Ebenfalls im Mittelmeer heimisch und von da der Küste entlang nach Norden vorgedrungen sind die Rotbarben (Mullus), von denen vor allem der Rotbart (Mullus barbatus), ein 30–40 cm langer karminroter Fisch mit gelben Flossen, von den Alten überaus geschätzt war. Nach Plinius, der von ihm bemerkt, daß er in Fischbehältern nicht gedeiht, soll der Konsular Asinius Celer zur Zeit des Kaisers Caligula einen solchen für 8000 Sesterzien (= 1200 Mark) gekauft haben und fügt bei: „Sonst klagte man darüber, daß Köche teurer seien als Pferde; jetzt kostet ein Koch soviel wie ein Triumph, ein Fisch soviel wie ein Koch, und fast kein Mensch wird so hoch geschätzt wie ein Koch, obgleich seine Hauptkunst darin besteht, seinen Herrn durch Kochen um Hab und Gut zu bringen.“ Seneca erzählt in einer seiner Episteln, Kaiser Tiberius habe einen 41⁄2 Pfund schweren Rotbart auf den Markt geschickt und dafür von Publius Octavius 5000 Sesterzien (= 750 Mark) erhalten. Martial sagt, ein reicher Römer habe einen Sklaven für 1300 Sesterzien (= 195 Mark) verkauft und für diese Summe einen 4 Pfund schweren Rotbart eingehandelt. Juvenal berichtet, es habe jemand einen 6 Pfund schweren Rotbart für 6000 Sesterzien (= 900 Mark) gekauft, und Älius Lampridius erzählt, der verschwenderische Kaiser Heliogabalus habe Schmausereien gegeben, bei denen ungeheure Massen von Eingeweiden der Rotbärte aufgetragen wurden, auch habe er ganze Schüsseln und Teller, die nur mit Bartfäden der Rotbärte gefüllt waren, aufgetischt.
In größeren Wassertiefen leben die Makrelen (Scomber), die ebenfalls bei den Alten als Speisefische sehr geschätzt waren. Ihr köstliches Fleisch muß so rasch als möglich gegessen werden. Eine sehr pikante Sauce, garum genannt, gewannen die Römer durch Faulenlassen von deren Fleisch, nebst Blut und Eingeweiden. Riesenmakrelen sind die Thunfische (Thynnus), die für die Bewohner der Mittelmeerküsten von besonderer Bedeutung sind. Sie erreichen 3–4 m Länge und ein Gewicht von 300–400 kg und werden ihres wohlschmeckenden Fleisches wegen eifrig verfolgt. Ihre wahre Heimat ist das Mittelländische Meer, während sie im Atlantischen Ozean spärlicher vorkommen und durch andere Arten ersetzt werden. Zwar behauptete man im Altertum und glauben die Fischer heute noch, daß sie alljährlich in Menge vom Weltmeere aus durch die Meerenge von Gibraltar nach dem Mittelländischen Meere ziehen. So schreibt der vorhin genannte Oppian: „Die Thunfische kommen vom Weltmeer ins Mittelländische, wenn sie im Frühjahr Eier legen wollen. Sie gehen erst an Spanien, dann an Gallien und Sizilien hin. Zu dieser Zeit werden Wächter auf die Felsen am Strande gestellt, welche den Zug und die Zahl der kommenden Fische beobachten. Sehen sie die Scharen herannahen, so werden die Netze gestellt, welche Kammern bilden, die mit Vorhallen und Eingängen versehen sind. In diese dringen dann die Thunfische in Menge ein und gewähren einen überreichen Fang.“ Nur muß diese Anschauung von der Herkunft der Thunfische aus dem Atlantischen Ozean dahin abgeändert werden, daß sie für gewöhnlich in größeren Tiefen des offenen Mittelländischen Meeres leben und sich erst gegen die Laichzeit den Küsten nähern. Statt wagrechte Wanderungen, wie man früher glaubte, vollführen sie vorzugsweise senkrechte, um sich in den flacheren Gewässern der Küste zu tummeln. Hier hält er allerdings — vermutlich durch unterseeische Täler bewogen — bestimmte Straßen ein, in denen er oft in Herden von Tausenden fortzieht, um sich im Frühling im seichten Wasser der Küste fortzupflanzen. Seit dem frühesten Altertum sind gewisse Fangplätze durch ihre Ergiebigkeit berühmt. Dort wird der Fang der Thunfische durch dieselben gekammerten Netze, wie sie vorhin aus dem Jahre 200 nach Chr. beschrieben wurden, bewerkstelligt. Sobald die auf erhabenen Stellen beobachtenden Wächter die Ankunft der Thunfische melden, stechen eine Menge bereit gehaltener Boote in die See, bilden unter Befehl eines Anführers einen weiten Halbmond, werfen ihre tonnare genannten Fangnetze, wahrhaftige Gebäude aus Stricken und Maschen aus und schließen die Fische ein. Indem sie den Kreis mehr und mehr verengern, zwingen sie die Thunfische, gegen das Land hin zu schwimmen. Im seichten Wasser breitet man dann das letzte Netz aus und zieht es mit allen innerhalb desselben befindlichen Thunfischen ans Land, um sie alle abzustechen, so daß sich das Meer weithin mit ihrem Blute rotfärbt. Die Ausbeute wird oft an Ausländer, die sich als Käufer eingefunden haben, frisch verkauft und von diesen in Tonnen eingesalzen. Von den Einheimischen wird der Thunfisch vielfach auch gekocht, in Öl konserviert und so in den Handel gebracht. Jedem Italienfahrer ist solcher tonno in oleo, der ganz gut schmeckt, sehr wohl bekannt.
