Der Stör (Accipenser sturio).

Der Spiegelkarpfen (Cyprinus carpio).

Abfischen eines künstlich angelegten Karpfenteiches in Böhmen.
Im Herbst werden die seichten Gewässer abgelassen, so daß die Karpfen gezwungen sind, sich an der tiefsten Stelle zu sammeln. Dort können sie leicht gefangen werden. Die großen werden als Speisefische verkauft, die kleinen in sogenannten Hälterteichen überwintert.

Bei uns und in den Gewässern Nordamerikas, wie auch anderer Kulturländer, in denen sich Europäer in größerer Zahl niederließen, wird der Karpfen heute als einer der beliebtesten Speisefische in großer Menge gezüchtet. Da man erkannt hat, daß er um so wohlschmeckender ist, je rascher er wächst, so haben die Fischzüchter, nach dem Vorgange des Schlesiers Dubisch, ein Verfahren gefunden, nach welchem die Karpfen in kürzester Zeit den höchsten Nutzungswert erreichen. Dabei wird die Karpfenbrut schon eine Woche nach dem Ausschlüpfen aus den Eiern mit feinen Gazenetzen aus dem sogenannten Streichteich herausgefischt und in besondere Teiche gebracht, die Streckteiche heißen. In ihnen gibt man etwa 25000 der winzigen Fischchen auf einen Hektar Wasserfläche. Schon nach vier Wochen werden die Fische aus diesem Wasser herausgenommen und in geringerer Zahl — etwa 1000 Stück pro Hektar — in andere Teiche übertragen, in denen sie bis zum folgenden Frühjahr bleiben, um dann wieder umgesetzt zu werden, und zwar 500 Stück pro Hektar. Nachdem sie hier ein ganzes Jahr verblieben sind, kommen sie in den letzten Teich, den Abwachsteich, in welchem man nur 200 Stück auf den Hektar rechnet. Aus diesem Teiche werden sie im Herbst als marktfähige Ware herausgefischt, und zwar wiegen sie dann durchschnittlich 1 kg und darüber. Sie bringen also einen ziemlichen Ertrag, da der Preis für sie etwa 2 Mark pro kg beträgt. Durch die fortgesetzte Züchtung sind verschiedene Spielarten des Fisches entstanden, so der Lederkarpfen, der gar keine Schuppen mehr trägt, der Spiegelkarpfen, der an jeder Körperseite nur eine Reihe sehr großer Schuppen besitzt, dann der durch einen rötlichen Schimmer und lachsfarbenes Fleisch ausgezeichnete Goldkarpfen, der Blaukarpfen u. a. In den Gewässern von Schwaben, Bayern und Böhmen wird mit Vorliebe die als Karpfenkönigin bezeichnete Abart, im Donaugebiet und den ungarischen Seen dagegen der Spitzkarpfen gezogen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Karpfen auch in Australien angesiedelt. Schon längst ist er dagegen ist in Ostasien heimisch, und zwar als uraltes einheimisches Zuchtprodukt der Chinesen, von dem, wie von der Karausche, mehrere buntfarbige Kulturrassen existieren. Die Fischzucht in Teichen ist in China uralt und wird schon im Schi-king, d. h. dem Buch der Lieder, einer von Konfutse (550–478 v. Chr.) veranstalteten Sammlung von Liedern, die teilweise in das 18. Jahrhundert v. Chr. zurückreichen, erwähnt. Genauere Aufzeichnungen über die Art der Fischzucht sind allerdings auch in den Annalen dieses uralten Kulturvolkes erst späteren Datums. So wird uns als der älteste Fischzüchter Tao-tsu-kung genannt. Dieser lebte im 5. Jahrhundert v. Chr. und verfuhr dabei folgendermaßen. Er grub einen Teich, der die Größe eines Morgens (gegen 30 Ar) besaß und neun kleine Eilande umfaßte. Darein setzte er 20 Karpfenweibchen von 3 Fuß Länge und 4 Karpfenmännchen gleicher Größe aus, und zwar im März. Ein Jahr darauf waren schon 5000 Fische von einem, 10000 von zwei und 15000 von drei Fuß Länge im Teiche. Im dritten Jahre hatte sich ihre Zahl bereits verzehn- und verzwanzigfacht. Die neun Inselchen, die der Fischzüchter Tao-tsu-kung im Teiche gebaut hatte, sollten den Fischen vortäuschen, sie befänden sich in einem großen Meere und schwämmen an Festländern vorbei. Noch heute werden Karpfen und andere Süßwasserfische in Menge in China gezüchtet. Man füttert die Brut mit Eidotter, feingestoßener Kleie und pulverisierten Bohnen. Wenn die Fische eine bestimmte Größe erreicht haben, werden sie in flache Teiche gesetzt, deren Ufer von ganz bestimmten Bäumen und Sträuchern bepflanzt werden. So glaubt man beispielsweise, daß der am Morgen nach kühler Nacht von den Blättern der Platane in den Teich tropfende Tau von heilsamer Wirkung für das Fischvolk sei. Mancher Europäer, der im Innern und besonders im Süden Chinas einen idyllisch gelegenen und von prächtigen Bäumen und Sträuchern eingefaßten Fischteich bewundert, spendet dem Schönheitssinn der naturfrohen Chinesen unwillkürlich Lob, ohne zu wissen, daß die reizvolle Umgebung des Teiches nur abergläubischen Gründen ihre Entstehung verdankt.

