Wie in der Alten Welt so sind auch in der Neuen durch Zähmung verschiedener Wildhunde Haushunde von den Indianern gewonnen worden, soweit sie sich über die primitive Stufe der Sammler und Jäger erhoben hatten und zu einiger Ansässigkeit als Hackbauern gelangt waren. So fanden die Europäer bei ihrer Ankunft bei verschiedenen Volksstämmen zahme Hunde. Alle Indianersprachen an der Westküste von Südamerika hatten eigene Bezeichnungen für den Hund, und der spanische Geschichtschreiber Garcilasso de la Vega berichtet, daß in der ältesten Zeit das Volk der Huanca, bevor es noch von den Inkas unterjocht wurde, ein Hundebild anbetete und leidenschaftlich gerne Hundefleisch aß. Der St. Galler J. J. von Tschudi fand als Beweis der Urexistenz des Hundes in Peru in alten, vorkolumbischen Gräbern Skelette und Mumien von Hunden, welche meist quer vor den Füßen der mitbestatteten sitzenden Menschenkadaver lagen. Identisch mit diesen Mumienhunden ist der heute noch in den Ansiedelungen des Gebirges der Anden bei den Hirten und in den Indianerhütten verbreitete Inkahund, der als ein bissiges, einen besonderen Widerwillen gegen die Europäer zeigendes Tier von ziemlich kleiner Gestalt mit rauhem Pelz von dunkelockergelber Farbe, am Bauch und auf der Innenseite der Beine heller, geschildert wird. Der zierliche Kopf ist scharf zugespitzt, die Ohren sind aufrecht, spitz und klein, der Schwanz ist stark behaart und gerollt. Auf Grund der Gräberfunde besonders von Ancon vermochte Alfred Nehring nachzuweisen, daß schon bei den alten Inkas drei verschiedene Rassen des Inkahundes gezüchtet wurden, die als Wacht-, Hirten- und Jagdhunde Verwendung fanden, und daß der Stammvater dieser südamerikanischen Hundeart der nordamerikanische Wolf (Canis occidentalis) war. Es ist also dieser Hund mit dem Volk von Norden her nach Süden eingewandert und kam auch in den Tropen in den kühlen Höhenlagen recht gut fort. Interessant ist, daß das recht hoch kultivierte Volk der alten Peruaner bereits Rassenzucht trieb und aus dem ursprünglichen Wolfshunde, den verschiedenen Zwecken, zu denen er verwendet wurde, entsprechend, eine schäferhundartige, eine dachshundartig durch erblich gewordene Rachitis verkümmerte und eine bulldoggähnliche mit verkürztem Oberkiefer züchtete.

Von demselben nordamerikanischen Wolfe stammt der ihm sehr ähnelnde Hund der Indianer Nordamerikas ab. Diese verbessern ihre Zuchten von Zeit zu Zeit durch Kreuzung mit Wölfen, wobei die Halbzuchtwölfe im allgemeinen leicht zähmbar sind. Der eigentümliche Hasenindianerhund mit kurzem Gesicht und kurzen Läufen ist dem Präriewolf (Canis latrans) nahe verwandt und wurde zweifellos durch Zähmung aus diesem gewonnen.

In Südamerika gibt es Hunde, die dem Maikong (Canis cancrivorus) gleichen und jedenfalls auch von ihm abstammen. Die Kreuzung derselben mit der wilden Stammart kommt häufig vor.

Auf den westindischen Inseln, in Mexiko und an den Küsten des nördlichen Südamerika lebt ein kleiner, fuchsartiger Hund, dessen schwärzlicher bis dunkelgrauer Körper fast haarlos ist. Es ist dies der Karaibenhund, den schon Kolumbus bei seiner Ankunft antraf und der von den Altmexikanern Xoloitzcuintli genannt wurde. Sein Stammvater ist eine kleine Schakalart der Antillen, die durch spezielle Zucht ihr Haarkleid im warmen Klima mehr und mehr reduzierte. Wichtig sind den Feuerländern ihre Hunde, da sie ihnen beim Fang der Seeotter helfen. Darwin sagt daher von ihnen, „sie wollten in der Not lieber ihre alten Weiber als ihre Hunde töten und essen“. Übrigens wußten auch diese niedrig stehenden Wilden die Vorzüge der europäischen Hunde zu schätzen und trachteten danach, sie mit den größten Opfern anzuschaffen.

Mit dem Vordringen der Europäer nach der Neuen Welt gelangten selbstverständlich auch die verschiedensten altweltlichen Hunde dahin und fühlten sich dort sehr bald heimisch. Dabei mischten sie sich vielfach mit den vorgefundenen zahmen Hunden und gaben zu den buntesten Mischrassen Veranlassung. Solche unentwirrbare Kreuzungsprodukte gibt es ja auch in der Alten Welt genug. Sie gehen immer wieder, meist ungewollt, hervor und machen sich überall, oft unliebsam genug, bemerkbar; doch wird von den Kennern stets das reine Blut diesen Mischlingen vorgezogen werden.