Für die Nordsee sehr wichtig sind die am liebsten im Sande der Flachsee halb in den Boden eingegraben auf Beute lauernden Flachfische oder Seitenschwimmer, die verschiedenen Arten von Schollen, Flundern, Seezungen, Heil- und Steinbutte. In der Fähigkeit, sich zu verstecken, werden sie in hohem Maße durch die Begabung gefördert, die eine pigmentierte und mit beiden Augen versehene Seite je nach der Farbe des Untergrundes verschieden zu färben. Sie laichen im Frühling und Vorsommer zwischen Tangen, an die sie die Eier mit Vorliebe festkleben. Ihr sehr wohlschmeckendes Fleisch zeichnet sich durch seine große Haltbarkeit aus und wird deshalb weithin verschickt. Außer englischen sind es besonders holländische und dänische Fischer, die sich mit deren Fang abgeben und sie besonders nach London verhandeln. Sie lassen sich wie im Meerwasser, so auch im Süßwasser lange Zeit halten, haben überhaupt eine außerordentliche Lebenszähigkeit.
Besonders geschätzt war bei den alten Römern das Fleisch eines Aalfisches, der Muräne (Muraena helena), die sie in eingedämmten Meeresarmen oder Salzwasserteichen hielten, um stets den nötigen Bedarf für ihre Schwelgereien bei der Hand zu haben. Plinius berichtet über sie in seiner Naturgeschichte: „Bloß für Muränen bestimmte Fischteiche hat zuerst Gajus Hirrius angelegt; aus diesen lieh er dem Diktator Cäsar zu den Triumphschmausereien 6000 Muränen unter der Bedingung, daß er ebensoviel zurückerhalte; denn für Gold und andere Kostbarkeiten waren sie ihm nicht feil. Kurz darauf wurde sein Landgut verkauft, und der Preis desselben betrug wegen der darauf befindlichen Fischteiche 4 Millionen Sesterzien (= 600000 Mark). Von da an begann man mit einzelnen Individuen dieser Fischart Liebhaberei zu treiben. Bei Bauli in der Nähe (des damals sehr beliebten Badeortes) von Bajae hatte der Redner Hortensius einen Fischteich, worin sich eine Muräne befand, die er so liebte, daß er sie nach ihrem Tode beweint haben soll. Auf demselben Landsitze schmückte Antonia, die Tochter des Drusus, eine geliebte Muräne mit Ohrringen, und manche Leute gingen nur nach Bauli, um das berühmte Tier zu sehen.“ Später, um 220 n. Chr., berichtet Älian: „Berühmt ist die Muräne des Crassus, welche Ohrringe und mit Steinen besetzte Halsbänder trug, auf den Ruf des Crassus herbeikam und ihm aus der Hand fraß. Sie wurde nach ihrem Tode von ihm beweint und begraben.“
Bekannt ist, daß diese gierigen Raubfische gelegentlich mit Menschenfleisch gefüttert wurden. So erzählt Plinius: „Die Gefräßigkeit der Muränen hat dem römischen Ritter Vedius Pollio, einem Freunde des Kaisers Augustus, Gelegenheit zur Erfindung einer neuen Grausamkeit gegeben; denn er ließ in die mit diesen Fischen besetzten Teiche verurteilte Sklaven werfen, nicht weil er sie von Löwen, Tigern und dergleichen nicht hätte zerfleischen lassen können, sondern weil er sein Vergnügen daran fand, zuzusehen, wie der ganze Mensch zu gleicher Zeit von allen Seiten her durch Feinde zerfleischt wurde, das andere Raubtiere nicht gewähren konnten.“ In zahlreichen Lesebüchern wird die Geschichte erzählt, wie er in Gegenwart des bei ihm zu Gast weilenden Kaisers Augustus einen Sklaven, der ein kostbares murrhinisches Gefäß zerbrach, als Strafe dafür mit dem Ausdrucke: ad muraenas d. h. zu den Muränen! lebend diesen Tieren vorwerfen ließ. Vorzüglich sollten sie nach Plinius wütend werden, wenn man ihnen Essig zu schmecken gab.
