Im Donaugebiet vertritt die Stelle des Lachses ein naher Verwandter, der Huchen (Salmo hucho), der eine Länge von 1,5–2 m bei einem Gewicht von 20–50 kg erreicht. Im Gegensatz zu jenem geht er aber nicht ins Meer, um sich dort großzufüttern, sondern bleibt im Hauptstrom, um von Ende März bis Mai zum Laichen in die Quellflüsse und Bäche hinaufzusteigen. Wie der Lachs sucht er seichte, kiesige Stellen auf, wühlt dort mit dem Schwanz seichte Gruben auf und ist während des Eierlegens so mit sich selbst beschäftigt, daß man mit einem Kahne über ihn hinwegfahren kann, ohne ihn zu verjagen. Sein weißliches Fleisch steht an Wohlgeschmack demjenigen des Lachses merklich nach. Der Fang geschieht mit großen Garnen oder mit der Angel, auch sticht man ihn, wenn er ruhig in der Tiefe steht. Da er weniger kaltes Gebirgswasser als der Lachs zu seinem Gedeihen bedarf und in Teichen, die beständigen Zufluß haben, gut gedeiht, würde er sich im Gegensatz zu jenem Wanderer für die Teichwirtschaft eignen, wäre er nicht ein so gefräßiger Raubfisch und erläge er nicht so leicht einer bei Fischen häufigen Hautkrankheit.

Neben dem Lachs spielen auch die andern zeitlebens im Süßwasser verbleibenden Verwandten, die verschiedenen Forellenarten, eine wichtige Rolle beim Ertrag der einheimischen Gewässer. Noch mehr als der Lachs werden sie, besonders die Bachforelle (Salmo fario), in den verschiedenen Fischzuchtanstalten zu Jungbrut erzogen und dann in die verschiedenen Bäche, die man wieder zu bevölkern sucht, ausgesetzt. Vielfach werden sie auch in besonderen Teichen mit kühlem Quellwasser durch Füttern mit gehackter Leber und Lunge zu verkaufsfähigen „Portionenfischen“ von 250 g Gewicht auferzogen. Dabei ist man bestrebt, durch künstliche Zuchtwahl eine möglichst raschwüchsige Rasse zu erhalten, die schon in zwei statt wie bisher meist erst in drei Jahren die gewünschte Größe erreicht. Ließe man sie länger leben, so würden sie schließlich ein Gewicht von 5–10 kg und darüber erreichen. Solche Riesen sind aber in unsern Gewässern äußerst selten, da sie bei ihrer enormen Freßgier viel früher dem Menschen zur Beute fallen.

Da die Bachforelle klares, sauerstoffreiches fließendes Wasser liebt, findet sie sich in allen Gebirgswässern bis zum Alpengürtel hinauf. Sie laicht von Mitte Oktober bis zu Anfang Dezember in seichtem Wasser auf Kiesgrund oder hinter größeren Steinen, da, wo eine rasche Strömung sich bemerkbar macht, in eine seichte, durch lebhafte Bewegungen mit dem Schwanze erzeugte Vertiefung und bedeckt nachher die gleich nach dem Legen vom Männchen befruchteten Eier durch weitere Bewegungen mit dem Schwanze mit Sand und feinem Kies, um sie dann ihrem Schicksal zu überlassen. Nach ungefähr sechs Wochen entschlüpfen die Jungen der Eihülle, verweilen mehr oder weniger regungslos auf der Brutstätte, bis sie ihren angehängten Dottersack aufgezehrt haben und ein Bedürfnis nach Nahrungszufuhr verspüren, dem sie zunächst durch kleine und später durch immer größere Wassertiere zu genügen suchen.

