Bild 6. Äthiopische Prinzessin in einem von Ochsen einer hornlosen Rasse gezogenen Wagen. (Nach Wilkinson.)
Auch in Mesopotamien ist das älteste Hausrind ein unverkennbarer Bantengabkömmling. Das auf einem sehr alten chaldäischen Siegelzylinder bereits vor den Pflug gespannt dargestellte Rind gleicht vollkommen einem kleinen indischen Hausrind. Aus der assyrischen Zeit treffen wir häufigere und bessere Darstellungen des Hausrindes. Auf einem Quarzzylinder, dessen Reproduktion Layard gibt, ist ein typisches, langhörniges Zeburind mit umfangreichem Fettbuckel und starker Wamme säugend dargestellt. Das auf den Skulpturen der Königspaläste häufig abgebildete Beutevieh wird stets mit gewölbtem Rücken oder mit eigentlichem Fettbuckel wiedergegeben, so daß auch dessen Abstammung von indischem Blute außer Zweifel steht. Nirgends begegnet uns eine Rinderart, die auf Abstammung des jedenfalls auch in Vorderasien einst lebenden Urs (Bos primigenius) hindeutet.
Bild 7. Altägyptische Darstellung zweier miteinander kämpfender Stiere, die von Hirten getrennt werden. (Nach Wilkinson.)
An der Peripherie des Areals, das die ältesten Hausrinder von Bantengabstammung bewohnen, d. h. im äußersten Osten Asiens, wie auf Bali und Lombok, dann in Westasien, Nordafrika und vor allem in Europa, begegnen wir einem kleinen, zierlich gebauten Rinderschlage von meist dunkler Färbung, mit kleinem, nach außen und aufwärts gebogenem Gehörn, zwischen den vortretenden Augenhöhlen eingesenkter Stirn und feiner Schnauze. Das Hinterhaupt erhebt sich bei ihm in einen deutlichen, steil abfallenden Höcker und seine Ecken sind nur ganz ausnahmsweise wie beim Zebu — so beim sardinischen Hausrind — zu Hornstielen ausgezogen. Das ist der Schlag, den wir überall in den Kulturschichten der neolithischen und späteren Bewohner Europas, so auch in den Pfahlbauten in den Seen und Torfmooren um die Alpen herum begegnen, wie er sich auch in der Urzeit in Mesopotamien und Ägypten nachweisen läßt. Es ist dies das bereits erwähnte Torfrind der Pfahlbauern, das in der Vorzeit überall in Europa als Haustier gehalten wurde und wahrscheinlich teils schon der Milchgewinnung diente, teils auch den Pflug zog, wie uns verschiedene Felsenzeichnungen von Nordafrika bis Skandinavien aus der Metallzeit zeigen. Rütimeyer nannte diese Rasse, die er aus den Überresten der Pfahlbauten der Schweiz kennen lernte, Kurzhornrind (Bos brachyceros), während der englische vergleichende Anatom Richard Owen sie als Langstirnrind (Bos longifrons) bezeichnete.
Dieses zierliche Hausrind mit zarten Gliedern und langem, schmalem Schädel mit breiter Stirne, die über die Hälfte der Schädellänge mißt, tritt uns von Anfang an in Europa in ihren charakteristischen, alle Zebumerkmale außer dem Fetthöcker aufweisenden anatomischen Merkmalen und Eigenschaften entgegen, so daß wir mit Bestimmtheit von ihm sagen können, daß es vollkommen domestiziert hier eingeführt wurde, und zwar nach Konrad Keller vorzugsweise aus Nordafrika. Er stützt sich dabei nicht bloß auf die Tatsache, daß sich eine dem alten Torfrind ganz nahe stehende Rasse hier bis nach Marokko hinein auffallend rein erhielt, sondern besonders darauf, daß die Annäherung des afrikanischen Zeburindes an unsere europäischen Braunviehschläge um so größer ist, je mehr man in Afrika nach Norden hin vorschreitet. Schon Nubien besitzt eine feinköpfige und kurzhornige Rasse, die dem algerischen und marokkanischen Rind auffallend nahe steht. Außerdem haben die kleinen beweglichen Zeburinder noch eine zweite direktere Wanderstraße aus ihrer Heimat Südasien nach Europa eingeschlagen, die über Mesopotamien, Kleinasien und durch die Donauländer ins Herz unseres Kontinentes führte. Keller hielt diesen direkten Import aus Asien für sekundär und nicht sehr ausgiebig, was wir nicht ganz unterschreiben möchten, da alle übrigen Kulturerrungenschaften der europäischen Neolithiker viel mehr nach Westasien als nach Nordafrika hinweisen. Jedenfalls hat der rege Handelsverkehr der Mittelmeerländer schon frühe wichtige Erzeugnisse Nordafrikas, zumal Ägyptens, nach Norden gebracht. Der bevorzugte Weg wird dabei aus dem Niltal über die ägäische Inselwelt nach dem Schwarzen Meer und von da donauaufwärts gegangen sein.
Überreste dieses Torfrindes von Bantengabstammung haben sich in den Braunviehschlägen der Zentralalpen ziemlich rein, am reinsten um das Gotthardmassiv herum beim sogenannten Schwyzervieh, erhalten. Die Haarfärbung wechselt vom dunkeln Braun bis zum hellen Mäusegrau. Als Rassekennzeichen gilt das dunkle Flotz- oder Rehmaul mit heller Umrahmung und ein heller, als Aalstrich bezeichneter Rückenstreifen. Diese Merkmale finden sich auch bei ostasiatischen und indischen Rindern. Auch ist der als Spiegel bezeichnete umfangreiche weiße Fleck am Hinterteil des Banteng als ein Rückschlag in Gestalt einer heller gefärbten Stelle am Hinterbacken nicht selten bei den einfarbigen braunen Kühen um das Gotthardmassiv herum zu sehen. In Südeuropa gehört dazu das dunkle sardinische, illyrische und albanesische Rind, im Osten das weitverbreitete polnische Rotvieh, das sich auch über das nördliche Rußland ausdehnt und im Nordwesten das hochgezüchtete und seiner Milchergiebigkeit wegen berühmte Jersey- oder Kanalrind.
Bild 8. Rinder im alten Ägypten werden mit einem eingebrannten Eigentumsstempel versehen.
1. Das Eisen wird glühend gemacht, 2. u. 4. die gefesselten Rinder werden gebrannt. (Nach Wilkinson.)