Zweitens der japanische Eichenseidenspinner (Saturnia yama mayu, d. h. Bergkokon). Dieser ist dem chinesischen sehr ähnlich, jedoch hat der Falter mehr goldgelbe Flügel mit rötlichen Rändern. Auch die Raupen sind fast gleich, doch haben diejenigen dieser Art einen grünen, die der andern dagegen einen braunen Kopf. Bis 1856 war die Ausfuhr seiner Eier in Japan mit der Todesstrafe bedroht; doch gelang es Duchesne de Bellecourt, dem französischen Generalkonsul und Bevollmächtigten in Tokio, Eier desselben an die Société d’acclimatisation in Paris zu schicken. Trotz sorgfältigster Pflege lieferten aber die mit Eichenlaub gefütterten Raupen nur einen einzigen Kokon. Nun wurde Eugène Simon, der landwirtschaftliche Kommissar der französischen Republik für China und Japan, beauftragt, Eier dieses Eichenseidenspinners zu beschaffen, und mit Hilfe seines Freundes, des holländischen Marinearztes Pompe van Meerdervoort, wurden heimlich wieder einige Eier nach Europa gebracht. Mit diesen erzielten die französischen Raupenzüchter guten Nachwuchs und konnten 1863 die Fachausstellung in Paris mit Kokons und gehaspelter Seide beschicken. Marquis de Riscal züchtete diesen Falter mit Erfolg im Freien, doch ist er in Europa nirgends heimisch geworden. Die Aufzucht dieser empfindlichen Raupe ist übrigens auch nicht so lohnend, da aus den überwinternden Eiern nur eine Brut im Jahre zu erzielen ist. Sie spinnt je einen großen, hellgrünen Kokon.

Auch der in China und Ostindien heimische Atlasspinner (Saturnia atlas), der größte Schmetterling der Erde, der 25 cm breit und 18 cm hoch wird und rotbraun, mit wie Atlas glänzenden weißen, schwarz umsäumten Flecken verziert ist, liefert einen großen Kokon reich an Seide. Seine Raupe ähnelt derjenigen des Ailanthusspinners, häutet sich aber einmal mehr als die meisten Spinnerraupen, nämlich fünfmal. Sie wird bei uns am besten mit Berberitzenlaub gefüttert, doch ist ihre Aufzucht in Europa zu schwierig, um für die Seidengewinnung irgendwie in Betracht zu kommen. Wie der Leib dieses riesigen Falters nur etwa 4 cm lang ist, sind auch Raupe, Gespinst und Puppe verhältnismäßig klein. Die Zucht der schwerfälligen Raupe, die sich nur bewegt, wenn sie frißt, ist sehr langweilig. Diese Trägheit hat aber das Gute für sich, daß sie niemals, wie andere Raupen, von der Futterpflanze herabfällt. Ihre ganze Entwicklung nimmt bei uns etwa 40 Tage in Anspruch.

Endlich ist in Südchina der Spinner Saturnia pyretorum heimisch, dessen Raupe sich von den Blättern des Kampfer- und Amberbaums ernährt und dessen Gespinst zur Herstellung von Angelschnüren gebraucht wird. Letztere kommen auch nach Japan in den Handel und werden dort unter dem Namen tegusu seit langer Zeit von den Fischern als sehr dauerhaft benutzt. Neuerdings ist dieser Spinner durch die Japaner auf Formosa eingeführt worden, wo die große Häufigkeit der Kampferbäume Gelegenheit zur Zucht ihrer Raupe gibt. Die Seide wird dadurch künstlich von ihr gewonnen, daß sie nach der Reife in Essig getaucht wird, worauf man aus ihrem Körper goldgelbe Fäden von 2 bis 2,5 m Länge zieht.

Auch Nordamerika hat drei Seidenspinner, die für die Seidengewinnung benutzt werden könnten. Der wichtigste derselben ist die schön braunrote Saturnia polyphemus mit auffallendem, schwarzgelbem Augenfleck. Deren prächtig grüne Raupen sind fleischfarbig gestreift und nach ihrer letzten Häutung mit 48 silber- und 8 goldglänzenden Flecken geschmückt. Von der Sonne beschienen erscheinen sie wie mit Diamanten übersät. Ihre schöne starke Seide ist schneeweiß, so daß sie zu der lichtgrünen von S. yama mayu und der hellbraunen von S. pernyi einen prächtigen Gegensatz bildet. Etwa gleich groß ist Saturnia promethea, deren beide Geschlechter auffallend verschieden gefärbt sind. Das Männchen ist schwärzlich und das Weibchen rotbraun. Die Raupe ist aber nicht leicht zu züchten, da sie in bezug auf Futter sehr wählerisch ist. Sie frißt in ihrer Heimat die Blätter des Benzoe-, Sassafras- und Tulpenbaums, also von Bäumen, die bei uns nicht überall angepflanzt werden. Bedeutend größer und schöner ist Saturnia cecropia, die an Schönheit noch den Atlasspinner übertrifft. Die ebenfalls wunderschöne Raupe ist leicht zu ziehen, da sie fast jedes Laub annimmt. Sie braucht 7 bis 9 Wochen zu ihrer Entwicklung und liefert einen recht großen Kokon, dessen Seide technisch gut verwendbar ist. Ebenfalls hervorragend schön ist die bedeutend kleinere Saturnia ío aus Nordamerika, die zwar keine Seide liefert, aber wegen ihrer Schönheit mit Vorliebe gezüchtet wird. Die auf Eichenzweigen leicht zu ziehenden Raupen sind dicht mit grünen Härchen überzogen, die beim Anfassen ärger brennen als Nesseln. Sie häuten sich fünfmal und brauchen 10–15 Wochen zu ihrer Entwicklung.

