Ich habe die Gemahlin des Kaisers Gajus (Caligula, dritter römischer Kaiser 37–41 n. Chr.), Lollia Paulina, gesehen, wie sie bei einem ganz gewöhnlichen Verlobungsschmause, wobei keineswegs ein großer Aufwand an Pracht verlangt wurde, mit Smaragden und Perlen bedeckt war, die in wechselnden Reihen schimmerten. Am ganzen Kopfe, auf den Haaren, der Kopfbinde, den Ohren, dem Halse, dem Halsbande, den Fingern befanden sich so viel, daß sich der Wert derselben auf 40 Millionen Sesterzien (= 6 Millionen Mark) belief, was sie selbst aus ihren Quittungen zu beweisen bereit war. Diese Herrlichkeiten waren nicht einmal Geschenke des verschwenderischen Kaisers, sondern ererbte, durch Plünderung der Provinzen zusammengescharrte Reichtümer. Das ist der Erfolg von Räubereien und Geschenken, die Marcus Lollius schändlicherweise im ganzen Orient von den Königen erpreßte, weswegen ihm Gajus Cäsar, der Sohn des Augustus, die Freundschaft aufsagte, so daß er sich in der Verzweiflung vergiftete. Das also hat er durch sein Leben und durch seinen Tod erlangt, daß seine Enkelin mit einem 40 Millionen kostenden Schmucke beim Scheine der Lichter glänzen konnte.
Nun wollen wir einmal den Schmuck des Curius und Fabricius (sehr einfach lebender Römer der guten, alten Zeit) bei Triumphzügen und ihre (sehr bescheidenen) Mahlzeiten einerseits und die schmausende Lollia andererseits vergleichen. Wäre es nicht besser gewesen, sie wären von ihren Triumphwagen hinuntergeworfen worden, als daß sie für solche Nachkommen gesiegt hätten? — Doch das ist nicht einmal das ärgste Beispiel der Verschwendung. Die zwei größten Perlen, die man seit Menschengedenken gefunden hat, besaß Kleopatra, die letzte ägyptische Königin; sie hatte sie von orientalischen Königen geerbt. Als sie nun täglich von Antonius mit den ausgesuchtesten Leckerbissen gemästet wurde, spottete sie doch stolz, frech und übermütig über alle seine Herrlichkeiten, und als er fragte, wie er denn noch kostbarere Sachen herbeischaffen könne, gab sie die Antwort, sie wolle bei einer einzigen Mahlzeit 10 Millionen Sesterzien (= 11⁄2 Millionen Mark) vertun. Antonius hielt die Sache für unmöglich, war aber doch begierig, zu erfahren, was sie tun würde. Es kam zur Wette. Am folgenden Tag, dem Tage der Entscheidung, gab Kleopatra, um den Tag nicht ungenossen vorübergehen zu lassen, ein glänzendes, übrigens ganz alltägliches Mahl, und Antonius machte sich darüber lustig und fragte nach der Rechnung. Das ist nur eine kleine Zugabe, antwortete Kleopatra; die Mahlzeit wird den bestimmten Preis kosten, und ich selbst will allein die 10 Millionen verschlucken. Sie befahl nun, den Nachtisch zu bringen. Auf Befehl stellten die Diener nichts vor sie hin als eine Schale mit Essig, dessen Säure die Perlen auflöst. Sie trug jenes herrliche und wahrhaft einzige Geschenk der Natur als Ohrschmuck. Während nun Antonius voller Erwartung dasaß, nahm sie die eine Perle vom Ohr, warf sie in den Essig, und trank sie, nachdem sie sich aufgelöst hatte (was allerdings nur sehr langsam vor sich gegangen sein wird). Eben war sie im Begriff, mit der andern Perle (dem Ohrgehäng der andern Seite) ebenso zu verfahren, als Lucius Plancus, der Schiedsrichter bei dieser Wette, ihre Hand zurückhielt und den Antonius für besiegt erklärte. Die damals gerettete Perle hat sich später ebenfalls einen Namen gemacht; denn sie wurde nach der Gefangennahme der Kleopatra in zwei Teile zerschnitten, deren jeder ein Ohr der Venus (der angeblichen Ahnfrau des julischen Geschlechtes) im Pantheon zu Rom geziert.