Ebenso alt oder vielleicht noch älter als der Teichkarpfen ist in China die Teichkarausche, die man als hochgezüchteten Zierfisch auch bei uns unter dem Namen Gold- oder Silberfisch (Carassius auratus) eingeführt hat. Für die Deutschen gab zuerst Kämpfer in seiner 1777 herausgegebenen Beschreibung Japans eine Schilderung dieses von den Japanern King-jo genannten, meist roten, am Schwanze aber leuchtend goldgelben Zierfisches, der in Japan und China viel in Teichen gehalten und gewissermaßen als Haustier betrachtet wird. Er ist aber nicht in Japan, sondern in dem viel früher zu hoher Kulturblüte emporgestiegenen China zum Kulturfisch erhoben und nicht nur in bunten Farben, sondern auch in den bizarrsten Formen mit gedrängtem Körper, dickem Kopf, weit hervorquellenden großen Glotzaugen und stark verlängerten und verbreiterten Flossen gezüchtet worden. Meist wird die Provinz Tsche-Kiang am östlichsten Zipfel Chinas, südlich vom Jang-tse-kiang und der Stadt Schang-hai, als Ursprungsgebiet der chinesischen Karauschenzucht angesehen, seitdem der Holländer Nieuhof in seiner 1665 in Amsterdam publizierten beschryving von Sina bei Gelegenheit der Gesandtschaft an den Kaiser von China, an der er teilnahm, solche Behauptung aufgestellt hat. Doch ist dies keineswegs sicher. Wir wissen nur, daß sie am frühesten im eigentlichen Herzen Chinas gezüchtet wurden; und zwar finden wir sie nach chinesischen Quellen zuerst im Jahre 540 n. Chr. erwähnt. Ums Jahr 960 war ihre Zucht im ganzen Reiche der Mitte verbreitet und gelangte dank den regen Kulturbeziehungen frühe auch nach dem Sonnenaufgangslande Nippon, d. h. Japan, wo sie bald ebenso populär als in ihrer ursprünglichen Heimat wurde. Die schätzenswerte Eigenschaft der Karauschen, in sehr kleinen Wasserbecken gut zu gedeihen und darin sogar zur Fortpflanzung zu schreiten, begünstigte ganz wesentlich ihre rasche Ausbreitung und ihre Haltung in den von den Japanern so geliebten Miniaturgärtchen in vielfach geradezu winzigen Wasserbehältern.

Nach Brehm gelangte der Goldfisch aus China wahrscheinlich zuerst nach Portugal und verbreitete sich, nachdem er hier eingebürgert war, allmählich weiter über Europa. Das Jahr der Einführung desselben wird von den Schriftstellern verschieden angegeben. Einzelne nennen 1611, andere 1691, wieder andere 1728. Diese Zahlen wären sehr wohl möglich, da sich die Portugiesen schon um 1522 um Makao festsetzten und in regen Tauschverkehr mit den Chinesen traten. Da lag es ja sehr nahe, diesen leicht in kleinen Behältern in wenig durchlüftetem Wasser zu haltenden Zierfisch auf ihren Schiffen weithin zu befördern. Eduard Hahn aber ist in seinem Haustierbuche anderer Meinung. Er hält die von Markus Bloch in seiner 1782 erschienenen Naturgeschichte der Fische Deutschlands angegebene Jahreszahl 1611 als Termin der Einführung nach Europa für einen Druckfehler, statt des richtigeren 1691. Die Zahl 1611 sei auch viel zu früh für die Ankunft des Goldfisches in Europa; denn bei der langsamen und mühseligen Schiffahrt, wie sie damals bestand, sei wohl an einen Transport von China bis Europa ohne Zwischenstation nicht zu denken. Als eine solche Zwischenstation ergebe sich naturgemäß Batavia, dessen reiche chinesische Kaufleute es ebenso wie die Holländer, die sich 1594 nach Verdrängung der seit 1579 dort ansässig gewordenen Portugiesen auf Java festsetzten, allerdings erst 1677 bedeutende Gebiete des Landes eroberten und schließlich die ganze Insel unter ihre Botmäßigkeit brachten, liebten, sich mit dem Glanze und Luxus ihrer einheimischen Kultur zu umgeben. In seinem 1726 in Dordrecht erschienenen Buche über Niederländisch Indien erwähnt Valentijn den Fisch als in Batavia gezogen. Die nächsten Stationen von dort her auf dem Wege nach Europa seien wohl Mauritius und dann St. Helena gewesen. Von hier seien dann nach Pennant die ersten Goldfische 1691 nach England gekommen; doch scheinen sie sich hier nicht fortgepflanzt zu haben. Nachher kamen sie von dorther öfter nach England, so nach Petiverius mehrfach zwischen 1711 und 1718. Die ersten Goldfische, die zur Fortpflanzung zu bringen waren, gelangten 1728 nach London, wohin sie eines der Schiffe des damaligen Lordmajors, Sir Decker, brachte. Auch von diesen Fischen wird ausdrücklich bezeugt, sie seien von St. Helena gekommen. Diese Goldfische scheinen dann den ersten Grundstock des englischen und später auch des allgemein europäischen Bestandes abgegeben zu haben.