Büffel von Singhalesen auf Ceylon zum Pflügen eines Reisfeldes benützt.
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GRÖSSERES BILD
Tafel 16.
Hagenbecks Reisender in Indien auf einem Milchbüffel reitend.
Yak oder Grunzochse im Zoologischen Garten von Berlin.
(Nach einer Photographie der Neuen photogr. Gesellschaft in Steglitz.)
Die älteste unzweifelhafte Darstellung des Büffels hat sich uns auf einigen altbabylonischen Siegelzylindern aus dem Anfang des 3. vorchristlichen Jahrhunderts erhalten. Auf dem einen derselben sehen wir einen langbärtigen Mann, offenbar eine Gottheit, der in einer irdenen Schüssel einem Büffel Wasser zum Trinken darreicht. Daß es sich wirklich um einen Büffel und nicht um ein schlecht gezeichnetes Rind handelt, geht sicher aus dem Verlauf der nach hinten gelegten quergerippten Hörner hervor. Dieselben typischen Büffelhörner treffen wir auf einer anderen Darstellung eines altbabylonischen Siegelzylinders, der etwa vom Jahre 2800 v. Chr. stammt. Wir sehen darauf zwei langbärtige Männer, offenbar auch Gottheiten, von denen der eine mit einem aufgerichteten Löwen, der andere mit einem gleichfalls aufgerichteten Büffel mit typischem Gehörn ringt. Dabei wird der Büffel mit der linken Hand am linken Horn und mit der rechten Hand am rechten Vorderfuß gepackt und letzteres umgeknickt, um das Tier zu Fall zu bringen. Daß der Büffel wie auf diesen, so auch auf andern mythologischen Bildern im Kampfe mit Göttern dargestellt wird, beweist zum mindesten, daß er im Kulte gewisser Gottheiten eine Rolle spielte und als solcher vielleicht in halber Zähmung gelegentlich vom Menschen in der Nähe von Tempeln gehalten wurde. Daß er völlig gezähmt war und als Haustier diente, ist ausgeschlossen, denn wir fänden sonst mehr Spuren von seiner Gegenwart. Ebenso wurde der Wildbüffel im ältesten Ägypten nachgewiesen, sowohl in bildlichen Darstellungen, als auch in Knochenresten, aber ein eigentliches Haustier war er hier ebenfalls nicht. Jedenfalls reichte einst sein Verbreitungsgebiet von Südasien über Westasien bis nach Europa hinein. So fand man Überreste eines Wildbüffels (Bubalus pallasi) in Diluvialschichten bei Danzig. Aber in ganz Westasien wie auch im Niltal wurde er vom Menschen ausgerottet, bevor er domestiziert worden war.
In Vorderasien treffen wir in der Folge keine Spur mehr von ihm, bis Alexander und seine Begleiter ihn auf ihrem Siegeszuge als Haustier zuerst in Persien, dann auch in Indien antrafen. Aber auch damals blieb den Kulturvölkern am Mittelmeer die Erwerbung dieses Nutztieres verschlossen. Erst die Muhamedaner brachten ihn nach Palästina und Ägypten. Im Jahre 723 begegnete der heilige Willibald im Jordantal, in dem sie heute noch wichtige Haustiere sind, die ersten Büffel, von deren Vorhandensein man bis dahin im Abendland keine Ahnung gehabt hatte. Dieser Priester, der durch Süditalien und Sizilien gereist war, traf diese dort nirgends, weil man sie damals noch nicht eingeführt hatte, und war nicht wenig erstaunt, sie in Palästina zu finden. In Ägypten, das früher besonders reich an Rindern gewesen sein muß, die später weitgehend durch die aus dem Süden dahin gebrachte Rinderpest dezimiert wurden, vermehrte sich der Büffel stark und gelangte von dort durch die Araber nach Sizilien und Süditalien, von