Heute lebt der Biber auf deutschem Gebiet nur noch in einem beschränkten Gebiet an der Saale und an der Elbe zwischen Wittenberg und Magdeburg, wo er als große Seltenheit vom Menschen geschützt wird, dennoch aber zusehends abnimmt. Nicht selten fängt er sich in den Stellnetzen der Fischer oder in den für die Fischotter gelegten Eisen. Hier lebt er meist paarweise, nur in den stillsten Gegenden zu größeren Familien vereinigt und meist wie der Fischotter in einfachen unterirdischen Uferhöhlen hausend. Nur wo er ungestört leben kann errichtet er seine Burgen mit im Innern backofenförmigen Hütten, wobei, wie bei den meisten Tieren, das Weibchen der eigentliche Baumeister ist und das Männchen mehr Zuträger- und Handlangerdienst leistet. Außerdem baut er nötigenfalls Dämme von bis 150 und 200 m Länge und 2–3 m Höhe bei einem Durchmesser von 4–6 m unten und 1–2 m oben, um das Wasser aufzustauen und in gleicher Höhe zu erhalten. Die so aufgestauten Flüsse überschwemmen dann die Täler oft auf weite Strecken, bringen dadurch die teilweise unter Wasser gesetzten Bäume zum Absterben und nachträglichen Umstürzen und schaffen so künstliche Teiche und Seen. Zum Bau seiner Dämme und Hütten benutzt der Biber verschieden lange und dicke, der Rinde, von der er außer dem Blattwerk vorzugsweise lebt, beraubte Knüttel, die er übereinander schichtet und mit Steinen beschwert und mit Sand, Schlamm und Lehm verdichtet. Er ist ein durchaus nächtliches Tier, das sich erst nach Sonnenuntergang von seinem Lager erhebt, um mit anbrechendem Tag in seinen Bau zurückzukehren. Bei Tage schläft er auf dem Bauch oder Rücken, nicht aber auf den Seiten liegend, in seiner sehr rein gehaltenen Wohnung. Er entleert sich seines Kotes wahrscheinlich nur im Wasser. Nur in kalten Wintern hält er sich, ohne Winterschläfer zu sein, Tag und Nacht in der Wohnung auf und verläßt sie nur bei Tauwetter auf kurze Zeit, um neue Nahrung zu holen oder die Wohnung auszubessern. Schon Ende Februar beginnt die Brunstzeit des in Einzelehe lebenden Tieres, die bis in den März hinein dauert. Gegen das Ende der wahrscheinlich sechs Wochen langen Tragzeit bleibt das Weibchen ungestört in der Wohnung, um 2–3, höchstens 4 blinde, doch schon behaarte Junge zur Welt zu bringen, die an den vier Brustwarzen der Mutter saugen, dem Schreien kleiner Kinder ähnlich klingende Töne hören lassen, acht Tage nach der Geburt die Augen öffnen und bei günstigem Wetter bald mit ins Wasser genommen werden, wo sie sich gleich schwimmend und tauchend umhertummeln, auch wohl an den Rücken der schwimmenden Mutter anklammern. Nach etwa vier Wochen erhalten sie schon zur Milch Rinde von Espen, Pappeln, Weiden, Erlen und Birken, die die Mutter ihnen zuträgt; nach weiteren 6–8 Wochen gehen sie selbst in den Wald, um Rinden abzunagen und den Eltern bei ihren Arbeiten zu helfen. In diesem Alter eingefangen, sind sie sehr leicht zähmbar und können so zahm werden, daß sie ihrem Herrn wie ein Hund überallhin folgen. Im dritten Lebensjahre werden sie fortpflanzungsfähig und verlassen die Wohnung ihrer Eltern, um sich selbständig zu machen und einen eigenen Hausstand zu gründen. Bäume mit Hartholz benagt der Biber nur, um seine Zähne zu schärfen; sonst hält er sich ausschließlich an solche mit weichem Holz, und zwar Laubholz. Nadelholzbäume fällt er nur, wenn sie ihm im Wege stehen, verarbeitet sie aber nicht weiter, jedenfalls des Harzgeschmackes wegen, der ihrem Holze anhaftet. Leckerbissen sind ihm die saftigen Wurzelstöcke mancher Sumpf- und Wasserpflanzen, wie Seerosen, Schilf, Kalmus und Schachtelhalme. Vor Beginn des Winters sammelt er sich einen Vorrat, wozu er meist berindete Knüttel seiner Lieblingsnahrung wählt, von denen er, wenn er Hunger hat, gewöhnlich nur die Rinde und im äußersten Notfall einen Teil des Holzes verzehrt. Solche Vorratshaufen werden als falsche Hütten oder unechte Burgen bezeichnet. Besonders große Vorräte trägt er dann zusammen, wenn ein strenger Winter bevorsteht. Er erreicht ein hohes Alter, wurde selbst in der Gefangenschaft 50 Jahre alt, und wird heute kaum je gegessen, da sein Fleisch tranig schmeckt. Außer dem Menschen hat der freilebende Biber wenig Feinde.

