Dem alten Torfhund oder Pfahlbauspitz stehen auch die nordasiatischen Spitzhunde sehr nahe, der graue mit Schwarz gemischte Tungusenspitz, der weißlichgraue Samojedenspitz und die als einziges, für sie höchst wichtiges, ja geradezu unentbehrliches Haustier gehaltenen spitzartigen Hunde der zirkumpolaren Völker, die man in ihrer Gesamtheit als Eskimohunde bezeichnet. Es sind dies keine reinen Schakalabkömmlinge mehr, sondern vielfach Kreuzungsprodukte derselben mit dem arktischen Wolf. Peary bezeichnet sie als derbe, prächtige Tiere, ohne deren Mithilfe er niemals den Nordpol erreicht hätte. „Es mag größere Hunde geben als sie und hübschere. Andere Hunde mögen auch ebensogut arbeiten oder ebenso schnell und weit laufen, wenn sie gut gefüttert sind, aber es gibt keinen Hund in der Welt, der so lange in niedrigsten Temperaturen ohne Nahrung arbeiten kann. Die männlichen Hunde wiegen durchschnittlich 34 bis 45 kg, die weiblichen sind etwas leichter. Ihre besonderen Merkmale sind: spitze Schnauze, große Breite zwischen den Augen, scharf gespitzte Ohren, sehr dickes, pelziges Fell, kräftige, stark muskulöse Beine und buschiger Schwanz, der Rute des Fuchses sehr ähnlich. Es gibt nur eine Rasse von Eskimohunden, aber sie sind verschieden gezeichnet, schwarz, weiß, grau, gelb, braun und gesprenkelt. Trotzdem sie von den armen Eingeborenen sehr vernachlässigt und außerordentlich schlecht gehalten werden, sind sie ihren Herren gehorsam wie unsere Hunde zu Hause. Ihre Nahrung ist Fleisch und nur Fleisch. Von anderer Nahrung können sie nicht leben. Statt Wasser zu saufen, fressen sie Schnee. Sie bleiben im Freien, gleichgültig welche Jahreszeit es ist. Sommer wie Winter werden sie beim Zelt oder dem Iglu (der Schneehütte) irgendwo angebunden. Frei herumstreifen dürfen sie nicht, damit sie nicht fortlaufen. Manchmal wird ein besonderer Liebling oder eine Hündin, die Junge hat, zeitweise in das Iglu genommen. Sind die Kleinen aber nur einen Monat alt, so sind sie schon so hart, daß sie dem strengen Winterwetter standhalten können.“

Diese Hunde, die eine Schulterhöhe von 50–60 cm aufweisen, sind den nordischen Völkern als Lasttiere und zum Schlittenziehen durchaus unentbehrlich. Mit einer Last von 10–15 kg beladen, begleiten sie ihre Herren, wenn diese zu ihren langdauernden Jagdzügen aufbrechen. Zu 6, 8 oder 10 Stück vermittelst eines an einen höchst einfachen Kumt befestigten und zwischen den Hinterbeinen durchgezogenen Riemens werden sie an leichte, niedere Schlitten gespannt, welche 300–400 kg zu tragen vermögen, und durchlaufen mit ihnen unter günstigen Umständen bis 50, und bei leichter Last bis 80 km im Tag. Spüren sie unterwegs ein Wild auf, so rennen sie ihm, ausgehungert wie sie sind, rasend nach, verwirren dabei oder bei gelegentlichen Beißereien ihre Riemen, so daß auch die mit Macht geschwungene Peitsche des Schlittenführers keine Ordnung mehr in den Haufen zu bringen vermag. Es bleibt nichts anderes übrig, als das zu einem undurchdringlichen Knäuel gewordene Gespann, in welchem alles knurrt, bellt, beißt und durcheinander wütet, nach Möglichkeit zum Halten zu bringen, die Tiere aus der Verschlingung zu lösen und von neuem einzuspannen. Natürlich kann bei solch ungestümer Fahrt von einer Lenkung des Schlittens nach unseren Begriffen von seiten des Menschen keine Rede sein. So gut es eben geht, weist man den Leithunden durch Peitschenhiebe den Weg, den sie nicht gehen sollen.

