In bezug auf äußere Erscheinung schließen sich auch die Neufundländer eng an die Tibethunde an. Sie erreichen eine Schulterhöhe von 63–69 cm, sind kräftig gebaut, mit breitem, langem Kopfe, etwas verdickter Schnauze, ziemlich hohen, starken Beinen und sehr dichter Behaarung von äußerst feinen, weichen, tiefschwarz bis rotbraun gefärbten Haaren. Die Behaarung des Kopfes ist kurz, am übrigen Körper, auch am Schwanz buschig. Die Zehen der breiten Pfoten sind durch Bindehäute verbunden, so daß das Tier gewandt und ausdauernd zu schwimmen vermag. Es schwimmt leidenschaftlich gern und mit der größten Leichtigkeit, taucht wie ein Wassertier und kann stundenlang im Wasser aushalten. Schon oft wurden durch den Neufundländer Menschen vor dem Tode durch Ertrinken gerettet. Mit größter Treue und Anhänglichkeit verbindet er bedeutenden Verstand und außerordentliche Gelehrigkeit, ist sehr gutmütig, sanft und dankbar für empfangene Wohltaten. Die Stammrasse ist in England gezüchtet worden und scheint mit der Insel Neufundland, die ihr den Namen gab, gar nichts zu tun zu haben. So wenig wie im Jahre 1622, als die Engländer nach jener Insel gelangten, ist später dieser Hundetypus dort einheimisch gewesen. Wie er aber in England gezüchtet wurde, das konnte bis jetzt nicht in Erfahrung gebracht werden.
Schlanker gebaut, mit höheren Beinen und weniger plumpem Kopf als die echten Doggen sind die deutschen und dänischen Doggen, die vermutlich Kreuzungsprodukte von großen Windhunden mit echten Doggen darstellen; denn in Gestalt und Eigenschaften halten sie die Mitte zwischen beiden inne. Namentlich die deutschen Doggen bieten in edlen Vertretern eine wahrhaft wunderbare Vereinigung an sich widerstreitender Eigenschaften dar, nämlich Größe und Flüchtigkeit mit Kraft und Eleganz. Wie schon der selbstverständlich vom englischen dog sich ableitende deutsche Name Dogge beweist, so führt auch die Geschichte der deutschen Dogge wie diejenige der edlen Jagdhunde auf die „englischen Hunde“ zurück, die seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts von den jagdliebenden deutschen Fürsten und Adligen besonders für die Sauhatz von England importiert wurden. Im 17. Jahrhundert wurden sie auch in Deutschland gezüchtet, hießen aber noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts bei uns „englische Hunde“ zum Unterschied von den leichteren, spitzschnauzigen „Rüden“ einheimischen Schlages, die, unter die Bevölkerung verteilt, von dieser auf höheren Befehl unterhalten und während der Jagdzeit den Herren zur Verfügung gestellt werden mußten. Zu großen Meuten vereinigt, hatten diese ungefügigen, bissigen Köter die Wildschweine rege zu machen und zu treiben, während die größeren und schwereren englischen Hunde, die Doggen, durch gepolsterte, mit Fischbein gesteifte „Jacken“ geschützt, bei den Herrenjägern blieben und, auf ein bestimmtes Stück losgelassen, dieses an den Ohren fingen und festhielten, bis es mit der „Saufeder“ gestochen und so getötet war. Dafür waren sie auch die Lieblinge ihrer hohen Herren, mit denen besonders auserwählte Exemplare der Gattung als „Leib- und Kammerhunde“ immer zusammen sein und sogar das Schlafgemach teilen durften. Als sie dann später durch Umgestaltung der Jagd bei dieser überflüssig wurden, wandte sich die Liebhaberei ihnen zu und züchtete aus ihnen herrliche Tiere, die mit Recht den Stolz ihres Besitzers darstellen. Die lichtgelbe Färbung mancher deutscher Doggen ist jedenfalls auf den Einfluß des Windhundblutes zurückzuführen.