Ein anderes Nagetier von geringer Bedeutung ist das allbekannte Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), das die bewaldeten Gegenden ganz Europas und Nordasiens bewohnt. Meist ist es braunrot, nur in manchen Gebirgen schwarz gefärbt, klettert vorzüglich von einem Baum zum andern, ohne auf den Boden zu kommen, lebt von Haselnüssen, Bucheckern, Eicheln, Nadelholzsämereien, jungen Vögeln und Eiern, im Notfall auch von Knospen und Baumrinde, gelegentlich auch von Pilzen. Von seiner Nahrung, die es, auf den Hinterbeinen sitzend, mit den beweglichen Vorderfüßen zum Munde führt, legt es im Herbst in hohlen Bäumen Wintervorräte an. Es hält keinen eigentlichen Winterschlaf, wenn es auch bei unfreundlichem Winterwetter sein freistehendes, rundes, im Innern weich gepolstertes, mit einem einzigen Eingangsloch versehenes Nest, das es in Mehrzahl für sich erbaut, oft tagelang nicht verläßt. Darin und auch in Baumlöchern wirft das Weibchen vier Wochen nach der die Männchen zu erbitterten Kämpfen mit Nebenbuhlern veranlassenden, von Ende Februar bis in den April dauernden Paarungszeit seine 3–7, etwa neun Tage blind bleibenden Jungen, die es sorgsam nährt und nach Störungen in ein anderes Nest trägt. Nachdem sie entwöhnt wurden, schleppt ihnen die Mutter, vielleicht auch der Vater, noch einige Tage lang Nahrung zu; dann werden sie ihrem eigenen Schicksal überlassen. Doch bleiben sie, häufig spielend und gemeinsam Nahrung suchend, noch längere Zeit beisammen, bevor sie sich zerstreuen. Im Juni wirft die Alte das zweite Geheck, dessen Mitglieder sich später oft mit denjenigen des ersten vereinigen, um in demselben Waldesteil ihr Wesen zu treiben. Im Edelmarder hat das Eichhörnchen seinen furchtbarsten Feind. Das muntere Tierchen ist eine der Hauptzierden unserer Wälder und läßt sich, jung gefangen, leicht zähmen. Es gewöhnt sich bald an seinen Herrn und wird wegen seiner Lebhaftigkeit in Verbindung mit großer Reinlichkeit gerne gehalten.

Wichtiger ist für die Alpenländer, die Pyrenäen und Karpaten das Murmeltier (Arctomys marmotta), das auf den höchsten Steinhalden des Hochgebirges, wo kein Baum und Strauch mehr wächst, auf ringsum von steilen Felswänden eingerahmten, der Sonne möglichst Zutritt gewährenden Grasplätzen lebt und sich am liebsten von saftigen Bergkräutern und deren Blüten ernährt. Es erreicht eine Leibeslänge von 51 cm, außer der Schwanzlänge von 11 cm, bei einer Höhe von 15 cm, ist dicht schwarzbraun behaart, lebt während des Sommers paar- oder familienweise in nur 1, höchstens 2–4 m langen Sommerwohnungen, deren oft kaum das Durchzwängen einer Faust zulassender Gang in einen erweiterten Kessel führt. Dieser ist bald einfach, bald in zwei Arme geteilt, von denen der eine zum Wohn- und Schlafkessel, der andere zum Abort führt. In letzterem Fall wird er auch im Winter benutzt und hat dann einen geräumigeren Wohnkessel. Im ersteren Falle wird eine besondere Winterwohnung bezogen, die 300–600 m tiefer liegt und durch eine 2–6, ja 8 m lange, am Ende meist aufwärts gerichtete Röhre in eine 1–2 m im Durchmesser haltende, längliche oder runde Kammer führt, die die Tiere schon im August mit abgebissenem und getrocknetem Grase und Kraut beschicken. Die losgegrabene Erde der selten tiefer als 1,5 m unter dem Rasen liegenden Höhle wird nur zum kleinsten Teile hinausgeschafft; das meiste wird festgetreten, wodurch die Gänge fest und hart werden. Noch ehe sich die 5–15 Glieder starke Familie zum Winterschlaf in den Bau begibt, wird dessen Winterbenutzung durch davorliegende Heureste verraten. Nach den ersten rauhen Tagen gegen Ende Oktober wird die Winterwohnung bezogen und ihr Eingang mit Heu, Erde, Steinen verstopft, damit kein Raubtier eindringe. Hier ruht die zuvor gemästete Gesellschaft zusammengerollt im Winterschlafe unter stark verminderter Lebensintensität, wobei sie die geringe Wärmeabgabe durch Verbrennen des zuvor angesammelten Fettes bestreitet. Im April erscheinen sie dann stark abgemagert vor der Öffnung ihrer Winterwohnung, um an schneefreien Stellen etwas verdorrtes Gras zur Stillung ihres Hungers zu fressen. Dann verzehren sie wohl auch von dem bis dahin nur als