Doch Antonius und Kleopatra brauchen mit ihrer Verschwendung nicht so gar groß zu tun; denn sie können sich darin kaum mit einem Schauspieler messen. Dieser war Clodius, der Sohn des Tragikers Äsop und Erbe seiner unermeßlichen Reichtümer. Dieser Clodius nahm noch vor der Zeit des Antonius Perlen von großem Werte, löste sie auf und trank sie, nicht, um in einer Wette zu siegen, sondern nur um zu wissen, wie sie schmecken. Und wie sie ihm nun herrlich mundeten, gab er auch jedem seiner Gäste eine zu verschlucken.“
Diese Sucht nach Perlengeschmeide, die Plinius an den Römerinnen seiner Zeit (nach der Mitte des 1. Jahrh. n. Chr.) rügt, so daß sie diese Zier nicht nur in den Ohren, sondern auch als Halsschmuck in 1–3 Reihen und danach in Anlehnung an die betreffenden griechischen Bezeichnungen als Mono-, Di- und Trilinum bezeichnet, dann sogar an den Schuhen trugen, war durch Beeinflussung der Orientalen zuerst bei den alexandrinischen Griechen aufgekommen und wurde bei den reichen Römern erst nach den asiatischen Feldzügen des Pompejus Mode. Erst in der späteren Kaiserzeit, wie auch bei den Byzantinern, wurde ein übermäßiger Luxus damit getrieben, wie dies die morgenländischen Herrscher, speziell die persischen und indischen, das ganze Mittelalter hindurch bis in die Gegenwart taten, indem sie nicht nur die Kopfbedeckung und die ganze Gewandung, sondern auch ihre Waffen und übrigen Gebrauchsgegenstände mit Perlen wie auch Edelsteinen überzogen. Manche römische Kaiser suchten allerdings dem Perlenluxus entgegenzutreten. So der sittenstrenge Alexander Severus, von dem uns sein Biograph Älius Lampridius folgende Geschichte berichtet: „Dem Kaiser Alexander Severus brachte einstmals ein Gesandter für seine Gemahlin zwei ausgezeichnet große und schwere Perlen zum Geschenk. Der Kaiser bot sie zum Verkauf aus, und da sich kein Käufer dafür fand, so ließ er sie in die Ohren der Venus (auf dem Kapitol) hängen und sagte: ‚Trüge die Kaiserin solche Perlen, so würde sie andern Damen ein böses Beispiel geben, indem sie Schmuck von so hohem Werte trüge, daß niemand ihn bezahlen könnte.‘“
Der um 180 n. Chr. lebende griechische Sophist Claudius Älianus aus Präneste erzählt uns mancherlei von der, wie er sich ausdrückt, „von unverständigen Männern gepriesenen und von den Weibern bewunderten Perle“ und fügt hinzu, daß durch den Perlenhandel gar manche Leute reich geworden seien. Er nennt als Herkunftsort der besten Perlen das Rote Meer und die Küste zwischen Ceylon und Indien. Dort würden die Perlmuscheln, in denen die Perlen dadurch entstehen sollten, daß ein Blitz in die geöffneten Muscheln leuchte, an heitern Tagen bei ruhigem Meere mit großen Netzen gefischt. Sie schwämmen herdenweise umher und hätten Führer, wie die Bienen ihre Könige haben. „Diese Führer sollen sich durch Farbe und Größe auszeichnen. Ist nun ein solcher gefangen, so fällt die ganze verwaiste Herde in die Hände des Tauchers; deswegen sind letztere auf den Fang des Führers sehr erpicht. Solange der Führer noch lebt, weiß er die Herde mit klugen Schwenkungen zu lenken und zu retten; ist er aber verloren, so rührt sich die Herde nicht vom Fleck, wie eine Schafherde, die ihren Hirten verloren hat. Die gefangenen Muscheln werden, wie man sagt, in Fässern eingesalzen; wenn dann das Fleisch verzehrt ist, bleiben die Perlen zurück. Man kann in den größten Muscheln kleine Perlen finden und in den kleinen große. Manche Muschel hat gar