Der Wachthund für ein Landhaus muß sehr groß sein, gewaltig und laut bellen, so daß er nicht bloß durch seinen Anblick, sondern auch durch seine Donnerstimme den Dieb erschreckt. Man wähle dafür einen solchen mit einfacher Farbe, am besten schwarzer. Bei Tage fürchtet sich der Dieb mehr vor dem schwarzen Hund, bei Nacht sieht er ihn nicht und wird leichter von ihm gepackt. Der Hund des Hirten soll dagegen weiß sein, damit er bei Tag und Nacht leicht vom wilden Tiere unterschieden werden könne, also beim Kampf von seinem Herrn nicht so leicht verwundet werde. Der Wachthund des Landhauses soll ferner weder zu sanft sein, denn sonst schmeichelt er selbst den Spitzbuben, noch allzuscharf, sonst ist er selbst den Hausbewohnern gefährlich. Die Hauptsache bleibt immer, daß er wachsam ist, sich nicht herumtreibt, keinen falschen Lärm macht, sondern nur dann anschlägt, wenn er sicher etwas Fremdes merkt. Der Hirtenhund soll so stark sein, daß er den angreifenden Wolf bekämpfen, und so schnell sein, daß er den fliehenden einholen und ihm die Beute abjagen kann. — Die Hauptnahrung der Hunde ist Brot, am besten aus Gerste gebackenes. Den Wacht- und Hirtenhunden gebe man zweisilbige Namen. Für Männchen paßt z. B. Skylax, Ferox, Laco, Celer, für Weibchen Spude, Alke, Rome, Lupa, Cerva, Tigris.“
Der Grieche Arrian im 2. Jahrhundert n. Chr. rühmt in einem längeren Passus seine kluge, anhängliche und schnelle Hündin Horme, die er geradezu als göttlich bezeichnet; sie nehme es bisweilen mit vier Hasen auf. Sie sei immer guter Laune, verlasse ihn und seinen Jagdgefährten Megillos nie und gebe ihnen alle ihre Wünsche zu verstehen. Seitdem sie einmal die Peitsche zu kosten bekommen habe, ducke sie sich gleich, wenn man die Peitsche nur nenne, komme schmeichelnd herbei, springe an einem in die Höhe und höre nicht eher mit ihren Liebkosungen auf, als bis man wieder freundlich mit ihr tue.
Schon im Altertum wurden die Hunde auf verschiedene Weise dressiert und zu Kunststücken abgerichtet. So erzählt der griechische Geschichtschreiber Plutarch: „Folgendes habe ich mit eigenen Augen gesehen. In Rom war ein Tausendkünstler, der im Theater des Marcellus einen merkwürdig dressierten Hund zeigte. Dieser führte erst allerlei Kunststückchen aus und sollte zuletzt zum Schein Gift bekommen, davon betäubt werden und sterben. Er nahm also das Brot, worin das Gift verborgen sein sollte, an, fraß es auf, begann dann zu zittern, zu wanken, senkte den Kopf, als ob er ihm zu schwer würde, legte sich endlich, streckte sich, schien tot zu sein, ließ sich hin und her schleppen und tragen, ohne sich zu regen. Endlich rührte er sich wieder ein wenig, dann allmählich mehr, tat wie wenn er aus tiefem Schlafe erwache, hob den Kopf, sah er sich um und ging endlich freundlich wedelnd zu dem, der ihn rief. Alle Zuschauer waren gerührt; unter ihnen befand sich auch der alte Kaiser Vespasian.“
Älius Spartianus schreibt, daß der römische Kaiser Hadrian Pferde und Hunde so lieb hatte, daß er ihnen Grabdenkmäler setzen ließ, was ja auch heute von den Reichen vielfach geübt wird, so daß um die Städte London und Paris geradezu Hundefriedhöfe entstanden sind. Der Geschichtschreiber Lampridius berichtet, daß der römische Kaiser Heliogabal seine Hunde mit Gänselebern fütterte, auch vier große Hunde vor seinen Wagen spannte und mit ihnen in seiner königlichen Wohnung und auf seinen Landgütern herumkutschierte. Wie im Leben, so spielte der Hund auch in den Sprichwörtern der Alten eine wichtige Rolle; doch würde es uns zu weit führen, darauf einzutreten. Die schon damals bei diesem Tiere auftretende Tollwut wurde nach dem Arzte Celsus am besten so behandelt, daß man das Gift mit Schröpfköpfen herauszog, die Wunde dann brannte oder, wenn die Stelle dazu nicht passend schien, mit Ätzmitteln behandelte. Nachher ließ man die Gebissenen schwitzen und gab ihm drei Tage hindurch tüchtig starken Wein zu trinken. Lauter törichte Sympathiemittel gibt dagegen Plinius an.