Lager dienenden, im Herbste eingetragenen Heu. Sobald die Vegetation wieder zu sprossen beginnt, finden sie reichlich Futter und erholen sich bald von ihrer Abmagerung, paaren sich, und schon im Juni findet man die 4–6 zuerst aschgrauen, später gelbbraun werdenden Jungen, die sich, ehe sie etwas herangewachsen sind, selten vor dem Baue zeigen. Sie werden von der auf den Hinterbeinen sitzenden und die Vorderbeine weit ausgespreizt haltenden Mutter lange gesäugt und bleiben bis in den nächsten Sommer hinein bei den Eltern. Auch die Familien, die keine höher gelegene Sommerwohnung beziehen, machen oft weite Gänge auf blumenreiche Weideplätze, von denen sie den unwillkommenen, unter erbärmlichem Geschrei fliehenden Artgenossen durch tüchtige, mit den Vorderpfoten auf Kopf und Rücken ausgeteilte Hiebe vertreiben. Dabei fressen, spielen und ruhen sie abwechselnd. Alle Augenblicke sehen sie sich um und überwachen mit der größten Aufmerksamkeit die Umgebung. Das erste, das etwas Verdächtiges bemerkt, einen Raubvogel, Fuchs oder Menschen, pfeift tief und laut durch die Nase, die übrigen wiederholen das Warnungssignal teilweise und im Nu sind sie in die benachbarten Löcher verschwunden. Bei dieser ihrer Wachsamkeit ist es für den Jäger sehr schwer, sie zu beschleichen. Deshalb erbeutet man gerne die Murmeltiere durch das vielerorts allerdings verbotene Ausgraben der Baue, auch wohl in Fallen, die man oft nur für die alten Tiere einrichtet. Man sucht sie auch mit eigens darauf abgerichteten Hunden auf, die ihnen den Rückweg zum Bau abschneiden und sie in den nächsten Schlupfwinkel treiben, wo sie mit einem Stock totgestoßen werden. Da ihr Gewicht im Herbst auf 6–8 kg steigt, liefern sie einen nicht zu verachtenden Braten. Ihr Fleisch hat zwar einen erdigen Wildgeschmack, wird aber gewöhnlich durch Einreiben und Abbrühen mit Salz und Salpeter und Räuchern während einiger Tage vor dem Kochen wohlschmeckender. Das Fett dient den Gebirgsbewohnern als Arznei für allerhand Übel, der frisch abgezogene Balg wird bei Rheumatismus angezogen, und die Tiere selbst dienen dem Älpler als Wetterpropheten. Im halbwüchsigen Alter gefangene Junge lassen sich leicht auffüttern und werden im Umgang mit dem Menschen sehr zahm und zutraulich. Sie achten auf den Ruf ihres Pflegers, sind gehorsam und gelehrig, so daß man ihnen allerlei Kunststücke beibringen kann. Früher durchzogen arme Savoyardenknaben mit solch einem gezähmten Murmeltier Almosen heischend die Städte und Dörfer. Neuerdings ist jedoch der intelligentere Affe an dessen Stelle getreten, und wandern nun an Stelle der Savoyarden Italiener damit durchs Land.

Von andern Nagetieren werden noch die baumbewohnenden, in Wäldern, Hainen und Baumgärten lebenden Bilche oder Schlafmäuse (Myoxus) gelegentlich gefangen gehalten. Sie sind zwar außerordentlich reinlich wie die Murmeltiere, aber im Gegensatz zur Zutraulichkeit jener scheu und wenig liebenswürdig. Besonders unfreundlich benimmt sich der gefangen gehaltene Siebenschläfer (Myoxus glis), der sich durchaus nicht an seinen Pfleger gewöhnt und ihn, wie jeden andern, der sich ihm nähert, wütend anknurrt. Dieses besonders die Eichen- und Buchenwaldungen Süd- und Osteuropas bewohnende, 16 cm Leibes- und 13 cm Schwanzlänge erreichende aschgraue Tier, das sich tagsüber verborgen hält und nur nachts nahrungsuchend in seinem Revier herumstreift und von einer Gefräßigkeit ohnegleichen ist, außer Eicheln, Bucheln, Kastanien, Hasel- und Walnüssen auch saftiges Obst liebt und alle kleinen Tiere, denen es begegnet und die es zu überwältigen vermag, mordet und frißt, sammelt gegen den Herbst Nahrungsvorräte ein und speichert sie in seinen Höhlen auf. Diese macht es in trockenen Erdlöchern, in altem Gemäuer oder in tiefen Baumhöhlungen zurecht, bereitet sich ein Nest von zartem Moos und fällt darin, gewöhnlich mit mehreren seiner Artgenossen gemeinsam, zusammengekugelt gegen den Oktober hin in tiefen Schlaf, der gewöhnlich sieben Monate lang andauert. Es erwacht daraus Ende April, paart sich und wirft in seiner Höhle 3–6 nackte und blinde Junge, die sich sehr rasch entwickeln und schon vor dem Herbste selbständig sind.

