Als eigentliches Haustier tritt uns der Hund in Europa zuerst bei den neolithischen Pfahlbauern entgegen, und zwar zunächst nur in einer einzigen, aber weit verbreiteten Form. Es ist dies der Torfhund (Canis familiaris palustris), so bezeichnet, weil man seine Knochen mit der übrigen Hinterlassenschaft dieser neolithischen Volksstämme von den Humussäuren der Moorerde durchtränkt und so aufs beste konserviert in den heute meist vertorften ehemaligen Seegründen findet. Dieses Tier, das uns bereits, wenn auch mehr als gelittener Kommensale oder Tischgenosse, denn als eigentlicher Freund und Begleiter der ältesten Neolithiker der Kjökkenmöddingszeit in den Ufergebieten an der Ost- und Nordsee entgegentritt, war ziemlich klein, bot das Aussehen eines Spitzes mit kurzen, aber kräftigen Beinen und langem, jedenfalls buschig behaartem Schweif. Der zwischen 13 und 15 cm Länge schwankende Schädel zeigt eine gefällige Rundung der Gehirnkapsel, deren Kämme nur schwach entwickelt sind, außerdem eine relativ starke Bezahnung und ein auffallend enges Nasenrohr, wie solches dem Schakal eigentümlich ist. Diese Tatsache in Verbindung mit der andern, daß die Pfahlbauspitze in den Niederlassungen der älteren Steinzeit durch ganz Europa hindurch eine auffallende Einförmigkeit aufweisen, deutet mit Sicherheit darauf hin, daß der in Westasien heimische kaukasische Schakal die Ursprungsform dieses ältesten Haushundes war.
Bild 1. Als Amulett getragener, und deshalb zum Aufhängenkönnen an der Wurzel durchbohrter Eckzahn eines Hundes aus dem Pfahlbau von Wangen am Bodensee (2⁄3 nat. Größe).
Diesem altertümlichen Torfhund der ältesten Neolithiker Europas am nächsten steht von noch heute gehaltenen Hunden der im Mittel 40 cm große, gelbweiß, gelbrot bis graubraun gefärbte, kurzhaarige, nur bellende und nicht beißende Battahund, der uns durch die Schilderungen des Baslers Max Siber zuerst eingehender bekannt wurde. Die Battas sind durch die Malaien von den Küsten verdrängte, ab und zu noch Menschenfraß ausübende, auch am Lande in richtigen Pfahlhäusern wohnende Stämme, die außer gute Jäger und namentlich Fallen- und Schlingensteller auch bereits erfahrene Viehzüchter und leidliche Hackbauern sind, ganz so wie die Pfahlbauern Mitteleuropas in neolithischer Zeit. Mitten zwischen den schwarzen Schweinen, Ziegen, Büffeln, Hühnern und Menschen lebt in deren mit Palisaden umgebenen Ansiedlungen, Kampongs genannt, der kleine Battahund, der durch und durch Haushund ist und das Vorrecht genießt, als einziges Tier mit dem Menschen zusammen in den Hütten selbst zu übernachten. Der vorgenannte Basler schreibt über den kleinen Spitzhund der Battas, er genieße zwar von seiten seines Herrn wenig Freundlichkeit, habe jedoch von allen in Kampong friedlich nebeneinander hausenden Tieren das Vorrecht, in den Räumen der hohen Pfahlbauhäuser neben seinem Herrn zu wohnen. „Er gehört wie die Hühner, Ziegen und Schweine zum Departement der Frau, der er auch anhänglicher ist als dem Manne und an die man sich auch wenden muß, wenn man einen der Hunde erwerben oder zu Eßzwecken präparieren lassen will. Die Dienste des Hundes sind mannigfach, sein vornehmster ist der als Wachhund. In dieser Hinsicht ist der immer wache, scharf hörende Spitz den Battas bei ihren unaufhörlichen Fehden und den dabei häufigen nächtlichen Überfällen der Kampongs von unerhörtem Wert. Manch Battamädchen, manche Battafrau wurde durch des Hundes rechtzeitig erschallendes heftiges Gebell vor der Gefangenschaft und dem damit verbundenen Verkauf in die Sklaverei gerettet, mancher Krieger entrann dadurch dem Tod oder der Gefangennahme, die mit dem eventuellen Schicksal verbunden ist, gemästet und aufgefressen zu werden. Ferner leistet er leidliche Dienste als Jagdhund, indem er teils in Meuten als Treibhund, teils als Leithund zur Bestätigung des Hirsches und zum darauf folgenden Treiben desselben in angelegte Schlingen und Netze benutzt wird. Ferner ist er von großem Wert für die hühnerzüchtende Battafrau, da er Tag und Nacht um die Reisfeldhäuser, bei denen die Mehrzahl der Hühner gehalten wird, herumlungernd einen guten Schutz gegen den Hühnerräuber ‚Mussang‘ (eine Art Zibetkatze) und die im Battaland allerdings seltenen Leguane bildet. Doch, last not least, ist seiner auch als Nahrungsmittel zu gedenken, indem er an gewissen Orten geradezu für Speisezwecke gezogen wird. Er bildet nicht nur ein gesundes, wohlschmeckendes Nahrungsmittel, das im fleischarmen Lande nicht zu unterschätzen ist, sondern auch eine gewisse Erwerbsquelle für den Züchter, da junge Hunde im Preise ebenso hoch stehen wie Hühner, bald erwachsen aber bedeutend teurer sind als solche. Auf der Speisekarte der Battas figuriert nach den Angaben eines Raiafürsten der Hund an dritter Stelle. Am wenigsten geschätzt ist Huhn, mehr Hirsch, dann Hund, dann Babi oder Schweinebraten, als allerbestes aber gilt Menschenfleisch, vertraute mir der alte Sünder mit schmunzelndem Gesicht.“