Außer in Ostasien wird nur noch auf Madagaskar seit alter Zeit eine Seide gewonnen und zu Geweben verarbeitet. Hier ist der Lieferant der starken Seide der Spinner Bombyx rhadama, der in manchen Dörfern in größerer Menge gezogen wird und dessen Gespinst zu den durch ihre Schönheit ausgezeichneten und sehr dauerhaften Seidenlambas verarbeitet wird, die nicht nur von den wohlhabenden Eingeborenen als Überwürfe getragen werden, sondern auch einen Exportartikel von allerdings beschränkter Bedeutung bilden. Dann stellt auch in einzelnen Teilen von Nigeria die Bevölkerung aus den Kokons von Anaphe infracta einen somyan genannten Seidenstoff her. Die davon gewonnene Rohseide ist braun oder gelblichbraun. Daneben gibt es dort auch eine rein weiße Seide, die aus den Distrikten Bauchi und Bornu im Innern nach dem Handelsplatz Ibadan gebracht wird. Man nennt sie Gambari- oder Haussaseide. Offenbar ist sie ein Fabrikat gleichen Ursprungs mit der gelblichen Rohseide, nur daß sie von anders behandelten Kokons hergestellt wird. Die Eingeborenen sammeln die betreffenden Raupen von den Bäumen, wenn sie gerade im Begriffe sind, sich einzuspinnen. Ein Londoner Züchter hat Versuche mit der Züchtung dieser Raupe gemacht und gefunden, daß, wenn man sie im Dunkeln aufzieht, sie stets rein weiße Kokons statt der braunen hervorbringt. Da nun die Eingeborenen beim Einsammeln der Raupen zum Zwecke der Gewinnung von Gambariseide die Gewohnheit haben, die Tiere in ihren dunkeln Hütten aufzubewahren, erklärt es sich leicht, daß dieses Produkt von rein weißer Farbe ist.

XXIV. Die Geschichte der Jagd.

So lange es Menschen gibt, die ihren Hunger nicht völlig an den von der Natur gebotenen Früchten und anderer Pflanzennahrung stillten, sondern auch noch zu tierischer Beute, zunächst noch roh, wenn auch lebendwarm, später gekocht, ihre Zuflucht nahmen, so lange schon hat es eine Jagd gegeben. Ihre Geschichte schreiben hieße die Geschichte der menschlichen Kulturentwicklung darstellen. So wissen wir, daß schon der vorgeschichtliche Eiszeitjäger, dessen ganze Kultur auf die Jagd abgestellt war, ganz raffinierte Jagdmethoden anwandte und sich nicht nur mit Wurfspeer und Keule, sondern auch mit Fallgruben, Fallen und Schlingen sich der tierischen Beute, auf die er zu seinem Unterhalte angewiesen war, zu bemächtigen suchte. Zudem nahm er wie alle Primitiven zu Zauberprozeduren der verschiedensten Art seine Zuflucht, als deren Niederschlag wir die mancherlei Darstellungen von Jagdwild an den einst von den Mammut- und Renntierjägern der letzten Eiszeit und frühen Nacheiszeit bewohnten Höhlen anzusehen haben.

In der Folge entwickelte sich die Jagd bei den verschiedenen Volksstämmen in verschiedener Weise, je nach den vorhandenen Anlagen und gegebenen Verhältnissen. Über die Jagd der alten Assyrer, Babylonier und Ägypter geben uns manche bildliche Darstellungen Kunde, doch sind wir daneben nur auf Vermutungen angewiesen, so daß wir außerstande sind, auf so spärlichem Beweismaterial fußend, eine Geschichte ihrer Jagd zu schreiben. Schon reichlicher fließen die diesbezüglichen Urkunden von den alten Griechen, deren Jagdarten uns um 400 v. Chr. Xenophon, ein Schüler und Freund des Sokrates, in seinem Buche über die Jagd und wiederum etwa im Jahre 130 v. Chr. Flavius Arrianus aus Nikomedien in seiner Kynegetika beschrieben. Über das römische Jagdwesen gibt es so gut wie keine Literatur. Anders verhält es sich mit der Jagd unserer germanischen Vorfahren seit der Zeit der Völkerwanderung. Da haben wir zunächst aus Gesetzesbestimmungen, dann aus eigentlichen Jagdanweisungen ein so überreiches Material von Tatsachen, daß wir uns hier mit einer kurzen Übersicht begnügen müssen. Und zwar soll im folgenden als am nächsten liegend vorzugsweise die Geschichte der Jagd unserer Vorfahren, so weit sie urkundlich bezeugt ist, behandelt werden.