Im Herbste wird der Siebenschläfer durch Ansammlung von Brennmaterialien für seinen sieben Monate dauernden Winterschlaf recht fett und galt in diesem Zustande den alten Römern als Leckerbissen. Sie wurden von ihnen in besondern Zuchtanstalten (glirarium von glis = Siebenschläfer) gezogen und zum Verbrauch gemästet. Eine solche umfaßte nach Varro einen kleinen Hain von Eichen, der von einer glattwandigen Mauer umgeben war, damit sie nicht hinausklettern konnten. Darin machte man ihnen zum Schlafen und Nisten geräumige Höhlungen zurecht. „Das Mästen geschieht in großen, faßartigen Töpfen, an deren Wänden inwendig Treppen sind; auch muß eine Höhle darin sein, worin die Tiere ihr Futter verstecken können. Die Mast wird durch Eicheln, Walnüsse und Kastanien, die im Überflusse gereicht werden, bewirkt; dabei wird das Faß dunkel gehalten.“ Der drei Generationen später lebende Plinius bemerkt in seiner Naturgeschichte: „Der Siebenschläfer (glis) ist ein Tier, dessen Genuß, gleich dem der Austern und ausländischen Vögel, durch Gesetze der Zensoren und des Konsuls Marcus Scaurus verboten wurde. Der Erfinder der Tiergärten (Fulvius Lupinus) hat auch die Kunst erfunden, Siebenschläfer in Töpfen zu mästen. Es ist dabei wohl zu beachten, daß man nur Landsleute aus demselben Walde zusammenstecken darf; denn wenn fremde dazukommen, und wenn sie nur durch einen Berg oder Fluß getrennt gelebt hatten, so beißen sie sich tot. Ihre abgelebten Eltern versorgen sie mit kindlicher Liebe. Mit jedem Frühjahr erwachen sie verjüngt. Ihre Winterruhe ist von der der Haselmäuse (nitela) nicht verschieden.“ Heute noch stellt ihm der Mensch überall da, wo er häufig ist, teils des Fleisches, teils des Felles wegen eifrig nach, lockt ihn in Fallen aller Art und künstliche Winterwohnungen, um ihn darin zu erbeuten. In Unterkrain erbeuten ihn die Bauern in mit einer saftigen Birne oder Pflaume beköderten Schnellfallen. Außerdem gräbt man teilweise mit Obst gefüllte Fässer in die Erde, in die ein Rohr führt, in welchem Eisendrähte so befestigt werden, daß sie wohl das Hineinschlüpfen, aber nicht das Herauskommen des Bilches gestatten. Hier fangen sich die Tiere oft in so großer Menge, daß mancher Bauer während eines Herbstes 200–400 Bilche erbeuten kann.

Im Gegensatz zum knurrigen Bilch und dem ebenso verdrossenen Gartenschläfer (Eliomys nitela) wird die anmutige, niedliche, gelblichrote Haselmaus (Muscardinus avellanarius), deren Heimat Mitteleuropa ist und die nicht selten in Dohnenstiegen gefangen wird, weil sie auch den Beeren der Eberesche nachgeht, ein höchst beliebter Stubengenosse des Menschen. In England wird sie wie Stubenvögel zu Markt gebracht und wie diese sehr viel in Käfigen gehalten. Sie verliert in der Gefangenschaft bald ihre Scheu, wenn auch nicht ihre Furchtsamkeit, und gewöhnt sich rasch an den Menschen. Durch ihre große Reinlichkeit, Liebenswürdigkeit und Verträglichkeit mit ihresgleichen, die zierlichen Bewegungen und ihr munteres Wesen wird sie bald zum Lieblinge des Menschen. Sie frißt anfänglich nur nachts, sparsam und bescheiden und fällt auch in der Gefangenschaft in Winterschlaf, wenn die Örtlichkeit nicht stets gleichmäßig warm gehalten wird. Sie versucht sich dann ein Nestchen zu bauen und hüllt sich in dieses oder schläft in einer Ecke ihres Käfigs. Bringt man sie wieder an die Wärme, z. B. zwischen die warme Hand, so erwacht sie, schläft aber bald wieder ein.

