Die wichtigsten Perlmuschelbänke liegen um die Dahlakinseln im Roten Meer, um die Bahreininseln und die Insel Ormus im Persischen Meerbusen. Von der letzteren sagt ein persisches Sprichwort: Wäre die Erde ein Ring, so wäre Ormus der Edelstein darin. Gegen 30000 Menschen sollen den Sommer hindurch im Persischen Meerbusen mit der Perlfischerei beschäftigt sein und dabei einen Gesamtgewinn von jährlich etwa 80 Millionen Mark erzielen. Andere wichtige Perlmuschelbänke liegen an der Westküste Ceylons, im Golf von Manaar in der Bai von Kondatschi und in der Meerenge zwischen Ceylon und der Küste von Madura, an der sogenannten Perlküste, wo die englische Regierung das Recht zur Perlfischerei besitzt und regelmäßig ausübt. Dabei läßt sie jedes Jahr nur bestimmte Perlbänke und diese erst wieder nach 6–7 Jahren absuchen und erzielt einen jährlichen Gewinn von 1⁄2–4 Millionen Mark. Hier sind die Perlbänke an die Ceylon Company of Pearl Fishers vermietet, die die Tagesernte von Muscheln in Säcken von 1000 Stück gleich an Ort und Stelle öffentlich versteigern lassen, während die Taucher ihren Anteil in Partien von ungefähr 6 Muscheln auf dem Fischmarkt von Colombo verhökern lassen. Bei den Auktionen erzielt der Sack von 1000 Austern durchschnittlich 30 Rupies (= 58 Mark). Sowie aber in einem von diesen eine besonders kostbare Perle gefunden wurde, schnellen die Preise der nächsten Säcke plötzlich in die Höhe und erzielen zwischen 100 und 200 Rupies (= 192 und 386 Mark), bis der Eifer der aus der ganzen Welt zusammengeströmten Perlenhändler verrauscht ist. Die Muscheln der ersteigerten Säcke werden von den mehr oder weniger glücklichen Besitzern sofort geöffnet und auf etwaige Perlen untersucht. Diejenigen, die keine Perle enthalten, werden einfach fortgeworfen.

Außer bei Ceylon wird auch bei den Suluinseln zwischen Borneo und den Philippinen schon seit langem Perlfischerei getrieben, ebenso neuerdings bei Japan, an einigen Stellen der Nordküste Australiens und in Polynesien. In Amerika und an seinen tropischen Küsten, wo die echte Perlmuschel des Indischen Ozeans durch eine ihr sehr nahe verwandte Art vertreten ist, betreibt man im Meerbusen von Kalifornien, im Meerbusen von Mexiko und an den Küsten Westindiens Perlfischerei, namentlich aber bei den Perlasinseln im Meerbusen von Panama und bei der Karaibeninsel Margarita, die Kolumbus so, d. h. Perleninsel benannte. Hier wurden sie von den Indianern schon vor der ersten Ankunft der Europäer geschätzt und gesammelt. So traf Kolumbus auf seiner dritten Reise 1498 in der Nähe der Orinokomündungen Indianerinnen, welche Perlschnüre als Arm- und Halsbänder trugen und gab der in der Nähe befindlichen Insel, an deren Küste die Eingeborenen nach Perlen fischten, eben den Namen Margarita. Ebenso erhielt Vasco Nuñez de Balboa 1513, da er als erster Europäer am Golf von Darien die Landenge von Mittelamerika überstiegen und den Stillen Ozean erreicht hatte, von einem dortigen Häuptling an der Küste 240 Perlen als Geschenk. Später wurden die Halbinseln Guajiro und San Marta, an der Mündung des Magdalenenstroms, sowie La Paz am Meerbusen von Kalifornien berühmte Stellen für Perlfischerei. Die „okzidentalischen“ Perlen sollen durchschnittlich größer, aber weniger glänzend als die orientalischen sein.

