Schon ehe das Wildschwein vollkommen ausgewachsen ist, wird es fortpflanzungsfähig. Von Ende November bis in den Januar dauert die Rauschzeit. Nach einer Tragzeit von 20 Wochen wirft die Bache, für sich abgesondert, so lange sie noch jung ist 4–6, später 10–12 Frischlinge, die auf gelbgrauem Grunde braune Längsstreifen aufweisen. Es ist dies ein altmodisches Gewand, das die Vorfahren einst auch erwachsen trugen. Die Frischlinge werden von der Bache aufmerksam bewacht und im Falle eines Angriffs mutig verteidigt. Schon der geringste Klagelaut eines Jungen ruft die Alte herbei, die sich wutschnaubend auf den Friedensstörer wirft. Die Wildschweine werden 20–25 Jahre alt, erreichen nur ausnahmsweise ein Gewicht von 225 kg bei einer Länge von 1,6 m und einer Höhe von 0,5 m. Die einzige Seuche, die bei ihnen auftritt und sie rasch dahinrafft, ist die Halsbräune. Sie werden auf dem Anstand, namentlich auf der Saukanzel, dann auf der Birsch und auf der Jagd mit Treibern und Hunden erlegt. Jedenfalls ist der Schaden, den sie verschulden, nicht so bedeutend, daß er ihre vollkommene Ausrottung rechtfertigen würde. Dadurch, daß sie durch Aufwühlen weiter Bodenstrecken nach Engerlingen (Larven des Maikäfers) diese Schädlinge ausrotten und gleichzeitig die natürliche Besamung der Waldbäume erleichtern, sind sie dem Forstmanne geradezu nützlich. Während sie heute auf freier Wildbahn bei uns selten geworden sind, werden sie noch vielfach in eingehegten Waldbezirken als geschätzte Jagdtiere gehalten. Die Jagd auf sie hat seit alten Zeiten als ein ritterliches Vergnügen gegolten, war es aber nur solange der Jäger mit der Saufeder ihnen direkt entgegentrat, um sie zu fällen. Heute aber, wo man sie ohne alle Lebensgefahr auf weite Distanz mit den weitreichenden Präzisionsgewehren schießt, ist alle Ritterlichkeit dahin. Ihr Fleisch ist sehr geschätzt, weil es neben dem Geschmack des Schweinefleisches den des echten Wildbrets hat. Das Gehirn der Wildsau ist hoch entwickelt, weshalb sie sich leicht abrichten läßt. Auf den britischen Inseln ist sie wie der Wolf schon seit längerer Zeit ausgerottet.

Nur ganz ausnahmsweise kommt ein mitteleuropäischer Jäger auf den braunen Bären (Ursus arctos) zu Schuß. Wer diesen in freier Wildbahn kennen lernen will, der muß schon nach Siebenbürgen oder Rußland gehen, wo er auch jetzt noch in gewissen Gegenden nicht selten vorkommt. In Siebenbürgen bewohnt er die Legföhrenregion des Gebirges, während er in den Rokitnosümpfen Rußlands ein echter Sumpfbewohner ist, der sich nur zur Winterszeit in trockeneres Gelände zurückzieht. Im allgemeinen liebt der Bär schwer zugänglichen oder doch wenig besuchten, dichten Wald, in welchem ihm Höhlen unter Baumwurzeln oder in Baumstämmen, im Felsengeklüfte, mit reichem Unterholz bewachsene Inseln in Brüchen Obdach und Ruhe vor seinem Erzfeinde, dem Menschen, gewähren. Er kann 2 m Länge, 1 m Höhe und ein Gewicht von 300 kg erreichen und trägt im Winter ein dichtes, zottiges, langhaariges Fell, im Sommer dagegen ein viel kürzeres, dünneres und dunkleres von brauner bis schwarzer Farbe. Trotz seines schwerfälligen Körperbaues ist er ein gewandtes Tier, das im tiefen Schnee Sprünge von 3,5–5,5 m