wo aus er sich langsam weiter nördlich in die sumpfige Campagna di Roma verbreitete. Ums Jahr 1200 war er im Kaiserreich Bulgarien, etwa dem heutigen Mazedonien entsprechend, häufig anzutreffen und kam von da nach dem eigentlichen Bulgarien und den Tiefländern der Donau, um sich jenem Strom entlang bis Ungarn und Siebenbürgen auszudehnen, wo sie wie unsere Rinder in erster Linie als Milchvieh gehalten werden. Doch geben sie durchschnittlich nur halb so viel Milch wie unser Alpenrindvieh. Bringt es das Siebenbürger Rind auf 1600–1900 Liter und die sich dort immer mehr einbürgernden Freiburger, Simmentaler und Pinzgauer Kühe auf 2000 Liter im Jahr, so liefert der beste Milchbüffel in dieser Zeit nur 1000 Liter, die allerdings wegen des weit größeren Fettgehaltes von 7–8, bei altmelkenden Tieren sogar 10–12 Prozent gegenüber von 3–5 Prozent der Kuhmilch doppelt so teuer als jene verkauft wird. Auch in die Moldau-Walachei und die Krim gelangte der Hausbüffel und fand dort in den wasserreichen, noch ziemlich warmen Niederungen ihm zusagende Lebensbedingungen. Trotz des heißen Klimas fehlte ihm aber in Nordafrika westlich vom Niltal das für ihn zum Baden nötige Wasser, so daß er hier nicht heimisch werden konnte. Und weil er infolgedessen nicht nach dem südlichen Spanien und nach Portugal gelangte, erreichte er auch Amerika nicht, und die Vorschläge, ihn hier einzuführen, sind bis jetzt unbeachtet geblieben.
Noch größere Bedeutung als im Westen hat er im Osten Asiens erlangt, wo er bis nach Japan und über die Philippinen hinaus gelangte und sich über ganz Indonesien ausbreitete, und zwar in der von Malaien bewohnten ost- und südasiatischen Inselwelt in einer schiefer- bis hellbläulichgrauen, sehr spärlich behaarten Zuchtrasse mit sehr langen, im Bogen nach hinten gerichteten, auf der Oberseite stark abgeflachten Hörnern. Hier überall in den heißen, sumpfigen Niederungen hat er weit größere Bedeutung als das Hausrind von Bantengabstammung erlangt und ist der getreue Gehilfe des Menschen beim Ackerbau geworden. Seine Neigung für das Sumpfleben machte ihn besonders beim Reisbau verwendbar, der in diesen Gegenden eine überaus wichtige Rolle spielt. Nur in den trockenen Gebieten, die seinem Gedeihen nicht besonders zuträglich sind, und im Nordosten von Asien tritt das gegen Kälte weniger empfindliche Rind wieder stärker auf. Im ganzen Gebiet des Reisbaues ist er in seinem ureigenen Element und zieht den primitiven Pflug durch den von dem darauf geleiteten Wasser aufgeweichten schlammigen Boden der Reisfelder. Bei den Bisayern tritt er auch den gesäten Reis in den nassen Schlamm. Seine Milch wird hier kaum je gewonnen, obwohl sie eine vorzügliche Speise bildet, die, wie in Südeuropa, auch in ganz Süd- und Westasien sehr geschätzt wird, obschon sie einen moschusartigen Geruch besitzt. Die aus ihr bereitete Butter ist weiß und schmeckt ganz rein, entbehrt aber des feinen Aromas, das eine gute Kuhbutter auszeichnet. Das Fleisch alter Büffel ist im gekochten Zustande heller als das Rindfleisch, dabei grobfaserig, hart und weniger schmackhaft als jenes. Dagegen schmeckt das Fleisch der Büffelkälber sehr gut und wird von manchen Leuten sogar dem Fleisch der Rindkälber vorgezogen. Sehr geschätzt ist das Fell, das ein vorzügliches Leder liefert.