Etwas kleiner als der Edelmarder und mit einem weit weniger wertvollen helleren, kürzeren Pelze versehen ist der Stein- oder Hausmarder (Mustela foina), so genannt von seiner Vorliebe für Felsen, Steinhaufen und menschliche Wohnungen, in denen er Mäuse, Ratten, Hühner, Tauben und anderes Geflügel zu erbeuten hofft. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich weiter südlich und weniger nach Norden als dasjenige des vorigen. In Deutschland ist er häufiger als der Edelmarder, den er an Kühnheit übertrifft und dessen Lebensweise sich fast ganz mit der seinigen deckt. Er ist schon aus dem Grunde weit schädlicher als jener, weil er weit öfter Gelegenheit findet, dem Menschen Verluste an seinem Hausgeflügel beizubringen und sein Spalierobst zu brandschatzen. Wie seine Verwandten ist auch er im Vergleich zu seiner Größe ein außerordentlich blutdürstiges Tier, das oft mehr Beute tötet als es fressen kann. Während der Paarungszeit, die Ende Februar, ungefähr drei Wochen später als diejenige des Edelmarders, stattfindet, läßt dieser sonst schweigsame Marder katzenähnliche, schon auf weite Strecken hörbare Rufe vernehmen. In seinem in einer Baumhöhle, einer Felsenspalte oder an einem anderen geschützten Ort aus Heu oder Stroh errichteten Nest wirft das Weibchen 4–5 vierzehn Tage lang blinde Junge, die sich leicht zähmen lassen. Während das Fell des Edelmarders auf 30–100 Mark zu stehen kommt, kostet das des Steinmarders 20–40 Mark. Auch sein Pelz ist um so wertvoller, aus um so nördlicherer Gegend er stammt. So werden die Edel- und Steinmarderfelle Nordeuropas meistens als Zobel verkauft, obschon sie jenen an Wert weit nachstehen, nicht bloß wegen ihrer Farbe und der geringen Haarlänge, sondern auch wegen der verhältnismäßig bedeutenden Länge des von den Grannen kaum verdeckten Wollhaars.

Der nächste mitteleuropäische Verwandte des Iltis ist das Hermelin oder große Wiesel (Mustela erminea), das nördlich von den Pyrenäen und dem Balkan in ganz Europa, ebenso in Mittel- und Nordasien bis zur Ostküste Sibiriens vorkommt. In Deutschland ist es eines der häufigsten Raubtiere, das tagsüber in einem Erdloch oder anderen Schlupfwinkel schläft, um gegen Anbruch der Dämmerung rege zu werden und außer Mäusen, Ratten, Schlangen und Eidechsen, Kaninchen, Tauben, Hühner, Sperlinge, Schwalben, Lerchen und dergleichen aus ihren Nestern zu holen. Meist jagt es paarweise, nicht selten auch zu dreien, zeigt große Behendigkeit, tollkühnen Mut und eine unbändige Mordlust. Im April oder Mai legt das Weibchen in ein verstecktes, weich ausgepolstertes Nest 5–6 und mehr Junge, die es sorgfältig beschützt und großzieht. In allen nördlicheren Gegenden seines Verbreitungsgebietes wird es im Winter bis auf die auch dann schwarzbleibende Schwanzspitze weiß, so bei uns in Deutschland, wie in Skandinavien und dem schottischen Hochland, während es in Nordengland häufig, aber nicht immer, und in Südengland nur selten weiß wird. In die Enge getrieben, strömt es einen höchst unangenehmen, durchdringenden Duft aus, wenn auch weniger stark als der Iltis. Es wird in Fallen aller Art, auch Rattenfallen, in die es zufällig gerät, gefangen. Jung aus dem Nest genommene Hermeline werden sehr zahm, folgen ihrem Herrn wie ein Hund und bereiten ihm viel Vergnügen. Früher war der Hermelinpelz sehr geschätzt und durfte nur von Fürsten getragen werden. Heute tragen ihn oder dessen Imitation auch Bürgersleute; doch ist er gleichwohl im allgemeinen weniger begehrt als einst, da die Krönungsmäntel der Fürsten aus ihm mit den schwarzen Schwanzspitzen wie Flämmchen zwischen dem reinen Weiß bestanden. Die aus nördlicheren Gegenden stammenden Pelze sind gleichfalls besser und deshalb begehrter als die aus südlicheren, die kürzeres, dünneres und weniger reinweißes Haar besitzen. Während noch im Jahre 1833 über 100000 Hermelinfelle nach England kamen, fand man später die Mühe des Sammelns nicht mehr lohnend genug; doch hob sich in letzter Zeit ihr Import infolge der gesteigerten Nachfrage in bedeutendem Maße und ist ihr Preis sehr stark gestiegen.

