Einer unserer häufigsten Flußfische ist der Barsch (Perca fluviatilis), dessen gedrungener, seitlich zusammengedrückter, gelber bis grünlicher Leib mit 5–9 vom Rücken gegen den Bauch verlaufenden dunkeln Querbinden versehen ist. Seine Länge übersteigt bei uns selten 25 cm, das Gewicht 1 kg; doch kommen in manchen Seen Stücke von 1,5 bis 2 kg Gewicht vor. Er ist überall im Norden der Alten Welt verbreitet und gedeiht am besten in Seen mit klarem Wasser; doch fehlt er auch Flüssen und tiefen Bächen nicht, geht auch ins Brackwasser und selbst in schwach salzige Meeresteile, wie beispielsweise die Ostsee. In den Flüssen zieht er die Uferseiten und die Stellen mit geringerem Strome der Mitte und dem lebhaften Strome vor, ist auch fähig, in den Seen in größere Tiefen, von etwa 80–100 m, hinabzusteigen und dort zu leben, so daß ihm, mit dem Netz von dort heraufgezogen, infolge des verminderten Luftdrucks durch Ausdehnung der Schwimmblase der umgestülpte Magen blasenförmig zum Munde hervorquillt. Mit Vorliebe jagt er zu kleinen Trupps vereinigt, lauert auch gern in Höhlungen des Ufers auf seine Beute. Seine Freßgier ist so groß, daß er nach jedem Köder schnappt und, auch gefangen, bald das Futter aus der Hand seines Pflegers nimmt. Er läßt sich sehr leicht fangen, dauert auch außerhalb des Wassers längere Zeit aus, läßt sich daher weit versenden, wenn er nur unterwegs von Zeit zu Zeit zur Erfrischung in Wasser getaucht wird. Auch hält er sich Tage und Wochen im engen Fischkasten, was ein weiterer Vorzug ist. Aus der Haut der zum Essen nicht geschätzten jüngeren Fische wird ein der Hausenblase ähnlicher, sehr haltbarer Leim bereitet; die älteren Fische dagegen dienen als wohlschmeckende Speise. Seine Laichzeit fällt von März bis Mai. Im dritten Lebensjahre, wenn er eine Länge von etwa 15 cm erreicht hat, ist er bereits fortpflanzungsfähig und legt bis zu 300000 Eier. Doch vermehrt er sich gleichwohl nicht in größerer Zahl, da Fische und Wasservögel zahlreiche Eier fressen, auch die jungen Fische zahlreichen Feinden ausgesetzt sind.

Den Barsch übertrifft an Wohlgeschmack bedeutend sein Verwandter, der durch ein köstliches schneeweißes Fleisch ausgezeichnete Zander (Lucioperca sandra), der die Ströme und größeren Flüsse Nordost- und Mitteleuropas, in Norddeutschland die Elbe-, Oder- und Weichselgebiete und benachbarten Seen, in Mitteleuropa das Donaugebiet bewohnt, dagegen dem Rhein- und Wesergebiet, ebenso ganz Westeuropa fehlt, auch innerhalb seines Verbreitungsgebietes alle schnellfließenden Flüßchen meidet. Er liebt langsamfließende Gewässer, in deren Tiefe er sich für gewöhnlich aufhält, und erscheint nur während der zwischen die Monate April und Juni fallenden Laichzeit an seichteren, mit Wasserpflanzen bewachsenen Uferstellen, um hier seine Eier zu legen. Als ein außerordentlich raubgieriger Fisch, der alle kleineren Fische auffrißt und seine eigene Brut nicht verschont, wächst er ungemein schnell und erreicht im ersten Jahre bereits ein Gewicht von 0,75, im zweiten ein solches von 1 kg. Auch seine Vermehrung ist eine bedeutende. Sein Fleisch ist wie bei allen Fischen am besten und fettesten vor der Laichzeit, also im Herbst und Winter, muß aber frisch zubereitet werden, da es geräuchert oder gesalzen sehr an Schmackhaftigkeit verliert. An der unteren Elbe wird es demjenigen des Lachses gleichgeschätzt und ist fast eben so teuer. Im Rhein- und Wesergebiet, wo er, wie gesagt, ursprünglich nicht heimisch war, ist er in den letzten Jahren mit so gutem Erfolge eingesetzt worden, daß der Zanderfang für die dortigen Fischer heute schon ein bedeutender Faktor geworden ist. In größeren, an schlecht schmeckenden Weißfischen, Plötzen, Rotaugen, Stinten, Gründlingen und anderen minderwertigen Fischen, die ihm zur Nahrung dienen könnten, reichen Gewässern, kleineren Seen oder Teichen würde sich die auf die Zucht gerade dieses Fisches verwandte Mühe reichlich lohnen.

Ebenfalls sehr empfehlenswert für die Teichwirtschaft ist der den beiden vorigen verwandte, nur 25 cm lang und 250 g schwer werdende Kaulbarsch (Acerina cernua), der überall in Deutschland gefunden wird, nur im Oberrheingebiet fehlt, weil er den Rheinfall von Schaffhausen nicht zu überwinden vermag. Seine Lebensweise ähnelt derjenigen des Flußbarsches. Er zieht klare, tiefe Seen seichteren Gewässern vor, besucht aber letztere während der Laichzeit im April und Mai und wandert dann gewöhnlich truppweise, während er sich sonst mehr einzeln hält. In den Flüssen und Bächen verweilt er bis gegen den Herbst hin; zum Aufenthalt im Winter aber wählt er sich tiefere Gewässer und kehrt deshalb wieder zu den Seen zurück. Seine Nahrung besteht aus kleinen Fischen, Würmern und Kerfen. Der Laich wird auf Steinen abgesetzt. Seinen Fang betreibt man mit der durch einen Regenwurm geköderten Angel oder mit feinmaschigen Netzen. Sein Fleisch wird als sehr schmackhaft geschätzt.