Der Gebrauch der letzteren als Schmuck ging offenbar von Indien aus, von wo bis in die späte römische Kaiserzeit nach dem Bericht der griechischen und römischen Autoren die meisten Perlen in die Mittelmeerländer gelangten. Im Heldengedichte Ramajána werden sie als etwas Bekanntes mehrfach erwähnt. Von der Sanskritbezeichnung dafür, mangara, dürfte sich die griechisch-lateinische Bezeichnung margaros, später margarita, ableiten. Auch das romanische Wort für Perlmutter, französisch nacre, stammt von einem orientalischen Worte ab. Das hochdeutsche „Perle“ dagegen ist wahrscheinlich ursprünglich nur eine vergleichende Bezeichnung, vom lateinischen pirula, d. h. kleine Birne. Homer kannte die Perlen und deren Verwendung als Schmuck noch nicht. In der griechischen Literatur werden sie zuerst von Theophrast, einem Schüler des Aristoteles, erwähnt, nachdem durch Alexanders des Großen Eroberungen die Griechen mit dem Orient in engere und mit Indien zuerst in direkte Verbindung gekommen waren. Nach Athenaios sagt Theophrast in seinem Buche über die Steine folgendes über die Perle: „Unter den bewunderten Steinen gehört auch die Perle; sie ist von Natur durchscheinend und dient zu verschiedenartigen Halsbändern. Sie kommt aus Muscheln, welche der Steckmuschel ähnlich, jedoch kleiner sind, und hat die Größe großer Fischaugen.“

Androsthenes sagt in der Beschreibung seiner Schiffahrt entlang der Küste Indiens: „Es gibt dort eine eigentümliche Muschel, welche die Eingeborenen berberi nennen und aus welcher der Perlstein (margarítis líthos) kommt. In Asien werden sie hoch geschätzt und nach Persien und weiter hinauf verhandelt. Die Muschel sieht der Kammuschel ähnlich, ist aber nicht gefurcht, sondern glatt und rauh; sie hat auch die zwei ohrförmigen Hervorragungen nicht, welche die Kammuschel hat, sondern nur eine. Die Perle entsteht im Fleische des Tieres und ist entweder so goldfarbig, daß man sie vom Gold kaum unterscheiden kann, oder silberfarbig, oder vollkommen weiß wie (gekochte) Fischaugen.“

Chares von Mitylene schreibt im siebenten Buche der Geschichte Alexanders: „Im Indischen Meere werden Muscheln gefangen, aus denen man weiße Knöchelchen nimmt, die Perlen genannt und, an Schnüren aufgereiht, zu Schmuck für Hals, Hände und Füße verwendet werden. Sie werden in Persien, Medien und (Klein-) Asien höher geschätzt als aus Gold gemachte.“ Isidoros von Charax in Susiana sagt in seiner Beschreibung Parthiens: „Im Persischen Meere liegt eine Insel, woselbst es sehr viele Perlen gibt. Deswegen befinden sich bei der Insel viele aus Rohr geflochtene Kähne, aus welchen Taucher ins Meer springen, bis zur Tiefe von 20 Ellen hinabsteigen und die Muscheln heraufbringen. Die meisten und besten Perlen sollen in den Muscheln entstehen, wenn Donnerschläge und Platzregen fallen. Im Winter verstecken sich die Muscheln im Abgrund, im Sommer aber öffnen sie sich bei Nacht, schwimmen hin und her, schließen aber bei Tag die Schalen. Diejenigen aber, die an Klippen festwurzeln, erzeugen daselbst die Perlen. Die im Abgrunde wohnenden Muscheln erzeugen die glänzendsten, reinsten und größten Perlen; bei den herumschwimmenden und in der Höhe lebenden sind sie dagegen an Größe und Farbe geringer.“

Sehr eingehend behandelt Plinius in seiner Naturgeschichte die Perlen. Er sagt dort von ihr: „Unter allen Kostbarkeiten sind die Perlen (margarita) das Kostbarste. Man bezieht sie vornehmlich aus dem Indischen Meere, wo sie mitten unter den schrecklichen Seeungeheuern gedeihen, von wo man sie aus jenem glühenden Himmelsstriche, mitten durch so viel Länder und Meere, bis zu uns schafft. Die meisten werden bei der Insel Taprobane (Ceylon) und Stoidis, sowie beim indischen Vorgebirge Perimula (Kap Komorin) gefunden. Vorzüglich gelobt werden diejenigen aus dem bei Arabien liegenden Persischen Meerbusen. Die Entstehung und Fortpflanzung der Perlmuschel unterscheidet sich von der der Auster nicht sehr bedeutend. Im Frühjahr öffnen sich die Perlmuscheln, saugen den Tau ein, werden dadurch befruchtet, und Perlen sind die daraus hervorgehende Frucht, deren Reinheit sich nach der Reinheit des empfangenen Taues richtet. Geschah die Befruchtung bei stürmischem Himmel, so werden die Perlen bleich; denn sie stammen vom Himmel und nicht vom Meere, werden daher wolkig oder rein, je nachdem der Himmel es war. Sättigen sich die Muscheln frühzeitig am Tau, so werden die Perlen groß; blitzt es, so schließen sich die Muscheln, und je länger sie dann fasten, um so kleiner werden die Perlen. Donnert es aber noch dazu, so schließen sie sich im Schrecken ganz fest und bringen nur eine hohle Blase statt einer Perle hervor. Vollkommene Perlen bestehen aus vielfachen, gleichsam häutigen Lagen und bilden sozusagen eine Schwiele, weshalb sie auch von Sachverständigen erst gereinigt werden. Da sie den Himmel so sehr lieben, wunderts mich, daß sie nicht auch mit der Sonne in freundschaftlicher Verbindung stehen; denn von letzterer werden sie rot gefärbt und verlieren ihre weiße Farbe gleich der menschlichen Haut. Das reinste Weiß zeigen daher diejenigen, welche so tief im Meere stecken, daß die Sonnenstrahlen sie nicht erreichen. Doch auch diese werden im Alter gelb und runzlich und glänzen nur solange sie rund sind. Im Alter werden sie auch dick und hängen so fest an der Muschelschale, daß man sie nur mit der Feile trennen kann. Übrigens sind die Perlen im Wasser weich, werden aber augenblicklich hart, wenn man sie herausnimmt.