machen kann und auch beim Klettern eine große Gelenkigkeit zeigt. Mit seiner urwüchsigen Kraft, die ihn einen 350 kg schweren Hirsch aus einer Grube zu ziehen und weit wegzuschleppen erlaubt, verbindet er eine ungeheure Ausdauer und Zähigkeit im Ertragen von Strapazen und im Aushalten von Verwundungen. Während sein Geruch und Gehör ausgezeichnet sind, ist das Gesicht bei ihm nur schlecht entwickelt. Seine geistigen Fähigkeiten sind sehr gute, doch ist er bei aller Gutmütigkeit höchst falsch und mißtrauisch, liebt Behaglichkeit ungemein, greift aber, sobald er gereizt wird, sofort an. Er ist seinem Gebiß und der Beschaffenheit seiner Eingeweide nach Allesfresser, hält sich im allgemeinen aber mehr an Pflanzen- als Fleischkost. Monatelang kann er sich mit Früchten, besonders Eicheln, Bucheln und Haselnüssen, dann Beeren aller Art, reifendem Mais, saftigem Hafer und anderem Getreide neben Schnecken, Käfern und Insektenlarven ernähren. Wo ihm aber Gelegenheit dazu geboten wird, ergreift er gern Wild oder größere Haustiere des Menschen, besonders Rinder und Schafe, um sie zu fressen. Kann er keine lebenden Tiere haben, so begnügt er sich auch mit Aas. Meist schlägt er sein Opfer mit einer seiner kräftigen Vorderpranken am Rücken, wobei die scharfen, langen Krallen tief ins Fleisch eindringen, und beißt es dann am Halse tot. Beim Verzehren des gestreckten Tieres reißt er ihm zuerst die Brust auf, um die Eingeweide zu verzehren. Was er nicht fressen kann, wird notdürftig von ihm verscharrt oder mit Reisig bedeckt und später wieder aufgewühlt. In Siebenbürgen sind außer Haustieren, besonders Rindern, Wildschweine und Rehe seine gewöhnlichen Opfer, während er in Rußland außerdem auch Elche erbeutet. Begieriger als nach jeder anderen Nahrung ist er aber nach Honig. In den Bäumen, in deren Höhlungen wilde Bienen wohnen und ihre Vorräte angelegt haben, kratzt und beißt er Löcher, um zu der von ihm so geliebten süßen Speise zu gelangen. Wasser kann er nicht längere Zeit entbehren. Solange sein Standquartier wasserreich genug ist, um seinen Durst zu stillen, verläßt er es nie. Erst wenn ein sehr heißer Sommer Wassermangel herbeiführt, besucht er benachbarte, mit Wasser versehene Gegenden, um sofort in sein Revier zurückzukehren, sobald dessen Wassermangel vorüber ist.

Bei der Eichel- und Buchelmast im Herbst hat er sich genug Fett angemästet, um im geschützten Lager gekrümmt, mehr auf der Seite als auf dem Bauche liegend über die für ihn schlimme Jahreszeit zu ruhen. Ein Winterschlaf ist es kaum zu nennen; denn es ist mehr ein duselndes Wachen, bei dem er niemals die angeborene Vorsicht außer acht läßt. Kurze Zeit nach dem Lagern sind die Bären noch unruhig; besonders die schlechtgenährten verlassen das Lager häufig, um sich, weil ihnen die gegen Kälte schützende Fettschicht der feisten fehlt, durch Bewegung zu erwärmen. Sobald sie beunruhigt werden, erheben sie sich, um ein anderes Lager zu beziehen. Eingeschneite oder in Höhlen lagernde Bären liegen am festesten. Bärinnen mit Jungen und alte, früher schon einmal angeschossene Bären sind am ängstlichsten und erheben bei jedem verdächtigen Geräusch den Kopf, um sich bei nahender Gefahr beizeiten zu flüchten.