Ihres köstlichen Fleisches wegen wird, wie die verschiedenen Karpfenarten, auch die Schmerle oder Bartgrundel (Nemachilus barbatulus) in manchen Gegenden, so besonders in Böhmen, in kleinen, reichlich mit Schafmist zur Entwicklung von ihr zur Nahrung dienenden Kerbtierlarven beschickten Teichen gezüchtet. Sie lebt darin lange Zeit und zeichnet sich durch ungeheure Gefräßigkeit aus. Ihr Wohngebiet ist Mitteleuropa nördlich der Alpen und reicht im Osten bis zum Ural. In Schweden wurde sie durch Friedrich I., der von 1751 bis 1771 regierte, aus Deutschland eingeführt. Sie hält sich besonders in Flüssen und Bächen mit raschfließendem Wasser auf und verbirgt sich tagsüber unter hohlliegenden Steinen. Erst gegen Sonnenuntergang beginnt ihre die ganze Nacht hindurch währende Jagdzeit. Ihre Laichzeit fällt in die ersten Frühlingsmonate. Das Männchen gräbt mit dem Schwanz ein Loch in den Sand, in welches das Weibchen die Eier legt; dann hält es bis zum Ausschlüpfen der Jungen Wacht am Neste.

Häufiger als die Schmerle findet man in Fischteichen den Hecht (Esox lucius) angesiedelt, der nicht mit Unrecht der „Hai der Binnengewässer“ genannt wird, da er der gefürchtetste Räuber der europäischen Seen und Flüsse ist. Er scheint sich in seichtem, sumpfigem Gewässer ebenso wohl zu fühlen wie in einem tiefen, klaren See und erreicht gelegentlich eine Länge von 2 m und ein Gewicht bis zu 35 kg. Wie ein Pfeil schießt er durch das Wasser auf seine Beute zu, sobald er sie mit seinen scharfen Augen erspäht hat. Seine Gefräßigkeit übertrifft die aller anderen Süßwasserfische. Dabei ist ihm alles recht, von dem er glaubt, daß er es bewältigen könne, bis hinauf zu größeren Vögeln und Säugetieren. Bei solcher Unersättlichkeit ist es kein Wunder, daß das Wachstum dieser Tiere ungemein rasch ist und sie im ersten Jahr 1 kg, im folgenden 2 kg, bei genügender Nahrung sogar 4 und 5 kg an Gewicht erreichen. Ihre Laichzeit fällt in den März und April. Die Eier werden auf seichten, mit allerlei Wasserpflanzen bewachsenen Stellen abgelegt und sind schon nach wenigen Tagen gezeitigt. Von den Jungen findet ein großer Teil im Magen älterer Hechte sein Grab, ein anderer, kaum geringerer, fällt den Geschwistern zum Opfer, die um so rascher heranwachsen, je mehr sie Nahrung finden.

Im Altertum stand das Fleisch der Hechte bei Römern und Griechen nur in geringem Ansehen. Nördlich der Alpen jedoch wurde es von jeher vom Menschen sehr geschätzt und galt besonders in England für teilweise noch besser als dasjenige des Lachses. Auch heute noch ist er als Braten geschätzt und wird schon aus diesem Grunde, nicht nur des Schadens wegen, den er anrichtet, eifrig verfolgt. Außer Netz und Reuse wird besonders die Schmeißangel zu seinem Fange benutzt. Zur Teichwirtschaft eignet er sich vorzüglich, vorausgesetzt, daß man ihn da unterbringt, wo er nicht schaden kann, oder ihm genügenden Vorrat an Fischen gewährt. Er verträgt hartes wie weiches Wasser, darf aber nicht während der Laichzeit eingesetzt werden, weil er zu dieser Zeit leicht absteht. Um die trägen Karpfen in Bewegung zu erhalten, wird er in kleinen Exemplaren, die weiter nicht schaden, auch in Karpfenteichen gehalten.

Bild 51. Ägypter mit dem Landungsnetz fischend.
Auf einem Grabgemälde in Theben. (Nach Wilkinson.)

Nicht in der Teichwirtschaft verwendet, aber gleichwohl meist gern gegessen wird die Brachse (Abramis brama), die 50–70 cm Länge und ein Gewicht von 4–6 kg erreicht. Nördlich der Alpen wird sie überall in den tieferen Süßwasseransammlungen, meist in starken Gesellschaften, gefunden, wo sie den Sommer über im Schlamme nach Nahrung wühlt. Um zu laichen, was stets zur Nachtzeit an seichten, grasreichen Stellen in der Nähe des Ufers geschieht, vereinigt sie sich im Frühjahr zu großen Zügen und wird dann in Menge gefangen. Wenige Tage nach dem Abzuge der Fische wimmeln die seichten Uferstellen von Millionen ausgeschlüpfter Jungen, die sich noch eine Zeitlang auf der Stätte ihrer Geburt umhertreiben und dann ihren Eltern in die Tiefe der Gewässer folgen.