Diese kurze Behaarung, die in unserem kühlen Klima leicht Veranlassung zum Frieren gibt, deutet auf die Herkunft der Windhunde aus dem Süden, und zwar weist das unruhige, ungemein bewegliche Wesen und das leichte Orientierungsvermögen, das ihnen eigentümlich ist, wie auch der schlanke Bau mit der stark entwickelten Brust mit geräumigen Lungen auf die tropische Steppe als ursprünglichem Wohngebiet dieser Tiere. Dort sind ja auch die ähnlich gebauten Antilopen zu Hause.

Bild 2. Darstellungen verschiedener Hunderassen auf altägyptischen Denkmälern.
(Nach den Wandmalereien zusammengestellt von Wilkinson.)

2 u. 6 Jagdhunde mit Hängeohren als Beweis einer weitgehenden Einwirkung der Domestikation, 3 Weibchen einer dachshundartigen Rasse, 1, 4, 5 u. 7 Windhunde.

In Europa erscheinen die dieser Rasse angehörenden zahmen Hunde spät. Noch zur Bronzezeit fehlten sie hier gänzlich. Auch in Asien vermissen wir sie in den ältesten für uns nachweisbaren Kulturperioden, so auch in der altbabylonischen Zeit. Im alten Ägypten dagegen finden wir schon zur Zeit der 4. Dynastie (2930–2750 v. Chr.) neben dem auch hier die ursprünglich verbreitete Hunderasse darstellenden Torfhund, dem Spitz von Schakalabstammung, einen hochbeinigen, glatthaarigen, stehohrigen Windhund auf den alten Grabdenkmälern abgebildet. Die aufrechtstehenden Ohren weisen darauf hin, daß die Domestikation noch nicht allzusehr auf ihn eingewirkt hatte. Zuerst vermutete der Pariser Zoologe Geoffroy St. Hilaire und nach ihm der Züricher Konrad Keller, daß der langbeinige, spitzschnauzige abessinische Wolf (Canis simensis) der Stammvater des altägyptischen Windhundes sei. Er sei schon zu Ende des 4. vorchristlichen Jahrtausends irgendwo in Nubien gezähmt und zum Haustier erhoben worden. Dem entgegen machen die meisten Autoren geltend, daß die Windhunde, die uns allerdings in Ägypten zuerst entgegentreten, nicht einheitlichen Stammes sein können, daß die größeren und kleineren Formen verschiedenen Ursprungs seien. Letztere stammen zweifellos aus dem Niltal; doch meint neuerdings M. Hilzheimer, daß nicht der abessinische Wolf, sondern eine auffallend schlanke Schakalart, Canis lupaster, der Ausgangspunkt dieser Rasse sei. Dieser Schakal sei dem schakalköpfig dargestellten altägyptischen Gotte Anubis, dem Geleiter und Schützer der Toten, heilig gewesen, und man habe in Assiut Schädel bei Hundemumien gefunden, die denjenigen dieses schlanken Schakals außerordentlich ähneln. Diese aus Nubien stammenden kleineren Windhunde der Ägypter werden auf den Grabdenkmälern mit dünnem, teilweise geringeltem Schwanze abgebildet. Sie wurden dann durch die Phönikier nach Syrien gebracht und gelangten von da wohl über Kleinasien zu den Griechen, dann auch nach Mittelitalien zu den Etruskern und später durch die Römer in die Länder nördlich der Alpen.

Die größeren Windhunde dagegen führt M. Hilzheimer auf einen im Nordwesten des Schwarzen Meeres heimischen hochgestellten Steppenwolf zurück, der vom Menschen gezähmt und zu seinem Jagdgehilfen erhoben wurde. Noch heute ist er als solcher für die Jagd in der Steppe unentbehrlich. Auf diesen Wolf sei der als Barsoi bezeichnete langhaarige russische Windhund, wie auch die gleichfalls für die Jagd benutzten großen Windhunde, der persische Tasi und der durch ganz Nordafrika verbreitete Slughi, zurückzuführen. Der westlichste Vertreter derselben ist der englische Greyhound, der in ganz ähnlicher Gestalt schon auf etruskischen Grabdenkmälern erscheint. Also muß diese Windhundart schon frühe aus Westasien nach Südeuropa gelangt sein.

Der älteste stehohrige Windhund Altägyptens ist aus ganz Nordafrika verschwunden. Nach Keller hat er sich nur noch auf den Balearen östlich von Spanien im Ibizahund erhalten, so genannt, weil er nach den Kennern von der Insel Ibiza stammt, wohin er wohl von Nordafrika her durch die Karthager gebracht wurde. Auf die Frage, weshalb sich der Pharaonenwindhund ganz abseits vom Niltal auf den spanischen Inseln des Mittelmeeres bis heute erhalten konnte, während er sonst überall verschwand, antwortet Keller: „Es ist das Kaninchen, das uns diesen alten Windhund gerettet hat. Die Balearen waren schon im Altertum ihres Kaninchenreichtums wegen berühmt. Die dort angesiedelten römischen Kolonisten wandten sich, wie Plinius berichtet, an ihr Mutterland, damit dieses Soldaten schicke, um die Kaninchenplage zu beseitigen. Aber viel wirksamer erwiesen sich die von den Pityusen eingeführten Ibizahunde, die dem schädlichen Nager mit großem Geschick zu Leibe gehen. Dieser ausgesprochene Jagdinstinkt hat sich vererbt, und wir erfahren ja durch das bekannte Gemälde, das Prisse d’Avennes unter dem Titel ‚Rückkehr von der Jagd‘ aus der Nekropole von Theben veröffentlicht hat, daß die altägyptischen Windhunde zur Jagd auf Hasen verwendet wurden.“

