Nicht minder berühmt als der Jardin des plantes in Paris war die kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn, die 1742 durch Kaiser Franz I. und Maria Theresia gegründet worden war und die Bestände der älteren kaiserlichen Menagerien in sich aufgenommen hatte. Es waren dies die Menagerie von Ebersdorf (um 1552 gegründet), von Neugebäu und die vom Prinzen Eugen angelegte Menagerie im Belvedere. Zur Bereicherung der Schönbrunner Menagerie wurden auf Geheiß Kaiser Josefs II. zwei große Expeditionen unternommen, die erste von 1783–1785 nach Nordamerika und Westindien, die zweite von 1787 bis 1788 nach Südafrika, Isle de France (Mauritius) und Bourbon.
Der erste wissenschaftlich geleitete zoologische Garten in England war ein Privatunternehmen des Earl of Derby in Knowsley bei Liverpool. Nach dem Tode seines Eigentümers ging der sehr bedeutende Tierbestand in den Besitz der 1828 gegründeten Zoological Society über, die 1829 in Regent’s Park einen zoologischen Garten anlegte. Schon 1830 enthielt der Garten über 1000 Tierarten. 1852 wurde mit dem Bau von geräumigen Aquarien begonnen. Dieser Londoner zoologische Garten wurde das Vorbild für die meisten Institute dieser Art, die auf dem Kontinent in rascher Folge ins Leben gerufen wurden und deren bedeutendsten die Gärten von Amsterdam (1838), Antwerpen (1843), Berlin (1844), Brüssel (1851), Rotterdam (1857), Frankfurt a. M. (1858), Kopenhagen (1858), Köln (1860), Dresden (1861), Haag (1863), Hamburg (1863), Moskau (1864), Breslau und Hannover (beide 1865) sind.
Durch diese und zahlreiche andere seither eröffnete zoologische Gärten wurden die wandernden Menagerien und Tierbuden unserer Jahrmärkte, die bis dahin ausschließlich der Aufklärung des großen Publikums gedient hatten, stark in den Hintergrund gedrängt. Früher dienten dressierte Affen und Tanzbären auf den Jahrmärkten zur Befriedigung der Sensationslust des Volkes. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts kamen von größeren ausländischen Säugetieren nur der indische Elefant und das indische Nashorn nach Mitteleuropa. Ersterer wurde zuerst 1443 auf der Messe in Frankfurt a. M., dann 1562 auf der Breslauer Johannismesse und 1607 in Hamburg, letzteres 1741 zuerst in Holland gezeigt. Es war ein bei seiner Ankunft drei Jahre altes Tier, das auf den Ankündigungen ausdrücklich als der Behemoth der Bibel (Hiob 40, tatsächlich aber war dies ein Flußpferd) und das Einhorn des Mittelalters bezeichnet und erregte ungeheueres Aufsehen. Auf der Ostermesse 1747 erschien es in Leipzig, wo ihm Gellert in dem Gedichte:
„Um das Rhinozeros zu sehen,
Erzählte mir mein Freund,
Beschloß ich auszugehen“ usw.
ein literarisches Denkmal errichtete. Im Herbste desselben Jahres kam es nach Nürnberg, im Frühling 1748 nach Augsburg, wo es Joh. Ridinger sehr gut abzeichnete und radierte.
Auffallend spät erschienen Kamele in Deutschland. Die erste auf uns gekommene Nachricht, die sich auf ein solches Tier bezieht, datiert aus dem Jahre 1487. Erst als es der Großherzog Ferdinand II. von Toskana 1622 auf seinem Landgute San Rossore bei Pisa zu Zuchtzwecken einführte, wurden alle Tierbuden und Tiergärten damit versorgt. Um dieses Tier, das beständig mit dem zweihöckerigen Trampeltier verwechselt wurde, wand sich wie um die vorigen ein ganzer Kranz von Fabeln. Am meisten wurde von unseren trinkfesten Vorfahren die Tatsache angestaunt, „daß der Romdarius auch zu Sommerszeiten 3 Monate ohne Sauffen leben kann“.
Von den übrigen, wohl in jeder größeren Menagerie vorhandenen Tieren ist das Lama außer in Spanien, wo es bald nach der Eroberung Perus durch Pizzaro gezeigt wurde, zuerst 1558 in Antwerpen zur Schau gestellt worden, das Krokodil 1566 in Nürnberg, der Elch 1586 ebenfalls in Nürnberg, das Stachelschwein, das seine totbringenden Stacheln auf den Gegner schießen sollte, 1627, der indische „Riesenbüffel“ 1745, der afrikanische Strauß schon 1450 auf der Frankfurter Messe, das Zebra um 1670, der Eisbär 1754 als „crulanischer (wahrscheinlich grönländischer) Meer-Löwe oder weißer Walfisch-Bär“. Verhältnismäßig spät und selten — wohl weil ihre Ernährung mit frischem Fleisch sehr kostspielig war — waren große Raubtiere zu sehen, so 1584 in Nürnberg ein Löwe, 1611 ein Löwe und ein Tiger. Um so beliebter und verbreiteter waren seit dem Ende des 18. Jahrhunderts auf allen deutschen Jahrmärkten verschiedene Robben, besonders deren kleinster Vertreter, der Seehund als angeblich „menschenfressendes Ungeheuer“ zu sehen. Auch größere Affen wurden damals als Satyre oder wilde Männer bei uns gezeigt.