Auch das kleinere und plumper gebaute sibirische Backenhörnchen, der Burunduk (Tamias striatus), der am häufigsten in Zirbelkieferbeständen lebt und unter den Wurzeln dieser Bäume eine gabelförmig geteilte Höhle anlegt, deren einer Teil als Wohnraum, der andere als Vorratskammer für Getreidekörner und Nüsse dient, von denen sie für manchen Winter 5 kg in den Backentaschen nach Hause schleppen, liefert hübsche Bälge. Diese gelangen meist nach China, wo man sie hauptsächlich zur Verbrämung wärmerer Pelze benützt.
Von allen Nagetieren hat der Biber das geschätzteste Fell. Von Amerika her kamen früher jährlich etwa 150000 derselben im Gesamtwerte von 3 Millionen Mark in den Handel. Heute aber sind es deren höchstens noch 50000 im Jahr, und zwar sind auch von ihnen die dunkeln die wertvollsten. Je nach seiner Güte wird das Stück mit 20–60 Mark bezahlt. Er wird dort von den Trappern meist in Fallen gefangen, nur ausnahmsweise geschossen. Da er aber auch in Amerika mehr und mehr abnimmt, muß vielfach der Sumpfbiber oder Coypu (Myopotamus coypu), die Nutria der spanischen Amerikaner, mit ihrem Felle für ihn eintreten. Auch der Sumpfbiber ist ein ausgesprochenes Wassertier von nahezu der Größe des Fischotters, das vorzugsweise die reich mit Pflanzen bewachsenen Ufer der stillen Wasser Südamerikas zu beiden Seiten der Anden bewohnt. Jedes Paar gräbt sich am Ufer eine metertiefe, 60 cm weite Höhle, in der es die Nacht und einen Teil des Tages zubringt. In dieser Wohnung wirft das Weibchen 8–9 Junge, die behaart und mit offenen Augen zur Welt kommen, schon in den ersten Tagen fressen und bald ihrer Mutter auf ihren Streifzügen folgen. Die Tiere werden in ihrer Heimat mit Schlagfallen gefangen oder mit eigens abgerichteten Hunden gejagt. Ihr weißes, wohlschmeckendes Fleisch wird gegessen, das braune Fell jedoch in großen Mengen in den Handel gebracht. Davon kommen jährlich eine halbe Million nach Europa, um hier nach Ausrupfen der langen, groben Grannenhaare zu Pelzbesätzen zu dienen. Das dichte, weiche Wollhaar gibt einen sehr schönen und dabei billigen Pelz, ist daher sehr beliebt.
Viel teurer und begehrter ist das seidenweiche, aschfarbene Fell der die hohen Anden zwischen Südchile und dem Norden von Bolivia bewohnenden Chinchilla oder Wollmaus (Chinchilla lanigera), an dem schon die vorgeschichtlichen Peruaner, die Inkas, ihre Freude hatten. Wie sie aus den Haaren der Vicuña die feinsten Stoffe herstellen, bereiteten sie aus den Haaren dieser Wollmaus wunderbare Gewebe für ihre Herrscher. Sie erbeuteten das Tierchen in Schlingen und Schlagfallen, die sie vor deren Löcher aufstellten, daneben auch mit gezähmten Wieseln, die speziell auf die Chinchillajagd abgerichtet waren, wie in Südeuropa die Frettchen auf die Kaninchenjagd. Nach Europa kamen die ersten Chinchillafelle gegen Ende des 18. Jahrhunderts, und zwar vermittelte Spanien den Handel damit. Für das Dutzend der kleinen Fellchen dieser in großen Gesellschaften in selbstgegrabenen Erdlöchern lebenden Tierchen wurde früher an die Jäger 6–8 Mark bezahlt. Seither sind die Preise infolge der übermäßigen Jagd danach gewaltig in die Höhe gegangen. Schon 1899 bot ein französisches Haus 150–300 Franken für das Dutzend und jetzt ist der Preis dafür auf über 1060 Franken gestiegen. Noch ums Jahr 1900 schätzte man die jährliche Ausfuhr allein aus den beiden argentinischen Provinzen Coquimbo und Vallenar auf 40400 Dutzend. 1905 betrug die Gesamtausfuhr der Felle aus Chile 18153 Dutzend, 1906 nur 9776, 1907 4000 und 1909 3000 Dutzend.
