle andern überstrahlenden burgundischen Hofes, 3–4 Federn zunächst des Reihers als aigrette vorn an der Kappe oder am Stirnband zu befestigen. Als dann auf ihre höfische Zierlichkeit und Eleganz der schwerfällige Prunk des Ritters aus der Zeit Kaiser Maximilians folgte, wurde die zierliche Aigrette durch den wallenden Federbusch aus Straußenfedern ersetzt. Aber nicht nur der adelige Ritter, sondern auch der gewöhnliche Landsknecht suchte mit diesem teuren Schmucke zu prunken. Bald fand er auch Eingang in der wohlhabenden Bürgerschaft, so daß die Obrigkeit es für nötig fand, Gesetze gegen diesen unerhörten Luxus zu erlassen. So wurde in einer Kleiderordnung einer reichen Stadt am Rhein aus dem 16. Jahrhundert den Handwerkern das Tragen von Straußenfedern auf ihrem Barett als übertriebene Verschwendung gänzlich untersagt.
In der Folge nahm diese Straußenfedermanie in Europa ziemlich ab. In Deutschland sorgte die Not des 30jährigen Krieges dafür, daß den Leuten solcher Tand gleichgültig wurde. Als dann Spanien in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Welt beherrschte, wurde die Strenge seiner Etikette und die Form seiner Kleidung tonangebend für die vornehmen Kreise. Bald trugen die Damen und Herren nur noch die kleine toque, welche höchstens noch ein kleiner Federstutz garnierte. Als dann Europa nach dem Tode Philipps II. (1598) die steife Grandezza Spaniens abgeschüttelt hatte, stülpte sich der französische Ritter den respondent genannten ungeheuren Filzhut auf seine jetzt absichtlich ungepflegten Locken; diesen schmückte er mit einigen kühn aufgesteckten Straußenfedern. Von da an herrschte das ganze 17. Jahrhundert hindurch in verschiedenen Variationen der mit Straußenfedern gezierte große Filzhut. Am üppigen Hofe des Sonnenkönigs umhüllte die Straußenfeder wieder in verschwenderischer Fülle den Hut des Elegants, wie den Helm des Offiziers. Erst mit dem Beginne des Rokoko änderte sich dieses Verhältnis, indem jetzt die Damen siegreich das Feld behaupteten und ihre zu immer gewaltigerer Höhe emporgetürmte Coiffüre mit wallenden Straußenfedern krönten.
Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Straußenfeder auch zu höfischen Festdekorationen gebraucht, so zur Ausschmückung des Thronbaldachins und später auch der Prunkbetten des Rokoko. Sie erschien damals als ein unumgängliches Erfordernis der feierlichen Aufmachung, der Galamontur und des Paradekleides. Wie zum erstenmal der Stifter König Friedrich I., so trägt heute noch der König von Preußen als Großmeister des hohen Ordens vom Schwarzen Adler einen Hut mit vier Reihen übereinandergetürmter weißer Straußenfedern. Einen ähnlichen Federbusch trägt nicht nur der Vorsitzende, sondern tragen auch die Ritter des 1730 gestifteten englischen Bath-Ordens, wie auch die Mitglieder des höchsten englischen Ordens überhaupt, des Hosenbandordens. Daß auch die strenge Empirezeit nicht ohne diesen pompösen Schmuck auskommen konnte, sobald es sich um die höchste Prachtentfaltung handelte, ersieht man aus dem Kupferstich des kleinen Krönungsornats Napoleons I., dessen berühmter Dreispitz hier unter einer Wolke duftiger weißer Straußenfedern fast verschwindet.
Bis dahin hatte Europa den Bedarf an dieser kostbaren Ware mit seiner Einfuhr aus Afrika decken können. Genuesische und französische Schiffe hatten schon im ausgehenden Mittelalter den Import derselben aus der Berberei und der Sahara vermittelt. Im 17. Jahrhundert wurden dann Ägypten und Syrien wichtige Ausfuhrländer für diese teilweise auch aus Arabien bezogene wertvolle Ware. Die jahrhundertelang in der schonungslosesten Weise zur Erbeutung der Federn betriebene Straußenjagd ließ aber trotz der Fruchtbarkeit des Riesenvogels mehr und mehr in empfindlicher Weise nach, so daß Livorno und Wien, die von alters her die Stapelplätze für die Straußenfedern gewesen waren, zu Beginn des 19. Jahrhunderts die verlangten Mengen derselben nicht mehr liefern konnten. Als ums Jahr 1830 wieder große Hüte getragen wurden, zahlte man schon 40 Mark für eine hübsche Feder. Wie Gold- und Silberschmuck waren sie eine Zeitlang die beliebtesten Brautgeschenke und wurden in großer Menge verbraucht.
Einen Umschwung brachte erst die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts angeregte künstliche Straußenzucht. Um dem fortwährenden Rückgang des wertvollen Tieres zu steuern, stellte auf Anregung des Genfer Arztes Gosset der Pariser Kaufmann Chagot der société d’acclimatisation eine Summe von 2000 Franken zur Verfügung, um dieses Tier künstlich zu züchten. Vom Jahre 1857 an wurde dieser Gedanke von Hardy mit Ausdauer verfolgt und es gelang ihm, in Algier die Strauße zum Brüten zu bringen, so daß er bereits 1860 die zweite Generation zu erziehen vermochte. Gleichzeitig wurden auf Anregung des Fürsten Demidoff in San Donato bei Florenz Zuchtversuche mit Straußen vorgenommen und hatten Erfolg. Dabei ergab sich die bemerkenswerte Tatsache, daß das Weibchen in einem Falle das Brutgeschäft vollständig dem Männchen überließ, das andere Mal abwechselnd mit diesem brütete. Aus zwei Bruten gingen von 1859 bis 1860 acht Nachkommen hervor. Gleicherweise wurden im Tiergarten von Marseille durch Suquet Strauße gezüchtet; auch in Grenoble und Marseille erlangte man günstige Resultate, so daß es sich nur noch um eine Übertragung der Versuche in die Praxis handeln konnte.