Weit weniger wertvoll ist der Pelz des kleinsten europäischen Marders, des Wiesels (Mustela vulgaris). Es ist im Norden der ganzen Welt verbreitet und findet sich in geeigneten Gegenden fast überall, indem es in Baumhöhlen, Steinhaufen, altem Gemäuer, unter hohlen Ufern, in Maulwurfsgängen, Hamster- und Rattenlöchern, im Winter in Scheunen, Kellern und Ställen, unter Dachböden usw. Schlupfwinkel vor seinen größeren Feinden sucht. Von dort aus unternimmt dieses kühne und neugierige Tier, wo es ungestört ist selbst bei Tage, wo es aber verfolgt wird bloß bei Nacht oder wenigstens tagsüber nur mit größter Vorsicht, seine Raubzüge, bei denen es alle kleinen Tiere, die es zu überwältigen vermag, abwürgt und frißt. Als geselliglebendes Tier jagt es oft auch gemeinschaftlich, wobei es von den größeren Tieren, die es mordet, nur das Blut leckt. Meist in einer Erdhöhle oder in einem hohlen Baum wirft das Weibchen nach fünfwöchiger Tragzeit 2–3mal im Jahr 5–8 Junge, die es lange säugt und dann noch mehrere Monate mit Mäusen ernährt, die es ihnen lebendig zuträgt. Bei Gefahr verteidigt es dieselben mit größtem Mute und trägt sie bei Beunruhigung im Maul an einen andern Ort. Von Kindheit auf an den Menschen gewöhnt, werden die Wiesel ungemein zahm und können 4–6 Jahre in der Gefangenschaft aushalten. In der Freiheit dürften sie ein Alter von 8–10 Jahren erreichen und machen sich durch die Mäusejagd, zu der sie sich vortrefflich eignen, ungemein nützlich, so daß sie so viel als möglich geschont werden sollten, um so mehr ihr winziges Pelzchen nur geringen Wert hat.

Sehr wertvoll ist der Pelz des früher besprochenen Fischotters (Lutra vulgaris), der 30–50 Mark wert ist und zu Mützen, Kragen und Verbrämungen verwendet wird. Noch beliebter ist er bei den Mongolen, die viel höhere Preise als die Europäer für ihn bezahlen. Am wertvollsten ist aber derjenige des nordamerikanischen Fischotters, der einen Wert bis zu 200 Mark erreicht. Ein Riese von über 1 m Körperlänge und einem Schwanz von 60 cm ist der brasilische Fischotter (Lutra brasiliensis), der ungleich andern Ottern ein ausgesprochenes Tagtier ist. Auch sein Fell steht hoch im Preise. Unvergleichlich kostbarer als dieses ist aber das des Seeotters (Enhydris lutra), der eine Gesamtlänge von 1,5 m bei einer Schwanzlänge von 30 cm und ein Gewicht von 40–50 kg erreicht. Der lange, walzenförmige Körper trägt vorn kurze und hinten längere Füße mit Schwimmhäuten. Das auffallend lose Fell besteht der Hauptsache nach aus dem weichen Wollhaar von dunkelbrauner Farbe, zwischen dem sich die langen, steifen, an der Spitze weißen Grannenhaare nur in geringer Anzahl finden. Sie verleihen aber dem Pelz das prachtvolle, silberschimmernde Aussehen und den herrlichen Glanz. Je gleichmäßiger und dichter die Silberspitzen in dem Pelz verteilt sind, um so kostbarer ist er; davon gibt es einzelne Stücke, die bis 8000 Mark wert sind. Ein gutes Fell bringt schon dem kamtschadalischen Jäger 100 Rubel ein und kostet durchschnittlich 1200–1600 Mark, in tadellosen Stücken in Europa sogar 4000–6000 Mark. Im Frühjahr, vom März bis Mai, ist der Pelz am besten. Daher wird die Jagd auf den Seeotter zu dieser Jahreszeit am eifrigsten betrieben. Und zwar wird dieses Tier entweder in seinem Lager beschlichen und getötet oder vom Boot aus, nachdem man sich leise an dasselbe herangerudert hat, erschlagen, auch durch Schüsse in den Kopf erbeutet. Zu Ende des Winters wird es auf dem Eise auf Schneeschuhen eingeholt und mit einem Stocke totgeschlagen.