keine, manche nur eine; in vielen aber sind sie zahlreich. Ja, man sagt, es können in einer Muschel 20 Perlen sein. Die Perle wächst im Fleische der Muschel wie ein Dorn; öffnet also jemand die Muschel, ehe sich Perlen in ihr erzeugt haben, so findet er keine. Es ist auch bekannt, daß Perlmuscheln, denen man die Perlen genommen hatte und die man wieder freiließ, neue erzeugten, als wüßten sie, daß sie sich mit diesem Schatze loskaufen könnten. Die Perle gleicht einem Steine und enthält in sich nicht die geringste Feuchtigkeit. Sie ist von Natur glatt und rund. Will jemand eine Perle, deren Gestalt ihm mißfällt, durch Kunst abändern, so gelingt dies nicht; sie wird rauh und verrät dadurch den Betrug. Die ganz weißen und großen gelten für die vollkommensten.“
Bis auf den heutigen Tag hat sich die Perle in der ganzen Kulturwelt ihre Schätzung als Schmuckstein erhalten. Besonders Halsgeschmeide von großen, gleichmäßig runden Stücken sind auch zu unserer Zeit sehr beliebt. Berühmt ist der Perlenschmuck verschiedener europäischer Höfe, auch derjenige der deutschen Kaiserin, die eine besondere Vorliebe für Perlen hat. Manche dieser Geschmeide sind berühmt und haben ihre Geschichte wie einzelne hervorragende Diamanten.
Das zunehmende Seltnerwerden der wertvollen Perlmuschel gab Veranlassung, sie künstlich in abgeschlossenen Meeresbecken zu züchten und ihr Fremdkörper unter den Mantelraum zu schieben, damit sie Perlen daraus bilde. Die Erfolge sind nun auch ganz günstig. Schon lange vor den Europäern haben die Chinesen sich mit der künstlichen Erzeugung von Perlen und dem Überziehen von allerlei kleinen Figürchen mit einem Perlmutterüberzug durch Schieben von Vorlagen zwischen Schale und Mantel der bei ihnen heimischen Flußperlmuschel erfolgreich bemüht. Auch bei uns stammt ein Teil der Perlen von der durch dicke Schalen ausgezeichneten Flußperlmuschel (Margaritana margaritifera). Sie lebt auf sandigem bis steinigem Boden klarer Gebirgsbäche der nördlichen Hälfte Europas vom Böhmerwald, Fichtel- und Erzgebirge an bis ans Eismeer, von den Flüssen des Ural bis zur Westküste Irlands, und in den reißenden Bächen der Pyrenäen. Von solchen Muscheln Britanniens brachte Julius Cäsar, wie wir hörten, einen Perlenschmuck mit nach Rom, also muß die Ausbeutung der Perlen in denselben von den Kelten schon vor Ankunft der Römer praktiziert worden sein. Die deutschen Perlen werden in der Literatur zuerst 1514 erwähnt. Gegenwärtig werden diese Flußperlen hauptsächlich im sächsischen Vogtland und im Amtsbezirk Vilshofen in Niederbayern von Unternehmern, die das Regal von der Regierung in Pacht genommen haben, ausgebeutet, noch mehr aber in der Moldau zwischen Rosenberg und Moldautein. Hier werden jährlich für 8000 bis 12000 Gulden Perlen gefischt, die als böhmische Perlen in den Handel gelangen. Bei diesem Perlenfang werden die lebenden Muscheln sorgfältig geöffnet und, wenn sie keine Perlen enthalten, wieder möglichst unverletzt ins Wasser zurückversetzt. Stellenweise rechnet man auf 100 Muscheln eine Perle, zuweilen findet man auch bedeutend mehr, doch meist nur kleine von geringem Wert. Äußere Unebenheiten und Unregelmäßigkeiten an der Schale geben einige Hoffnung, eine Perle zu finden. Im allgemeinen ist der Ertrag nur ein geringer, da die Flußperlen in der Regel weniger schönen Glanz haben als die orientalischen, doch gibt es einzelne glänzende Ausnahmen; solche findet man z. B. im Grünen Gewölbe in Dresden.
