Die Goldfische, die in der Folge durch Decker in England verteilt wurden, dann durch seine Vermittlung auch nach seiner Heimat Holland, z. B. in den berühmten Cliffordschen Garten in der Universitätsstadt Leiden, an dem einst Karl von Linné seine ersten botanischen Studien gemacht hatte, gelangten, schritten an ihrem neuen Wohnorte ganz ausnahmsweise zur Fortpflanzung. Nur diejenigen, die ein naturkundiger Arzt in Harlem bekommen hatte, pflanzten sich anfangs spärlich, dann aber reichlicher fort. Von ihm erhielt Baster in Harlem 1758 junge Goldfische, die er mit großer Sorgfalt großzog. Als er 1775 starb, verkaufte die Witwe den Bestand um einen hohen Preis; denn diese Tiere waren damals noch sehr selten und kaum bei Privatleuten zu finden. Deshalb glaubte auch die französisch-ostindische Handelsgesellschaft ein wertvolles Geschenk zu machen, als sie der allmächtigen Maitresse Ludwigs XV. von Frankreich, der Marquise de Pompadour, um 1760 einige Goldfische überreichen ließ. Diese Fische scheinen aus dem botanischen Garten gekommen zu sein, den die Compagnie in ihrem Hafenplatz Lorient im Departement Morbihan in der Bretagne besaß. Allmählich verbreiteten sich ihre Nachkommen über Frankreich und die angrenzenden Länder des europäischen Kontinents.

Nach der wissenschaftlichen Beschreibung, die Linné von ihnen gab, scheinen die ersten Goldfische, die nach Leiden gelangten, sogenannte Straußschwänze gewesen zu sein. Auch die Fische Basters gehörten zu dieser Rasse, die in der Folge bald in ganz Holland Mode wurde. Um 1750 sagt der Engländer Edwards in seiner Geschichte der Vögel, daß alle aus St. Helena nach Europa fahrenden Schiffe Goldfische mit sich führen. 1749 bezog die schwedisch-ostindische Compagnie eine Sendung lebender Goldfische aus Kanton. Damals waren sie nicht nur in Schweden, sondern selbst in England noch eine solche Neuigkeit, daß Naturforscher, wie Gilbert White, der Verfasser einer sehr guten Naturgeschichte, stundenlang vor sie hinsitzen konnten, um sie zu beobachten. Noch John Bell of Antermony hatte sie, als er 1763 seinen Reisebericht in Glasgow publizierte, nur in China gesehen, wo er 1720 gewesen war. 1808 sah sie der französische Naturforscher Bory de St. Vincent bei Gelegenheit der Besetzung Spaniens durch die Franzosen in einem Teiche des Schlosses Alcazar bei Sevilla. Sonst sind keine Nachrichten über diesen Zierfisch aus früherer Zeit aus jenem Lande auf uns gekommen.

Gegenwärtig hat sich der Goldfisch über die ganze Erde verbreitet, soweit sie von gebildeten Menschen bewohnt wird. Überall ist er in den warmen Teilen der gemäßigten Zone wirklich heimisch geworden und an vielen Orten verwildert, besonders auf Inseln, auf denen ihm nur eine schwache Konkurrenz an Süßwasserfischen gegenüberstand. So bildet er heute den wichtigsten Süßwasserfisch auf den Azoren und belebt in großer Zahl die Gewässer von Madeira, Réunion und Mauritius; dann ist er auch in Algerien, Portugal, auf Java, den Philippinen und Hawaii verwildert. Hier ist er überall mehr oder weniger goldig gefärbt geblieben; nur in Chile, wo er ebenfalls verwilderte, ist er in die braune Urform zurückgeschlagen.

In ihrer Heimat China ist der Goldfisch durchaus nicht bloß Zierfisch, sondern vor allem auch Nutzfisch, der eine respektable Größe erreicht und sehr wohlschmeckendes Fleisch aufweist. So berichtet der Franzose Courcy in seinem 1867 in Paris erschienenen Buche: „Das Reich der Mitte“ von bis 10 Pfund schweren Goldfischen. Bei uns werden sie in größeren Teichen nur 25–30, höchstens 40 cm lang, während sie in kleinen Behältern ganz winzig bleiben. Sie werden in letzteren mit Semmelkrumen oder Oblatenstücken und zerriebenen Ameisenpuppen gefüttert, doch darf die Menge derselben nur ganz gering sein, da ein Übermaß von Futter einen selbst diesen genügsamen Fischen unerträglichen Schleim erzeugt. Bei sorgfältiger Pflege gewöhnen sie sich bald an den Menschen und sind schließlich so weit zu bringen wie in ihrer Heimat China, wo sie gelegentlich das vorgehaltene Futter aus der Hand nehmen.