Solange der Winter anhält, bleibt der Bär im Lager, wobei sich seine Sohlen häuten. Sobald Tauwetter eintritt, erhebt er sich, reckt und streckt und schüttelt sich und geht zunächst auf die Beerensuche, wobei er mit seinen Pranken die die Moosbeerensträucher bedeckende Schneeschicht beseitigt, um zu den roten Beeren zu gelangen. Im Mai oder Anfang Juni suchen sich meist zur Nachtzeit, mitunter schon in der Dämmerung, laut brummend Bär und Bärin, um sich zu paaren. Indessen hält sich die Bärin nicht nur an einen Bären, so daß es unter den Männchen nicht selten harte Kämpfe absetzt, die mit dem Tode des schwächeren endigen können. Um die Mitte des Winters, im Dezember oder Januar, wirft die Bärin in ihrem weich mit Moos, Gras und Blättern ausgestopften Lager das erste Mal höchstens zwei, später drei, auch wohl vier, im Alter aber schließlich nur ein Junges, um vom 16.-18. Jahre an gelte, d. h. unfruchtbar, zu bleiben. Im Gegensatz zum Bären wechselt sie häufig ihr Lager und spielt mit den Jungen auf dem Schnee, den sie nicht selten vollständig festtritt. Sie bleibt aber länger im Winterlager als das Männchen. Erst wenn die Jungen ihr folgen können, verläßt sie es, um zunächst nur in der Nähe umherzustreifen und die Jungen im Aufsuchen von Fraß, im Klettern und in andern Dingen zu unterrichten. Können die Jungen einige Strapazen aushalten, so zieht die Familie weiter, wobei die Bärin als Beherrscherin ihres Distrikts jedes Vorkommnis mißtrauisch überwacht und sich dem Eindringen des Menschen standhaft und mutig widersetzt, auch die Jungen tapfer verteidigt, während sie nicht selten die unbeholfenen Säuglinge bei Gefahr verläßt. Sind die Jungen so weit selbständig, daß sie sich ernähren und erhalten können, so verteidigt sie dieselben fast gar nicht mehr. Die Jungen beziehen auch, falls die Mutter nicht wieder trächtig ist, immer denselben Distrikt zum Überwintern, aber besondere, niemals weit von dem jener entfernte Lagerplätze. Ist die Bärin aber trächtig, so duldet sie die Jungen unter keinen Umständen in ihrem Distrikt, sondern vertreibt sie mit Beißen und Ohrfeigen. Von den Jungen, die von diesem Zeitpunkte an selbständig sind, geht jedes im nächsten Frühjahr seinen eigenen Weg. Erst im fünften oder sechsten Jahre werden sie fortpflanzungsfähig. Vom Menschen aufgezogene Bären, die selbständig fressen und ihren Fraß selbst aufsuchen können, sind ungemein schwer auszusetzen und arten förmlich zu Haustieren aus, die sich nicht mehr vertreiben lassen.

Zur Jagd auf den Bären gehört persönlicher Mut, kaltes Blut und vollständige Sicherheit in der Handhabung der Waffe; dann ist sie ebenso ungefährlich wie die auf irgend ein anderes Raubtier. Sie wird in verschiedenen Gegenden auf verschiedene Weise betrieben. Entweder wird der Bär mit einer Treiberkette und einer Hundemeute aus dem zuvor festgestellten Lager getrieben oder in diesem selbst geschossen. Im Frühjahr und Herbst, wo er Aas am begierigsten annimmt, jagt man ihn auf dem Anstand bei geschlagenem Vieh. Gewöhnlich besucht der Bär das Aas erst nach eingetretener Dämmerung oder in der Nacht und ist in der Dunkelheit schwer zu treffen. Auch durch Selbstschüsse auf den von ihm begangenen Wechseln und in Tellereisen wird er gefangen. Sein Fleisch ist wohlschmeckend, besitzt zwar durch Reichtum an Glycogen wie das Pferdefleisch einen nicht jedermann zusagenden süßlichen Geschmack; doch sind die Schinken gesalzen und geräuchert ausgezeichnet. Sein weiches, kaum je ranzig werdendes Fett, das einen guten Ruf als ein den Haarwuchs beförderndes Mittel besitzt, wird gut bezahlt und sein Fell gilt 60–250 Mark.