Die Chinchilla bevorzugt steinige, dürre Hänge und Hochebenen, die mit dem zierlichen Leguminosenstrauch Balsamocarpum brevifolium, der algarobilla der spanischen Chilenen, bewachsen sind, von dessen wie Nuß schmeckenden Samen sie sich ernährt und die sie auch in ihren Höhlen aufspeichert. Zur Zeit der Paarung sind die Männchen sehr eifersüchtig und kämpfen ingrimmig wegen der Weibchen miteinander. Letztere werfen zweimal im Jahr 2–4 Junge, für die sie aus sich selbst ausgerauften Haaren ein weiches Lager bereiten. Sie sind auch später sehr besorgt um sie und führen sie zum Futter. Morgens und nachmittags sind diese hübschen Nager am lebhaftesten und verlassen alsdann ihre Höhlen, um auf die Nahrungssuche auszugehen, ohne sich jedoch weit zu entfernen. Sie lassen sich leicht in der Gefangenschaft halten und werden darin bald recht zahm; nur die Männchen vertragen sich gegenseitig nicht gut. Solange es genug dieser Tierchen gab, war die Chinchillajagd sehr lohnend und brachte noch vor wenigen Jahren mit geringer Mühe reichen Gewinn. Seitdem diese Tiere aber beinahe ausgerottet sind, ist ihre Jagd kaum mehr lohnend. Meist werden sie, wenn das Gestrüpp auf größere Strecken niedergebrannt ist, mit Knüppeln aus ihren Höhlen aufgescheucht und, in weitem Kreise beginnend, allmählich der Mitte zugetrieben, wo sie, unterschiedlos alte und junge von abgerichteten Hunden totgebissen werden. Außerdem werden sie vielfach vermittelst Rattenfallen gefangen. Neuerdings beginnt man sie zur Pelzgewinnung zu züchten. Auch das Fleisch wird sehr geschätzt.
Von nordamerikanischen Pelzlieferanten ist der Waschbär oder Schupp, der Raccoon der Amerikaner (Procyon lotor), zu nennen, dessen gelblichgraues, schwarzgemischtes Fell die beliebten Schuppelze liefert. Dieser Kleinbär von 80–90 cm Gesamtlänge ist gleichzeitig Boden-, Wasser- und Baumtier. Am Tage schläft er in einem hohlen Baume oder auf der Astgabel einer dichten Baumkrone, um dann nachts auf Beute auszugehen. Gern hält er sich in der Nähe seichten Wassers auf, um Fische und Krebse zu fangen oder Süßwassermuscheln zu erbeuten. Außerdem ernährt er sich von Fröschen, Süßwasserschildkröten, Vögeln und deren Eiern, Mäusen, Insekten aller Art, aber auch Nüssen, Früchten und Korn. Im Norden hält er einen Winterschlaf ab. Das Weibchen wirft im April 4–6 Junge, die es ein Jahr lang um sich behält. Wegen seines sehr geschätzten Pelzes, der früher in den Staaten des Mississippitales als eine Art Münze im Werte von 1⁄4 Dollar galt, wird er eifrig verfolgt und entweder in am Rande von Sümpfen oder Flüssen unter Wasser angebrachten Fallen aus Stahl gefangen oder während der Nacht mit eigens dazu abgerichteten, gewöhnlich zur Rasse der Fuchshunde gehörenden Hunden gejagt. Diese wissen seiner Spur zu folgen und treiben ihn nach kurzer Zeit auf einen Baum, wo er, falls er sich nicht in einem Loche verkriecht, vom Jäger erlegt wird. Neuerdings wird er, da er sich leicht in der Gefangenschaft fortpflanzt, zur Pelzgewinnung in eingehegten Waldteilen gezüchtet. Jung eingefangen wird er gewöhnlich sehr bald und in hohem Grade zahm. Seine Beweglichkeit und Zutraulichkeit machen ihn dem Menschen als Gesellschafter angenehm.