Sieber ließ sich wiederholt Hundebraten in einheimischer Zubereitung servieren und fand es in der Mitte stehend zwischen Hühner- und Kalbfleisch; es sei weiß und saftig, ohne fett zu sein. Auch die Battahunde fressen gerne davon, während europäische Hunde sich mit allen Zeichen des Abscheus von solchem Fraße abwenden. Entsetzt schrecken diese Spitzhunde vor dem Europäer zurück und weichen heulend seiner Fährte aus. „Wo nicht eigentliche Fütterung mit Reis, Mais, Gemüse, Früchten oder Fleischabfällen stattfindet, nährt sich der Battahund von den Abfällen der kargen Mahlzeit der Frau, aber auch von den Käfern, Schnecken, Mäusen und sonstigen kleinen Tieren, die er unterwegs fängt, sowie von den Brocken und Knochen, die ihm bei der Mahlzeit der Männer zugeworfen werden, ja selbst von Exkrementen. Wo viele Hunde sind, da hat er schlechte Zeiten, denn seine Herren haben gewöhnlich auch nicht viel; wo wenige gehalten werden, gedeiht er gut, wird dick und groß, bekommt ein prächtig glänzendes Fell und einen munteren Charakter.“
„Wie bereits gesagt, gehört der Hund zum Departement der Frau. Wenn er nicht dazu bestimmt ist, in deren Abwesenheit das Haus zu hüten, so ist er ihr ständiger Begleiter auf Schritt und Tritt. Morgens früh, vor Tagesanbruch, sitzt er schon neben der armen Frau, die den Männern den Reis stampfen muß, auf dem erhöhten Gestell, auf dem sie dieses Geschäft ausführt, sorgsam jedes Körnchen aufschnappend, das nebenaus fällt, und in der ausgeschütteten Spreu nach solchen Körnern suchend, hier wie überall erbitterte Gefechte mit den frechen Hühnern führend, die ihm den Reis unter der Nase wegzustehlen suchen. Er begleitet die Frau zum Bade, getreulich am Ufer bei den Kleidern bleibend, während die Frau (Herrin kann man nicht sagen, denn solch ein armes Battaweib hat in keiner Beziehung etwas von einer Herrin) sich im Flusse kühlt. Im Kampong des Battafürsten von Bander passierten, während wir eben im sogenannten Rathaus, dessen Veranda nach dem Weiberbadeplatz schaut, mit dem Häuptling unterhandelten, an 30 seiner Nebenweiber, meist Kriegsgefangene oder durch Schulden in Sklaverei geratene Mädchen, vorbei, um nach dem Ablegen aller Kleider im nahen Fluß zu baden. Jede war begleitet von einem oder mehreren ihrer Hunde, die sich am Ufer in langer Reihe neben die Kleider (Sarongs) der Weiber setzten, um diese zu bewachen, bis jene das Bad wieder verließen.
Ebenso begleitet der Hund die Frau zur Arbeit in den Ladang (das Haus, in welchem die Bewohner der kleinen, mitten im Tschungel geöffneten Kulturfläche bis zur Ernte hausen) und ins Reisfeld, durch rechtzeitiges Bellen sie auf die Annäherung jedes Fremden aufmerksam machend.“
Die Battawohnungen sind 2–5 m über dem Boden errichtet; zu ihnen führen sehr steil gestellte Leitern mit 40–60 cm auseinander stehenden Sprossen. Diese lernen die Hunde erklettern, um in die Wohnungen zu gelangen, in denen sie sich mit Vorliebe aufhalten. Die jungen Hunde legen sich mit Vorliebe in die heiße Asche und weisen von dieser ihrer Gewohnheit sehr häufig versengte Haare und größere Brandwunden auf.
Kräftiger als dieser Spitz der Battas auf Sumatra, auf dessen Lebensweise wir näher eingingen, weil er uns wichtige Fingerzeige für diejenige des Spitzhundes der ältesten Pfahlbauern in Mitteleuropa gibt, ist der ostasiatische Tschau — besser Kau ausgesprochen —, der Lieblingshund der Chinesen, der ebenfalls zu Nahrungszwecken gehalten und gemästet wird. Dieses schwarz bis rotbraun gefärbte Tier mit kurzer, dichter Behaarung hat einen langgestreckten Körper auf ziemlich kurzen Beinen, eine plumpe, dicke Schnauze und aufrecht stehende Ohren. Eine Abart desselben von geringer Größe und mit kurzen Beinen ist der als Luxushund in China und Japan gehaltene zierliche Dschin. Seine seidenartige lange Behaarung ist schwarz mit Weiß untermischt. Er ist als eine hochgezüchtete Mopsform des Spitzes aufzufassen, an dessen Schädel die Nasenwurzel eingeknickt und die Kiefer so nach oben verschoben sind, daß die oberen Schneidezähne fast horizontal stehen und die Nasenöffnung nach oben zu liegt. Dieser in seiner Heimat hochgeschätzte Luxushund ist bei uns nicht leicht fortzubringen, da es ihm in Mitteleuropa zu kalt ist.