Das gemeinste Beutetier der mitteleuropäischen Jäger ist der Feldhase (Lepus vulgaris), der ganz Mitteleuropa und einen Teil des westlichen Asien bewohnt. Im Süden vertritt ihn der kleinere und rötlich gefärbte Hase der Mittelmeerländer, im hohen Norden der Schneehase und im Hochgebirge der Alpenhase, welch letztere im Sommer bräunlichgrau, im Winter aber bis auf die schwarzen Ohrspitzen weiß gefärbt sind. Die Nordgrenze der Verbreitung des Feldhasen geht von Schottland über Südschweden zu den Gegenden am Weißen Meer; in Sibirien fehlt er. Er hält sich am liebsten auf ausgedehnten, fruchtbaren Ebenen, auch an lichten Waldrändern auf, kommt jedoch im Innern von großen, dichten Wäldern selten vor, wird aber in Gebirgsgegenden noch regelmäßig in der Laubholz-, seltener in der Nadelwaldregion angetroffen. In den Alpen steigt er bis zu 1600 m und im Kaukasus fast bis zu 2000 m. Er ist im allgemeinen mehr ein Nacht- als ein Tagtier, obwohl man ihn an heiteren Sommertagen schon vor dem Untergang der Sonne und noch am Morgen im Felde, wo er seine Nahrung sucht, umherstreifen sieht. Für gewöhnlich verläßt er sein Lager oder das ihn bergende Gehölz erst bei Sonnenuntergang, vor Eintritt der Dämmerung, um sich zum Äsen und Spielen ins Freie zu begeben. Bei Sonnenaufgang sucht er wieder sein Lager auf, um tagsüber zu ruhen. Höchst ungern verläßt er den Ort, an welchem er aufgewachsen und groß geworden ist. Er ernährt sich von Gras, jungem Getreide und allerhand saftigen Kräutern, in harten Wintern auch von saftiger junger Baumrinde, besucht aber zu allen Jahreszeiten gern die Kohl- und Gemüsegärten. Er äst nachts und bringt den ganzen Tag, das Auge auch im Schlaf weit geöffnet, schlummernd in einem zwischen Erdschollen oder Gebüsch wohlversteckten, immer gegen den Wind geschützten Lager zu, worin er sich bei stürmischem Schneewetter gern vergräbt oder einschneien läßt. Nie geht er gerade auf den Ort los, wo er ein altes Lager weiß oder ein neues machen will, sondern läuft erst ein Stück über den Ort, wo er zu ruhen gedenkt, hinaus, kehrt um, macht wieder einige Sätze vorwärts, dann wieder einen Sprung seitwärts und verfährt so noch einige Male, bis er mit dem weitesten Satz an den Platz gelangt, auf dem er bleiben will. Bei der Zubereitung des Lagers scharrt er im freien Felde eine etwa 5–8 cm tiefe, am hintern Ende etwas gewölbte Höhlung in die Erde, welche so lang und breit ist, daß der obere Teil des Rückens nur sehr wenig sichtbar bleibt, wenn er die Vorderläufe ausstreckt, auf diesen den Kopf mit anliegenden Löffeln ruhen läßt und die Hinterbeine unter den Leib zusammendrückt.