Ein für uns Mitteleuropäer nur ausnahmsweise in Betracht kommender Wildhund ist der Wolf (Canis lupus), der in Paaren oder einzeln sowohl offenes Land als auch Wälder bewohnt, am Tage wie in der Nacht beutelüstern umherschweift und sich manchmal, besonders im Winter, zu Rudeln zusammentut, um gemeinsam unter Ausstoßen eines fürchterlichen Geheuls größeres Wild zu jagen und auch den Menschen anzufallen. So fielen im Jahre 1875 nicht weniger als 161 Menschen russischen Wölfen zum Opfer. Die Wölfe, die beim scharenweisen Durchstreifen einer Gegend in einer Reihe hintereinander herlaufen, verfolgen ihre Beute in einem außerordentlich ausdauernden Galopp, reißen ein eingeholtes Tier nicht sofort nieder, sondern verwunden es, folgen ihm, beißen es abermals und hetzen es so zu Tode. Pferde- und Rinderherden schließen, sobald sie Wölfe wittern, einen Kreis und stellen sich, die Pferde mit den Hinterbeinen, die Rinder mit den Hörnern, zur Wehr, greifen einzelne Wölfe auch ohne weiteres an. Nicht bloß große Rudel, sondern auch einzelne Wölfe können ein entsetzliches Geheul ausstoßen, das selbst den Menschen vor diesem sonst feigen Tiere erzittern läßt. Die Paarungszeit des Wolfes dauert vom Dezember bis in den April. Die 14 Tage dauernde Ranzzeit der Wölfin tritt nämlich bei alten Weibchen früher ein als bei jüngeren. Während der Paarungszeit kämpfen die Männchen oft auf Leben und Tod. Etwa 13 Wochen nach der Paarung wirft das Weibchen in Felshöhlen oder Erdlöchern 6–10 neun bis vierzehn Tage lang blindbleibende Junge, die bis zur nächsten Ranzzeit bei der Mutter bleiben, bis zum dritten Jahre wachsen, dann auch fortpflanzungsfähig werden und ein Alter von 12–15 Jahren erreichen. Junge Wölfe lassen sich leicht zähmen und gewöhnen sich gleich Hunden an ihren Herrn, weshalb es leicht zu verstehen ist, daß der Wolf in verschiedenen Abarten zum Stammvater eines großen Teiles der Haushunde wurde. Den alten Wölfen, denen großer Verstand und ungemeine Schlauheit innewohnt, sucht man in Schießhütten und auf Treibjagden beizukommen. Sie werden auch in tiefen, steilwandigen Gruben, sogenannten Wolfsgruben, gefangen, die man mit Reisig und darüber mit Moos und Schnee bedeckt, auf einer in der Mitte der Grube stehenden Stange mit einem Huhn oder dergleichen beködert und mit einem etliche Fuß hohen Zaun umgibt, der vom Wolfe übersprungen werden muß und ihn daran hindert, unzeitigen Verdacht zu schöpfen. Denn der Wolf ist außerordentlich vorsichtig und weiß unbekannten Öffnungen, Schlingen oder Fallen aus dem Wege zu gehen, wird jedoch auch in Tellereisen gefangen, soll sich aber, wenn er gefangen ist, häufig tot stellen und in einem geeigneten Augenblick entlaufen. Da er auch Aas angeht, wird ihm auch mit vergiftetem Fleische nachgestellt. Früher, als es in Europa noch viel Wölfe gab, waren sie eine wesentliche Gefahr der Herden. Noch heute ist bezeichnenderweise bei den Renntiere züchtenden Lappen das Wort Friede gleichbedeutend mit Ruhe vor Wölfen. In Rußland, das noch reich daran ist, fallen ihnen jährlich etwa 180000 Stück Großvieh und über 600000 Stück Kleinvieh, besonders Schafe, zur Beute. Laserewski bemißt den durch sie angerichteten Schaden an Haustieren auf 15 Millionen, an nutzbarem Wilde aber auf 50 Millionen Rubel (= 165 Millionen Mark). Dazu kommt noch, daß sie auch von der Tollwut befallen und dann Menschen wie Tieren gleich gefährlich werden. Selbst die Hunde hassen den Wolf und scheinen kein größeres Vergnügen zu kennen, als auf ihn Jagd zu machen. Auf der südrussischen Steppe, wo der Wolf in selbstgegrabenen Höhlen wohnt, wird er zu Pferd so lange gehetzt, bis er nicht mehr laufen kann, und dann totgeschlagen. Den größten Nutzen bietet er in seinem Winterfell, das als gutes Pelzwerk vielfach verwendet wird. Die besten und größten Felle kommen aus Skandinavien, Nordrußland, Sibirien und Nordchina und werden mit 10–25 Mark bezahlt. Außerdem gewähren viele Regierungen noch ein besonderes Schußgeld für die Erlegung eines Wolfes.