Den Übergang zu ausgesprochen schweren und breitköpfigen Doggenformen bildet die echte dänische Dogge, so genannt, weil sie seit etwa 50 Jahren mit einer gewissen Vorliebe in Dänemark gezüchtet wird, zumal in Gestalt des gelben, schwarz maskierten Broholmers. Auch dieser ist von englischer Abstammung und wurde in seiner ursprünglichen Heimat im englischen Mastiff zu einem wahren Klotz von Hund gezüchtet, der dank seiner Größe und Stärke einen geradezu unüberwindlichen Schutzbegleiter darstellt. Solche Schutz- und Kampfhunde hat es ja bereits im Altertum, wenn auch nicht in solchen gewaltigen Ausmaßen, gegeben. Man denke nur an die Hunde der Zimbern und Teutonen, die mit den Weibern die Wagenburg der Auswanderer aufs getreuste bewachten und mit denen die Römer nach Besiegung der Männer in offener Schlacht noch einen harten Strauß zu bestehen hatten.
Ebenfalls Produkte englischer Zucht sind die dem Mastiff nahe stehenden Bullenbeißer, deren ausgezeichnetste Rassen heute noch in Irland hervorgebracht werden. Zu ihrer Stärke und Entschlossenheit besitzen sie einen geradezu unglaublichen Mut, so daß sie sich zu schwerer und gefährlicher Jagd, wie auch zu Kämpfen mit wilden Tieren besonders eignen. Ihre geistigen Fähigkeiten sind nicht so ausgezeichnet wie die der übrigen gescheiten Hunde, keineswegs aber so tiefstehend, als man gemeinhin glaubt; denn jeder Bullenbeißer gewöhnt sich leicht an den Menschen und opfert ohne Bedenken sein Leben für ihn. Er eignet sich vortrefflich zum Bewachen des Hauses und verteidigt das ihm Anvertraute mit wirklich beispiellosem Mute. Als Reisebegleiter in gefährlichen, einsamen Gegenden ist er gar nicht zu ersetzen. Man erzählt, daß er seinen Herrn gegen fünf bis sechs Räuber mit dem besten Erfolge verteidigte, und kennt Geschichten, in denen er als Sieger aus solchen ungleichen Kämpfen hervorging, trotz unzähliger Wunden, welche er dabei erhielt. Auch als Wächter bei Rinderherden wird er verwendet und versteht es, selbst den wildesten Stier zu bändigen, indem er sich alsbald in die Oberlippe seines großen Gegners einbeißt und so lange dort fest hängt, bis der Riese sich der Übermacht des Hundes gefügt hat. Auch zum Kampfe gegen große Raubtiere, wie Bären, Wölfe usw., läßt er sich abrichten. Früher waren Tierhetzen sehr beliebt, indem solche Hunde gegen gefangene Bären oder wilde Stiere in Bären- oder Hetzgärten genannten geschlossenen Räumen gehetzt wurden und das Volk sich an dem beispiellosen Mute dieser verhältnismäßig kleinen Hunde ergötzte. In England spitzten sich diese öffentlichen, gegen Eintrittsgeld zugänglichen Schaustellungen später so zu, daß gegen einen angeseilten Stier nur ein einziger, kleiner Hund losgelassen wurde, der ihn an der Nase zu fassen hatte.
Auf dem plumpen, kräftigen Körper des Bullenbeißers sitzt auf kurzem, dickem Hals der dicke, runde, hinten sehr breite, zwischen den Augen eingesenkte Kopf mit stumpfer, aufgeworfener Schnauze. Infolge der starken Verkürzung des mittleren Teiles der Oberlippe und Nase hat sich die Gesichtshaut in Falten gelegt und sind die vorderen Zähne unbedeckt, während die Lippen seitlich davon überhängen und von Geifer triefen. In den extremsten Fällen ist der Hund zu einer wahren Karikatur gezüchtet worden, die in ihrer Vierschrötigkeit und grinsenden Mine mehr Mitleid als Freude erweckt.
Eine große Bullenbeißerrasse richtete man früher dazu ab, Menschen einzufangen, niederzuwerfen und sogar umzubringen. Schon bei der Eroberung Mexikos wandten die Spanier derartige Hunde als Mitkämpfer und Aufspürer gegen die Indianer an. Unter ihnen war besonders Beçerillo berühmt, dessen Kühnheit und Klugheit außerordentlich waren. Er wurde unter allen seinen Genossen ausgezeichnet und erhielt doppelt so viel Futter als die übrigen. Beim Angriff pflegte er sich in die dichtesten Haufen der Indianer zu stürzen, diese beim Arme zu fassen und sie so gefangen wegzuführen. Gehorchten sie, so tat ihnen der Hund weiter nichts, weigerten sie sich aber, mit ihm zu gehen, so riß er sie augenblicklich zu Boden und würgte sie. Indianer, welche sich unterworfen hatten, wußte er genau von Feinden zu unterscheiden und berührte sie nie. Noch im Jahre 1798 benutzte man solche „Bluthunde“ zum Fangen von Menschen, und zwar waren es nicht Spanier, sondern Engländer, welche mit ihnen die Menschenjagd betrieben.