Der Winterpelz der amerikanischen grauen Eichhörnchen geht unter dem Namen Petitgris, ist aber weniger geschätzt als der russische Feh; ebenso verhält es sich mit demjenigen des Luchses. Dagegen wird der Pelz der nordamerikanischen Iltisse ebensosehr wie derjenige der altweltlichen geschätzt. Der Iltis oder Ratz (Mustela putoria) ist ein Nachttier, das am Tage zwischen Gestein, aufgestapeltem Holz, in verlassenen Fuchs- oder Kaninchenlöchern ruht, abends jedoch seinen Schlupfwinkel verläßt, um auf Raub auszugehen. Dabei verzehrt es alle Tiere, die es zu überwältigen vermag. Außer Fröschen sind Mäuse, Wachteln, Rebhühner, Hühner, Enten und Fische seine bevorzugte Nahrung. Er ist sehr gewandt, versteht meisterhaft zu schleichen und unfehlbare Sprünge auszuführen, klettert gut, besteigt aber selten Bäume. Nach Art der Stinktiere verteidigt er sich im Notfalle durch Ausspritzen einer sehr stinkenden Flüssigkeit und schreckt dadurch oft die ihn verfolgenden Hunde zurück. Seine Lebenszähigkeit ist unglaublich groß. Nach zweimonatlicher Tragzeit wirft das Weibchen im April oder Mai in einer Höhle oder noch lieber in einem Holzhaufen 4–5, zuweilen auch 6 Junge, die es sorgfältig großzieht, so daß es dieselben schon nach sechs Wochen auf seine Raubzüge mitnehmen kann. Junge Iltisse lassen sich leicht durch Katzenmütter großziehen und zähmen; doch erlebt man an ihnen wenig Freude, da der angeborene Blutdurst mit der Zeit durchbricht. Sie lassen sich ohne Mühe zum Kaninchenfang abrichten. Wir sahen ja am Schlusse des 13. Abschnittes, daß durch jahrhundertelange Domestikation in Verbindung mit Albinismus aus dem Iltis das Frett hervorging, das als Mäusefänger bei den Griechen und Römern eine nicht unwichtige Rolle spielte, bevor die Katze von Ägypten her zu ihnen gelangte. Der Iltis wird besonders seines dichten Felles wegen gejagt, das aber wegen des ihm anhaftenden unangenehmen Geruches weniger geschätzt ist als es ohnedies der Fall wäre.
Dem Iltis ungemein nahestehend ist der Nörz (Mustela lutreola), ein halber Wassermarder, der vortrefflich schwimmt und taucht und die Fische bis in ihre Verstecke verfolgt, selbst flinke Forellen und Lachse erbeutet. Im Moore verfolgt er Wasserratten und allerlei Wasser- und Sumpfvögel mit Einschluß von Enten. Er hält sich gewöhnlich an den Ufern von Flüssen und Seen auf und kommt fast nur noch in Rußland vor. In Nordamerika vertritt ihn der ganz ähnlich lebende, fast ebenso gefärbte Mink (Mustela vison), dessen Pelz noch weicher und wolliger ist. Beide graben sich unter überhängenden Flußufern ein Loch oder beziehen in einem hohlen Baum ein Lager, das sie mit Federn auspolstern und in das das Weibchen im April 4–6 Junge wirft, die bis zum nächsten Herbste bei der Mutter bleiben. Jung eingefangen lassen sie sich leicht zähmen und in ähnlicher Weise wie das Frettchen verwenden. Wegen des Gestankes war sein Pelz früher so wenig geschätzt, daß es Fang und Förderung kaum lohnte. Neuerdings legt man ihm einen größeren Wert bei, weshalb die Tiere viel gefangen werden und dadurch stellenweise stark vermindert worden sind. Ums Jahr 1865, in welchem ein gutes Minkfell in Amerika 5 Dollar kostete, wurden von Neuschottland allein über 6000 Minkfelle jährlich ausgeführt. In den letzten Jahrzehnten wurden in Europa durchschnittlich 55000 Nörze erbeutet, während die Anzahl der in dieser Zeit jährlich gefangenen Minke 160000 erreichte und im Jahre 1888 sogar 370000 betrug. In jenem Jahre kostete ein russisches Nörzfell etwa 4 Mark, ein Minkfell dagegen bis 10 Mark. Die besten Minkfelle kommen von Alaska und Neuengland.