Der Stammvater des Goldfisches ist die chinesische Karausche, ein dem nahe verwandten Karpfen ähnelnder Fisch von dunkelbrauner Farbe. Diese ihre Abstammung bekunden sämtliche Varietäten des Goldfisches, indem sie stets als Reminiscenz an die Färbung der Ahnen in der Jugend dunkelbraun gefärbt sind und erst später die durch Zucht erzielte definitive Färbung erlangen, die bald goldgelb und metallisch glänzend, bald schön rot, bald schwarz und gelb oder schwarz und rot, auch rot und silberweiß gescheckt, manchmal auch ganz silberweiß oder schwarz ist. Die Goldfarbe entspricht einer der Stufen zwischen dem Leucismus und Melanismus und kommt durch Zuchtauslese außer beim Goldfisch auch bei andern Fischen vor, so bei Schleie und Orfe, die dann als Goldschleie und Goldorfe unterschieden werden. Letztere sind nun allerdings als erst kürzlich in Zucht genommene Varietäten lange nicht so schön gefärbt wie der Goldfisch; doch wird letzterer einst, als die Chinesen begannen ihn in Zucht zu nehmen, auch nicht schöner gefärbt gewesen sein.

Auch der bedeutendste Fischkenner unserer Zeit, Dr. Günther in London, ist der Ansicht, daß der Goldfisch eine durch Zucht fixierte Farbenvarietät der chinesischen Karausche ist, die von unserer europäischen Karausche (Carassius carassius) kaum verschieden ist. Solche goldfarbige Varietäten kommen auch bei unserer Karausche vor, die von Europa über ganz Mittel- und Nordasien verbreitet ist. Der deutsch-russische Reisende Pallas erwähnt eine solche goldfarbige Varietät aus der Steppe am Ural. Wahrscheinlich würde also auch aus unserer Karausche, deren Farbe oft wechselt und häufig sehr bunt ist, sich mit der Zeit eine ganze Reihe hübscher Abarten ziehen lassen, wenn man sich darauf verlegen wollte. Bei uns begnügt man sich eben mit ihrer Zucht als Speisefisch, da sie außerordentlich genügsam ist und auch noch in moderigem Wasser gedeiht, wo die Karpfenzucht ganz unmöglich ist, weil das Fleisch des Karpfens dadurch fast ungenießbar wird. Solches Wasser schadet dem Geschmack des Fleisches der Karausche durchaus nicht.

Die Karausche liebt schon im Wildzustand stehendes Wasser, namentlich Seen mit versumpften Ufern und Altwässer, wie man die vom aktiven Strom abgetrennten Flußarme nennt. Sie kommt aber auch in Teichen, Sümpfen und Mooren vor, ist überhaupt befähigt, in dem verschiedenartigsten und unreinsten Wasser auszuhalten und bei der schmutzigsten, schlammigsten Nahrung zu gedeihen. Sie nährt sich wie der Karpfen hauptsächlich von Würmern, Larven, faulenden Pflanzenstoffen und Schlamm, hält sich dementsprechend fast stets am Grunde auf, verweilt hier auch während der kalten Jahreszeit in Erstarrung, kann sogar in Eis einfrieren und wieder aufleben. Sie hat überhaupt ein sehr zähes Leben, kann stundenlang außer Wasser leben und läßt sich, in Schnee oder feuchtes Laub verpackt, in jeder Jahreszeit weithin versenden. Nur während der Laichzeit, die in Südeuropa in den Juni, in Nordeuropa dagegen in den Juli fällt, erscheint sie öfter an der Oberfläche des Wassers, insbesondere an seichten, mit Pflanzen bewachsenen Stellen, tummelt sich hier in Scharen umher und spielt, mit den Lippen schmatzend, an der Oberfläche, bis das Eierlegen beginnt. Obschon das Weibchen nur gegen 100000 Eier legt, vermehrt sich die Karausche stark und wird mit Erfolg nicht nur in moderigen Teichen, sondern auch in Forellenteichen gezüchtet, in denen sie als Futter für diese Raubfische dient. Sehr geschätzt ist die Karausche besonders in Rußland, wo sie alle Steppengewässer in großer Menge bevölkert und von den Umwohnern als willkommene Speise genossen wird. Sie läßt sich mit dem Karpfen kreuzen und liefert dann die Karpfkarausche (Cyprinus kollari), die aber keine besonderen Vorzüge vor den Stammeltern hat und deshalb nur selten gezogen wird.