Diese genügsamen, abgehärteten Schlittenhunde sind nicht nur den grönländischen Eskimos und den kanadischen Pelzjägern, sondern auch allen nordasiatischen Volksstämmen als Zugtiere völlig unentbehrlich. Tungusen, Samojeden, Tschuktschen, Kamdschadalen und wie sie sonst heißen mögen, fallen geradezu in Hungersnot, wenn ihnen ihre Hunde durch eine Seuche hinweggerafft werden, weil sie ohne diese sich weder das nötige Brennholz verschaffen, noch dem sie ausschließlich ernährenden Fischfang und der Jagd, auch der für sie höchst wichtigen Pelzjagd, genügend obliegen können. Über die Hunde, die einzigen Haustiere der Kamtschadalen, schreibt der alte Steller: „Ohne diese Hunde kann jemand hier so wenig leben wie an andern Orten ohne Pferd und Rindvieh. Die kamtschatkischen Hunde sind verschiedenfarbig, hauptsächlich aber dreierlei: weiß, schwarz und wolfsgrau, dabei sehr dicht- und langhaarig. Sie ernähren sich von alten Fischen. Vom Frühjahr bis in den späten Herbst bekümmert man sich nicht im geringsten um sie, sondern sie gehen allenthalben frei herum, lauern den ganzen Tag an den Flüssen auf Fische, welche sie sehr behende und artig zu fangen wissen. Wenn sie Fische genug haben, so fressen sie, wie die Bären, nur allein den Kopf davon; das andere lassen sie liegen. Im Oktober sammelt jeder seine Hunde und bindet sie an den Pfeilern der Wohnung an. Dann läßt man sie weidlich hungern, damit sie sich des Fettes entledigen, zum Laufen geschickt und nicht engbrüstig werden mögen, und alsdann geht mit dem ersten Schnee ihre Not an, so daß man sie Tag und Nacht mit gräßlichem Geheul und Wehklagen ihr Elend bejammern hört. Ihre Kost im Winter ist zweifach. Zur Ergötzung und Stärkung dienen stinkende Fische, welche man in Gruben verwahrt und versäuern läßt. Das andere Futter besteht in trockenen Speisen von verschimmelten und an der Luft getrockneten Fischen. Damit füttert man sie des Morgens, um ihnen unterwegs Mut zu machen.

Man kann sich nicht genug über die Stärke der Hunde verwundern. Gewöhnlich spannt man nur vier an einen Schlitten; diese ziehen drei erwachsene Menschen mit 11⁄2 Pud (24,5 kg) Ladung behende fort. Auf vier Hunde ist die gewöhnliche Ladung 5–6 Pud (82–98 kg). Ungeachtet nun die Reise mit Hunden sehr beschwerlich und gefährlich ist, und man fast mehr entkräftet wird, als wenn man zu Fuß ginge, und man bei dem Hundeführen und Fahren so müd wie ein Hund selber wird, so hat man doch dabei diesen Vorteil, daß man über die unwegsamsten Stellen damit von einem Ort zum andern kommen kann, wohin man weder mit Pferden, noch, wegen des tiefen Schnees, sonst zu Fuß kommen könnte.

Der andere Hauptnutzen der Hunde, weshalb sie auch häufig gehalten werden, ist, daß man sowohl den abgelebten Schlittenhunden als den zur Fahrt untauglichen die Häute abnimmt und zweierlei Kleider daraus macht, welche in dem ganzen Lande von großem Nutzen und von großem Werte sind.“

Eine ähnliche Lebensweise wie diese kamtschadalischen und überhaupt nordasiatischen Hunde führen diejenigen Islands, die dort in übergroßer Zahl (auf fünf Menschen drei Hunde!) untätig herumlungern, zu gewissen Jahreszeiten aber beim Trieb der Schaf- und Pferdeherden doch wesentliche Dienste leisten. Verwandt damit ist auch der Spitz der skandinavischen Lappen und westrussischen Finnen, der sogenannte Elchhund, und der russisch-sibirische Laika, d. h. Beller, die beide, ähnlich wie unsere Bracken, zum Aufstöbern und Treiben des Wildes dienen.