Die deutsche Bulldogge ist der Boxer, der noch nicht zu solchem Zerrbild wie the old english bulldog überzüchtet wurde. Auch er hat eine breite Brust und einen muskulösen Körper, aber sein Kopf ist nicht so extrem verkürzt, so daß er seine Kiefer vortrefflich zum Beißen verwenden kann. Ungemein bissig und herrschsüchtig, ordnet er sich seinem Herrn gegenüber unter und zeigt ihm Treue und Anhänglichkeit; doch muß er diesen vollkommen kennen gelernt und erfahren haben, daß dessen geistige Energie seine leibliche Kraft unter allen Umständen unterjochen kann und sich unbedingten Gehorsam zu erzwingen versteht. Was der Boxer einmal gefaßt hat, läßt er so leicht nicht wieder los. Hat man ihn in einen Stock oder in ein Tuch beißen lassen, so kann man ihn an diesem Gegenstande in die Höhe heben, auf den Rücken werfen oder andere Dinge mit ihm vornehmen, ohne daß er sein Gebiß öffnet. Es gibt von ihm auch Zwergformen, die uns zum Mopse hinleiten. Dieser ist ein Bullenbeißer im kleinen, mit ganz eigentümlich abgestumpfter Schnauze und schraubenförmig gerolltem Schwanz. Auch zeigt er das mißtrauische, mürrische Wesen der Bulldoggen, wurde aber dennoch früher gerne von alten Jungfern mit großer Zärtlichkeit gehätschelt und als Schoßhund gehalten, wobei er eine oft sprichwörtliche Fettleibigkeit entwickelte. Diese einst sehr verbreitete Form ist jetzt fast ausgestorben; dagegen sind neuerdings edlere Rassen dieses Luxushundes aufgekommen, die sich wiederum großer Beliebtheit erfreuen, obschon auch sie launenhaft und im ganzen wenig angenehme Gesellschafter des Menschen sind.
Wie in den Alpen kommen auch in den Abruzzen, bei den Basken in den Pyrenäen und bei den Albanesen in Nordgriechenland große Hunde vor, die zweifellos in verwandtschaftlicher Beziehung zum alten Molosser stehen, aber Kreuzungsprodukte mit anderen Hunden sind. Überhaupt sind im Laufe der Jahrhunderte so viele Kreuzungen bei den Gebrauchshunden vorgekommen, daß sich ihre Abstammung im einzelnen nie mehr feststellen läßt.
Neuerdings will Hilzheimer die Doggen von einem im mittleren Schweden heimischen mächtigen, dickköpfigen und kurzköpfigen Wolf mit starkem Stirnabsatz ableiten. Diese Annahme ist jedoch nicht genügend begründet, um die ältere, viel wahrscheinlichere zu verdrängen. Immerhin darf zugegeben werden, daß ein solcher starker nordischer Wolf den Ausgangspunkt der von den eigentlichen Doggen zu trennenden Hirtenhunde bildet, denen im Gegensatz zu den Schäferhunden, die die Herde hüten, nur die Bewachung der Herde gegen den Angriff starker Raubtiere oder böswilliger Menschen obliegt. Sie zeichnen sich gegenüber den Doggen durch kaum verkürzte Schnauze und geringen Stirnabsatz aus. Sie sind langhaarig, weiß, grau oder braun gefärbt, vielfach auch gescheckt, und kommen in verschiedenen Ländern Europas in typischen Vertretern vor. Früher aber waren sie, solange es reißende Tiere von den Herden abzuhalten gab, weit verbreiteter als heute, da sie sich nur noch in zerstreuten Inseln vorfinden. Nach Hilzheimer soll Blut von diesem nordischen Wolfe auch in den Pudel übergegangen sein, dem früher besprochenen Abkömmlinge des Schäferhundes, der wahrscheinlich auch Blut vom Laufhunde in sich aufgenommen hat.