Plinius sagt in seiner Naturgeschichte, die Störe seien bei den alten Griechen und Römern überaus geschätzt gewesen, wurden aber zu seiner Zeit wenig geachtet, obwohl sie selten seien. Nach dem Griechen Athenaios, um 200 n. Chr., kostete ein Fisch dieser Art 1000 attische Drachmen (= 7500 Mark), was ein unerhörter Preis ist. Man aß ihn unter Flötenspiel, wobei nicht nur die Gäste, sondern auch die Diener bekränzt waren. In Deutschland hat der Störfang nur noch geringe Bedeutung. An der Elbe und Weser erbeutet man jährlich höchstens einige tausend Störe, auch in der unteren Donau, die früher Ungarn und Österreich mit Störfleisch und Kaviar versorgte, empfindet man schwer die Folgen der bisherigen sinnlosen Fischerei, so daß eine Schonzeit eingeräumt werden sollte, damit sich der Fisch wieder erholen kann. Noch sehr ausgiebig ist der Störfang in Rußland, wo an allen in das Schwarze und Kaspische Meer einmündenden Flüssen Fangplätze liegen, die jährlich über 4 Millionen Rubel eintragen. Außer dem wohlschmeckenden Fleisch gewinnt man aus den Eiern Kaviar und aus der Schwimmblase einen trefflichen Leim. Den besten Kaviar liefern die kleineren Arten. Die Eierstöcke, aus welchen man Kaviar gewinnen will, werden zuerst mit Ruten gepeitscht und dann durch Siebe gedrückt, um die Eier von den sie umgebenden Häuten des Eierstocks zu lösen. Dann werden sie gesalzen, wobei das Salz mit den Händen in die Masse hineingeknetet wird. In Fässern verpackt, kommt dann der Kaviar in den Handel, um wegen seiner Güte überall willige Abnehmer zu finden. Der Name Kaviar kommt übrigens von der italienischen Bezeichnung für den ähnlich eingesalzen genossenen Rogen des Thunfischs caviale und wurde auf den eingesalzenen Rogen der Störarten übertragen, der russisch ikrá genannt wird.
Unter den Edelfischen nehmen die verschiedenen Karpfenarten eine wichtige Stellung im Haushalte des Menschen ein. Der Teichkarpfen (Cyprinus carpio), der bei uns dank den Fastengeboten der katholischen Kirche ganz wesentlich durch die Bemühungen der Klostergeistlichen geradezu zu einem Haustier erhoben wurde und in allerlei Farben- und Schuppenvarietäten in besonderen Teichen gezüchtet wird, war ursprünglich dem Kaspischen und Schwarzen Meer und deren Zuflüssen eigentümlich. Er findet sich dort und weiter gegen Mittelasien hinein noch in beträchtlicher Menge wild, während er in den Gewässern Europas westlich und nördlich davon offenkundig eingeführt ist und in ihnen teilweise verwilderte. In seiner Heimat hält er ebensogut wie im Süßwasser auch in den salzreichsten Sümpfen aus. Im Sommer trifft man ihn vorzugsweise in den seichten Küstengewässern; im Herbst steigt er dann vom Meere aus die Flüsse hinauf, um hier zu überwintern. Seine hauptsächlichste Nahrung besteht vorwiegend aus allerlei kleinem Getier, besonders Würmern, daneben auch aus vermodernden Pflanzenstoffen. Er laicht am liebsten in stehendem oder ruhigfließendem Wasser mit schlammigem Grund und gedeiht nur dann, wenn das von ihm bewohnte Wasser viel den Strahlen der Sonne ausgesetzt ist und Zuflüsse weichen Wassers hat. Bei genügender Nahrung wird er schon im dritten Lebensjahre fortpflanzungsfähig. Sobald er sein Hochzeitskleid anlegt, wird er wanderlustig und versucht, soweit es ihm möglich ist, flußaufwärts zu steigen und überwindet dabei bedeutende Schwierigkeiten. Zum Laichen sucht er mit Wasserpflanzen dicht bewachsene Stellen aus, und zwar legt das Weibchen im fünften Jahre bereits gegen 300000 Eier; später kann sich diese Anzahl noch verdoppeln. Er erreicht die Länge von 1 bis 1,5 m und ein Gewicht von 15–20 kg.
Die erste sichere Erwähnung des Karpfens finden wir bei Kassiodor, dem Geheimschreiber des großen Ostgotenkönigs Theodorich (475 bis 526), der in einem scharfen Rundschreiben an die verschiedenen Provinzialstatthalter ihnen vorwirft, sie sorgten durchaus nicht angemessen dafür, daß des Königs Tisch auch königlich beschickt werde. Die Stelle lautet wörtlich: „Der Privatmann mag essen, was ihm die Gelegenheit bietet; auf fürstliche Tafeln aber gehören seltene Delikatessen, wie z. B. der in der Donau lebende Fisch carpa.“ Vermutlich wird dieser Fisch auch in den im mittelalterlichen Latein vivaria genannten Süßwasserteichen mit Fischen der Landgüter Karls des Großen in erster Linie gehalten worden sein. Jedenfalls ist in einem Glossar des 10. Jahrhunderts mehrfach von ihm als karpho die Rede. Im 13. Jahrhundert spricht der Geistliche Vincentius von Beauvais im Speculum naturale vom Fisch corpera, womit nur der Karpfen gemeint sein kann, und der Mönch Cäsarius von Heisterbach sagt in seinen Dialogi miraculorum, „Bruder Simon habe den Teufel gesehen und dieser habe Helm und Panzer getragen, beide mit Schuppen, wie die des Fisches carpo.“ Olaus Magnus sagt um 1530 ausdrücklich, es gebe im Norden keine Karpfen außer vom Menschen eingeführte und in künstlichen Teichen gehaltene. In Schweden würden sie wie die Karauschen auch mit eingeweichten Erbsen und dergleichen gefüttert.