Der Seeotter ist ein äußerst scharfsichtiges, kluges und behendes Tier, das sich mit vollendeter Meisterschaft im Wasser bewegt und auch am Lande sehr flink ist. Seine Heimat sind die Gestade des nördlichen Stillen Ozeans. Längs der amerikanischen Küste geht er aber weiter nach Süden als längs der asiatischen, wird aber auch hier dank der eifrig auf ihn betriebenen Jagd immer seltener. Er ernährt sich der Hauptsache nach von Schaltieren und Seeigeln, daneben von Krabben, weniger von Fischen. Das, wie es scheint, zu verschiedenen Jahreszeiten geborene einzige Junge ist erst im vierten oder fünften Jahre ausgewachsen; es läßt sich in der Gefangenschaft nicht aufziehen, da es darin ausnahmslos eines freiwilligen Hungertodes stirbt. Vielleicht weil es da in größerer Menge sein Lieblingsfutter findet, zieht es gewisse Örtlichkeiten anderen vor. So werden mehr als zwei Drittel der an den Küsten von Alaska erbeuteten Seeotter in der Umgebung der Insel Saanach und Chernobours erbeutet. Früher waren sie bei den ostwärts von den Alëuten im Beeringmeer gelegenen Prybiloffinseln so häufig, daß in der ersten Jagdperiode nach der Entdeckung dieser Inseln dort über 5000 Stück erbeutet wurden. Sechs Jahre später war der Seeotter bei den Prybiloffinseln vollständig verschwunden, und auch an fast allen andern Stellen seines Verbreitungsgebietes ist er so selten geworden, daß er, wenn er nicht aussterben soll, schleunigen Schutzes bedarf. Heute werden jährlich höchstens 500 Seeotterfelle auf den Markt gebracht und meist Kragen daraus geschnitten. In China sind solche Seeotterpelze besonders beliebt und reiche Würdenträger lassen sich ganze Mäntel daraus verfertigen, die selbst dort mit 15000–20000 Mark bezahlt werden müssen.