Wie der Karpfen ist auch die ihm verwandte kleinschuppige Schleie (Tinca tinca), die eine Länge von 70 cm und ein Gewicht von 3–4, in seltenen Fällen wohl auch 5–6 kg erreicht, ihres zarten, wohlschmeckenden Fleisches wegen als Speisefisch sehr geschätzt. Sie gehört unter den europäischen Karpfenarten zu den verbreitetsten und bewohnt den größten Teil Europas, überall zu den gemeinsten Teichfischen gehörend. Auch sie ist mehr ein Fisch der Ebenen, obschon sie bis zu 1000 m Höhe emporsteigt. Sie liebt Flüsse weniger als stehende Gewässer und unter diesen Seen, Teiche und Sümpfe mit schlammigem oder lehmigem Grund mit spärlichem Röhricht. In den Flüssen zieht sie sich stets nach solchen Stellen zurück, in denen das Wasser langsam fließt und ziemlich viel Schlamm abgesetzt hat; denn aus ihm bezieht sie ihre Nahrung. Ganz besonders soll sie in abgebauten und mit Wasser angefüllten Lehmgruben gedeihen. Träge hält sie sich fast beständig nahe dem Boden auf und steigt bloß bei sehr gutem Wetter und während der Fortpflanzungszeit an die Oberfläche herauf. Wie der Schlammbeißer findet sie sich noch in Gewässern wohl, in denen andere Fische und selbst Karpfen absterben, weil ihr Sauerstoffbedarf außerordentlich gering ist. Sie liebt wie alle andern Karpfenarten warmes Wasser und frißt wie diese allerlei Gewürm und vermodernde Pflanzenstoffe mit der darin lebenden Kleintierwelt. Ihre Laichzeit fällt von Mai bis Juli, wobei ein etwa 2 kg schweres Weibchen 300000 Eier legt. Die Vermehrung ist also eine sehr starke. Die Jungen wachsen ziemlich schnell heran, doch vergehen immerhin meist 4 Jahre, bevor sie fortpflanzungsfähig werden. Ihr Fleisch erzielt kaum einen höheren Preis als dasjenige der Karausche, übertrifft aber das der letzteren unzweifelhaft an Güte. Weil nun die Schleie, die sich während des Winters nach Art anderer Familienverwandten in den Schlamm einwühlt, um die kalte Jahreszeit in einem halb bewußtlosen Zustande zu verbringen zu den anspruchslosesten Fischen des Erdballs zählt, eignet sie sich — abgesehen vom Aal — wie kein anderer Fisch zur Besetzung sumpfiger, sonst höchstens der geringwertigen Karausche preisgegebener Gewässer. Schon aus diesem Grunde verdient ihre Zucht die wärmste Empfehlung. Von ihr züchtet man in einzelnen Gegenden, besonders in Böhmen und Oberschlesien, eine prachtvolle Spielart, die unbedingt zu den schönsten aller europäischen Fische gezählt werden muß. Es ist dies die vorhin erwähnte Goldschleie.

Außer der Schleie eignet sich unter den Karpfenarten vor allem auch die Barbe (Barbus vulgaris), die das Gebiet aller deutschen Ströme bevölkert, insofern zur Teichwirtschaft, als sie den Hecht im Karpfenteich ersetzt, d. h. die trägen Karpfen aufrüttelt und durch den dadurch bei ihnen angeregten Stoffwechsel günstig auf deren Entwicklung wirkt. Sie erreicht eine Länge von 60–70 cm und ein Gewicht von 4–5 kg, ist gestreckt gebaut und durch die vier als Tastorgane dienenden Bartfäden an der oberen Kinnlade des unterständigen Maules ausgezeichnet. Sie meidet stehendes Wasser, sucht dagegen strömendes Wasser mit sandigem oder kiesigem Untergrund auf. Während des Sommers hält sie sich gern zwischen Wasserpflanzen auf, am Tage mehr ruhend, nachts dagegen Futter suchend, das aus Würmern, kleinen Fischen, Schlamm und winzigen Tieren aller Art besteht. Sobald die Wasserpflanzen im Herbste absterben, an denen sie ihr Futter sucht, begibt sie sich an tiefere Stellen im Flusse und sucht sich hier Zufluchtsorte unter und an Steinen, in Höhlungen und dergleichen, wühlt sich auch wohl am Uferrande ein. Hier hält sie, oft haufenweise angesammelt, eine Art Winterschlaf. Zur Zeit der Fortpflanzung, die in die Monate Mai und Juni fällt, bilden die Barben Züge von hundert und mehr Stück, die in langer Reihe hintereinander herschwimmen, so daß die alten Weibchen den Zug eröffnen, die alten Männchen ihnen folgen, minder alte sich ihnen anreihen und die Jungen den Schluß bilden.

Durch ihre Massenversammlungen zur Laichzeit gibt auch die Nase (Chondrostoma nasus) Veranlassung zu reichem Fang. Sie bevölkert im Donau- und Rheingebiet fast alle Seen, lebt meist gesellig und hält sich fast stets am Grunde auf, sich von Pflanzen, namentlich Wasseralgen aller Art, ernährend, die sie mit den harten Kieferrändern leicht von der Unterlage abzulösen vermag. Um sich fortzupflanzen, zieht sie im April und Mai in Scharen vom Hauptstrom in die Nebenflüsse und von diesen in die Bäche. Hier legt sie die Eier an kiesigen Stellen ab, über die das Wasser rasch hinwegströmt. Ihr Fleisch ist seines Grätenreichtums wegen nicht sonderlich geschätzt.