Überall bei Neugründungen von Klöstern sorgte man dafür, daß die Patres für die Fastentage einen wohlgefüllten Karpfenteich zur Verfügung hatten. So ist dieser Fisch durch menschliche Hilfe überall durch Europa gewandert und in der Folge an vielen Orten verwildert. Besondere Wichtigkeit hatte die Karpfenzucht schon im 15. Jahrhundert in Böhmen, Polen und Holstein erlangt. Nach dem Zeugnis des Johannes Dubravius, Bischofs von Olmütz, trieb man in Polen den Luxus so weit, daß man in der Nähe der Karpfenteiche besondere Eishäuser besaß, um das Wasser derselben bei zu großer Erhitzung kühlen zu können. Daß solches geschah, beweist, daß neben den Karpfen wohl auch Forellen, die nur in kaltem Wasser gedeihen, darin gehalten wurden. Wenn Bock in seiner 1782 in Dessau erschienenen Naturgeschichte Ost- und Westpreußens berichtet, daß erst Kurt von Nostiz 1589 den Fisch nach Ostpreußen gebracht habe, so kann es sich wohl nur um eine lokale Neueinführung handeln; denn Voigt spricht schon um 1440 von Karpfenteichen in jenem Lande. Eher will Ed. Hahn die Möglichkeit zugeben, daß der dänische Staatsmann und große Ökonom Peter Oxe den Karpfen von Deutschland aus in Dänemark einführte. Der Fisch geht auch jetzt kaum über Südschweden hinaus, wird auch nur im Süden Norwegens angetroffen, wo er infolge der ungünstigen Lebensbedingungen überhaupt kleiner bleibt. Jedenfalls ist auch die vielfach zitierte Angabe falsch, daß der Karpfen erst 1514 durch Leonard Mascall von Plumstead nach England gekommen sei. Während allerdings der Dichter Chaucer in seinen um 1375 geschriebenen Canterbury tales nur breme and luce in stew, also Brassen und Hechte im Vorratsteiche kennt, so kommt der Karpfen schon 1504 bei Bischof Washam unter Heinrich VII. vor. Nach Irland sollen die Karpfen durch Jakob I., den despotischen, dabei schwachen und eitlen Sohn Maria Stuarts und Darnleys (geboren 1566, nach der erzwungenen Abdankung seiner Mutter 1567 zum König von Schottland gekrönt, von 1603–1625 König von England) gekommen sein. In Schottland gedeihen sie nicht recht und bleiben oft unfruchtbar, jedenfalls infolge des zu kalten Wassers. Deshalb werden sie in jenem Lande noch heute nur selten gehalten. Erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kam der Karpfen nach Frankreich und Spanien, wo er als willkommene, leicht zu haltende Fastenspeise in dem klerikalen Lande bald größere Bedeutung erlangte.
Am Schwarzen und Kaspischen Meer findet sich der Karpfen, wie gesagt, immer noch zahlreich; er ist aber dort, trotz den Bemühungen Peters des Großen (geb. 1672, reg. 1676–1725), wild geblieben und wird vom Menschen nicht gezüchtet. Auch nach dem Innern Rußlands hat er sich nicht als Zuchtfisch verbreitet. Hingegen wird er in Ungarn und Galizien vielfach gezogen. In den 1840er Jahren wurde er von Frankreich her nach den Neu-Englandstaaten Nordamerikas gebracht, als der dort ursprünglich vorhandene Fischreichtum durch die den Amerikanern leider bisher eigentümliche Raubwirtschaft arg gelitten hatte und man sich nach leicht zu haltenden Ersatzfischen umsah. Nach Kalifornien kam er erst 1872 und wird dort mit Vorliebe verwendet, um die riesigen Staubecken für die Bewässerungs- und Bergwerksanlagen mit Nutzfischen zu bevölkern. Nach dem katholischen Südamerika kam er viel früher, hat sich aber infolge der Indolenz der Bevölkerung nur an wenigen Orten eingebürgert. Neuerdings ist er wieder mehrfach eingeführt worden, so auch in Chile und Argentinien. Allerdings sollen die sogenannten Karpfen der Musterfarm der argentinischen Republik nach Philippi in die braune Urform zurückgeschlagene Goldfische, also Karauschen und nicht echte Karpfen sein.
Tafel 55.
Der Lachs (Trutta salar). Oben das Weibchen, unten das Männchen.
(Nach Prof. B. Hofer, Die Süßwasserfische Mitteleuropas.)
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GRÖSSERES BILD
Tafel 56.