Derselbe Autor hat, wie 1906 den Ibizahund auf den Balearen, so später auf der Insel Mallorka auch einen stehohrigen dachsartigen Hund, wie er im alten Ägypten gezüchtet wurde, gefunden. Diesen führt er, wie alle Dachshunde überhaupt, auf den altägyptischen Windhund zurück, der durch vererbte Rachitis die ihm eigentümlichen kurzen, gekrümmten Beine erhielt. Nun sind allerdings schon im 3. vorchristlichen Jahrtausend niedrige, langgestreckte, stehohrige Hunde unter dem Namen trqu, was etwa Feuriger, Heißer bedeutet, zur Jagd gebraucht worden. Doch ist es durchaus nicht sicher, wie Keller annimmt, daß unser deutscher Teckel auf diesen zurückgeführt werden darf. Leider ist die Geschichte dieses letzteren durchaus noch im dunkeln. Heute haben die Dachshunde, die den feinen Spürsinn der Jagdhunde besitzen, daneben sehr intelligent und bei der Jagd äußerst ausdauernd sind, als Zeichen einer uralten Kultur typische Hängeohren.

Weit besser geklärt als die Geschichte der Wind- und Dachshunde ist diejenige der Doggen. Kann man erstere ihrem geistigen Wesen nach als Sanguiniker bezeichnen, so sind letztere mehr die Choleriker unter den Hunden. Ihr vehementer Angriff ist zu fürchten und zeugt von bissigem Wesen, das dem Feinde gefährlich wird; aber dem eigenen Herrn gegenüber sind sie fügsam und treu. Auch im Körperbau sind sie in ihrer massigen Erscheinung das reine Gegenstück zu den zierlichen, schlanken Windhunden. Ihre gedrungene Gestalt mit ungemein kräftiger Muskulatur trägt einen schwergebauten Schädel mit relativ langem Gehirn- und kurzem, breitem Schnauzenteil. Am Kopf erscheinen die Ohren hoch angesetzt und am verkürzten Gesichtsteil legt sich die Haut gern in Falten, welche in den Lippen schlaff herabhängen. Auch die Augenlider sind vielfach schlaff und kehren unten die rote, nackte Bindehaut heraus, was dem Gesicht einen eigentümlichen Ausdruck verleiht. An den kurzen Hals schließt sich eine breite Brust an, die Weichen sind wenig hoch aufgezogen, die Beine mittelhoch und mit kräftiger Muskulatur versehen. Ursprünglich war die Körperbehaarung lang, fast zottig, als Beweis, daß diese Hunderasse von einer in einem kalten Klima lebenden Wolfsart abstammt. Auch der Schwanz war buschig. Doch sind später aus diesen langhaarigen auch kurzhaarige Doggen entstanden, deren Schwanz auch nur kurz behaart ist.

Im vorgeschichtlichen Europa und im alten Ägypten fehlen diese gewaltigen Hunde vollständig, dagegen treffen wir sie schon in kurzhaarigen Formen in Vorderasien bei den alten Assyriern in der ersten Hälfte des letzten Jahrtausends v. Chr. an. Und zwar scheinen die Assyrier diese Hunde aus Indien erhalten zu haben, das sie seinerseits aus dem Hochlande von Tibet bezog. Nach Prof. Konrad Keller ist zweiffellos der auffallend große, schwarze Tibetwolf (Canis niger) der Stammvater dieser mächtigen, ebenfalls zottig schwarz behaarten Hunde, die im warmen Indien und Vorderasien ihre lange Behaarung bald verloren und kurzhaarig wurden. Der große, schwarze Wolf — den Sclater 1874 zuerst als reichlich 1 m langen Wildhund beschrieb —, der im durchschnittlich Mont Blanc-Höhe aufweisenden Hochlande von Tibet neben dem gemeinen grauen Wolfe vorkommt, ist in den kräftig bemuskelten Beinen auffallend tief gestellt, hat an Hals und Brust eine auffallend lange Behaarung von schwarzer Farbe, alles Merkmale die auch die Tibetdoggen aufweisen, nur daß diese neben dem schwarzen Haarkleid häufig einen weißen Bruststern und weiße Pfoten aufweisen. Von den Abkömmlingen dieser Hunderassen waren nach den vorliegenden literarischen Quellen auch die altassyrischen Doggen und die von diesen abzuleitenden Molosserhunde der Griechen und später der Römer vorwiegend schwarz, teils einfarbig, teils auch mit weißen Flecken. Die späteren davon abweichenden Färbungen sind offenbar erst sekundär erworben worden.