Der Feldhase verläßt sich mehr auf sein scharfes Gehör als auf sein schlechtes Gesicht, erlaubt dem Menschen, den er weniger als Hunde fürchtet, auf seine Schutzfärbung vertrauend, oft ganz nah an ihn heranzukommen. Plötzlich aufgeschreckt, verläßt er sich lediglich auf die Schnelligkeit seiner Beine, läuft jedoch selten lange geradeaus und nähert sich, Winkel und Hacken schlagend, bald wieder seinem Lager. Weit davon vertrieben, kehrt er, am folgenden Tage anderswo aufgeschreckt, gern dahin zurück. Bei der eiligen Flucht läuft er am liebsten ebenaus oder bergan, da er sich wegen seiner kurzen Vorderbeine beim Laufen bergab leicht überschlägt. Ist dem fliehenden Hasen ein Hund dicht auf den Fersen, so schlägt er, um ihn an sich vorbeischießen zu lassen und einen Vorsprung in umgekehrter Richtung zu gewinnen, einen plötzlichen Hacken; drängt ihn die Not, so durchschwimmt er auch Teiche und Flüsse. Viermal im Jahre setzt die Häsin nach einer Tragzeit von je 30 Tagen 2–4 Junge, die sehr ausgebildet, mit offenen Augen zur Welt kommen. Nur während der ersten 5–6 Tage verweilt sie bei ihren Kindern, dann aber überläßt sie dieselben ihrem Schicksal, kehrt nur während 14 Tagen von Zeit zu Zeit zum Ort zurück, wo sie die Brut verließ, lockt sie mit einem eigentümlichen Geklapper mit den Löffeln herbei und läßt sie saugen. Bei Annäherung eines Feindes verläßt sie freilich ihre Kinder, obwohl auch Fälle bekannt sind, daß alte Häsinnen die Brut gegen Raubvögel und Raben verteidigten. Die Geschwister entfernen sich zunächst nur wenig voneinander, wenn auch jedes sich ein anderes Lager gräbt. Abends rücken sie zusammen auf Äsung aus und morgens gehen sie gemeinschaftlich nach dem Lager zurück. Erst wenn sie halbwüchsig sind, trennen sie sich voneinander. Nach 15 Monaten sind sie erwachsen, können sich aber schon im ersten Jahre fortpflanzen. Ihre Lebensdauer schätzt man auf 8–10 Jahre; doch stirbt der Hase wohl nie an Altersschwäche, sondern wird vor der Zeit von einem seiner zahlreichen Feinde erbeutet und gefressen. Außer dem Menschen stellen ihm alle kleineren Raubtiere und größeren Raubvögel, selbst der Storch, nach. Vom Menschen wird er am häufigsten auf Treibjagden und in Kesseltreiben erlegt, doch auch auf dem Anstand geschossen und mit Hunden aufgesucht. Durch wiederholte Jagden gewitzigt, erhebt er sich schon beim Vernehmen des Jagdlärms vom Lager, um sich an ihm bekannte geschützte Orte zu flüchten. Gefangene Hasen werden leicht zahm, gewöhnen sich ohne Weigerung an alle Nahrung, die man den Kaninchen füttert, sind jedoch empfindlich und sterben leicht dahin. Bringt man junge Hasen zu alten, so werden sie regelmäßig von diesen totgebissen. Außer ihrem wohlschmeckenden Fleisch wird auch das Fell verwendet. Aus der von Haaren entblößten und gegerbten Haut verfertigt man Schuhe und eine Art Pergament oder benutzt sie zur Leimbereitung.

Ein überaus seltenes Wild Mitteleuropas ist der Biber (Castor fiber), der früher hier häufig war, aber dem Menschen und seiner Kultur weichen mußte. Unablässig verfolgt, ist er in den meisten Gegenden, am frühesten in den Mittelmeerländern, ausgerottet worden. Die Griechen nannten ihn kastor und die Römer fiber und machten Jagd auf ihn nicht sowohl seines geschätzten, weichen Felles wegen, als besonders zur Erlangung des Bibergeils. Dieses befindet sich in Form einer gelblichen, schmierigen, eigentümlich nach Karbolsäure riechenden Masse in zwei birnförmigen, zu beiden Seiten der Geschlechtsöffnung gelegenen Beuteln und spielt vor allem zur Brunstzeit zur gegenseitigen Anlockung der Tiere eine große Rolle. Besonders beim Männchen sind die Kastorbeutel stark entwickelt und wird ihr Inhalt an bestimmten Stellen entleert. Die Anziehungskraft dieses Geils ist so groß, daß sich Biber, die, dadurch angelockt, in eine Falle gerieten, aber