Schon bei den Schriftstellern des Altertums finden wir gelegentlich Geschichten, die uns die hohe Wertschätzung des Hundes als Haustier und Gefährten des Menschen beweisen, die auch zeigen, wie sich dieses Tier oft für seinen Herrn opferte und ihm Treue über den Tod hinaus hielt. So berichtet u. a. der ältere Plinius in seiner Naturgeschichte: „Man erzählt von einem Hunde, der für seinen Herrn gegen Räuber kämpfte und, obgleich selbst schwer verwundet, dessen Leichnam doch nicht verließ, sondern gegen Vögel und Raubtiere verteidigte. Einen König der Garamanten holten 200 Hunde aus der Verbannung zurück und schlugen dessen Widersacher in die Flucht. Die Kolophonier und Kastabalenser hielten ganze Meuten von Hunden, die im Kriege die erste Schlachtreihe bildeten und sich nie feig erwiesen; sie waren die treusten Hilfstruppen und dienten ohne Sold. Als die Zimbern erschlagen waren, verteidigten noch Hunde ihre auf Wagen stehenden Zelte. Als der Lycier Jason getötet war, wollte sein Hund nicht mehr fressen und hungerte sich zu Tode. Ein Hund, den Duris (ein griechischer Schriftsteller aus Samos zur Zeit des Ptolemäos II. Philadelphos, 285–247 vor Chr.) Hyrkanus nennt, stürzte sich in die Flammen, als König Lysimachus verbrannt wurde. Dasselbe tat der Hund des Königs Hiero. Bei uns wurde Volcatius, ein Edelmann, der zu Pferd von seinem Landhaus zurückkehrte, als er abends von einem Räuber angefallen wurde, durch seinen Hund verteidigt; ebenso der Senator Coelius, als er zu Placentia (dem heutigen Piacenza) krank lag und von Bewaffneten überfallen wurde. Erst als der Hund erschlagen war, erhielt er eine Wunde. Über alles erhaben ist aber folgender Zug, der zu unserer Zeit in den Jahrbüchern des römischen Volkes, als Appius Junius und Publius Silius Konsuln waren, aufgezeichnet wurde: Als Titius Sabinus samt seinen Sklaven wegen des an Nero, dem Sohn des Germanicus, begangenen Mordes zum Tode verurteilt war, konnte der Hund eines dieser Unglücklichen nicht vom Gefängnis weggetrieben werden, verließ auch dessen Leiche nicht, als sie auf die Straße geworfen wurde, heulte kläglich und trug, als einer aus der versammelten Volksmenge ihm ein Stück Fleisch hinwarf, dieses zum Munde seines toten Herrn. Als dann die Leiche in den Tiber geworfen wurde, schwamm er mit ihr und suchte sie über Wasser zu erhalten, während das Volk am Ufer seine Treue bewunderte.

Der Hund ist das einzige Tier, das seinen Herrn kennt, Bekannte von Unbekannten unterscheidet, auf seinen Namen hört und seine Hausgenossen schon an der Stimme kennt. Die längsten Wege finden sie wieder, wenn sie sie einmal gemacht haben, und überhaupt ist ihr Gedächtnis nach dem des Menschen das beste. Wenn sie auch noch so wütend sind, kann man ihnen doch Einhalt tun, wenn man sich auf die Erde niedersetzt (was nach Schatter tatsächlich von Erfolg begleitet ist). Der Mensch hat an ihnen schon viele nützliche Eigenschaften aufgefunden; am nützlichsten werden sie aber durch ihren Eifer und ihren Spürsinn auf der Jagd. Sie suchen und verfolgen die Fährte des Wildes, ziehen den Jäger an der Leine hinter sich her, zeigen das Wild heimlich und schweigend, indem sie zuerst mit dem Schwanze, dann mit der Schnauze ein Zeichen geben. Selbst alt, blind und schwach leisten sie noch Dienste, indem man sie auf dem Arm trägt und durch den Geruch das Lager des Wildes aufsuchen läßt.

Die Hündin bekommt zweimal jährlich Junge. Dieselben werden blind geboren und werden um so später sehend, je reichlicher sie gesäugt werden, doch nie vor dem 7. oder 21. Tage. Die Weibchen von der ersten Hecke sollen die Eigenschaft haben, Faune (Waldgeister) sehen zu können. Unter den Jungen ist dasjenige das beste, das zuletzt zu sehen beginnt oder das die Mutter zuerst ins Lager trägt. (Noch heute gilt dieser Glaube bei manchen Hundeliebhabern. Diese nehmen der Hündin die Jungen, legen sie in einiger Entfernung nieder und halten das für das beste, das von ihr zuerst ins Lager zurückgetragen wird.) Die Alten hielten saugende junge Hunde für eine so reine Speise, daß sie dieselben sogar den Göttern als Sühnopfer darbrachten. Noch jetzt opfert man der Göttin Genita Mana ein Hündchen und trägt, wenn die Götter bewirtet werden sollen, Hundefleisch auf. Man glaubt auch, daß Hundeblut das beste Mittel gegen Pfeilgift ist.“

Der um die Mitte des ersten christlichen Jahrhunderts von Spanien nach Rom gekommene Ackerbauschriftsteller Columella schreibt in seinem Buch über den Landbau: „Der Hund liebt seinen Herrn mehr als irgend ein anderer Diener, ist ein treuer Begleiter, unbestechlicher und unermüdlicher Wächter und beharrlicher Rächer.