Ein kleinerer, aber noch viel listigerer Wildhund ist der Fuchs (Canis vulpes), der in den eigentlichen Wolfsgegenden verhältnismäßig selten ist, da der Wolf ihm feindlich wie dem Hund gegenübertritt und ihn tötet und frißt, wo er nur kann. In dem Maße aber als der Wolf ausgerottet wird, vermehrt er sich und weiß sich dank seiner Schlauheit und Gewandtheit auch da noch zu behaupten, wo dies andern Raubtieren nicht möglich wäre. Um zu rauben, zieht der Fuchs die Nacht dem Tage vor; doch jagt er an stillen Orten auch bei Tage. Den Tag über hält er sich mit Vorliebe in dichten Schonungen und mit Gestrüpp bewachsenem Gelände auf, um dort zu schlafen, bis er mit Eintritt der Dämmerung oder schon in den Nachmittagstunden auf Raub ausgeht. Dabei gilt seine Jagd allem Getier, vom jungen Reh an bis zum Käfer, vorzüglich aber den Mäusen, die den Hauptbestandteil seiner Mahlzeiten ausmachen. Auch Beerenfrüchte, Stein- und Kernobst, besonders Trauben, verschmäht er so wenig als Honig, wenn er solches haben kann. Am Bache lungert er umher, um eine Forelle oder einen Krebs zu erbeuten. Am Meeresstrand frißt er den Fischern die Netze aus; im Walde nimmt er die gefangenen Vögel aus den Dohnen- und Schnepfenstiegen. Als ungeselliges Tier geht jeder Fuchs seinen eigenen Weg und bekümmert sich um andere seiner Art nur insoweit, als es ihm Vorteil gewährt. Sobald die Füchsin Ende Januar oder Anfang Februar hitzig zu werden beginnt, was sich durch Schwellung der äußeren Geschlechtsteile und Austritt von etwas Blut aus der Scheide bekundet, beginnt sie unruhig umherzutraben. Zu mehreren folgen ihr dabei die männlichen Füchse, einer seine Füße in die Fußtapfen seiner Vorgänger im Schnee setzend. So geht es fast ohne Halt und Rast die ganze Nacht durch den Wald und über das Feld, bis schließlich einer das Ziel seiner Begierden erreicht hat und der Füchsin in ihr Lager folgt. Nach einer Tragzeit von 60–63 Tagen, gegen deren Schluß die Füchsin den selbstgegrabenen oder von einem daraus verjagten Dachse bezogenen Bau nur bei Nacht und für kurze Zeit verläßt und vom Gatten mit Raub versorgt wird, wirft sie 4–7 unbeholfene, 14 Tage lang blind bleibende, aber alle Milchzähne besitzende Junge, die sie mit großer Zärtlichkeit säugt. Sie verläßt sie in den ersten Tagen ihres Lebens gar nicht, später nur für kurze Zeit in der Nacht und scheint ängstlich bestrebt zu sein, ihren Aufenthalt zu verheimlichen. Etwa fünf Wochen nach der Geburt erscheinen die mit rötlichgrauem Grannenhaar über ihrem ursprünglichen Wollkleid bedeckten Jungen, um sich zu sonnen und untereinander oder mit der gefälligen Alten zu spielen. Diese beginnt ihnen lebende Käfer, Frösche, Mäuse und Vögel zuzutragen und lehrt sie dieselben fangen und verzehren. Scharf nach allen Richtungen hinsehend und riechend, überwacht sie die sorglosen, äußerst possierlichen Spiele der Jungen und veranlaßt sie, beim geringsten Verdacht einer Gefahr sofort in den Bau zu kriechen. Wird dieser stärker beunruhigt, so verläßt sie ihn mit den Jungen noch in der nächsten Nacht, wobei sie die zu weiten Wanderungen etwa noch zu schwachen Kleinen einzeln oder zu zweien im Maule wegträgt. Nur in höchster Not raubt sie gleich dem männlichen Fuchs in nächster Umgebung des Baus und nähert sich ihm höchst vorsichtig gegen den Wind, um ihre Jungen nicht zu verraten. Hat sie nichts Verdächtiges wahrgenommen, so naht sie sich dem Baue trabend, um ihre Beute vor ihm abzulegen und die hungrigen Jungen durch einen leisen Ruf zur Mahlzeit einzuladen, die sehr rasch beendet ist. Schon im Juli begleiten die Jungen die Alte in der Abenddämmerung in die Umgebung des Baus auf die Jagd und werden von ihr sorgfältig zum Rauben angeleitet, wobei ungeschickte Junge durch scharfe Bisse bestraft werden. Wenn das Getreide hoch genug ist, zieht die Fuchsfamilie nachts aufs Feld, wo manches junge Rebhuhn und mancher halbwüchsige Hase den jungen Füchsen zur Beute fällt, bis die Ernte die zu dieser Zeit nur selten zu Baue