Vortreffliche Pelze liefern auch die anderen Marderarten, unter denen der berühmte Zobel (Mustela zibellina), den weitaus kostbarsten liefert. Er ist dem Baummarder sehr nahe verwandt, hat nur einen viel ausgesprochener kegelförmigen Kopf, große Ohren, längere und stämmigere Beine und ein langhaarigeres, seidenweiches, gelbbraunes bis schwarzes Fell. Letzteres gilt für um so schöner, je größer seine Dichtigkeit, Weichheit und Gleichfarbigkeit ist. Die dunkleren Felle stehen im Preise weit höher als die helleren und können fast schwarze von reiner Farbe bis 2500 Mark das Stück erzielen, während helle von geringster Qualität schon für 50 Mark das Stück zu haben sind. Diese ganz dunkeln stammen von Tieren, die in den dichtesten Urwäldern leben, in die kein Sonnenstrahl einzudringen vermag. Das Wohngebiet des Zobels erstreckte sich einst vom Uralgebirge im Westen bis zum Beringsmeer im Osten und vom 68. Grad nördlicher Breite bis zu den südlichen Grenzgebirgen Sibiriens. Aber infolge der langjährigen unablässigen Verfolgung ist er aus vielen Gegenden verschwunden und ist nur noch in den abgelegensten Gebirgswäldern Ostsibiriens und Kamtschatkas einigermaßen häufig. Dieser menschenscheue Marder liebt die einsamen Wälder, in denen er, seinem Lieblingswilde, dem Eichhörnchen, nachziehend, größere Wanderungen unternimmt und bei deren Verfolgung ungescheut auch breite Ströme, selbst während des Eisgangs, durchschwimmt. Sehr beliebte Aufenthaltsorte sind für ihn die ausgedehnten Arvenwaldungen, deren riesige Stämme ihm ebensowohl passende Schlupfwinkel wie in den ölreichen Samen ihrer Zapfen eine erwünschte Speise darbieten. Auch er ist ein Nachttier, das bei Tage in Baumlöchern oder unter Baumwurzeln schläft und erst nachts auf Raub ausgeht. In Baumlöchern wirft er einmal im Jahr, und zwar meist im April, seine 4–5 Jungen, die er wohl behütet und später zur Jagd erzieht.
Die Zobeljagd beschränkt sich auf die drei Monate Oktober, November und Dezember. Da die Jagdgründe in der Regel sehr weit abgelegen sind, brechen die Zobeljäger mit eigens abgerichteten Hunden schon im September auf, um beim ersten Schneefall an Ort und Stelle zu sein. Die Hunde müssen während der Reise zugleich die Schlitten ziehen, welche mit Lebensmitteln für mehrere Monate beladen sind. Auf den Jagdplätzen vereinigen sie sich zu kleinen Gesellschaften, die sich Hütten bauen und nach allen Richtungen ihre Streifzüge unternehmen. Man stellt Fallen und Schlingen der verschiedensten Art und verfolgt mit den Hunden die Spur eines Zobels auf Schneeschuhen. Sobald ein solcher aufgespürt ist, sucht man ihn auf einen Baum zu treiben, den man alsbald mit Netzen umgibt, auf die er durch Schütteln der Zweige oder mit Stangen hinuntergeschlagen wird. Fällt der Zobel vorbei, so wird er entweder von den Hunden eingeholt und zu Tod gebissen, oder auf einen andern Baum getrieben, wo man ihn wiederum, wenn möglich ohne Schuß, der sein kostbares Fell verderben könnte, zu erlangen sucht. Ist ein Zobel erbeutet, so wird er in ein Tuch gewickelt und mit einem Stück Holz so lange geklopft, bis das Innere zu Brei zerschlagen ist und durch kleine Löcher um den After und die Augen herausgenommen werden kann. Dann wird das Fell umgedreht und weiter präpariert. Auf diese Weise wird es ermöglicht, das ganze Fell völlig unverletzt in den Handel zu bringen. Jedenfalls ist der Zobelfang eine ununterbrochene Reihe von Mühseligkeiten aller Art, und wenn ein Jäger zwanzig Zobelfälle auf einer Expedition erbeutet, so schätzt er sich glücklich. Für ein einzelnes Zobelfell erhält der Jäger Waren im Werte von 16 Rubeln (= 52 Mark). In St. Petersburg gilt es dann ein Mehrfaches davon. Völlig wertlos sind die Bälge der im Frühjahr erbeuteten Zobel, auch wenn sie noch ihre Winterhaare haben, denn dieses fällt selbst dann noch aus, wenn die Haut schon hergerichtet ist. Natürlich wird von dem kostbaren Pelz jedes Fleckchen verwertet; so werden beispielsweise die helleren und dunkleren Partien der Kehle zu farbenprächtigen Pelzstücken zusammengefügt, die als Mantelfutter sehr beliebt sind. Infolge des Immerseltenerwerdens des Zobels machen sich die Zobeljagden je länger um so schlechter bezahlt, so daß die russischen Pelzhändler in diesem Jahre beschlossen, den Präsidenten des Ministerrats telegraphisch um ein Verbot des Zobelfangs während zweier Jahre zu bitten. Nur hierdurch könne der Ausrottung des Zobels vorgebeugt werden.