Ein etwas veränderter, vor allem durch bessere Ernährung kräftiger gewordener Abkömmling des alten Torfhundes der neolithischen Mitteleuropäer, der noch zur Römerzeit am Rhein und in Helvetien (so in Vindonissa) lebte, ist unser einheimischer Spitz, dessen etwas grobes Fell weiß, grau, schakalfarbig, gelb oder ganz schwarz ist. Dank seiner außerordentlichen Wachsamkeit, die kein Geräusch und keine fremde Erscheinung unbeachtet läßt, ist er der Haus- und Wachthund in des Wortes eigentlichster Bedeutung. Tag und Nacht hütet er mit derselben Aufmerksamkeit den Hof oder das Fuhrwerk seines Herrn, das er nie verläßt, um sich wie andere Hunde gerne herumzutreiben. Mit wütendem Gekläff und seine scharfen Zähne weisend empfängt er jeden Fremdling, der ihm verdächtig erscheint. Als die beste Rasse gilt der Pommer, weil er bei unwandelbarer Treue und Anhänglichkeit besonders aufmerksam und lebhaft ist, dabei weder Regen, noch Kälte scheut, ja gewöhnlich im Hause oder Hofe dort am liebsten zu liegen pflegt, wo der Wind am stärksten pfeift. Nur als Kettenhunde taugen die Spitze infolge ihres großen Dranges zur Freiheit nicht. Unter ihnen gibt es auch Zwergformen, die besonders in England als Schoßhündchen der Modedamen sehr beliebt sind und bei einem Gewicht von nur 1,26 kg bis 1800 Mark kosten.

Ein noch weitergehend veränderter Abkömmling des Torfhundes ist der dem Spitz an Wachsamkeit und Mut kaum nachgebende Pinscher, ein höchst munteres, kluges und jagdfreudiges Tier, dessen besondere Liebhaberei es ist, Mäusen, Ratten und Erde aufwühlenden Maulwürfen nachzuspüren und sie zu verfolgen. Die Mäuse und Ratten frißt er bis zu seiner Sättigung, die übrigen wirft er weg; die Maulwürfe dagegen frißt er nicht, sondern begräbt sie. Wie der Spitz zum ländlichen Gehöft gehört, pflegt der Pinscher im bürgerlichen Wohnhaus gehalten zu werden, obschon er wegen seiner steten Unruhe dem Herrn oft mehr Verdruß als Freude macht. Aus diesem Grunde eignet er sich mehr für Leute, welche reiten oder mit schnellen Pferden fahren; denn am allerliebsten begleitet der Pinscher seinen Herrn, wenn er tüchtig rennen und laufen muß. Doch selbst bei den schnellsten Ritten hat er immer noch Zeit, bald hier, bald dort ein Mauseloch zu untersuchen oder einen Maulwurf beim Auswerfen seiner Haufen zu stören. Die Nase hoch gegen den Wind getragen, späht er nach allen Seiten hin, und wo etwas raschelt, naht er sich vorsichtig und leise, um Beute zu machen. In England wird er mit Vorliebe zur Abhaltung von Rattenjagden benutzt, wobei es allerdings ohne oft recht hohe Wetten der Teilnehmer nicht abgeht. Auch von ihm gibt es Zwergformen, häßliche, aber muntere und unterhaltende Tiere, die höchst zutraulich und anhänglich an ihre Herrn sind und gleichfalls zur Rattenjagd, außerdem auch zur Kaninchen- oder Wachteljagd verwendet werden.

Der heute beliebteste Abkömmling des Pinscherstammes ist der durch die Engländer überall eingeführte und populär gewordene Foxterrier, der jetzt auch in Deutschland überall angetroffen wird. Übersprudelnd von Temperament, ist er von einer Beiß- und Rauflust ohnegleichen, die sich in Ermangelung von Besserem an Teppichen, Gardinen, Tischdecken und Möbelüberzügen Luft macht. Wie von der deutschen Jägerei der Dachshund, wurde er von der englischen zum Aufsuchen von Fuchs und Dachs in ihren Erdbauen verwendet. Terrier, altenglisch terrar, heißt so viel wie Erdhund. Für die Arbeit in der Erde wurde auch diese kurzhaarige Pinscherart gezüchtet und besaß schon vor einigen Jahrhunderten einen gewissen Ruf. Als dann die Fuchsjagd zum reinen Sport der Vornehmen wurde, sanken diese in der Erde wühlenden Hunde zu nebensächlichen Handlangern für diese herab, die den unterirdisch verschlieften Fuchs wieder hervorzutreiben hatten. Von diesen Terriers wurde zuerst der Name Foxterrier gebraucht und dann in der Folge auf die ganze Sippe übertragen.