Wenn die Perlmuschel die Hand des Menschen bemerkt, so schließt sie sich und versteckt ihren Schatz, weil sie weiß, daß man danach strebt. Packt sie die Hand zwischen ihren Schalen, so schneidet sie sie zur gerechten Strafe ab; jedoch ist dies nicht die einzige Gefahr, welche den Fischer bedroht; denn sie wohnt meist zwischen Klippen, und im hohen Meere ist sie von Haifischen umgeben. Aber das alles kümmert die Damen nicht, deren Ohren Perlen zieren. Manche Leute erzählen, die Perlmuscheln haben gleich den Bienen einen König, der sich durch Alter und Größe auszeichne und Nachstellungen äußerst schlau zu entgehen wisse. Diesen König suchen die Taucher vor allem zu erhaschen, die übrigen würden dann leicht in Netzen gefangen. Man tut sie dann in irdene Gefäße, bestreut sie tüchtig mit Salz. Wenn dann das Fleisch verfault ist, fallen die Perlen zu Boden.

Es ist gewiß, daß die Perlen durch den Gebrauch abgenutzt werden und die Farben verlieren, wenn man sie nicht sorgfältig behandelt (Tatsache ist, daß sie in häufiger Berührung mit der menschlichen Haut sich besser halten als in den Schmuckkästchen aufbewahrt). Ihr Wert richtet sich nach der hellen Farbe, nach Größe, Rundung, Glätte und Gewicht, Dingen, die so selten vereinigt sind, daß man nie zwei ganz gleiche Perlen findet. Auch in der Farbe zeigt sich ein großer Unterschied. Im Roten Meere haben sie ein helleres Weiß, die indischen dagegen sehen aus wie Marienglas, sind aber vorzüglich groß. Das größte Lob für eine Perle ist, wenn man sie alaunfarbig nennen kann. Auch die länglichen Perlen sind beliebt. Die Damen halten es für einen großen Ruhm, an Fingern und Ohren Perlen zu tragen, welche die Gestalt einer langen, unten dicken Birne haben. An jedes Ohr hängen sie deren sogar zwei bis drei. Verschwendungssucht und üble Sitten haben auch für dergleichen Schmuck eigene Namen erfunden; denn man nennt solche Ohrgehänge Klappern (crotalia), weil sie ein für die Eitelkeit ganz liebliches Geklapper hervorbringen. Selbst die Ärmeren wollen jetzt solchen Schmuck, und ihre Frauen möchten auch auf der Straße ihre Anwesenheit durch Perlengeklapper anzeigen. Ja sie zieren sogar ihre Füße damit, und zwar nicht bloß die Schuhbänder, sondern die ganzen Schuhe. Es ist ihnen nicht genug, Perlen zu tragen; sie wollen sogar auf Perlen gehen und sie mit Füßen treten.

Daß die Perlen eine dichte Masse bilden, sieht man daraus, daß sie beim Fallen nicht zerbrechen. Nicht immer findet man sie mitten im Fleische der Muschel, sondern bald hier, bald dort; ja, ich habe welche schon ganz am Rande gesehen, als ob sie herausfallen wollten, und in manchen Muscheln 4–5. Bis jetzt hat man nur sehr wenige gefunden, die um ein Skrupel schwerer gewesen wären als zwei Lot (=35 g). Auch in Britannien müssen Perlen, jedoch kleine und nicht sonderlich schöngefärbte, wachsen, weil Julius Cäsar den Brustharnisch, den er der Venus weihte, für eine aus britannischen Perlen gemachte Seltenheit ausgab. (Es sind dies, wie wir alsbald sehen werden, von der europäischen Flußperlmuschel gewonnene Perlen.)