Wie für Muränen hatten die Römer auch für andere von ihnen wegen ihres wohlschmeckenden Fleisches geliebte Meerfische besondere Teiche, die oft mit großem Aufwand hergestellt wurden. So berichtet der vorgenannte Plinius: „Zu derselben Zeit, da Sergius Orata die Austernparks erfand, erfand Licinius Muraena die Fischteiche, und berühmte Männer, wie Philippus und Hortensius, haben ihn darin nachgeahmt. Lucullus ließ sogar bei Neapel einen Berg mit größeren Kosten, als er auf sein Landgut verwendet hatte, abtragen und leitete das Meerwasser ins Land, weshalb ihn Pompejus der Große den römischen Xerxes nannte. Nach seinem Tode wurden die dort befindlichen Fische für 4 Millionen Sesterzien (= 600000 Mark) verkauft.“ Daß es den in solchen Fischteichen installierten Fischen vorzüglich erging und sie gelegentlich ein sehr hohes Alter erreichten, können wir aus einer Notiz desselben Autors entnehmen, worin es heißt: „Wie alt ein Fisch werden kann, das haben wir erst neulich an einem merkwürdigen Beispiel gesehen. Pausilypum ist ein nicht weit von Neapel gelegenes kampanisches Landhaus. Dort wurde von Vedius Pollio ein Fisch in Cäsars Fischteiche gesetzt, der, wie Annäus Seneca schreibt, erst 60 Jahre später starb, während zwei ebenso alte derselben Art noch lebten.“ In solchen Teichen zu fischen war ein besonderes Vergnügen der vornehmen Herrn. Dazu wurden oft auserlesen kostbare Geräte gebraucht. So fischte Kaiser Nero nach den Angaben seines Biographen Suetonius mit Netzen, deren Fäden purpur- und scharlachfarbig und mit Gold verziert waren. Außer mit Netzen fischte man im Altertum nach Oppian auch mit dem an einer Rute an einer Schnur aus Pferdehaar befestigten Angelhaken, dem Dreizack und durch Anbringen von Reusen. Durch letztere wurden besonders auch Aale gefangen. So schreibt Aristoteles: „Um Aale zu fangen, setzt man ein irdenes Gefäß mit Pökelfleisch hin und befestigt an dessen Mündung eine Reuse. Mit dem Geruch von gebratenem Fett kann man alle Fische leicht anlocken.“
Von den Aalen (énchelys der Griechen und anguilla der Römer) blieb die Fortpflanzung bis in unsere Tage unbekannt. Aristoteles ließ sie aus Regenwürmern entstehen, welche sich von selbst aus Schlamm und feuchter Erde erzeugen und fügt zur Bekräftigung seiner Aussage bei: „Man hat auch gesehen, wie sich Aale von Regenwürmern loslösten, teils werden sie auch bei Zerreißung derselben sichtbar.“ Spätere Autoren sahen Eingeweidewürmer der Aale für die junge Brut an. Heute wissen wir, daß alle Süßwasseraale Weibchen sind, die in allen Gewässern Europas vom 64.