Heute ist die Tollwut dank der scharfen staatlichen Kontrolle auf ein Minimum eingeschränkt und kann zudem nach Übertragung durch Biß eines tollen Hundes auf den Menschen dank der wertvollen Entdeckung von Louis Pasteur in fast allen Fällen leicht geheilt werden, ohne daß sie zum Ausbruch gelangt. Jedenfalls ist sie für den Menschen weit weniger gefährlich und verhängnisvoll als der winzige, nur 4 mm lang werdende Hundebandwurm (Taenia echinococcus), dessen Finne eine ganz bedeutende Größe aufweisen kann. Aus seinen Eiern entwickelt sich nämlich der von stecknadelkopf- bis kindskopfgroße Hülsenwurm (Echinococcus), der sich in den verschiedensten Organen des Menschen, am häufigsten aber in der Leber festsetzen und die schwersten Erkrankungen, ja selbst den Tod herbeiführen kann. Überhaupt gilt für alle Hundefreunde wegen ihres großen Parasitenreichtums, der unter Umständen für den Menschen sehr verhängnisvoll sein kann, der alte vielfach in Mosaik an der Türschwelle angebrachte römische Zuruf: cave canem, d. h. hüte dich vor dem Hund! allerdings in anderem Sinne als einst. Man sei freundlich, aber nicht zu intim mit ihm, da man solches vielleicht mit langem Siechtum und Tod zu büßen hat. Lieber als einen rasselosen Köter mit allen möglichen Untugenden halte man sich einen gut gezogenen wertvollen Rassehund, der geistige und körperliche Vorzüge besitzt, die dem Bastard versagt sind. Es gibt ja deren, die allen möglichen Ansprüchen, sei es solchen der Jagd, des Schutzes, sei es denen des Land- oder beengteren Stadtlebens sehr gut angepaßt sind und sich darin seit vielen Generationen bewährt haben.
Andere Wildhunde als die hier aufgezählten sind nicht dauernde Gesellschafter des Menschen geworden. Es hätte dies aber sehr wohl der Fall sein können, da auch solche, jung eingefangen und vom Menschen gut behandelt und gezähmt, sich an den Umgang mit diesem leicht gewöhnen. Wie heute noch in Syrien, Ägypten und Nordafrika wurden schon bei den alten Ägyptern jung eingefangene wilde Schakale wie Haushunde erzogen und so direkt in die Haustierschaft übergeführt. In den Grabgemälden des alten Reiches in der ersten Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. ist mehrfach dargestellt, wie gezähmte Schakale die Stelle von Haushunden bei dem noch als lebend dargestellten Grabinhaber einnehmen oder sich als gute Freunde unter dessen Hunde mischen. In einer Darstellung eines Grabes zu Beni Hassan aus der 12. Dynastie (2000–1788 v. Chr.) sieht man einen solchen gezähmten Schakal sogar an der Jagd teilnehmen. Solche direkte Überführungen aus dem wilden in den gezähmten Zustand sind aber schon damals eben solche Ausnahmen gewesen, wie in unserer Zeit die Zähmung eines jung eingefangenen Wolfes zum Freunde und Begleiter seines Herrn.
Selbst der Hyänenhund (Canis pictus), jener heute noch vom südlichen Nubien an in großen Teilen Afrikas vorkommende Wildhund mit buschigem Schwanz und weißen bis ockerfarbigen, stets schwarz umsäumten Flecken auf kurz- und glatthaarigem Fell, wurde von den alten Ägyptern in den Haustierstand übergeführt, ohne sich allerdings längere Zeit darin zu erhalten. Dieser in hohem Grade anziehende Steppenhund, der in Meuten bis zu 60 Stück mit ungeheurer Ausdauer allerlei Wild, besonders Antilopen jagt, so daß selbst die größten Tiere ermatten und von ihm überwältigt werden, wird von Brehm als für die Zähmung vielversprechendes Raubtier bezeichnet, das einen vortrefflichen Spürhund abgeben würde. Georg Schweinfurth sah in einer Seriba im Bongolande ein in hohem Grade gezähmtes Stück, das seinem Herrn gegenüber die Folgsamkeit eines Hundes an den Tag legte. Brehm, der einige derselben gefangen hielt, bezeichnet sie als ungestüm mutwillig mit einem unbezähmbaren Drang zum Beißen. Er ist ungemein regsam und lebhaft und frißt vom erwürgten Wild fast nur die Eingeweide. Seine Vorzüge für die Antilopen- und Gazellenjagd veranlaßte schon die Ägypter des alten Reiches (2980 bis 2475 v. Chr.) ihn vielfach unter ihrer Meute von Jagdhunden zu halten. An den Wänden zahlreicher Gräber finden wir ihn als gezähmtes Tier nebst andern Jagdhunden abgebildet, so in denjenigen des Nub hotep und des Ran ken der 4. Dynastie (2930–2750 v. Chr.), dann des Aseskef ank und des Pta hotep der 5. Dynastie (2750 bis 2625 v. Chr.). In des letzteren Grabe in Sakkara sehen wir die Jagddiener des Verstorbenen mit der gemachten Beute von der Jagd zurückkehren. An ihrer Seite sehen wir als Chef derselben einen als Num hotep bezeichneten Mann mit zwei Windhunden und zwei Hyänenhunden an der Leine schreiten, bereit, sie auf allfällig angetroffenes Wild loszulassen. In demselben Grab des Pta hotep, das uns den Hyänenhund gezähmt und im Dienste des Menschen zeigt, sehen wir an der gegenüberliegenden Wand den wilden Hyänenhund mitten unter Antilopen in der Steppe lebend und von Windhunden angegriffen. Man sieht, daß der Künstler die Szene nach eigener Anschauung wiedergegeben hat. Später wurde weder im mittleren noch im neuen Reiche je wieder der Hyänenhund, sei es wild oder gezähmt, abgebildet, so daß wir annehmen dürfen, daß er damals weder als Haustier gehalten wurde, noch auch in den Gegenden, in denen die Großen des Reichs zu jagen pflegten, wild vorkam. Er muß sich damals schon mit der Abnahme der Antilopenherden weiter südlich gehalten haben; denn auch der Römer Pomponius Mela, der dieses Tier unter der Bezeichnung lycaon genau beschreibt, kennt ihn nur aus Äthiopien. Heute trifft man ihn erst in den obersten Nilländern und von da an südwärts bis zum Kap der Guten Hoffnung.