Ungefähr dieselben Breiten wie der Seeotter bewohnt die nordische Bärenrobbe (Otaria ursina), eine in den männlichen Exemplaren bis 2,4 m lange und 400 kg schwere Pelzrobbe mit einem Gürtelumfang von 1,8–2,1 m. Während diese ihre volle Größe etwa im sechsten Jahre erreichen, tun dies die viel kleineren Weibchen schon im fünften Jahre. Sie werden nur 1,2 m lang, 40–50 kg schwer und erhalten einen Gürtelumfang von 76 cm. In der Jugend sind sie glänzend schwarz, später die Männchen an den oberen Teilen mit Ausnahme der Schultern beinahe schwarz mit einer mehr oder weniger starken, bald mehr grauen, bald mehr rötlichen Bereifung, auf den Schultern grau, am Gesicht bräunlich, an der Brust bräunlich orangefarben und an Bauch und Beinen rötlichbraun. Die Weibchen dagegen tragen ein viel helleres Gewand, das oben ziemlich einförmig grau, unten dagegen bräunlich oder roströtlich ist. Die Bärenrobbe kam früher an der amerikanischen Seite des Stillen Ozeans südwärts bis nach Kalifornien vor, an der asiatischen bis zum Südende der Insel Sachalin. Heute besucht sie zur Fortpflanzung vor allem die beiden Inseln St. Paul und St. Georg der Prybiloffgruppe. Das Klima dieser hochnordischen Inseln ist sehr unwirtlich; selbst im kurzen Sommer bedeckt fast immer Nebel das Land, der Regen setzt fast keinen Tag aus und im Winter liegt alles unter Eis und Schnee begraben. Auf diesen vollständig öden und vom Menschen nicht bewohnten Inseln erscheinen im Mai nach der Schneeschmelze zuerst die erwachsenen Männchen der sonst im offenen Meer von Fischen lebenden Bärenrobbe. Sie sind sehr scheu und halten sich zunächst immer dicht am Ufer auf, später suchen sie sich mehr landeinwärts Standplätze auf, an denen im Juni noch weitere Männchen zu ihnen stoßen, mit denen sie oft grimmige Kämpfe ausfechten, um ihren jeweiligen Standort zu behaupten. Von den fortwährenden Kämpfen mit den Nebenbuhlern erschöpft und verdrängt müssen viele der ersten Ankömmlinge sich weiter landeinwärts einen neuen Standplatz suchen; manche derselben gehen an den mit den scharfen Eckzähnen erzeugten schweren Wunden zugrunde. Ein laut dröhnendes Gebrüll, das selbst das Donnern der Brandung übertönt, wird von den im ununterbrochenen Kampfe befindlichen Männchen ausgestoßen. Zu den Kämpfen um den Platz treten nach Ankunft der Weibchen Mitte Juni die um deren Besitz, die mit voller Wut während der ganzen Paarungszeit fortgesetzt werden. Kein Wunder, daß die Männchen Mitte Juli, wenn die letzten Weibchen ankommen, schon völlig erschöpft sind. Schließlich haben aber die meisten Weibchen bekommen, deren Zahl je nach der Stärke der Männchen und der Lage der von ihnen eingenommenen Plätze verschieden ist. Bei einem durch die günstige Lage seines nur mit einem Zugangsloch versehenen Platzes begünstigten alten Männchen hat man über 45 Weibchen beobachtet; die in der Nachbarschaft des Ufers festgesetzten Männchen haben durchschnittlich 12–15, die weiter ins Land zurückgedrängten nur 5–9 Weibchen und manche der am weitesten landeinwärts verdrängten Männchen erlangen überhaupt keine. Indessen können etliche von den bis fast an den Schluß der Paarungszeit unbeweibten Männchen die Stelle der inzwischen infolge Erschöpfung abgezogenen Nebenbuhler einnehmen. Während der ganzen Paarungszeit, die bis in den August hinein andauert, können die ihren Platz zu behaupten wünschenden Männchen denselben auch nicht einen Augenblick verlassen und fasten wenigstens drei, manchmal auch vier Monate hindurch. Dabei leben sie von dem vorher reichlich angesammelten Speck.

Die Weibchen der Bärenrobbe sind sehr sanftmütige Geschöpfe, die niemals einen Streit miteinander haben und selten einen Schrei ausstoßen, auch wenn sie von den Männchen roh behandelt oder gar mit den Hauern schwer verwundet werden. Nur wenn sie ihr Junges geworfen haben, blöken sie, um es an sich zu locken. Gleich bei ihrer Ankunft werden sie von den dem Ufer nächsten Männchen mit aller Aufmerksamkeit empfangen, wechseln aber in der Folge oft ihren Besitzer, indem sie immer weiter nach dem Innern drängen, wo sie unter sorgfältiger Vermeidung von Plätzen mit Wassertümpeln Herden bilden. Hier werfen sie bald nach ihrer Ankunft je ein Junges, das sie immer wieder nach ihren Exkursionen zum Fressen ins Meer aufsuchen, um es zu stillen. Mit dem Größerwerden desselben bleibt die inzwischen aufs neue befruchtete Mutter immer länger aus. Anfangs August versuchen sich die dem Ufer nächsten Jungen im Schwimmen. Wenn auch die ersten Schwimmübungen sehr unbeholfen ausfallen und bald eingestellt werden, so bilden sie sich bald zu geschickten Schwimmern aus, die von Ende September in größeren Gesellschaften das Meer nach Beute durchsuchen. Ende Oktober verlassen sie mit den Müttern und älteren Geschwistern die Inseln, um sich mit Eintritt des Winters nach dem wärmeren Süden zu begeben.

Tafel 67.

(Copyright M. Koch, Berlin.)