Altägyptische Darstellungen von Stieren und Widdern aus Sakkarah, 26. Dynastie, 663–526 v. Chr.
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GRÖSSERES BILD
Tafel 24.
Steppenschaf (Ovis arkal)
(Nach Keller, Die Abstammung der ältesten Haustiere.)
Mykenische Schafe auf einer Elfenbeinschnitzerei von Menidi.
(Nach Perrot und Chippiez.)
Schon Rütimeyer hatte die Abstammung des Torfschafes vom nordafrikanischen Mähnenschaf (Ovis tragelaphus) vermutet, aber sein Material war noch zu dürftig, um diesen Beweis zu erbringen. Namentlich fehlten ihm die vermittelnden Glieder, die nun der Züricher Zoologe Prof. Konrad Keller so glücklich war, aufzufinden. Wir wissen nun, daß tatsächlich das Mähnenschaf der wichtigste Stammvater des neolithischen Torfschafes ist. Es verdient daher hier an erster Stelle besprochen zu werden. Es ist das äußerlich ziegenähnlichste Wildschaf, das über das ganze nordafrikanische Gebirge verbreitet zu sein scheint. Es ist ein stattliches Tier von oft über 90 cm Schulterhöhe und mit trefflicher Schutzfärbung den gelblichen Kalkfelsen seiner Heimatberge angepaßt. Es hält sich hier immer an der der Wüste zugewandten Seite auf. Mehrere Tage kommt es ohne Wasser aus. Da es aber schließlich gezwungen ist, von Zeit zu Zeit zur Tränke zu gehen, alle Tränken jedoch von den Beduinen mit ihren Ziegenherden in Anspruch genommen werden, hat es, um zum Ziele zu kommen, die Kunst des Versteckens in ungewöhnlichem Grade ausgebildet. Die arabischen Beduinen, die es oft genug hören, ohne es zu sehen, nennen es Arni, wir dagegen gaben ihm den Namen Mähnenschaf, weil das sonst kurze, graugelbe, bei alten Böcken dunklere, schwärzlich gesprenkelte Fell vom Kinne ab sich zu einer im männlichen Geschlecht schließlich bis zur Erde herabwallenden, im weiblichen dagegen nur schwach ausgebildeten Vorderhalsmähne entwickelt. Verlängerte Haarbüschel hängen auch an den Vorderläufen vom Ellbogen herab. Daher der französische Name mouflon à manchettes. Die meisten von uns kennen dieses Tier aus den zoologischen Gärten, in denen es sich gut halten läßt und leicht fortpflanzt! Nicht nur das geradlinige Profil, das dunkelgefärbte, verhältnismäßig hochstrebende Gehörn und der gerade ausgestreckte, flache, unterseits nackte, oben büschelförmig behaarte Schwanz geben ihm, besonders im weiblichen Geschlecht, etwas Ziegenartiges, sondern es fehlen ihm auch wie bei diesen im Gegensatz zu den übrigen Schafen Tränengruben und Tränendrüsen.
Bereits im Jahre 1561 beschrieb Cajus Britannicus das Mähnenschaf, dessen Fell ihm aus Mauretanien gebracht worden war. Erst im 19. Jahrhundert erwähnten es wieder Pennaut und später Geoffroy. Letzterer fand es in der Nähe von Kairo im Gebirge auf; andere Forscher beobachteten es am oberen Nil und in Abessinien. Am häufigsten scheint es noch im Atlas aufzutreten. Der Franzose Buvey schreibt über dieses Tier: „Das Mähnenschaf wird im südlichen Algerien von den Einheimischen im allgemeinen Arni genannt. Unzweifelhaft wird es in den höheren Teilen des Gebirges, im marokkanischen Atlas, noch häufiger sein als in Algerien, da Abgeschiedenheit vom menschlichen Verkehr, welche jenen Teil des Gebirges auszeichnet, einem Wiederkäuer nur zusagen kann.