entkamen, schon nach wenigen Tagen in einer andern Falle fangen, darunter sogar Tiere, die in Eisen Fußteile eingebüßt hatten. Dem Menschen diente es von alters her als geschätzte Arznei. So sagt schon der ältere Plinius in seiner Naturgeschichte: „Der Biber trägt einen Arzneistoff an sich, den man castoreum nennt. Bei drohender Gefahr beißt er sich den Teil, worin jener Stoff enthalten ist, selbst ab, weil er wohl weiß, weshalb man ihn jagt. Übrigens hat der Biber ein entsetzliches Gebiß, fällt, wie mit Stahl, Bäume an den Flüssen; und hat er einen Menschen gepackt, so läßt er nicht eher los als bis die Knochen zersplittert sind. Er sieht aus wie ein Fischotter, hat aber einen Fischschwanz (d. h. einen fischartig mit Schuppen bedeckten Schwanz). Sein Haar ist weicher als Vogelflaum.“

Noch im Mittelalter war der Biber in allen Ländern nördlich von den Alpen zu finden. In England kam er noch ums Jahr 1188 als seltener Bewohner des Flusses Teify in Wales vor, wurde aber dann auch hier ausgerottet. An einzelnen Flußgebieten Mitteleuropas hielt er sich in kleinen Kolonien bis gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts. In Böhmen, wo die Biber schon im 18. Jahrhundert ausgestorben waren, führte man 1773 aus Polen wieder welche ein, die sich, aus ihrem Zwinger gebrochen, so stark vermehrten, daß sich einmal über hundert Familien um Wittingau vorgefunden haben sollen. Als sie jedoch begannen die Dämme zu untergraben, begann man einen Vernichtungskrieg gegen sie, der 1865 nur noch zehn übriggelassen hatte. Zur Gewinnung des noch immer gesuchten Bibergeils fielen die letzten Tiere bald Wilddieben zur Beute. Das allerletzte hatte man in einem Zwinger im Rosenberger Teiche untergebracht, wo es im Januar 1883 starb. Auch in Österreich-Ungarn kommen heute keine Biber mehr vor. Einzelne fanden sich indessen noch im Jahre 1857 in Siebenbürgen, 1860 in Galizien und 1865 bei Semlin auf den Inseln zwischen Donau und Sau. Bei Fischamend, an der Mündung der Fischa in die Donau, wo noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts größere Biberansiedelungen bestanden, wurden die beiden letzten Biber 1863 erlegt. In Bosnien und der Herzegowina, wo, wie anderswo, verschiedene Ortsnamen für das frühere Vorkommen des Bibers zeugen und Skelettfunde es bestätigen, sind keine Biber mehr zu finden.

Früher noch als aus Österreich-Ungarn verschwanden die Biber in Livland. Noch im 18. Jahrhundert lebten sie dort in Ansiedelungen, und 1724 begünstigten sie in hohem Maße durch ihre Dammbauten die Überschwemmungen. Aber auch dort führte die große Wertschätzung des Bibergeils noch mehr als ihr schönes Fell zu ihrer Ausrottung. Im Jahre 1841 wurde im Quellgebiet der Aa der letzte Biber geschossen. In Skandinavien, wo der Biber einst sehr häufig war, ist er heute vielleicht nicht mehr vorhanden. In Mittelrußland scheint er schon vor Ende des 18. Jahrhunderts ausgestorben zu sein. Nur an einem Nebenfluß des Pripet im Westen und an der Petschora und Dwina im Norden leben noch Biber, obschon ihnen wegen des Pelzes und des vorzüglichen sogenannten moskovitischen Bibergeils stark nachgestellt wurde. In der Schweiz lebten noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts Biber an der Steinach bei St. Gallen, sind aber auch dort schon längst ausgerottet worden. Unter den deutschen Bibern lebten die letzten des Alpenvorlandes auf bayerischem Gebiet, und zwar an der Sur, einem in die Salzach fließenden Bach. Auch in den auf österreichischem Gebiet liegenden Antheringer Auen nordwestlich von Salzburg kam der Biber noch 1867 vor. Am Rhein sollen die Biber schon vor über 300 Jahren ausgestorben sein; im Gebiete der Möhne in Westfalen hielten sie sich länger; dort wurde der letzte talabwärts durch die Ruhr nach dem Rhein vertrieben und am 2. Oktober 1870 an der Werthausener Fähre erschlagen.