gehenden Tiere zur Rückkehr in den Wald zwingt, wo sie sich tagsüber im dichten Buschwerk verbergen. Wenn aber die Blätter im Herbste fallen, trennen sich die mit Vollendung des ersten Lebensjahres fortpflanzungsfähigen, aber erst nach Ablauf des zweiten ausgewachsenen jungen Füchse allmählich von der Mutter, um unter glücklichen Umständen, nach gefangenen zu urteilen, ein 16 Jahre übersteigendes Alter zu erreichen. Jung eingefangene Füchschen kann man leicht aufziehen. Sie werden, falls man sich viel mit ihnen abgibt, bald zahm, wenn auch nie eigentlich zutraulich, und erfreuen durch ihre Munterkeit und Beweglichkeit. Außer dem Menschen hat der Fuchs bei uns wenige Feinde. Dieser vertilgt ihn als Jagdschädling wo er kann mit Schießen, Fangen, Vergiften und Ausgraben und verwertet höchstens seinen Pelz. Durch Vertilgung sehr zahlreicher Mäuse, die, wie gesagt, seine Hauptspeise bilden, und deren er 20 bis 30 Stück pro Mahlzeit verbraucht, macht er sich einigermaßen nützlich. Auch er leidet wie Wolf und Hund gelegentlich an Tollwut und kommt dann am hellen Tage ins Innere von Dörfern, um dort alles zu beißen, was ihm in den Weg kommt.

Ebenfalls nicht selten in Mitteleuropa ist der Dachs (Meles taxus), der gelegentlich in Weinbergen und auf Rübenfeldern Schaden anrichtet, aber diesen reichlich durch Wegfangen und Verzehren von allerlei Ungeziefer, besonders Engerlingen und Mäusen, in Wald und Flur nützt. Unter allen Mardern ist er der nützlichste und ein Erhalter, nicht aber ein Schädiger des Waldes, weshalb er den weitgehendsten Schutz verdient. Auf der Sonnenseite dicht mit Gestrüpp bedeckter Hügel gräbt er sich mit seinen Krallen eine geräumige Höhle mit mehreren Ausgängen, von denen die wenigsten von ihm benützt werden, sondern als Notausgänge zur Flucht oder als Luftgänge dienen. Überall in ihr herrscht die größte Reinlichkeit, wodurch sich der Dachsbau vor allen übrigen ähnlichen unterirdischen Behausungen von Säugetieren vorteilhaft auszeichnet. Der Hauptraum im Bau, der Kessel, ist sehr geräumig und weich mit Moos ausgepolstert. In diesem traulichen Gemach ruht der Dachs während des Tages, um ihn erst, wenn die Nacht vollkommen hereingebrochen ist, zur Nahrungssuche zu verlassen. Nur ganz ausnahmsweise treibt er sich in stillen Waldungen während des Hochsommers schon in den späteren Nachmittagsstunden herum, um außer kleinen Tieren aller Art auch saftige Wurzeln, Buchnüsse und Obst zu verzehren. Nur zur Zeit der Paarung gesellt sich der Dachs vorübergehend zu einem Weibchen, bewohnt aber den ganzen übrigen Teil des Jahres allein einen Bau. In dem ihrigen wirft die Dächsin Ende Februar oder Anfang März 3–4, selten 5 bis zum zehnten Tage blinde Junge, die sie treu behütet und denen sie nach der Säugezeit so lange Würmer, Schnecken, Engerlinge, Wurzeln und kleine Säugetiere in den Bau schleppt, bis sie sich selbst zu ernähren vermögen. Schon nach 3–4 Wochen begeben sich die kleinen Dachse in Gesellschaft ihrer Mutter vor den Eingang der Höhle, um sich zu sonnen und zu spielen. Bis zum Herbst bleiben sie bei der Mutter, trennen sich dann und leben für sich, indem sie sich eine eigene Höhle graben. Im zweiten Jahre sind sie völlig ausgewachsen und beginnen sich fortzupflanzen. Der Dachs erreicht ein Alter von 10 oder 12 Jahren. In Gegenden mit kalten Wintern hält er einen Winterschlaf ab, wobei er die Mündungen seiner Wohnung verstopft. Schon in England, das ein verhältnismäßig mildes Klima besitzt, unterbricht er denselben. Jung eingefangene und sorgfältig aufgezogene Dachse werden sehr zahm und anhänglich, alte aber nie. Man fängt den Dachs in Fallen, jagt ihn mit Dachshunden oder Foxterriers aus seinem Bau und gräbt oder bohrt ihn aus. Nur ganz früh am Morgen kann man dem heimkehrenden Dachse wohl auch auf dem Anstande auflauern und ihn erlegen. Sein Fell wird für allerlei Pelzwerk verwendet, seine ziemlich steifen Haare geben ein gutes Material für Bürsten und sein Fleisch wird von Jägern gern verzehrt.