Viel größer als die Bachforelle wird die Seeforelle (Salmo lacustris), von der gelegentlich gewaltige Riesen gefangen werden. Während Forellen gelegentlich auch sehr groß werden — so hat man nach einem Zeitungsbericht als die größten bisher in europäischen Gewässern beobachteten in der Etsch bei Meran zwei Exemplare gefangen, von denen das größere 99 cm lang war und 32 Pfund wog, das kleinere immer noch 27 Pfund schwer war — ist dies bei der Seeforelle weit häufiger der Fall. So hat Prof. Lunel in Genf solche aus dem Genfer See gesehen, die 15 kg Gewicht und 110 cm Länge besaßen. Im Museum von Genf wird das Skelett einer Seeforelle aufbewahrt, die 131 cm lang ist und im Leben jedenfalls bedeutend über 15 kg gewogen haben muß. Ein anderer Genfer Gelehrter, Jurina, schrieb 1815, daß seit Beginn des 18. Jahrhunderts keine Seeforellen von einem Gewicht über 17,6 kg gefangen worden seien. Er gibt gleichzeitig das Maximalgewicht dieser Tiere zu 19,8 kg an. Gregor von Tours spricht von bis 1 Zentner schweren Forellen, und der Züricher Naturforscher J. J. Wagner meldet in seiner Historia naturalis helvetica curiosa von 1680, daß Anno 1663 eine 62 Pfund schwere Forelle von Genf nach Amsterdam verschickt wurde. Vor wenigen Jahren wurde eine 40pfündige Forelle von Fischern bei St. Gingolph im Genfer See gefangen. Allerdings gehören heute Exemplare von annähernd 30 Pfund auch im Genfer See zu den Seltenheiten. Auch die Seeforelle steigt im Herbst zum Laichen aus den Seen in die betreffenden Quellflüsse hinauf. Ihr Fang ist bedeutend und ihr Fleisch wird sehr geschätzt. Ihr ähnlich ist die Lachsforelle (Salmo trutta), die noch etwas größer, nämlich statt 80 cm bis 1 m Länge und ein Gewicht von 15 kg erreicht. Sie geht wie der Lachs ins Meer, um dort heranzuwachsen und dann im Frühsommer in die Flüsse aufzusteigen, um darin im November und Dezember zu laichen. Da sie nicht so weit flußaufwärts geht wie der Lachs, wird sie im Oberlauf der Ströme nicht mehr angetroffen.

Ein Relikt der Eiszeit ist der Saibling oder die Rotforelle (Salmo salvelinus) der Gebirgsseen, die in der Regel nicht einmal während der Laichzeit in den einmündenden Flüssen emporsteigt und wie die Renken oder Blaufelchen (Coregonus wartmanni) mit nicht minder geschätztem Fleisch sich in den tiefen Gründen der betreffenden Seen aufhält, um sich im November zu seichteren Uferstellen zu erheben und ihren Laich dort abzusetzen, wobei sie dann durch Fischen mit Netzen gefangen wird.

In denselben Seen, die die Blaufelchen beherbergen, lebt die Bodenrenke (Coregonus fera), die größer als jene, nämlich 60 cm lang wird und ein Gewicht von über 3 kg erreicht. Sie gehört zu den besten Süßwasserfischen und ist um so wichtiger, als sie das ganze Jahr hindurch, selbst mitten im Winter, wenn die Blaufelchen nicht zu haben sind, gefischt werden kann. Man fängt sie im Winter mit Garnen, im Sommer aber an der Angel; doch stirbt sie, sobald sie aus dem Wasser gezogen wird. Ein mit ihr fast identischer, die Tiefen der großen Seen Norddeutschlands bewohnender Salmonide ist die Maräne (Coregonus maraena), die zum Laichen Mitte November nach den seichten Stellen unweit der Ufer kommt und hauptsächlich im Winter mit großen Netzen gefangen wird. Auch diese Fische sterben außerhalb des Wassers sofort ab, lassen sich aber doch, in Eis verpackt, ziemlich weit versenden oder werden, wie die Bodenrenke, eingesalzen und geräuchert in den Handel gebracht.