-65. Grade nördlicher Breite, auch im Mittelländischen Meer, nicht aber in den Zuflüssen des Schwarzen und Kaspischen Meeres, also auch nicht in der Donau, vorkommen. Sie lieben vor allem tiefes Wasser mit schlammigem Grunde und liegen den Winter über im Schlamme verborgen, bis sie wieder mit Beginn der warmen Jahreszeit ihr bewegliches Räuberleben aufnehmen. Sie wachsen sehr rasch, haben in 2–3 Jahren eine Länge von 50–60 cm, in 4–5 dagegen eine solche von 70–80 cm und ein Gewicht von 1,5 kg und darüber erreicht. Ihre Geschlechtsreife erlangen sie aber nur im Meere. Alle Weibchen, die in geschlossenen Gewässern leben und deshalb nicht ins Meer gelangen können, wachsen bis zu 1,5 m Länge bei einem Gewicht von 10 kg heran und sterben schließlich, ohne sich fortgepflanzt zu haben. Die in offenen Gewässern lebenden Weibchen dagegen wandern, sobald sie erwachsen sind, in stürmischen Herbstnächten in Trupps von 20–40 Stück flußabwärts dem Meere zu, wo die bedeutend kleineren, nur etwa 40 cm langen männlichen Aale, die zeitlebens an den Meeresküsten verbleiben, ihrer harren. Gemeinsam ziehen dann beide Geschlechter langsam der Tiefsee zu, wobei ihre bis dahin unentwickelten Geschlechtsdrüsen auswachsen und sie für das Dunkel der Meerestiefe geeignete große Augen von 1 cm Durchmesser erhalten. Hier pflanzen sie sich fort und sterben dann vermutlich ab, wenigstens kehren sie nicht mehr an die Küsten zurück. Die junge Aalbrut steigt im Frühjahr aus der Meerestiefe von 1000 m und mehr allmählich gegen die Küsten, wobei die durchsichtigen, schmalen Larven, die man früher als Leptocephalen, d. h. Schmalköpfe, beschrieb und für eine besondere Tierart hielt, weil sie den eigentlichen Aalen vollkommen unähnlich sind, schließlich Aalgestalt erhalten. Weil diese Aallarven um so kleiner sind, je weiter nach Süden sie im Atlantischen Ozean gefischt werden — die kleinsten fing man südlich von den Azoren — glaubt Hjort annehmen zu dürfen, daß die Laichplätze des Aales im südlichen, zentralen Teil des Mittelländischen Ozeans sich finden und die Aallarven durch Meeresströmungen und schließlich den Golfstrom an unsere Küsten geführt werden. Im April und Mai wandern dann die jungen Weibchen dicht aneinandergeschmiegt in langem Zuge, kein Hindernis achtend, ins Süßwasser ein. Sie überkriechen Wehre und Stromschnellen, überwinden sogar den Rheinfall bei Schaffhausen, was für diese Tierchen in Anbetracht der Höhe des Falles eine erstaunliche Leistung ist, um überall ins Quellgebiet der Flüsse zu gelangen. Im Verlaufe von 4–5 Jahren wachsen sie dann aus und vollziehen dann ihren Abstieg ins Meer und die Tiefsee.
Überall wird auf dem Festlande die Aalfischerei eifrig betrieben, da das Fleisch dieser Tiere äußerst wohlschmeckend ist und frisch, geräuchert oder eingemacht einen nicht unwichtigen Handelsartikel bildet. Von Holland aus wird speziell London mit dieser Ware versehen. In Oberitalien sind in den Lagunen von Comacchio an der Pomündung große Aalfischereien, die jährlich über 1 Million kg dieses fetten Fischfleisches liefern. Zum Zwecke des Aalfanges sind dort ganze Systeme von Schleusen, Kanälen und Rinnen angelegt. Diese letzteren, die mit kleinen Querleisten versehen und innen mit Kies und Sand belegt sind, dienen der Einwanderung der Aale, die dann, wenn sie erwachsen zum Meere zurückwandern, abgefischt werden.