Ein Wassermarder von reichlich 1,2 m Länge, wovon 42 cm auf den Schwanz zu rechnen sind, ist der Fischotter (Lutra vulgaris), der ganz Europa und Asien nördlich vom Himalaja bewohnt. Er findet sich an allen fischreichen Gewässern, wo er sich mehrere unterirdische Wohnungen gräbt, deren Eingang sich stets etwa 1⁄2 m tief im Wasser befindet, um mit einem etwa 2 m langen, schief aufwärts steigenden Gang in einen regelmäßig mit Gras und Laub ausgepolsterten geräumigen Kessel zu führen, von dem ein zweiter schmaler Gang zur Vermittlung des Luftwechsels nach der Bodenoberfläche geht. Im Wasser ist er zu Hause und führt darin weite Streifzüge aus, um außer Fischen, die die Hauptmenge seiner Nahrung bilden, allerlei Wassertiere, Vögel und deren Eier und saftige Wurzeln nebst Obst zu erbeuten. Alte Fischotter leben gewöhnlich einzeln, alte Weibchen aber streifen lange Zeit mit ihren Jungen umher oder vereinigen sich mit andern Weibchen oder um die Paarungszeit mit solchen und Männchen und fischen dann in Gesellschaft. Neun Wochen nach der Paarung, bei uns gewöhnlich im Mai, wirft das Weibchen in seinem sichern Uferbau 2–4 fast schwarze Junge, die nach 9–10 Tagen die Augen öffnen und von der Mutter sorgfältig verpflegt werden. Im Alter von ungefähr zwei Monaten nimmt sie die Mutter auf den Fischfang mit, um sie in allen Otterkünsten zu unterrichten. Im zweiten Jahre sind sie schon erwachsen und fortpflanzungsfähig. Jung aus dem Nest genommen und richtig behandelt wird der Fischotter sehr zahm und anhänglich an seinen Herrn, dem er treu wie ein Hund auf Ruf und Pfiff folgt. Wie den Kormoran benützen die Chinesen auch ihn beim Fischfang. Daß ein so intelligentes, gewandtes Raubtier wie er im Fischstand eines Gewässers großen Schaden anrichtet, ist begreiflich. Nach dem Urteil Sachverständiger verzehrt er täglich wenigstens 1 kg Fische. Deshalb haben schon zu Beginn des Mittelalters Otterjäger von Beruf ihn gleich dem Biber mit eigens dazu abgerichteten Hunden gejagt. Sie standen unter den Fischmeistern und waren weniger angesehen als andere Jäger. Noch bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts gab es an allen Fürstenhöfen und auf größeren Besitzungen Otterjäger, die sich zur Otterjagd besonderer Otterhunde bedienten. Diese schon längst ausgestorbene Rasse war niedrig, langgestreckt, stichelhaarig, dunkelbraun, mit seitwärts abstehenden Ohren, starkem Gebiß und von bissigem, zänkischem Charakter. Mit dem Schwinden der Ottern und Biber gerieten diese Otterjäger in Deutschland in Vergessenheit, während sich in England der Ottersport in früherer Blüte erhielt. Die Otterjagd wird auf verschiedene Weise betrieben, nämlich durch Ansitz auf den Otter, durch die Suche nach ihm mit Dachs- und Vorstehhunden, durch die Treibjagd, die Jagd mit Sperrnetzen, das Stechen des Otters mit dem Ger und durch die Parforcejagd. Der Ansitz auf den Otter ist wenig erfolgreich, die übrigen Jagdweisen, die nur mit Hunden betrieben werden können, sind nur in seichten Flüssen oder Bächen aussichtsvoll, während die Hunde in großen, tiefen Gewässern nichts auszurichten vermögen. Deshalb stellt man dem Otter, wo man ihm sonst nicht beikommen kann, mit Fallen nach und sucht ihn auch in Schlingen und durch Selbstschüsse zu erbeuten.