Auch in der Mandschurei und in China gibt es Flußmuscheln, welche glänzende Perlen liefern. Die chinesischen werden schon in der Geschichte eines der frühesten Kaiser, namens Yü, angeblich aus dem 22. Jahrhundert v. Chr., erwähnt. Schon seit vielen Jahrhunderten sind in verschiedenen Gegenden der Provinz Tschekiang hunderte von Familien damit beschäftigt, systematisch Perlen und perlartigen Schmuck von den dort einheimischen Flußperlmuscheln zu gewinnen. Diese, die Anodonta plicata, werden in großen Mengen gesammelt und die größten Exemplare davon ausgesucht, um ihnen Körner oder Matrizen aus der Schale der echten Meerperlmuschel oder aus Blei — letztere stellen meist kleine Figürchen von Buddha in sitzender Stellung dar — reihenweise unter den Mantelüberzug beider Schalen zu schieben. Durch diese Fremdkörper gepeinigt, drückt sich das Tier krampfhaft an die Schalen, und dadurch bleiben die Formen auf ihrem Platze. Hierauf legt man die Muscheln eine nach der andern in 10–15 cm Abstand in Kanäle oder Teiche in einer Tiefe von 0,7–1,7 m unter Wasser, zuweilen 50000 Stück. Nach 10 Monaten bis 3 Jahren werden sie wieder aufgefischt und die betreffenden Gegenstände, die sich inzwischen mit einer ausgiebigen Perlmutterschicht überdeckt haben, herausgenommen, um sie zu einem billigen Preise in den Handel zu bringen. Sie werden von den Juwelieren zu Schmuck der verschiedensten Art verarbeitet und sind durch ganz China sehr verbreitet.
Auch in den Flüssen Nordamerikas gibt es Perlmuscheln, deren Perlen von den Eingeborenen lange vor der ersten Ankunft der Europäer gesammelt und als Schmuck getragen wurden. Solche fand Fernando Soto 1539 bei seinen Zügen durch das heutige Florida, Georgia und Alabama im Besitze der Eingeborenen und an ihren Kultstätten angehäuft. Weiße Perlen liefern die Flußmuscheln Unio rectus und U. complanatus, gelbe dagegen U. dromas. Außerdem gibt es auch fleischfarbene, rote, purpurne und schwarze Flußperlen; himmelblaue aber sind seltene Ausnahmen. Eine solche brachte in London 13200 Mark ein. Bereits im vorigen Abschnitte wurde erwähnt, daß künstliche Perlen, die wie die Nachahmungen von Edelsteinen sehr häufig getragen werden, aus hohlen Glaskugeln gemacht werden, deren Innenwand mit einer aus den Schuppen des Uklei (Alburnus lucidus), eines unseres gemeinsten Süßwasserfisches aus der Sippe der Weißfische, bereiteten Masse ausgekleidet wird.
Übrigens sei hier bemerkt, daß es auch Perlen pflanzlicher Abstammung gibt, die von den Malaien, die sie als mestica bezeichnen, von alters her als wertvolle Amulette an einer Halsschnur oder am Waffengehänge getragen werden. Sie kommen im Holz der Kokospalme und der Kasuarinenbäume, ferner in den Früchten der Brotfrucht und Arekapalme vor. Die betreffenden, im Zellgewebe entstandenen Perlen sind rund bis länglich und erreichen in seltenen Fällen die Größe eines kleinen Taubeneies. Die meisten von ihnen sind weiß gefärbt, ohne jedoch den Glanz der echten Perlen aus der Perlmuschel zu besitzen. An einer Seite besitzen sehr viele derselben eine kleine leuchtende Zone, ein „Sönnchen“, wie es der deutsche Gelehrte in holländischen Diensten, Rumphius, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts die Tier- und Pflanzenwelt Indonesiens erforschte, sinnig nennt. Manche Pflanzenperlen sind mehr gelblich oder bräunlich, ja bis schwärzlich. Alle Mesticas funkeln im Dunkeln, wenn man sie, wie beim bekannten Feuerschlagen, mit einem harten Steine zusammenschlägt. Es sind dies Konkrementbildungen aus fast reiner Kieselsäure.