Umgekehrt wie beim Aal, der seine Heimat in der Tiefsee hat und sich wenigstens in den weiblichen Vertretern im Süßwasser großfrißt, verhält es sich mit dem Lachs oder Salm (Salmo salar), der von seiner einstigen Heimat, dem Süßwasser, sich an die Meeresküste begibt, um hier zu erwachsen, wobei er bis 1,5 m lang und 45 kg schwer wird. An dem im Meere reichgedeckten Tisch frißt er sich rasch groß, um zur Fortpflanzung im Herbst in seinen Heimatfluß zurückzuwandern und an sandigen Stellen der Quellzuflüsse zu laichen. Wie die Eier des Aals für ihre Entwicklung die Ruhe der Tiefsee verlangen, so ist umgekehrt bewegtes kaltes Wasser die Vorbedingung für die normale Entwicklung der Lachsbrut. Ihm zuliebe legen deshalb diese Wanderfische mit Aufwand einer Unsumme von Kraft den weiten Weg vom Meer in das Quellgebiet der heimatlichen Ströme zurück, dabei die größten Widerstände, wie Wehren und Wasserfälle, zu überwinden suchend. Die paar Monate, die sie im Süßwasser verweilen, fressen sie überhaupt nicht und benutzen das Fleisch besonders ihrer Seitenmuskeln zur Bildung der Geschlechtsprodukte, die im Oktober und November zur Ablage reif sind. Zum Laichen sucht das stets von mehreren Männchen begleitete Weibchen seichte Stellen mit reinem Sand- und Kiesgrund auf. Oft sind diese Stellen an den Quellbächen so wasserarm, daß darin nicht einmal die Rückenflossen der laichenden Tiere ganz vom Wasser bespült werden. In verschiedene mit dem Schwanz aufgewühlte flache Mulden legt das Weibchen die alsbald von den Männchen besamten und dadurch befruchteten Eier, die dann leicht mit Kies oder Sand bedeckt werden. Nach Beendigung des Laichgeschäftes wandern die Lachse, von der bedeutenden Kraftabgabe stark abgemagert, mit weichem, weißem Fleisch zum Meere zurück. In diesem geringwertigen Zustande bezeichnet man sie im Rhein als Lachs, während sie dort im frischgemästeten Stadium vor der Ausbildung der Geschlechtsprodukte mit festem, rötlichem Fleisch als „Salm“ bezeichnet werden. Abwärts matt und willenlos sich mehr von der Strömung treiben lassend als eigentlich schwimmend, erreichen sie das Meer, um sich darin nach so langem Fasten durch reichliches Fressen wieder festes, rötliches Fleisch anzumästen. Im Laufe des Sommers haben sie sich wieder so weit gekräftigt und Reservematerial für die spätere Ausbildung der Geschlechtsprodukte in ihren Seitenmuskeln aufgespeichert, daß sie abermals zur Fortpflanzung in die Quellflüsse aufzusteigen vermögen. Hier wächst die Brut rasch heran, um im zweiten Jahre, wenn die jungen Lachse bis 0,5 m lang geworden sind, ihren Eltern nach dem Meere zu folgen. Bevor sie sich in die salzige Flut begeben, halten sie sich in großen Scharen wochenlang an den Flußmündungen auf und gehen erst allmählich vom Brackwasser ins Salzwasser des Meeres über. Dieser gewiß für das weichhäutige Tier nicht gleichgültige Übergang vom Süß- ins Salzwasser wurde für diesen einst in den kalten Flüssen des Nordens heimischen Fisch durch die starke Aussüßung der den Flußmündungen zunächstliegenden Meeresabschnitte durch die gewaltigen Schmelzwässer der Eiszeit erleichtert und damit die Änderung seiner Lebensweise angebahnt und überhaupt ermöglicht.
Der Fang der Lachse geschieht in der verschiedensten Weise mit mancherlei Garnen, in großen eisernen Reusen und Lachsfallen und durch Speeren der durch Feuer herbeigezogenen Fische vom Boote aus. Früher war dieser ausgezeichnete Speisefisch so häufig, daß er ein billiges Volksnahrungsmittel bildete. Ja, er war so gemein auf den Tischen der Bürgerhäuser, daß in den Städten am Rhein, z. B. in Basel, sich die Mägde im Mittelalter ausbedangen, nicht mehr als sechsmal in der Woche Salm essen zu müssen. Heute wäre man froh, wenn er billiger zu bekommen wäre. Daß dies in diesen Gebieten nicht mehr geschieht, dafür sorgen die mit Dampf betriebenen Fischereien der Holländer an den Rheinmündungen, die den größten Teil der Salme direkt beim Einwandern in den Fluß im besten Ernährungsstadium abfangen. Was nützt es auch unter diesen Umständen, künstlich ausgebrütete Junglachse in die Oberläufe des Rheins auszusetzen, wenn andere die Früchte all dieser Bemühungen einheimsen! Nichtsdestoweniger hat in vielen Flüssen diese künstliche Versorgung mit Lachsbrut gute Erfolge erzielt, so daß der Fang dieses Edelfisches neuerdings wieder ausgiebiger geworden ist, zumal wenn freundnachbarliche Abkommen sein zu ausgiebiges Wegfangen schon an den Flußmündungen verhindern. In Nordamerika ist der Lachs durch nahe Verwandte, im Gebiete der in den Stillen Ozean mündenden Flüsse durch die schöngefärbte Regenbogenforelle vertreten, die neuerdings auch bei uns mit Erfolg eingeführt wurde. Dort und in den Flüssen Sibiriens spielen die Lachse volkswirtschaftlich eine große Rolle und werden von einigen Orten der Weststaaten der Union in Menge zur Herstellung einer geschätzten Fischkonserve verwendet.