Unter unseren einheimischen Säugetieren liefert der Baum- oder Edelmarder (Mustela martes) das weitaus kostbarste Pelzwerk, das in seiner Beschaffenheit am meisten demjenigen des Zobels ähnelt. Die schönsten und größten liefert Skandinavien. Diese sind noch einmal so dicht und so lang als diejenigen unserer deutschen Edelmarder und in der Farbe grauer. Unter den deutschen finden sich mehr gelbbraune als dunkelbraune, welch letztere mehr in Tirol vorkommen und dem amerikanischen Zobel oft täuschend ähneln. Die südlicher vorkommenden Edelmarderarten sind heller, blaßgraubraun oder gelbbraun. Der Edelmarder lebt von menschlichen Wohnungen weit entfernt in Wäldern und findet sich um so häufiger, je einsamer, dichter und finsterer sie sind. Er ist ein echtes Baumtier und ein unübertroffener Kletterer, bereitet sich in hohlen Bäumen, Felsspalten, verlassenen Nestern von Wildtauben, Raubvögeln und Eichhörnchen ein weiches Lager aus Moos, das er — denn er besitzt gleichzeitig mehrere Wohnungen — nach Störungen mit einem andern vertauscht. Wo er sich sicher fühlt, geht er schon in den frühen Abendstunden, sonst erst mit Beginn der Nacht auf Raub aus. Vom Rehkälbchen und Hasen bis hinab zur Maus ist kein Säugetier vor ihm sicher, ebenso Wald- und Feldhühner. Geräuschlos schleicht er zu ihrem Lager, mag dieses auf einem Baume oder am Boden sein, überfällt sie plötzlich und würgt sie ab, gierig sich am Blute der zerbissenen Halsschlagader labend. Außerdem plündert er alle Vogelnester aus, raubt den Bienen den Honig und sucht sich an Früchten und Beeren der verschiedensten Art zu laben. Wenn ihm Nahrung im Walde zu mangeln beginnt, wird er dreister und schleicht sich an die menschlichen Wohnungen heran, um den Hühnerställen und den Taubenschlägen einen Besuch abzustatten und darin große Verwüstung unter den Insassen anzurichten. Er würgt nämlich, von Blutgier berauscht, auch dann noch, wenn sein Hunger gestillt ist. Im Januar oder Februar findet die Paarung statt und im April oder Mai wirft das Weibchen in sein Mooslager 3–5 Junge, die 14 Tage lang blind sind, im Alter von 6–8 Wochen jedoch schon selbständig auf den Bäumen herumspringen und von den Alten sorgsam zur Jagd angeleitet werden. Solche Junge lassen sich wie junge Zobel leicht zähmen, während alt eingefangene Individuen ihre Wildheit niemals verlieren. Überall wird der Edelmarder auf das eifrigste verfolgt, weniger um seinem Würgen zu steuern, als vielmehr um sich seines wertvollen Felles zu bemächtigen. Man fängt ihn in Tellereisen und Kastenfallen mit einem Stückchen in ungesalzener Butter mit etwas Zwiebel und Honig gebratenem Brot, das man mit Kampfer bestreut. Am leichtesten erwischt man ihn, wenn man ihn mit einem scharfen Hunde bei Neuschnee bis zu seinem Lager verfolgt und ihn dort schießt oder vom Hunde, gegen den er wütend springt, abwürgen läßt.