Am tiefsten unter allen Renken, nämlich wenigstens in 70–90 m Tiefe, lebt in unsern Seen der Kilch (Coregonus hiemalis), auch Kropffelchen genannt, weil diesem kleinen, höchstens 40 cm lang werdenden Fisch beim Heraufgezogenwerden im Netz aus so großer Tiefe die von mehr als 7,5 auf 1 Atmosphäre versetzte Schwimmblase so stark ausgedehnt wird, daß er trommelsüchtig wird. Nur gegen Ende September kommt er in höhere Schichten, um hier zu laichen.

Eine für gewöhnlich im Meere lebende Renke, die im Mai aus der Nord- und Ostsee in die Flüsse hinaufsteigt, um darin zu laichen, ist der bis 60 cm lange und 1 kg schwere Schnäpel (Coregonus oxyrhynchus), im Rhein, wo er früher häufig war, aber jetzt sehr selten geworden ist, Maifisch genannt. Er steigt aber lange nicht so weit in die Ströme hinauf als der Lachs und kehrt gleich nach dem erst von September bis Dezember erfolgenden Laichen ins Meer zurück. Dahin folgen ihm auch die Jungen, wenn sie 8 cm Länge erreicht haben, und kehren nach erlangter Reife zur Fortpflanzung wieder in diejenigen Flüsse hinauf, in denen sie ihre Jugend verbrachten. Ihr zartes, schmackhaftes Fleisch wird sehr geschätzt und frisch wie eingesalzen und geräuchert gegessen. Dieser Fisch bildet in ganz Norddeutschland einen wichtigen Gegenstand des Fanges.

In denselben Gewässern wie die Forelle, obschon sie ein weniger großes Sauerstoffbedürfnis als diese hat, findet sich in allen Flüssen des nördlichen Europa und Asiens die schön rot gefärbte, bis 60 cm lange und 1,5 kg schwere Äsche (Thymallus vulgaris). Ähnlich der Forelle schwimmt sie ungemein rasch und springt nach vorüberfliegenden Kerfen über den Wasserspiegel empor, so daß sie gleich jener mit der künstlichen Fliege an der Angel gefangen werden kann. Sie laicht im April und Mai, wobei die Tiere auf sandigem Grunde wie ihre Verwandten mit der Schwanzflosse seichte Gruben auswerfen, die nach der Ablage des Laichs wieder mit Sand zugedeckt werden. Ihr Fleisch wird dem der Forelle an Güte gleichgeschätzt, ist aber weniger haltbar als jenes, weshalb sie weniger auf den Markt gebracht wird, auch bis jetzt nicht zur Zucht in Fischteichen benutzt wurde, obschon sie sich so gut als die Forelle dazu eignen würde.

Gleich dem Lachs und Schnäpel aus der Familie der Salmoniden treibt es der zur überaus altertümlichen Familie der Schmelzschupper gehörende Stör (Accipenser sturio), der 2–6 m lang wird und im Atlantischen Ozean, in der Nord- und Ostsee und im Mittelländischen Meer, wie auch an der Ostküste Nordamerikas, nicht aber im Schwarzen Meer in mittleren Tiefen lebt, um sich von den verschiedensten Kleintieren zu ernähren, die er vermittelst seiner spitzen Schnauze aus dem Schlamme aufwühlt und mit den vorstreckbaren Lippen erfaßt. Erst zur Laichzeit im Frühjahr kommt er in höhere Wasserschichten herauf und zieht von da den Flußmündungen zu, in welche er eindringt und weit aufwärts schwimmt, um im Quellgebiet zu laichen und dann alsbald wieder dem Meere zuzustreben. Im Schwarzen und Kaspischen Meer und deren Zuflüssen wird der Stör durch die beiden nahe verwandten Arten, den Sterlet (Accipenser ruthenus) und den Hausen (Acc. huso) ersetzt. Ersterer wird selten größer als 1 m lang bei einem Gewicht von 12 kg, während letzterer — von den Russen belúga genannt — bis 15 m lang und 1000–1600 kg schwer wird. Weil ihr Fleisch, besonders das des Sterlet, sehr wohlschmeckend ist, wird von jeher eifrig Jagd auf sie gemacht.